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Zirkus Nemo - Tour 2022
www.zirkus-nemo.dk ; 106 Showfotos

Charlottenlund, 6. August 2022: Zwei Jahre lang mussten Bäcker Jorgen und Erik Bo Nielsen ihre Weisheiten für sich behalten. Abgesehen von einer großen Gala Ende 2021 hatten die Figuren von Soren Ostergaard keine Gelegenheit, sich vor Publikum in Rage zu reden. Corona stoppte auch die Tourneen des Zirkus Nemo, in dem die beiden regelmäßig ihre Bühne bekommen. Denn Ostergaard ist nicht nur Schauspieler, Comedian und Autor, sondern ebenfalls Direktor dieses „Circus für Erwachsene“.

Und natürlich haben auch wir Zuschauer diesen ganz besonderen Circus mit seiner Mischung aus Comedy und internationalen Artisten in intimer Atmosphäre vermisst. Umso schöner, die reisende Stadt in den Farben Schwarz und Rot wieder auf dem traumhaften Platz am Meer in Charlottenlund vor den Toren Kopenhagens stehen zu sehen.


Zirkus Nemo in Charlottenlund

Während die Gäste vor der Vorstellung noch ein Getränk nehmen, mischt sich der Direktor höchstpersönlich unter sie und verkauft Programmhefte. Das Heft ist wie immer professionell designed und in diesem Jahr in einem vergleichsweise kompakten Format aufgelegt. Es gibt Hintergrundinformationen und Wissenswertes zu dem, was uns in den folgenden Zweieinviertelstunden erwartet.


Tommy Kenter, Soren Ostergaard, Mario Berousek

Vom Cover des Magazins erfahren wir auch den Titel, der das dosiert umgesetzte Motto der Show bildet: „Aus dem Universum“. Und von dort kommt Gaststar Tommy Kenter, um mit seinem Raumschiff auf der mit Trockeneis gefluteten Bühne zu landen. Gemeinsam mit Soren Ostergaard sorgt er für die ersten Lacher. Von Astronauten auf dem Rücken getragen, begrüßen uns die Mitwirkenden im Opening. Die raffinierten Kostüme suggerieren zumindest genau das. Und schon steht der Direktor in neuem Kostüm im Scheinwerferlicht, um als Lesley Boye Moller aus Luftballons Tiere zu gestalten. Das mit vielen Erläuterungen und auf sehr individuelle Weise. Zwei lange Ballons werden notdürftig verknotet und fertig ist die Giraffe. Auch ein riesenhaftes Tier wird so erschaffen. Immer beliebt in den Shows des Zirkus Nemo sind Zaubereien. In diesem Jahr ist es an Tommy Kenter, den Kopf einer Dame an einen anderen Ort zu versetzen. Wenn es um rasante Jonglagen mit silbernen Keulen geht, landet man fast zwangsläufig bei Mario Berousek. Der Tscheche ist ein Meister seines Fachs und fasziniert auch das dänische Publikum im Nu. Immer schneller drehen sich seine glitzernden Requisiten. Das Auge kann kaum folgen.


Soren Ostergaard, Hector Yzquierdo, Duo Vilja

Dann bekommt jener eingangs erwähnte Bager Jorgen seine Theke aufgebaut. Mit Hilfe von Backwaren erklärt er seine Sicht der Dinge. Auch hier gilt: Selbst wenn man kein Dänisch versteht, muss man herzlich lachen. Mimik und Sprechweise sind einfach urkomisch. Die Reaktionen des übrigen Publikums reißen einen ebenfalls mit. Spätestens, wenn die Krümel fliegen, hat es einen erwischt. Das Duo Solys gehört inzwischen fast zum festen Ensemble des Zirkus Nemo. Dessen männlicher Part Hector Yzquierdo erscheint im Rock. Wenn er in den Handstand geht, fällt der Rock auf seinen Oberkörper und ein an seinem Allerwertesten platziertes Frauengesicht sorgt für witzige Effekte. Diese originelle Einlage konnten wir bereits 2019 hier erleben. Zum ersten Mal bei Nemo engagiert ist das Duo Vilja. Jenny und Sara verstehen es, ihre Körper extrem zu verbiegen. Diese Kunst zelebrieren die Schwedinnen in einer wunderschönen Choreographie, die uns mit herrlichen Bildern verwöhnt. Tommy Kenter als Clown und Soren Ostergaard als angestaubter Zauberer Kim Tim verabschieden uns in die Pause.


Professor Wacko, Soren Ostergaard, Duo Solys

Zu Beginn des zweiten Teils füllen Trampolin und Sprungturm die komplette Rundbühne. An dieser Konstruktion erleben wir einen Professor aus dem Bilderbuch, Professor Wacko. Der ältere Herr mit grauem Bart und schwarzer Brille wird von Vladimir Georgievsky verkörpert. Zunächst geht es zaghaft aufs Trampolin, dann werden die Eskapaden immer wilder. Um die Bewegungsfreiheit zu erhöhen, wird schon bald der graue Frack abgelegt. Ein schwungvoller Wiedereinstieg in die Show. Netzhemd, fettige Haare und ausgestreckte Mittelfinger sind die wichtigsten Erkennungszeichen von „Smadremanden“ Erik Bo Nielsen. In dieser Rolle sondert Soren Ostergaard wieder einen Wortschwall nach dem anderen ab. Unterstützt wird er von seiner persönlichen Assistentin Laura Kvist Poulsen, die eine weibliche Variante dieser Person gibt. Gemeinsam dirigieren sie das Publikum zudem bei einem Kanon. Danach brilliert das Duo Solys mit seiner Partner-Equilibristik. Der Clou dabei ist, dass Tatiana Yzquierdo gerne mal den tragenden Part für ihren Ehemann übernimmt. Ihr Markenzeichen, der Eiffelturm en miniature, ist ebenfalls mit dabei. Auf diesem hält sich Hector kopfüber im Gleichgewicht, während das Konstrukt auf Händen und Beinen von Tatiana ruht. Auch auf den Füßen weiß Tatiana ihren Partner im Handstand im Gleichgewicht zu halten. Eine im wahrsten Sinne des Wortes starke Darbietung.


Leosvel & Diosmani, Finale

Im Chaos endet der Versuch einer Figur von Soren Ostergaard, die sich als Hypnotiseur produziert. Erstes „Opfer“ ist Laura Kvist Poulsen. Das Experiment, sie auf eine andere Bewusstseinsebene zu befördern, endet damit, dass der hinter ihr stehende Tommy Kenter auf dem Boden liegt. Als dieser wieder auf den Beinen ist, redet er eindringlich auf Ostergaard ein. Am Ende lösen Kenter und Kvist noch das Rätsel um die beschriebene Papierrolle in einem Koffer. Wahre Könner hingegen sind Loesvel & Diosmani. Ihre Akrobatik am Pole ist einfach phänomenal. Mit Leichtigkeit erklimmen die Kubaner den Mast und arbeiten daran verschiedene vertikale Handstände. Auch auf der Spitze halten sie sich auf zwei Händen im Gleichgewicht. Faszinierend ist immer wieder der einarmige Handstand auf dem Körper des Partners, der sich im rechten Winkel vom Pole abdrückt. Der letzte längere Auftritt gehört dem Malermanden, selbstredend dargestellt von Soren Ostergaard. Mit einem Maßband in der Hand erklärt er das Weltgeschehen. Tommy Kenter spielt ein Solo am Klavier und der mit Planeten behängte Soren Ostergaard leitet – ganz getreu dem Programmtitel – zum Finale über. Während sich das Ensemble fröhlich und ausführlich verabschiedet, fliegen große Ballons durch das Chapiteau. Und natürlich spielt die famose vierköpfige Band ein letztes Mal flott auf. Das Quartett hat uns gewohnt grandios musikalisch durch den ganzen Abend begleitet. Wunderbar ebenfalls das Lichtdesign.

Mit der bewährten Mischung begeistert der Zirkus Nemo sein Publikum auch nach zwei Jahren Zwangspause. Alles ist wie immer. Ein ausverkauftes Chapiteau und frenetische Standing Ovations am Ende der Show sprechen eine klare Sprache.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch