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Und
natürlich haben auch wir Zuschauer diesen ganz besonderen Circus
mit seiner Mischung aus Comedy und internationalen Artisten in
intimer Atmosphäre vermisst. Umso schöner, die reisende Stadt in
den Farben Schwarz und Rot wieder auf dem traumhaften Platz am
Meer in Charlottenlund vor den Toren Kopenhagens stehen zu
sehen.

Zirkus
Nemo in Charlottenlund
Während
die Gäste vor der Vorstellung noch ein Getränk nehmen, mischt
sich der Direktor höchstpersönlich unter sie und verkauft
Programmhefte. Das Heft ist wie immer professionell designed und
in diesem Jahr in einem vergleichsweise kompakten Format
aufgelegt. Es gibt Hintergrundinformationen und Wissenswertes zu
dem, was uns in den folgenden Zweieinviertelstunden erwartet.
  
Tommy
Kenter, Soren Ostergaard, Mario Berousek
Vom Cover
des Magazins erfahren wir auch den Titel, der das dosiert
umgesetzte Motto der Show bildet: „Aus dem Universum“. Und von
dort kommt Gaststar Tommy Kenter, um mit seinem Raumschiff auf
der mit Trockeneis gefluteten Bühne zu landen. Gemeinsam mit
Soren Ostergaard sorgt er für die ersten Lacher. Von Astronauten
auf dem Rücken getragen, begrüßen uns die Mitwirkenden im
Opening. Die raffinierten Kostüme suggerieren zumindest genau
das. Und schon steht der Direktor in neuem Kostüm im
Scheinwerferlicht, um als Lesley Boye Moller aus Luftballons
Tiere zu gestalten. Das mit vielen Erläuterungen und auf sehr
individuelle Weise. Zwei lange Ballons werden notdürftig
verknotet und fertig ist die Giraffe. Auch ein riesenhaftes Tier
wird so erschaffen. Immer beliebt in den Shows des Zirkus Nemo
sind Zaubereien. In diesem Jahr ist es an Tommy Kenter, den Kopf
einer Dame an einen anderen Ort zu versetzen. Wenn es um rasante
Jonglagen mit silbernen Keulen geht, landet man fast
zwangsläufig bei Mario Berousek. Der Tscheche ist ein Meister
seines Fachs und fasziniert auch das dänische Publikum im Nu.
Immer schneller drehen sich seine glitzernden Requisiten. Das
Auge kann kaum folgen.
  
Soren
Ostergaard, Hector Yzquierdo, Duo Vilja
Dann
bekommt jener eingangs erwähnte Bager Jorgen seine Theke
aufgebaut. Mit Hilfe von Backwaren erklärt er seine Sicht der
Dinge. Auch hier gilt: Selbst wenn man kein Dänisch versteht,
muss man herzlich lachen. Mimik und Sprechweise sind einfach
urkomisch. Die Reaktionen des übrigen Publikums reißen einen
ebenfalls mit. Spätestens, wenn die Krümel fliegen, hat es einen
erwischt. Das Duo Solys gehört inzwischen fast zum festen
Ensemble des Zirkus Nemo. Dessen männlicher Part Hector
Yzquierdo erscheint im Rock. Wenn er in den Handstand geht,
fällt der Rock auf seinen Oberkörper und ein an seinem
Allerwertesten platziertes Frauengesicht sorgt für witzige
Effekte. Diese originelle Einlage konnten wir bereits 2019 hier
erleben. Zum ersten Mal bei Nemo engagiert ist das Duo Vilja.
Jenny und Sara verstehen es, ihre Körper extrem zu verbiegen.
Diese Kunst zelebrieren die Schwedinnen in einer wunderschönen
Choreographie, die uns mit herrlichen Bildern verwöhnt. Tommy
Kenter als Clown und Soren Ostergaard als angestaubter Zauberer
Kim Tim verabschieden uns in die Pause.
  
Professor Wacko, Soren Ostergaard, Duo Solys
Zu Beginn
des zweiten Teils füllen Trampolin und Sprungturm die komplette
Rundbühne. An dieser Konstruktion erleben wir einen Professor
aus dem Bilderbuch, Professor Wacko. Der ältere Herr mit grauem
Bart und schwarzer Brille wird von Vladimir Georgievsky
verkörpert. Zunächst geht es zaghaft aufs Trampolin, dann werden
die Eskapaden immer wilder. Um die Bewegungsfreiheit zu erhöhen,
wird schon bald der graue Frack abgelegt. Ein schwungvoller
Wiedereinstieg in die Show. Netzhemd, fettige Haare und
ausgestreckte Mittelfinger sind die wichtigsten
Erkennungszeichen von „Smadremanden“ Erik Bo Nielsen. In dieser
Rolle sondert Soren Ostergaard wieder einen Wortschwall nach dem
anderen ab. Unterstützt wird er von seiner persönlichen
Assistentin Laura Kvist Poulsen, die eine weibliche Variante
dieser Person gibt. Gemeinsam dirigieren sie das Publikum zudem
bei einem Kanon. Danach brilliert das Duo Solys mit seiner
Partner-Equilibristik. Der Clou dabei ist, dass Tatiana
Yzquierdo gerne mal den tragenden Part für ihren Ehemann
übernimmt. Ihr Markenzeichen, der Eiffelturm en miniature, ist
ebenfalls mit dabei. Auf diesem hält sich Hector kopfüber im
Gleichgewicht, während das Konstrukt auf Händen und Beinen von
Tatiana ruht. Auch auf den Füßen weiß Tatiana ihren Partner im
Handstand im Gleichgewicht zu halten. Eine im wahrsten Sinne des
Wortes starke Darbietung.
 
Leosvel
& Diosmani, Finale
Im Chaos
endet der Versuch einer Figur von Soren Ostergaard, die sich als
Hypnotiseur produziert. Erstes „Opfer“ ist Laura Kvist Poulsen.
Das Experiment, sie auf eine andere Bewusstseinsebene zu
befördern, endet damit, dass der hinter ihr stehende Tommy Kenter
auf dem Boden liegt. Als dieser wieder auf den Beinen ist, redet
er eindringlich auf Ostergaard ein. Am Ende lösen Kenter und
Kvist noch das Rätsel um die beschriebene Papierrolle in einem
Koffer. Wahre Könner hingegen sind Loesvel & Diosmani. Ihre
Akrobatik am Pole ist einfach phänomenal. Mit Leichtigkeit
erklimmen die Kubaner den Mast und arbeiten daran verschiedene
vertikale Handstände. Auch auf der Spitze halten sie sich auf
zwei Händen im Gleichgewicht. Faszinierend ist immer wieder der
einarmige Handstand auf dem Körper des Partners, der sich im
rechten Winkel vom Pole abdrückt. Der letzte längere Auftritt
gehört dem Malermanden, selbstredend dargestellt von Soren
Ostergaard. Mit einem Maßband in der Hand erklärt er das
Weltgeschehen. Tommy Kenter spielt ein Solo am Klavier und der
mit Planeten behängte Soren Ostergaard leitet – ganz getreu dem
Programmtitel – zum Finale über. Während sich das Ensemble
fröhlich und ausführlich verabschiedet, fliegen große Ballons
durch das Chapiteau. Und natürlich spielt die famose vierköpfige
Band ein letztes Mal flott auf. Das Quartett hat uns gewohnt
grandios musikalisch durch den ganzen Abend begleitet. Wunderbar
ebenfalls das Lichtdesign. |