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Circus Louis Knie - Tour 2023
www.louisknie.com ; 153 Showfotos

Wien, 6. Oktober 2023: Auch in Österreich steht der Name Knie für qualitätvolle Circusunterhaltung – und dies im Herbst 2023 gleich doppelt, denn der Circus Louis Knie schickt erstmals zwei Einheiten auf Tour. Ab 1. September gibt die „blaue Einheit“ mehrere Gastspiele in kleineren Städten. Hier sind unter anderem „Los Ortiz“ mit der Siebener-Pyramide auf dem Hochseil sowie Tiernummern mit Rudi Althoff zu erleben. Für diese Produktion werden die Zeltanlagen des tschechischen Circus Sultan Berousek genutzt. Das Hauptgeschäft dagegen, die „rote Einheit“, lässt sich für drei Monate in Wien nieder.

Nachdem 2021/22 ein ganzes Jahr lang auf einem Platz an der Donaumarina in der Hauptstadt gespielt wurde, hat sich der Circus Louis Knie 2023 im Stadtteil Neumarx an der Marxhalle niedergelassen. Das Gelände wurde zuvor unter anderem durch den Cirque du Soleil genutzt. Äußerst einladend wirken der Vorplatz hinter der bunten Circusfront wie auch das aufwendig dekorierte Vorzelt. So lässt sich die Gastronomie im Freien wie auch unter dem Zeltdach genießen. Im weißen Chapiteau erwartet uns die bekannt schöne Atmosphäre mit Polsterstühlen in den Logen und Klappsitztribüne. Atmosphäre schaffen auch das aufwendige Lichtdesign sowie die musikalische Begleitung. Dabei akzentuieren Tino Aeby an Trompete, Gitarre und Percussion und ein Schlagzeuger die ansonsten vom Band eingespielte Musik und geben ihr einen Live-Charakter. Hervorzuheben sind – neben bekannten Louis-Knie-Mitarbeitern wie Alfred und Gerta Toth oder Manfred Huber – noch Jolanda Hofmann und Patrick Schneider, die für einen sehr professionellen Auftritt in den sozialen Medien sorgen.


Dolly Power Dancers, dekorativer Eingang ins Hauptzelt, Robert Stipka jun.

Nach der Ouvertüre heizt zunächst Clown Jimmy Folco im pinken Frack die Stimmung mit einem Klatschspiel an. Dann sorgen die vier Damen der „Dolly Power Dancers“ für ein schwungvolles Opening, bei dem sich Tanz und Artistik verbinden. Wir erleben Tuchakrobatik, Jonglagen mit Scheiben und Keulen sowie als „Special Guests“ vier Jungs, die sich zur Pyramide formieren. Stil und Aufmachung erinnern an die Truppe Bingo. Dass Esel gar nicht störrisch sein müssen, sondern sich vielmehr sehr gelehrig zeigen können, beweisen uns die sechs Tiere, die von Robert Stipka jun. vorgeführt werden. Er leitet sie durch typische Figuren einer Freiheitsdressur, wie wir sie mit Pferden kennen, beispielsweise den Gegenlauf. Jimmy Folco duelliert sich im Anschluss mit einem Kind aus dem Publikum beim amüsanten Wasserspucken.


Liudmyla Ryhzkova, Jimmy Folco, Vioris Zoppis

Nachdem Ludmilla Luraschi Valla mit ihren Antipodenspielen vorzeitig aus dem Programm ausgeschieden ist, wurde ihr Auftritt durch die Tuchakrobatik von Liudmyla Ryhzkova ersetzt. Im strahlenden Gegenlicht beweist sie Kraft und Beweglichkeit; zudem schafft die junge, hübsche Frau mit den langen, gelockten Haaren und ihrem mit glitzernden Pailletten besetzten Kostüm einfach schöne Bilder. Gleich doppelt geht es nun ums nasse Element: Zunächst ficht Jimmy Folco seinen amüsanten Kampf gegen den Haifisch im Planschbecken aus. Dann beeindruckt der jugendliche Vioris Zoppis mit Boden- und Handstandakrobatik im flachen Wasser, das durch einen wenige Zentimeter hohen Ring am Boden am Wegfließen gehindert wird. Diese erhöht zum einen den Schwierigkeitsgrad der gezeigten Übungen; zum anderen schaffen die sprühenden Tropfen auch sinnliche Momente.


Louis Knie jun. und Nicole Berousek

Den großen Pferdeblock vor der Pause leitet Nicole Berousek ein. Zwischen zwei Tänzerinnen erleben wir sie als elegante Reiterin. Dann gehört die Manege dem Direktor – Louis Knie jun. stellt sechs braune Pferde in einer Freiheitsdressur vor, dirigiert sie elegant und mit leichter Hand durch anspruchsvolle Lauffiguren. Im Rückwärtsgang gehen die Tiere durch die Manege und nehmen rundherum Aufstellung, um sich dann auf den Tierlehrer in der Mitte zuzubewegen. Ein schönes Bild. Ungewöhnlich auch, wie drei Pferde nebeneinander im Rückwärtsgang die Manege verlassen, während ihnen die drei anderen vorwärts folgen – und mittendrin Louis Knie jun. Mit einem Potpourri an temperamentvollen Steigern findet die Nummer ihren idealen Abschluss.


Flying Henriquez

Nach einer kompakten ersten Hälfte geht es in die Pause; der zweite Programmteil ist dann deutlich länger. Er beginnt mit den „Flying Henriquez“ am Flugtrapez. Truppenchef Patricio Alexis Henriquez Rojas ist uns als hervorragender Flieger bei den „Wulbers“ in bester Erinnerung. Nach der Auflösung dieser Truppe hat er nun seine eigene Formation gegründet. Eine Dame und zwei weitere Herren gehören außer ihm dazu. Das Repertoire ist wirklich stark und umfasst beispielsweise auch einen Rückwärtssalto mit Pirouette sowie einen gestreckten Doppelsalto mit Pirouette. Dreifacher, Passage und Sturz aus der Kuppel dürfen natürlich nicht fehlen. Jimmy Folco und Louis Knie jun. überbrücken den Abbau des großen Requisits mit einem munteren Dialog im Zuschauereingang. Dabei wird das Publikum animiert, „Bella Ciao“ mitzusingen, denn „die Leute in Vienna können alle Italienisch“.


Nicole Berousek, BMX Riders

Rasant geht es weiter mit der Hundedressur, die Nicole Berousek zu fröhlicher Musik in die Manege bringt. Die sechs Vierbeiner wirken sehr gelehrig, egal ob bei diversen Sprüngen oder der Pyramide zum Abschluss. Jugendlichkeit und Modernität bringen die beiden „BMX Riders“ aus der Ukraine in die Show. Auf ihren Rädern strampeln sie eine Art Schanze hinauf und landen nach diversen Sprüngen – bis hin zum Salto auf dem Rad – auf einer schrägen Rampe, die wieder zum Manegenboden hinunterführt. Links und rechts der Konstruktion befinden sich zwei Postamente, zwischen denen mit den Rädern hin- und hergesprungen wird. Auch legt sich einer der beiden oben aufs Requisit, während der andere mit dem Rad über ihn hin- und herspringt, dicht an seinem Körper vorbei. Auch auf einem schmalen Brett, das oberhalb der Rampe angebracht ist, wird wagemutig gelandet. Nach so viel Adrenalin ist Heiterkeit und Entspannung angesagt, wenn Jimmy Folco mit drei Herren und einer Dame aus dem Publikum – letztere dargestellt von seiner Ehefrau – einen Film dreht und dabei die Lacher auf seiner Seite hat. Die Qualität seiner Mitspieler erscheint dem Clown dabei so indiskutabel, dass er sich, nur zum Schein natürlich, „die Kugel gibt“. In ihrer temporeichen Hula Hoop-Nummer lässt Nicole Berousek weniger die Reifen um Körper, Arme und Beine rotieren, sondern zeigt vor allem einen wild-dynamischen Tanz, in dem sie auch mit den Reifen jongliert.


The White Angels, Vioris Zoppis

Nochmal einen ganz starken Auftritt hat Vioris Zoppis bei seinen Strapaten-Flügen. Spagat in allen Variationen ist seine Spezialität. Beeindruckend, wie er im Seitspagat den Oberkörper nach vorne neigt und sich wieder aufrichtet. Temperamentvoll seine Abfaller und Überschläge. Für ein ganz großes Bild zum Abschluss sorgen „The White Angels“. Die jungen Artisten aus der Ukraine begeistern auf dem Fasttrack-Trampolin mit Salti und Flic Flacs am laufenden Band, unter anderem durch einen Feuerreifen, und werden dabei von den Dolly Power Dancers mit Engelsflügeln wirkungsvoll unterstützt. Ihr Auftritt geht direkt ins große Finale über, in dem Louis Knie jun. das Publikum nach einem wunderbaren Nachmittag verabschiedet. Das ist großer Circus zwischen Klassik und Moderne, voller Tempo und Dynamik, mit schwungvoller Musik und aufwendigem Licht in edlem Ambiente.

Zwar reist das Unternehmen aktuell mit zwei Einheiten, doch geradezu außergewöhnlich für heutige Zeiten wird kein eigener Weihnachtscircus produziert. Dafür wird ein Teil des Ensembles beim kommenden Main-Tauber Weihnachtscircus in Bad Mergentheim zu bewundern sein, wo Louis Knie jun. auch Regie führen soll. In gleicher Funktion wird er beim Bonner Weihnachtscircus geführt. Dort wird der gebürtige Schweizer zudem seine Pferde vorführen, während des Orchester unter der Leitung von Tino Aeby steht.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll