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Paula Busch, die den Circus
jahrzehntelang in zweiter Generation führte, fusionierte ihren
„Circus Busch – Berlin“ im Jahr 1963 mit dem „Circus Roland –
Bremen“ des ehemaligen Journalisten Will Aureden. Der
Doppelcircus Busch-Roland war geboren. Dieser wurde 1970 von dem
früheren Hauptgeschäftsführer Heinz Geier-Busch übernommen, der
ihn bis zu seinem Tod 1994 leitete. Auch unter seiner Direktion
galt das Unternehmen als eines der größten und erfolgreichsten
Circusse in Deutschland. Nach dem Tod seines Vaters übernahm
Oliver Geier-Busch den Circus und legte die Verantwortung 2004
in die Hände seines Sohnes Filip Geier-Busch.

Zeltanlagen des neuen
Circus Busch-Roland
Ohne den russischen Angriffskrieg
gegen die Ukraine wäre es wohl nie zu dieser Neuauflage
gekommen. Doch nachdem die Familie von Nando Frank mit seinen
drei Söhnen Gino, Sandro und Mano jahrelang erfolgreich als
„Moskauer Circus“ gereist war, hat sich dies laut Gino Frank „ab
drei Wochen nach Kriegsausbruch“ massiv verändert. Die
Besucherzahlen seien eingebrochen, Gastspielplätze nicht mehr zu
bekommen gewesen, Plakate zerstört worden. Der nur scheinbare
Zusammenhang mit dem „russischen Staatscircus“, von dem der
Moskauer Circus lange profitierte, wurde ihm zum Verhängnis.
Kurze Zeit versuchte es die Familie mit dem Namen „Circus Diana
Busch“, doch ohne Erfolg. Ein Circusfreund brachte die Franks
auf die Idee, es mit dem Namen „Circus Busch-Roland“ zu
versuchen. Man nahm Kontakt zu Filip Geier-Busch auf und vereinbarte
im September 2023 eine Zusammenarbeit. Seitdem liefen die
Vorbereitungen. „Wir besprechen alle Themen und entscheiden dann
gemeinsam“, berichtet Gino Frank. In Heidenheim wurde ein
schmuckes, rot-weißes Viermast-Chapiteau mit passendem Vorzelt
aufgebaut. Im Inneren sorgen Polsterstühle in den Logen sowie
eine Schalensitz-Tribüne für Komfort. Um den Circus der Familie
Frank auf Busch-Roland zu „branden“ wurden beispielsweise zwei
große Schriftzüge angefertigt – einer für den Artisteneingang,
einer fürs Chapiteau – und acht Planen-Auflieger sowie zwei
Werbebusse mit der bekannten Wort-Bild-Marke versehen.
  
Oleksandr Mak-Frank, Mano
Frank, David Arriola Mark
Das Programm beginnt mit einer
professionell aufgenommen Ansage aus dem Off, die auf das 140.
Gründungsjahr des Circus Busch-Roland hinweist. Freilich wäre
eine Begrüßung durch einen Vertreter der Direktion in der Manege
persönlicher. „The Show must go on“ liefert die sinnfällige
musikalische Begleitung, vier Damen mit Federboa-Kostümen sorgen
für einen Hauch von Glamour und bilden ein Spalier für Gino
Franks Stiefsohn Oleksandr Mak-Frank. Seine Strapatennummer
gehörte auch im Moskauer Circus zu den Konstanten im Programm.
Im weißen Kostüm zelebriert der junge Mann kraftvolle Posen und
gewagte Abfaller, wickelt sich betont langsam auf und ab. Dazu
interagiert er offensiv mit dem Publikum, lässt seinen Charme
spielen. Mano Frank ist als Clown ins Programm
involviert. Bei seiner Golfball-Reprise verwendet er einen
Klarsicht-Beutel: So wird noch deutlicher, dass der geworfene
und gefangene Ball tatsächlich imaginär ist. Im zweiten Teil der
Szene fängt ein Zuschauer scheinbar einen zugespielten
Golfball mit dem Mund. An seiner Kehrseite taucht der Ball
wieder auf. Eine äußerst vielseitige Darbietung bringt der
Spanier David Arriola Mark in die Manege. Zunächst geht es die
sechs Stufen zu seinem Podium hoch, wobei er bereits dabei mit
drei Keulen jongliert und diese immer wieder zwischen den Beinen
fängt. Oben angekommen folgen auch Tricks auf der Rola Rola,
unter anderem die Jonglage mit vier Keulen. Dabei steht er in
Längs- anstatt der üblichen Querrichtung auf dem Brett. Es
folgen Bouncingjonglagen mit fünf Bällen, zum einen in
Kombination mit Rola-Balancen auf einem Basketball, zum anderen
die Treppe des Requisits wieder hinunter. Spektakulär der
Schlusstrick, wieder auf dem Podium: Auf einem großen, breiten
Rad stapelt er ein Brett und drei Bänke zu einer noch nicht
gesehenen Variante der Rola-Disziplin und jongliert obendrauf
mit drei Keulen.
  
Edi Laforte.
Familie Frank und Salvi Tonito, Marisa Tonito
Fünf Jungen und Männer aus der
Familie Frank sowie Salvi Tonito haben ihre Variante der „Alten
Kameraden“ einstudiert. In bekannter Weise wird bei dieser
„Sportstunde“ der nostalgischen Art letztendlich ein Zuschauer
gefoppt, der vermeintlich in einer Schleuderbrettnummer
mitwirken soll. Die einzige Tiernummer im Programm zeigt Edi
Laforte mit seinen Hunden. Dabei gefallen nicht nur der
Trickreichtum, den die quirligen Vierbeiner an den Tag legen,
sondern auch die liebevoll gestalteten Requisiten mit einem
bunten Circuswagen und dazu passenden Postamenten. Außer
Sprüngen in allen Variationen gibt es auch Fahrten im
Spielzeugauto und auf dem Roller eine Rampe hinunter zu
bestaunen. Bereits im Moskauer Circus gehörten die
Antipodenspiele von Marisa Tonito und ihrer Tochter Madison als
Duo Madison jahrelang zu den stärksten Nummern der Show.
Gleiches gilt nun im Circus Busch-Roland. Dabei werden von
Marisa Tonito fünf große Bälle mit den Füßen jongliert und von
Madison Tonito vier Teppiche kreisen gelassen. Zudem bugsiert
sie einen Ball über fünf Plattformen an einer Metallstange in
den Korb am oberen Ende. Die Stange ist an ihren Füßen
befestigt. Effektvoll ist Marisas Jonglage mit einer Stange mit
brennenden Enden. Gemeinsame Sache machen Mutter und Tochter beim
Schlusstrick. Madison steht im Schulterstand auf den Füßen von
Marisa Tonito. So lassen beide gemeinsam fünf Teppiche auf
Händen und Füßen fliegen.
  
Oleksandr Mak-Frank,
Motorradkugel, Clown aus dem Trio Arriola
Selten geworden sind
Clown-Entrees in klassischer Dreierbesetzung. Umso mehr Freude
macht das Trio Arriola mit David Arriola Mark als strengem
Weißclown, einem weiblichen und einem männlichen August. Der
freundlich-sympathische ältere Herr möchte beim Circus
mitmachen, am Trapez oder als Dompteur, doch das werde nicht
gebraucht, lässt ihn der Weißclown wissen. Daraufhin werden
Kostproben im Singen und Tanzen angeboten. Statt einem
„richtigen spanischen Ballett“ erschöpfen sich die
Tanz-Variationen in Wiener Walzer und Marsch. Amüsant ist das
Treiben allemal. Am Ende wird traditionell gemeinsam musiziert.
Motorradkugeln finden immer Anklang beim Publikum, und das gilt
auch für die Variante bei Busch-Roland mit lediglich zwei
Fahrern. Freilich wirkt es doch recht spektakulär, wenn beide
Fahrer im abgedunkelten Zelt auf sich kreuzenden Bahnen und mit
den LED-beleuchteten Maschinen durch die Kugel rasen. Auch in
Hälfte zwei steuert Oleksandr Mak-Frank die erste Darbietung
bei, nunmehr mit Handstandakrobatik. Zunächst arbeitet er
stilvoll im blauen Anzug und mit Hut, dann legt er Sakko, Weste
und Kopfbedeckung ab und präsentiert – wie schon an den
Strapaten – den freien Oberkörper. Im letzten Teil seiner Nummer
drückt er seine Handstände auf einer hohen Stange. Der
sympathische Künstler wirkt jederzeit voll motiviert und mit dem
Herzen bei der Sache.
  
David Arriola
Mark, Magicshow, Johnny Navas
Gleiches gilt für David Arriola
Mark bei seinem Tellerdrehen. Am Ende lässt er acht Teller auf
langen Stangen rotieren und schafft es zudem, sechs Teelöffel
gleichzeitig in die entsprechende Zahl Becher zu befördern. Mit
einer Jonglage großer Ringe beschließt er die Darbietung. Eine
wirklich attraktive Groß-Illusionsshow haben die Tonitos
zusammengestellt. Der besondere Reiz liegt hier darin, dass
überraschend immer mehr Assistentinnen erscheinen, alle in
einheitlichen roten Outfits. So wird Madison Tonito dem Anschein
nach von spitzen, brennenden Speeren in einer Kiste
durchbohrt, entsteigt dieser aber unversehrt – gefolgt von drei
weiteren Damen. Als Illusionistin agiert Marisa Tonito, die
letztendlich vor den Augen ihrer sechs Assistentinnen und
natürlich des gesamten Publikums aus einer schwebenden Box
entschwindet. Für einen wirkungsvollen Abschluss der Show sorgt
Johnny Navas auf dem Todesrad. Die Klassiker Blindlauf,
Seilspringen und Sprünge bilden den Kern des Repertoires. Sobald
aktuelle Visums-Schwierigkeiten überwunden sind, soll die
Todesrad-Nummer als Duo-Variante präsentiert werden. |