CHPITEAU.DE

Circus Busch-Roland - Tour 2024
www.buschroland.de ; 110 Showfotos

Heidenheim, 10. März 2024: Ein großer Circusname ist zurück – seit dem Saisonstart am 6. März in Heidenheim reist in Deutschland wieder ein Circus Busch-Roland, das erste Mal seit 15 Jahren. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Familie Nando Frank, die bisher als „Moskauer Circus“ firmierte, und von Filip Geier-Busch, dem letzten Direktor des Circus Busch-Roland. Geier-Busch stellte 2009 den Reisebetrieb des Unternehmens ein und übergab wenig später den Dresdner Weihnachtscircus an den Schausteller Mario Müller-Milano, blieb dem Unternehmen aber noch lange als technischer Leiter erhalten. Der Circus Busch-Roland geht auf den 1884 von Paul Busch gegründeten Circus Busch zurück, so dass in diesem Jahr – der langen Unterbrechung zum Trotz – auch eine „140 Jahre währende Tradition“ gefeiert wird.

Paula Busch, die den Circus jahrzehntelang in zweiter Generation führte, fusionierte ihren „Circus Busch – Berlin“ im Jahr 1963 mit dem „Circus Roland – Bremen“ des ehemaligen Journalisten Will Aureden. Der Doppelcircus Busch-Roland war geboren. Dieser wurde 1970 von dem früheren Hauptgeschäftsführer Heinz Geier-Busch übernommen, der ihn bis zu seinem Tod 1994 leitete. Auch unter seiner Direktion galt das Unternehmen als eines der größten und erfolgreichsten Circusse in Deutschland. Nach dem Tod seines Vaters übernahm Oliver Geier-Busch den Circus und legte die Verantwortung 2004 in die Hände seines Sohnes Filip Geier-Busch.


Zeltanlagen des neuen Circus Busch-Roland

Ohne den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine wäre es wohl nie zu dieser Neuauflage gekommen. Doch nachdem die Familie von Nando Frank mit seinen drei Söhnen Gino, Sandro und Mano jahrelang erfolgreich als „Moskauer Circus“ gereist war, hat sich dies laut Gino Frank „ab drei Wochen nach Kriegsausbruch“ massiv verändert. Die Besucherzahlen seien eingebrochen, Gastspielplätze nicht mehr zu bekommen gewesen, Plakate zerstört worden. Der nur scheinbare Zusammenhang mit dem „russischen Staatscircus“, von dem der Moskauer Circus lange profitierte, wurde ihm zum Verhängnis. Kurze Zeit versuchte es die Familie mit dem Namen „Circus Diana Busch“, doch ohne Erfolg. Ein Circusfreund brachte die Franks auf die Idee, es mit dem Namen „Circus Busch-Roland“ zu versuchen. Man nahm Kontakt zu Filip Geier-Busch auf und vereinbarte im September 2023 eine Zusammenarbeit. Seitdem liefen die Vorbereitungen. „Wir besprechen alle Themen und entscheiden dann gemeinsam“, berichtet Gino Frank. In Heidenheim wurde ein schmuckes, rot-weißes Viermast-Chapiteau mit passendem Vorzelt aufgebaut. Im Inneren sorgen Polsterstühle in den Logen sowie eine Schalensitz-Tribüne für Komfort. Um den Circus der Familie Frank auf Busch-Roland zu „branden“ wurden beispielsweise zwei große Schriftzüge angefertigt – einer für den Artisteneingang, einer fürs Chapiteau – und acht Planen-Auflieger sowie zwei Werbebusse mit der bekannten Wort-Bild-Marke versehen.


Oleksandr Mak-Frank, Mano Frank, David Arriola Mark

Das Programm beginnt mit einer professionell aufgenommen Ansage aus dem Off, die auf das 140. Gründungsjahr des Circus Busch-Roland hinweist. Freilich wäre eine Begrüßung durch einen Vertreter der Direktion in der Manege persönlicher. „The Show must go on“ liefert die sinnfällige musikalische Begleitung, vier Damen mit Federboa-Kostümen sorgen für einen Hauch von Glamour und bilden ein Spalier für Gino Franks Stiefsohn Oleksandr Mak-Frank. Seine Strapatennummer gehörte auch im Moskauer Circus zu den Konstanten im Programm. Im weißen Kostüm zelebriert der junge Mann kraftvolle Posen und gewagte Abfaller, wickelt sich betont langsam auf und ab. Dazu interagiert er offensiv mit dem Publikum, lässt seinen Charme spielen. Mano Frank ist als Clown ins Programm involviert. Bei seiner Golfball-Reprise verwendet er einen Klarsicht-Beutel: So wird noch deutlicher, dass der geworfene und gefangene Ball tatsächlich imaginär ist. Im zweiten Teil der Szene fängt ein Zuschauer scheinbar einen zugespielten Golfball mit dem Mund. An seiner Kehrseite taucht der Ball wieder auf. Eine äußerst vielseitige Darbietung bringt der Spanier David Arriola Mark in die Manege. Zunächst geht es die sechs Stufen zu seinem Podium hoch, wobei er bereits dabei mit drei Keulen jongliert und diese immer wieder zwischen den Beinen fängt. Oben angekommen folgen auch Tricks auf der Rola Rola, unter anderem die Jonglage mit vier Keulen. Dabei steht er in Längs- anstatt der üblichen Querrichtung auf dem Brett. Es folgen Bouncingjonglagen mit fünf Bällen, zum einen in Kombination mit Rola-Balancen auf einem Basketball, zum anderen die Treppe des Requisits wieder hinunter. Spektakulär der Schlusstrick, wieder auf dem Podium: Auf einem großen, breiten Rad stapelt er ein Brett und drei Bänke zu einer noch nicht gesehenen Variante der Rola-Disziplin und jongliert obendrauf mit drei Keulen.


Edi Laforte. Familie Frank und Salvi Tonito, Marisa Tonito

Fünf Jungen und Männer aus der Familie Frank sowie Salvi Tonito haben ihre Variante der „Alten Kameraden“ einstudiert. In bekannter Weise wird bei dieser „Sportstunde“ der nostalgischen Art letztendlich ein Zuschauer gefoppt, der vermeintlich in einer Schleuderbrettnummer mitwirken soll. Die einzige Tiernummer im Programm zeigt Edi Laforte mit seinen Hunden. Dabei gefallen nicht nur der Trickreichtum, den die quirligen Vierbeiner an den Tag legen, sondern auch die liebevoll gestalteten Requisiten mit einem bunten Circuswagen und dazu passenden Postamenten. Außer Sprüngen in allen Variationen gibt es auch Fahrten im Spielzeugauto und auf dem Roller eine Rampe hinunter zu bestaunen. Bereits im Moskauer Circus gehörten die Antipodenspiele von Marisa Tonito und ihrer Tochter Madison als Duo Madison jahrelang zu den stärksten Nummern der Show. Gleiches gilt nun im Circus Busch-Roland. Dabei werden von Marisa Tonito fünf große Bälle mit den Füßen jongliert und von Madison Tonito vier Teppiche kreisen gelassen. Zudem bugsiert sie einen Ball über fünf Plattformen an einer Metallstange in den Korb am oberen Ende. Die Stange ist an ihren Füßen befestigt. Effektvoll ist Marisas Jonglage mit einer Stange mit brennenden Enden. Gemeinsame Sache machen Mutter und Tochter beim Schlusstrick. Madison steht im Schulterstand auf den Füßen von Marisa Tonito. So lassen beide gemeinsam fünf Teppiche auf Händen und Füßen fliegen.


Oleksandr Mak-Frank, Motorradkugel, Clown aus dem Trio Arriola

Selten geworden sind Clown-Entrees in klassischer Dreierbesetzung. Umso mehr Freude macht das Trio Arriola mit David Arriola Mark als strengem Weißclown, einem weiblichen und einem männlichen August. Der freundlich-sympathische ältere Herr möchte beim Circus mitmachen, am Trapez oder als Dompteur, doch das werde nicht gebraucht, lässt ihn der Weißclown wissen. Daraufhin werden Kostproben im Singen und Tanzen angeboten. Statt einem „richtigen spanischen Ballett“ erschöpfen sich die Tanz-Variationen in Wiener Walzer und Marsch. Amüsant ist das Treiben allemal. Am Ende wird traditionell gemeinsam musiziert. Motorradkugeln finden immer Anklang beim Publikum, und das gilt auch für die Variante bei Busch-Roland mit lediglich zwei Fahrern. Freilich wirkt es doch recht spektakulär, wenn beide Fahrer im abgedunkelten Zelt auf sich kreuzenden Bahnen und mit den LED-beleuchteten Maschinen durch die Kugel rasen. Auch in Hälfte zwei steuert Oleksandr Mak-Frank die erste Darbietung bei, nunmehr mit Handstandakrobatik. Zunächst arbeitet er stilvoll im blauen Anzug und mit Hut, dann legt er Sakko, Weste und Kopfbedeckung ab und präsentiert – wie schon an den Strapaten – den freien Oberkörper. Im letzten Teil seiner Nummer drückt er seine Handstände auf einer hohen Stange. Der sympathische Künstler wirkt jederzeit voll motiviert und mit dem Herzen bei der Sache.


David Arriola Mark, Magicshow, Johnny Navas

Gleiches gilt für David Arriola Mark bei seinem Tellerdrehen. Am Ende lässt er acht Teller auf langen Stangen rotieren und schafft es zudem, sechs Teelöffel gleichzeitig in die entsprechende Zahl Becher zu befördern. Mit einer Jonglage großer Ringe beschließt er die Darbietung. Eine wirklich attraktive Groß-Illusionsshow haben die Tonitos zusammengestellt. Der besondere Reiz liegt hier darin, dass überraschend immer mehr Assistentinnen erscheinen, alle in einheitlichen roten Outfits. So wird Madison Tonito dem Anschein nach von spitzen, brennenden Speeren in einer Kiste durchbohrt, entsteigt dieser aber unversehrt – gefolgt von drei weiteren Damen. Als Illusionistin agiert Marisa Tonito, die letztendlich vor den Augen ihrer sechs Assistentinnen und natürlich des gesamten Publikums aus einer schwebenden Box entschwindet. Für einen wirkungsvollen Abschluss der Show sorgt Johnny Navas auf dem Todesrad. Die Klassiker Blindlauf, Seilspringen und Sprünge bilden den Kern des Repertoires. Sobald aktuelle Visums-Schwierigkeiten überwunden sind, soll die Todesrad-Nummer als Duo-Variante präsentiert werden.

Der 90er Dance-Hit „Sing Halleluja“ liefert die mitreißende Begleitmusik fürs Finale, in dem sich noch einmal alle Artisten vorstellen und den großen Schlussapplaus entgegennehmen. Die Abschiedsworte kommen leider wiederum vom Band. Bleibt zu hoffen, dass der Familie Frank und Filip Geier-Busch der Neustart gelingt und der traditionsreiche Circusname Busch-Roland dauerhaft in die Welt der Manegenunterhaltung zurückkehrt.

________________________________________________________________________
Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll