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Der seit 2013 reisende Zirkus
des Horrors der Familie von Joachim und Rosemarie Sperlich ist
in der Tat nichts für zartbesaitete Gemüter. Auch hier wird in
einem Chapiteau gespielt, gibt es Artistik und Clownerie; aber
das waren dann schon die wesentlichen Gemeinsamkeiten mit einem
familientauglichen Circus. Das Ambiente und die Inszenierung
richten sich an eine Zielgruppe, die den Horror liebt, einen
hohen Gruselfaktor schätzt. Der zugehörige Aufwand ist
beachtlich. Der Raum für die Gastronomie ist schauerlich-schön
dekoriert, die ersten Reihen im Zuschauerraum heißen hier
Gruften statt Logen. Und die Show selbst bietet spektakuläre
Effekte, einzigartige Kostüme sowie eine durchgehende Story als
roten Faden.

Szene aus dem Finale
In dieser Rahmenhandlung, „Infernum
- Das Höllenfeuer“ lautet ihr Titel, geht es um die Jagd nach
einem Amulett, das aus jeweils einem Teil der neun Höllenkreise
gearbeitet wurde. Wer es besitzt und eine reine Seele opfert,
dem winkt die Herrschaft über das Reich Gottes. So jedenfalls
besagt es die Legende. Den beiden Dämonen, die das Amulett
gearbeitet haben, entgleitet es und es gelangt in die Hände des
Engels Eloa. Dadurch kommt sie in Berührung mit dem Bösen und
stürzt in die Hölle. Um eine Flucht zu verhindern, werden ihr
die Flügel abgerissen. Trotzdem versucht sie immer wieder zu
entkommen, wodurch sich eine wilde Jagd durch die Höllenkreise
entspinnt. Die beiden Dämonen sind hinter ihr her. Am Ende wird
Eloa geschnappt und der Teufel erhält das Amulett.
  
Engel Eloa, Teufel Sonny
Quaiser mit Ballett, The Gents
Die Eröffnung gehört dem Engel im
strahlend weißen Kleid mit weiten Stoffbahnen, das Amulett
zunächst in den Händen und kurz darauf um den Hals. Das lässt
Bewegungsfreiheit für die folgende Akrobatik an Tüchern. Die ist
an diesem Nachmittag leider schnell beendet, denn die Artistin
fällt aus mittlerer Höhe auf die Bühne. Die Vorstellung wird
unterbrochen, die Verletzte medizinisch versorgt. Als der
Rettungsdienst sie ins Krankenhaus bringt, winkt sie schon
wieder ins Publikum. Ihre Rolle übernimmt kurzerhand eine
Kollegin. Damit können die Dämonen, verkörpert von Giovanni
Biasini und Johnny Cognetti, wieder auf die Jagd nach dem
Amulett gehen. Dabei sind die beiden meist leicht vertrottelt
und sorgen somit für komische Momente. Wahrlich
furchteinflößend ist hingegen der riesig erscheinende Teufel,
der uns von seinem Thron grüßt. Sonny Quaiser übernimmt diesen
Part. Sein Hofstaat besteht aus mehreren Frauen, die zu seinen
Füßen sitzen und dann auf der Bühne tanzen. Am Ende rund um eine
Plattform in der Mitte, mit der der Teufel heraufgefahren wird.
Schleuderbrettakrobatik im Trio ist die Disziplin der Gents.
Zwei kräftige Gestalten katapultieren den Flieger im zerrissenen
Hemd immer wieder in die Höhe, um ihn nach variantenreichen
Sprüngen sicher aufzufangen. Am Ende legen sie ihn gar in
Ketten. Nichtsdestotrotz erleben wir eine sehenswerte Darbietung
mit spannenden Tricks. Beim ebenfalls von der Familie Sperlich
produzierten Karlsruher Weihnachtscircus 2022/23 durften wir uns
davon überzeugen, wie sympathisch die drei Herren der Gents auch
daherkommen können.
  
Kurt Späth, Michael
Betrian, Gino Kaselowsky
Mit dem Auftritt von Kurt Späth
werden die Nerven des Publikums dann maximal strapaziert. Was
der tätowierte Aktionskünstler zeigt, muss man schon mögen,
sofern das überhaupt irgendwie möglich ist. Erst steckt er sich
die Kanülen von Spritzen durch die Gesichtshaut, dann schlägt er
sich einen langen Nagel in die Nase. Das runde Ende eines
Kleiderbügels aus Metall steckt er sich durch die Zunge, an der
langen Seite befestigt er eine Kette, um daran einen Zuschauer
auf einem Gestell mit Rollen über die Bühne zu ziehen. Zwei
Gäste aus dem Publikum schiebt er auf einem anderen Wagen,
diesmal mit der spitzen Seite eines Speers am Hals.
Schlussendlich schneidet sich Kurt Späth mit einem Messer in den
Unterarm. Entspannen dürfen wir dann wieder beim Auftritt von
Michael Betrian. 2012 gewann der Niederländer beim European
Youth Circus in der jüngeren Kategorie Gold. Inzwischen hat der
Diaboloartist verschiedene Aufmachungen für seine Performances
entwickelt. Eine davon passt perfekt in diesen mystischen
Rahmen. So erleben wir rasante Jonglagen mit immer mehr Diabolos.
Schon mit einem dieser Requisiten zeigt Michael Betrian
faszinierende Tricks. Voller Energie lässt er die Doppelspulen
auf immer neuen Bahnen durch die Luft fliegen und über die
Schnur tanzen. Dabei ist er immer versiert im Kontakt mit dem
Publikum. Ein Pärchen daraus bittet Richter Gino Kaselowsky zur
Gerichtsverhandlung. Die Sitzung unter Leitung des Clowns
verläuft witzig bis schlüpfrig. Am Ende wird der junge Herr
verurteilt und mit der Guillotine hingerichtet.
  
Viktoria Yudina, Maik und
Siegfried Sperlich, René Sperlich
Viel Erotik ist im Spiel, wenn
Viktoria Yudina auf der leicht nach oben gefahrenen Plattform in
der Bühnenmitte ihre Performance am Pole arbeitet. Nebel wabert,
während die Artistin im knappen schwarzen Kostüm Tanz und
Akrobatik vereint. Anspruchsvolle Haltefiguren sind in den
fließenden Bewegungsablauf integriert, es entsteht ein
harmonisches Ganzes. Hoch hinaus geht es mit Maik und Siegfried
Sperlich. Die Cousins präsentieren waghalsige Akrobatik auf dem
Todesrad. In zerfetzten Jeans und Karohemden jagen sie über das
sich schnell drehende Rad. Abgefahrene Sprünge und der Blindlauf
gehören zu ihrem Repertoire. Bevor es in die Pause geht, erleben
wir die beiden Dämonen auf der Jagd und beim Posieren mit einem
abgetrennten Kopf. Der zweite Teil wird von Maiks Bruder René
eröffnet. Mit Unterstützung der Tänzerinnen stapelt er immer
mehr gläserne Stühle übereinander, die auf vier Sektflasche
ruhen. Auf dem jeweils obersten zelebriert er Handstände in
verschiedenen Varianten. Nur noch drei Flaschen stehen unter dem
letzten Stuhl, wenn er auf dessen Rückenlehne einen Einarmer
zeigt. Dämonen-Darsteller Johnny Cognetti hat am Roue Cyr seinen
Soloauftritt als Artist. In weiten Schwüngen geht es über die
Bühne. Mal mit allen vier Gliedmaßen am großen Reifen, mal nur
mit den Händen. Nachdem Gino Kaselowsky vor der Pause noch den
gnadenlosen Richter gegeben hat, ist er jetzt als Engel der
Liebe unterwegs. Mit Unterstützung der Dämonen sowie Pfeil und
Bogen schießt der Clown verschiedenen Zuschauern attraktive
junge Damen. Nur der letzte Schuss erreicht ein anderes Ziel als
vorgesehen.
 
Skating Rebels, Feuershow
Als die Skating Rebels 2021/22 im
Karlsruher Weihnachtscircus zu sehen waren, waren sie perfekt
frisiert und trugen blütenweise Kostüme. Nun erleben wir Gergö
Török nicht nur mit neuer Partnerin, sondern auch in zerrissenen
Jeans sowie mit zerzauster Frisur. In rasantem Tempo fegen die
beiden über eine runde Plattform und begeistern mit einem
umfangreichen Repertoire. Einige riskante Tricks inklusive, die
das Duo souverän meistert. So etwa Fahrten, bei denen Gergö sein
Pendant nur an einem Bein festhält. Die Story geht ihrem Ende
entgegen, Engel Eloa ist gefangen und wird dem Teufel
vorgeführt. Ausführlich wird das im Programmtitel versprochene
Höllenfeuer zelebriert. Dunkle Typen fahren auf schweren
Motorrädern herein. Es wird Feuer gespuckt und mit Feuerschnüren
jongliert. Auf dem Bühnenboden lodern Flammen und ein Akteur
dreht ein Feuerrad. Direkt im Anschluss verneigen sich alle
Akteure vor dem Teufel und verabschieden sich im Finale vom
Publikum.
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