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Cirkus Arena - Tour 2025
www.arena.dk ; 116 Showfotos

Charlottenlund, 10. August 2025: Seit 2009 geht es für uns jeden August nach Kopenhagen, um die großen dänischen Circusunternehmen zu besuchen, die dann rund um die Hauptstadt gastieren. Viele Jahre sahen wir an einem Wochenende die grandiosen Shows von Arena, Benneweis, Dannebrog und Nemo. Von diesen berühmten Namen übriggeblieben ist einzig der Cirkus Arena. Seine Produktionen haben wir in jeder Saison besucht. So auch das Programm 2025, mit dem der Circus der Familie Berdino sein 70-jähriges Jubiläum feiert.

Und das wird mit einer Feier des „echten Circus“ begangen, wie es der Slogan von Arena „Det er rigtig cirkus“ verspricht. Hier wird tatsächlich noch der klassische Circus gepflegt. Mit den Elementen Akrobatik, Clownerie und Tierdressuren. Präsentiert wird die Show wiederum von Sängerin Malene Qvist und TV-Moderator Bubber. Einen enormen Beitrag zur Gesamtwirkung leistet die sechsköpfige Band unter der Leitung von Filip Czank. Die Musiker spielen einfach grandios, der Sound wird bestens übertragen. Von technischer Seite spannend ist die Lichtsteuerung. Die beweglichen Spots werden quasi durch die Akteure in der Manege selbst gelenkt. Alle Mitwirkenden tragen Sender. Dies in das Kostüm integriert oder am Handgelenk. Daran richten sich die Scheinwerfer aus. Sogar die Mitspieler aus dem Publikum bei der Clownsnummer werden mit Armbändern ausgestattet.


Cirkus Arena in Charlottenlund

Von außen ist alles wie gehabt. Gespielt wird in einem großen roten Viermaster mit gelben Ornamenten. Der Wagenpark ist ebenfalls in diesen Farben gehalten. Wir besuchen den Cirkus Arena im Strandpark von Charlottenlund vor den Toren Kopenhagens. Der Platz liegt direkt am Meer. Besser geht es kaum, vielleicht einer der schönsten Circusplätze der Welt. Trotz herrlichem Wetter strömen die Zuschauer und füllen die Plätze des Gradins bestens, nachdem sie sich in der Restauration gestärkt haben. Diese besteht aus drei Verkaufswagen, die vor dem Chapiteau aufgebaut sind. Dazu gibt es einen Stand für Souvenirs.


Vanessa Berousek, Malene Qvist und Bubber

Eröffnet wird das Programm mit Großillusionen. Diese präsentiert eigentlich Christofer Eötvös. Da dieser gerade im zu Arena gehörenden Circus-Land auftritt, übernimmt Vanessa Berousek. Gemeinsam mit ihren Magic Girls in fantasievollen Kostümen zeigt sie zwei aufwendig angelegte Tricks, die geheimnisvoll präsentiert werden. In einem mit Rauch gefüllten, durchsichtigen Quader soll Bubber erscheinen, was an diesem Nachmittag allerdings nicht funktioniert. So kommt er einfach durch den Vorhang gelaufen, während Malene Qvist singend die neue Showtreppe vom Orchesterpodium heruntersteigt. Gemeinsam mit den Mitwirkenden der Zaubershow begrüßen sie uns. Das Duo ist unser Begleiter durch die Vorstellung. Ihre amüsanten Plaudereien haben die richtige Länge, ihre Präsenz ist überzeugend. Wenngleich ich kein Wort Dänisch spreche, kommt keine Sekunde Langeweile auf. Das heimische Publikum freut sich sowieso, seine Lieblinge aus dem Fernsehen live zu erleben. Und beim wunderbaren Gesang von Malene Qvist sind wir ohnehin alle mit Begeisterung dabei.


Steven Ferreri, Jimmy Folco, Duo Costache

Volle Energie, wenn Steven Ferreri seine ersten Schritte auf dem Drahtseil macht. Der jugendliche Artist strahlt von Anfang an viel Dynamik aus. Er springt unter anderem Seil und über ein mit Messern versehenes Hindernis. Höhepunkte seiner Nummer sind aber der Rückwärts- und der Vorwärtssalto. Dann stattet uns Jimmy Folco seinen ersten Besuch ab. Der Clown ist noch in anderen Funktionen bei Arena tätig und schon seit vielen Jahren dabei. Im Urlaubslook kommt er mit dänischer Flagge in der Hand über das Gradin herein. Doch mit dem Empfang durch das Publikum ist er zunächst gar nicht zufrieden, wie er Bubber mitteilt. Das muss verbessert werden. So wiederholt er den Auftritt immer wieder, bis er mit Standing Ovations und Jubelschreien begrüßt wird. Ebenfalls schon seit einigen Saisons mit unterschiedlichen Darbietungen im Unternehmen der Familie Berdino engagiert ist das Duo Costache. 2025 erleben wir Vita und Leo einmal mehr mit ihrer starken Perche-Akrobatik. Kaum ein Act dieses Genres ist so vielfältig. So wird etwa die Stirnperche mit dem Erklimmen zweier Leitern verbunden und während Leo seine Partnerin auf den Schultern trägt, macht Vita oben auf einem Fahrrad Überschläge. Man merkt den beiden an, dass sie mit viel Leidenschaft bei der Sache sind.


Karsten Berdino, William Tournoud, Los Ortiz

Im edlen Frack führt Karsten Berdino einen Sechserzug Friesen vor. Das aus Deutschland stammende Mitglied der Direktionsfamilie dirigiert die Pferde vom schwedischen Cirkus Olympia souverän bei verschiedenen Lauffiguren. Als da capo gibt es einen Steiger. Malene Qvist begleitet die Vorführung mit ihrem Gesang. Rola-Rola-Balancen auf einer Plattform über der Manege sind eine circensische Rarität. William Tournoud beherrscht diese Kunst. Der Untergrund, auf dem der Franzose seine Gleichgewichtsübungen vollführt, ist eine besonders große Schaukel mit durchsichtigem Boden, die an zwei Schnüren in die Luft gezogen wird. Für seinen Schlusstrick stapelt er sechs Walzen übereinander, um auf dem darüber liegenden Brett zu stehen. Auch auf einem Ball hält sich der hochgewachsene junge Artist im Gleichgewicht. Mit Peitschenspielen sorgen Cowgirl Claudia und Indianer Jimmy Folco für Heiterkeit. Dabei wird die Seite einer Zeitung immer wieder zerteilt. Das liegt weniger an Claudias Zielsicherheit als vielmehr an Jimmys Fähigkeiten, Papier zu zerreißen. Nach Umarmungen durch Malene Qvist und Bubber wagen sich zwei Mitglieder der Los Ortiz ins Todesrad. Darauf zeigen die Hasardeure gewagte Tricks, während sich ihr Requisit immer schneller dreht. Für einige Runden bewegen sich sogar beide Artisten gleichzeitig auf den Außenseiten der Kessel. Zudem erleben wir hohe Sprünge und den Lauf mit verbundenen Augen. Mit diesem Nervenkitzel geht es in die Pause.


David Hammarberg, Michael Ferreri, Gabriel Dell'Acqua

Zu Beginn des zweiten Teils kommt David Hammarberg auf einem Kamel hereingeritten. Von dort geht es für den schwedischen Akrobaten an das Schwungseil. Hoch über den Köpfen der Zuschauer schaukelt er weit hin und her, zeigt artistische Posen und hält die Gäste mit Abfallern in Atem. Am Boden erwarten ihn nunmehr drei Trampeltiere. Nachdem sie unter Anleitung von Karsten Berdino einige Runden gelaufen sind, legen sie sich nebeneinander ab. Streicheleinheiten der beiden menschlichen Manegenpartner belohnen sie für ihre Arbeit. Mit Michael Ferreri erleben wir einen Weltklasse-Jongleur, der sich auf Bälle als Requisiten beschränkt. Zunächst arbeitet er mit wenigen von ihnen abgefahrene Touren, dann schickt er immer mehr davon durch die Luft. Den letzte Ball, der aus der Kuppel herunterfällt, kickt er dezent beiseite. Doch Bubber sieht das und fordert ihn auf, diesen gemeinsam mit den bislang verwendeten zu jonglieren. Das Kunststück gelingt und wird vom Publikum mit riesigem Applaus belohnt. Hier steht eben ein wahrer Showman mit Personality im Scheinwerferlicht. An einen Filmset geht es mit Jimmy Folco. Die Schauspieler holt er aus dem Zuschauerraum, die Regie übernimmt der Clown höchstselbst. Bei der am Ende tragischen Liebesgeschichte gibt es natürlich etliche Pannen. Beim European Youth Circus 2022 sorgte Gabriel Dell'Acqua für Furore. Der damals erst 13-jährige Italiener überzeugte mit seiner Equilibristik die Jury und holte sich in der jüngeren Altersgruppe Gold. Auch bei Arena sorgt er mit seinen variantenreichen Handständen für Begeisterung. Dank seines fortgeschrittenen Alters wirken die Tricks nicht mehr so extrem wie noch in Wiesbaden. Zudem verkauft sie der Teenager mit einem gewinnenden Lächeln.


Los Ortiz

Vor der Schlussnummer sorgen Caudio und Jimmy Folco noch einmal für Auflockerung. Auf dem Gradin treiben sie ihre Späße mit Luftballons. Am Ende steht Claudia ziemlich begossen da. Währenddessen wird in der Manege ein Luftkissen ausgelegt und dafür gesorgt, dass das Hochseil straff gespannt ist. Somit ist alles bereit für die wagemutige Akrobatik von Los Ortiz. Eine Dame und sechs Herren balancieren gekonnt über das Seil. Da wird über gleich drei auf dem Draht kauernde Kollegen gesprungen, da trägt ein Artist einen anderen auf den Schulter, da wird Seil gesprungen, um nur drei der Stunts zu nennen. Das alles serviert mit südamerikanischem Temperament. Den Abschluss bildet die Pyramide mit sieben Personen. Auf diese Höchstleistung folgt das große Finale. Alle Mitwirkenden verabschieden sich ausführlich. Das Publik spendet langanhaltende Standing Ovations. Am Ende stellen sich die aktuell gerne bemühten Glücksgefühle ein. Welch ein Ensemble, welch eine geniale Livemusik, welch eine Show! So schön kann Circus sein.

Der Cirkus Arena gehört zu den letzten Vertretern des klassischen Großcircus - nicht nur in Dänemark, sondern in ganz Europa. Hier gibt es Manegenkunst mit Tieren, Akrobaten und Clowns auf Sägemehl sowie unter dem Dach eines Vier-Masten-Chapiteaus. Insbesondere dank einer flotten, ansprechenden Präsentation wird daraus eine zeitgemäße Form der Unterhaltung. Der Familie Berdino die herzlichsten Glückwünsche zum 70. Geburtstag ihres Unternehmens. Mögen noch unzählige Jahre folgen!

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Text und Fotos: Stefan Gierisch