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Doch
soweit brauchen wir noch gar nicht zu blicken, denn über die
aktuelle Show lohnt es sich ausführlich zu berichten. Gespielt
wird wiederum auf einer erhöhten Rundbühne vor einem
attraktiven, beleuchteten Artisteneingang mit dem Schriftzug des
Unternehmens. Darauf sitzt der Schlagzeuger, der die Musik aus
der Konserve wirkungsvoll unterstützt. 480 Zuschauer haben auf
den sechs Reihen des Gradins mit Schalensitzen und den beiden
Stuhlreihen in der Loge Platz. An diesem Nachmittag sind sie
bestens besetzt.

Cirkus
Baldoni in Greve
Schon von
außen macht der Circus einen wunderbaren Eindruck, lädt zum
Besuch ein. In Greve ist der rot-blau gestreifte Zweimaster
neben einem kleinen Einkaufszentrum aufgebaut. Dieses befindet
wiederum sich direkt an einer S-Bahn-Station. Von dort sind es
nach Kopenhagen gut 20 Minuten. Der gepflegte Fuhrpark ist
ebenfalls in den Hausfarben gehalten. In der Front fällt der
Kassenwagen auf, der in modernem Design mit Motiven aus der
aktuellen Show versehen ist.

Mickey
Juel Prüssing
Die
abgebildeten Artisten erleben wir sodann alle leibhaftig in der
Vorstellung, welche rund zwei Stunden dauert, die Pause
mitgerechnet. Eröffnet wird sie mit einer Flaggenparade aller
Mitwirkenden. Zum Finale geht es an die Copacabana. Zwei
aufblasbare Palmen und Musik sowie der Tanz mit dem gesamten
Ensemble entführen uns an den Traumstrand von Rio de Janeiro.
Immer mit dabei ist Mickey Juel Prüssing. Der hochgewachsene
junge Däne im edlen roten Frack ist der Monsieur Loyal der Show.
Sympathisch begrüßt er uns und stellt die einzelnen Acts vor.
Doch nicht nur das. Der Entertainer singt und tanzt ebenfalls.
Zudem ist er der Counterpart für Clown José Michel. Sogar als
Bauchredner ist Mickey Juel Prüssing zu erleben. Mit einem
Plüschlöwen liefert er sich witzige Dialoge. So etwa vor der
Pause, wenn es um Popcorn geht.

Lénárd
und Daniella Metos
Ansonsten
wird das Programm komplett von Paaren bestritten. Manche treten
gemeinsam auf, bei anderen hat jeder sein Solo. Bei der ersten
Nummer von Lénárd und Daniella Metos ist er der Hauptakteur, sie
die Assistentin. Mit rasanten Touren auf einem Einrad eröffnen
sie den Nachmittag. Als „Spielplatz“ dienen ihnen zwei hohe
Podeste. Eines hat eine Treppe, zwischen beiden befindet sich
ein Trampolin. Locker nimmt Lénárd diesen Parcours, fährt die
Stufen hinauf, hüpft von einer Plattform zur anderen und springt
auf einer davon Seil. Daniella legt sich auf den Boden, während
ihr Partner einen Satz über sie macht. Im Zwei-Personen-Hoch
fahren sie gemeinsam auf dem Einrad. Feurig geht diese rasante
Darbietung zu Ende. Spektakulär wird es ebenfalls, wenn Lénárd
und Daniella Metos direkt nach der Pause an einer in der Mitte
drehbar aufgehängten Leiter arbeiten. Es ist, wenn man so will,
eine Art Todesrad ohne Körbe. Das Requisit nimmt ordentlich
Geschwindigkeit auf, die Tricks sind sicher nicht ungefährlich.
Gemeinsam und zu zweit drehen sie daran schwungvolle Runden,
klettern dabei die Sprossen entlang. In Ruhe auf den beiden
inneren Sprossen stehend balanciert, Lénárd Daniella auf den
Schultern.

Diana
Boiachin und Nandor Varadi
Schon von
meinem letztjährigen Besuch kenne ich Diana Boiachin und Nandor
Varadi. Im ungarischen Stil gehalten sind seine Jonglagen, bei
denen sie ihm immer wieder neue Requisiten überreicht. Dies mit
heiter-witziger Note. Getanzt wird dabei ebenfalls. Nandor
jongliert versiert mit Keulen, Bällen und Ringen. Zum Schluss
lässt er fünf brennende Fackeln durch die Luft fliegen. Diana
Boiachin war im vergangenen Jahr am Luftring zu erleben, jetzt
zieht sie mit ihrer Kür an den Tüchern die Blicke des Publikums
Richtung Kuppel. Schöne anzusehende Haltefiguren und gewagte
Abfaller fügt sie zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Dank
des von Mickey Juel Prüssing gesungenen „Love lifts us up where
we belong“ wird daraus eine traumhafte Liebesgeschichte, in der
eine Rose eine wichtige Rolle spielt.
 
Marine
Durand Rech, Alfio Macaggi
Marine
Durand Rech bezaubert mit einer klassischen Arbeit auf dem
Drahtseil. Mit einem Schirm als Balancierhilfe tanzt sie
luftig-leicht über den gespannten Draht. Dank ihrer gewinnenden
Ausstrahlung erreicht sie die Gäste im Chapiteau spielend. Auch
auf einem Stuhl sitzend und im Spagat hält sie sich gekonnt im
Gleichgewicht. Nach einem Wechsel der Schuhe verwöhnt uns die
Französin gar mit einem Lauf auf den Zehenspitzen. Dafür, dass
das Seil die richtige Spannung hat, sorgt ihr Partner Alfio
Macaggi. Ihn haben wir erstmalig 2015 beim Circus Royal in der
Schweiz gesehen. Mit seinen Bouncing-Jonglagen liefert er auch
bei Baldoni einen starken Programmpunkt. Dies im spanischen Stil
mit viel Energie und Temperament. Mit Bällen zum Boden
jonglierend nimmt er die Treppen zu seiner Plattform. Oben
angekommen fasziniert er mit weiteren rasanten Touren. Als Da
Capo jongliert der sympathische Artist aus Madrid mit Hüten.
Dafür nutzt er die ganze Bühne.
 
Quincy
Azzario, Rubel Medini
Quincy
Azzario ist eine vielfach ausgezeichnete Akrobatin. 2012 gewann
sie gemeinsam mit ihrer Schwester Katie einen Silbernen Clown in
Monte Carlo. Ein paar Tage nach meinem Besuch wird ihr der
Dänische Circuspreis für die „Beste Darbietung“ überreicht.
Viele weitere Trophäen hat sie in ihrer bisherigen Karriere
eingeheimst. Auch wenn man sie bei Baldoni erlebt, weiß man,
warum all diese Ehrungen höchst verdient sind. Bei Quincy werden
artistische Höchstleistungen mit einer unglaublichen Personality
präsentiert. Das macht ihre Equilibristikkür einzigartig,
unverwechselbar. Gekrönt wird sie mit dem Klötzchentrick. Ihr
Partner ist Rubel Medini. Mit seinen Balancen auf der Rola Rola
gehört ihm die Schlussnummer. Diese verkauft er äußerst flott
und sehr charmant. Mit seinen Tricks hat der Italiener schon
einige Weltrekorde aufgestellt. Gekonnt hält er sich auf einem
Ball genauso wie auf mehreren Walzen im Gleichgewicht. Auf einer
Rolle und einem Brett stapelt er sechs Bänkchen, um auf dem
immer höher werdenden Gebilde zu balancieren. Gereicht werden
ihm die Requisiten von Quincy.
 
José
Michel Clowns
Deren
Eltern sind ebenfalls im Programm. Gemeinsam mit Mickey Juel
Prüssing spielt José Michel seine ganz eigene Version von „Das
Spielen ist hier verboten“. Die zugehörige Musik kommt via
Kopfhörer. Mit dem Clown als Indianer bitten die beiden einen
Zuschauer ans Messerbrett. Da diesem die Augen verbunden werden,
bekommt er nicht mit, dass José nicht ganz so versiert im Umgang
mit den Messern ist, wie es zunächst scheint. Die Paradenummer
von José Michel und Gattin Giulia aber ist das Wasserentree.
Bereits 2024 haben sie dieses beim Cirkus Baldoni gespielt. Die
Geschichte um „Essen und Trinken gratis“ ist immer wieder ein
Garant für allergrößten Spaß unter dem Chapiteau. Auch beim
x-ten Zuschauen kann ich über diese Clownsnummer noch herzlich
lachen. Was sicher zu einem großen Teil am umwerfenden Spiel von
José liegt. Seine Frau gibt den gestrengen Weißclown, Mickey
Juel Prüssing ist ebenfalls dabei. Nur der unvergessene zweite
August Kike wird schmerzlich vermisst. Vor und nach der
Wasserschlacht spielen Giulia und José Michel herrliche Musik.
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