CHPITEAU.DE

Cirkus Baldoni - Tour 2025
www.baldoni.dk ; 100 Showfotos

Greve, 9. August 2025: Dass der Cirkus Baldoni in dieser Saison ein besonders starkes Programm haben soll, hörte ich irgendwo während der vergangenen Weihnachtscircus-Saison. 2024 hatte ich das Unternehmen von Camilla und René Baldoni zum ersten Mal gesehen und war bereits damals positiv überrascht worden. Ein sympathischer Circus, der im Zweimast-Chapiteau ein ansprechend zusammengestellt und in Szene gesetztes Programm zeigte. Und so ist es auch in diesem Jahr, eben inklusive einer Steigerung. Eine weitere könnte es 2026 geben, denn dann wird das 25-jährige Jubiläum gefeiert.

Doch soweit brauchen wir noch gar nicht zu blicken, denn über die aktuelle Show lohnt es sich ausführlich zu berichten. Gespielt wird wiederum auf einer erhöhten Rundbühne vor einem attraktiven, beleuchteten Artisteneingang mit dem Schriftzug des Unternehmens. Darauf sitzt der Schlagzeuger, der die Musik aus der Konserve wirkungsvoll unterstützt. 480 Zuschauer haben auf den sechs Reihen des Gradins mit Schalensitzen und den beiden Stuhlreihen in der Loge Platz. An diesem Nachmittag sind sie bestens besetzt.


Cirkus Baldoni in Greve

Schon von außen macht der Circus einen wunderbaren Eindruck, lädt zum Besuch ein. In Greve ist der rot-blau gestreifte Zweimaster neben einem kleinen Einkaufszentrum aufgebaut. Dieses befindet wiederum sich direkt an einer S-Bahn-Station. Von dort sind es nach Kopenhagen gut 20 Minuten. Der gepflegte Fuhrpark ist ebenfalls in den Hausfarben gehalten. In der Front fällt der Kassenwagen auf, der in modernem Design mit Motiven aus der aktuellen Show versehen ist.


Mickey Juel Prüssing

Die abgebildeten Artisten erleben wir sodann alle leibhaftig in der Vorstellung, welche rund zwei Stunden dauert, die Pause mitgerechnet. Eröffnet wird sie mit einer Flaggenparade aller Mitwirkenden. Zum Finale geht es an die Copacabana. Zwei aufblasbare Palmen und Musik sowie der Tanz mit dem gesamten Ensemble entführen uns an den Traumstrand von Rio de Janeiro. Immer mit dabei ist Mickey Juel Prüssing. Der hochgewachsene junge Däne im edlen roten Frack ist der Monsieur Loyal der Show. Sympathisch begrüßt er uns und stellt die einzelnen Acts vor. Doch nicht nur das. Der Entertainer singt und tanzt ebenfalls. Zudem ist er der Counterpart für Clown José Michel. Sogar als Bauchredner ist Mickey Juel Prüssing zu erleben. Mit einem Plüschlöwen liefert er sich witzige Dialoge. So etwa vor der Pause, wenn es um Popcorn geht.


Lénárd und Daniella Metos

Ansonsten wird das Programm komplett von Paaren bestritten. Manche treten gemeinsam auf, bei anderen hat jeder sein Solo. Bei der ersten Nummer von Lénárd und Daniella Metos ist er der Hauptakteur, sie die Assistentin. Mit rasanten Touren auf einem Einrad eröffnen sie den Nachmittag. Als „Spielplatz“ dienen ihnen zwei hohe Podeste. Eines hat eine Treppe, zwischen beiden befindet sich ein Trampolin. Locker nimmt Lénárd diesen Parcours, fährt die Stufen hinauf, hüpft von einer Plattform zur anderen und springt auf einer davon Seil. Daniella legt sich auf den Boden, während ihr Partner einen Satz über sie macht. Im Zwei-Personen-Hoch fahren sie gemeinsam auf dem Einrad. Feurig geht diese rasante Darbietung zu Ende. Spektakulär wird es ebenfalls, wenn Lénárd und Daniella Metos direkt nach der Pause an einer in der Mitte drehbar aufgehängten Leiter arbeiten. Es ist, wenn man so will, eine Art Todesrad ohne Körbe. Das Requisit nimmt ordentlich Geschwindigkeit auf, die Tricks sind sicher nicht ungefährlich. Gemeinsam und zu zweit drehen sie daran schwungvolle Runden, klettern dabei die Sprossen entlang. In Ruhe auf den beiden inneren Sprossen stehend balanciert, Lénárd Daniella auf den Schultern.


Diana Boiachin und Nandor Varadi

Schon von meinem letztjährigen Besuch kenne ich Diana Boiachin und Nandor Varadi. Im ungarischen Stil gehalten sind seine Jonglagen, bei denen sie ihm immer wieder neue Requisiten überreicht. Dies mit heiter-witziger Note. Getanzt wird dabei ebenfalls. Nandor jongliert versiert mit Keulen, Bällen und Ringen. Zum Schluss lässt er fünf brennende Fackeln durch die Luft fliegen. Diana Boiachin war im vergangenen Jahr am Luftring zu erleben, jetzt zieht sie mit ihrer Kür an den Tüchern die Blicke des Publikums Richtung Kuppel. Schöne anzusehende Haltefiguren und gewagte Abfaller fügt sie zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Dank des von Mickey Juel Prüssing gesungenen „Love lifts us up where we belong“ wird daraus eine traumhafte Liebesgeschichte, in der eine Rose eine wichtige Rolle spielt.


Marine Durand Rech, Alfio Macaggi

Marine Durand Rech bezaubert mit einer klassischen Arbeit auf dem Drahtseil. Mit einem Schirm als Balancierhilfe tanzt sie luftig-leicht über den gespannten Draht. Dank ihrer gewinnenden Ausstrahlung erreicht sie die Gäste im Chapiteau spielend. Auch auf einem Stuhl sitzend und im Spagat hält sie sich gekonnt im Gleichgewicht. Nach einem Wechsel der Schuhe verwöhnt uns die Französin gar mit einem Lauf auf den Zehenspitzen. Dafür, dass das Seil die richtige Spannung hat, sorgt ihr Partner Alfio Macaggi. Ihn haben wir erstmalig 2015 beim Circus Royal in der Schweiz gesehen. Mit seinen Bouncing-Jonglagen liefert er auch bei Baldoni einen starken Programmpunkt. Dies im spanischen Stil mit viel Energie und Temperament. Mit Bällen zum Boden jonglierend nimmt er die Treppen zu seiner Plattform. Oben angekommen fasziniert er mit weiteren rasanten Touren. Als Da Capo jongliert der sympathische Artist aus Madrid mit Hüten. Dafür nutzt er die ganze Bühne.


Quincy Azzario, Rubel Medini

Quincy Azzario ist eine vielfach ausgezeichnete Akrobatin. 2012 gewann sie gemeinsam mit ihrer Schwester Katie einen Silbernen Clown in Monte Carlo. Ein paar Tage nach meinem Besuch wird ihr der Dänische Circuspreis für die „Beste Darbietung“ überreicht. Viele weitere Trophäen hat sie in ihrer bisherigen Karriere eingeheimst. Auch wenn man sie bei Baldoni erlebt, weiß man, warum all diese Ehrungen höchst verdient sind. Bei Quincy werden artistische Höchstleistungen mit einer unglaublichen Personality präsentiert. Das macht ihre Equilibristikkür einzigartig, unverwechselbar. Gekrönt wird sie mit dem Klötzchentrick. Ihr Partner ist Rubel Medini. Mit seinen Balancen auf der Rola Rola gehört ihm die Schlussnummer. Diese verkauft er äußerst flott und sehr charmant. Mit seinen Tricks hat der Italiener schon einige Weltrekorde aufgestellt. Gekonnt hält er sich auf einem Ball genauso wie auf mehreren Walzen im Gleichgewicht. Auf einer Rolle und einem Brett stapelt er sechs Bänkchen, um auf dem immer höher werdenden Gebilde zu balancieren. Gereicht werden ihm die Requisiten von Quincy.


José Michel Clowns

Deren Eltern sind ebenfalls im Programm. Gemeinsam mit Mickey Juel Prüssing spielt José Michel seine ganz eigene Version von „Das Spielen ist hier verboten“. Die zugehörige Musik kommt via Kopfhörer. Mit dem Clown als Indianer bitten die beiden einen Zuschauer ans Messerbrett. Da diesem die Augen verbunden werden, bekommt er nicht mit, dass José nicht ganz so versiert im Umgang mit den Messern ist, wie es zunächst scheint. Die Paradenummer von José Michel und Gattin Giulia aber ist das Wasserentree. Bereits 2024 haben sie dieses beim Cirkus Baldoni gespielt. Die Geschichte um „Essen und Trinken gratis“ ist immer wieder ein Garant für allergrößten Spaß unter dem Chapiteau. Auch beim x-ten Zuschauen kann ich über diese Clownsnummer noch herzlich lachen. Was sicher zu einem großen Teil am umwerfenden Spiel von José liegt. Seine Frau gibt den gestrengen Weißclown, Mickey Juel Prüssing ist ebenfalls dabei. Nur der unvergessene zweite August Kike wird schmerzlich vermisst. Vor und nach der Wasserschlacht spielen Giulia und José Michel herrliche Musik.

Der Besuch im Cirkus Baldoni hat sich auch 2025 wieder mehr als gelohnt. Hier gibt es internationalen Circus im fast schon intimen Rahmen. Ausgesuchte Artisten werden in einer liebevoll inszenierten Show präsentiert. Die Direktion ist mit viel Herzblut bei der Sache und ruht sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Neben dem Tourneegeschäft gibt es etwa einen Weihnachtscircus, Hallengastspiele auf den Faröer-Inseln und Mitmachcircus-Projekte für Kinder. Darüber informiert das professionell gemachte Programmheft. Seien wir also gespannt, mit was uns Camilla und René Baldoni zum nächstjährigen Jubiläum überraschen.

________________________________________________________________________
Text und Fotos: Stefan Gierisch