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Circusbau Budapest - Splash 2025
www.fnc.hu ; 192 Showfotos

Budapest, 15. August 2025: Zu einem großen Erfolg entwickelt haben sich offensichtlich die Wasser-Shows zur Sommerzeit im Fövarosi Nagycirkusz, dem Hauptstädtischen Circus von Budapest. Zum vierten Mal nach 2016, 2018 und 2022 kommt in dem Circusbau die gleiche wunderbare Wassermanege zum Einsatz. „Splash“ ist das Motto der mit vielen Ideen sehr schön in Szene gesetzten Vorstellung. Dabei geht es um eine große Badeanstalt, in der verschiedene Wassersportarten trainiert werden. Dies geschieht nicht im Hier und Jetzt. Stattdessen reisen wir gemeinsam in die 1920er Jahre.

Der hohe Artisteneingang mit dem darin integrierten Orchesterpodium wie auch die Wandflächen links und rechts davon zeigen die Fassade des Bades. Auf der kreisrunden Bühne werden wir zunächst Zeuge einer lebhaften Strandparty.


Opening mit Ballett, Wacko und Co

Das hauseigene Ballett tanzt hier im Swing-Rhythmus, die acht Damen in schönen Kleidern mit floralen Motiven, die drei Herren mit beigen Hosen und karierten Pullovern. Alles atmet das Flair der 20er Jahre. Sonnenschirme, Liegestühle und Paddel dienen als Requisiten. Auch die beiden Clowns Nikolai Komovalov und Anvar Sattarov von der russischen Truppe Zakhvata sowie die Sängerin mischen sich unter das bunte Volk. Bereits aufgebaut ist das große Trampolin im Zentrum des Geschehens. Es weckt Assoziationen an einen Swimming Pool. Die vier jungen Russen von „Wacko und Co“ nutzen es in origineller Weise, denn zwei Trinkas links und rechts des Requisits, mit starken Untermännern besetzt, verbinden das Genre mit Elementen der ikarischen Spiele. Die beiden Flieger werden mit den Füßen in die Luft gewirbelt und nach Zwischenstationen auf dem Trampolin ebenfalls mit den Füßen wieder gefangen. Als wäre das noch nicht genug, kommt die Verbindung mit einem dritten Genre dazu, dem Russischen Barren. Die beiden Untermänner auf den Trinkas befestigen an ihren Füßen zwei schmale Glasfieberstangen, die den beiden Kollegen als Ausgangspunkt für weitere Sprünge, Salti und Pirouetten dienen. Eine wunderbare Nummer, originell und stark zugleich, Silber-preisgekrönt in Girona. Man wünscht dem Quartett eine große, internationale Karriere.


Valentino Togni Bouglione, „Synchronschwimm“-Bild, Alte Circusschule der Ukraine

Zwischen den verschiedenen Darbietungen wird im Verlauf der Vorstellung mit Video-Einblendungen am Artisteneingang immer wieder an die Erfolge ungarischer Wassersportler bei internationalen Meisterschaften der vergangenen Jahrzehnte erinnert. Zunächst rücken die Ruderer Belas Simon und Adrian Juhasz ins Bild, die 2016 eine Goldmedaille bei den Europameisterschaften in Brandenburg holten. Auf der Bühne geht es nun ums Synchronschwimmen – dargestellt vom Ballett und den jungen Artistinnen und Artisten der Alten Circusschule aus der Ukraine, die seit dem Kriegsbeginn 2022 eine Zuflucht im Circusbau gefunden haben. Im Rahmen dieses großen Bildes gibt es auch Luftakrobatik im Duo und im Solo zu sehen – ausgeführt an Paddeln, die in der Circuskuppel hängen. Hinzu kommt Artistik an Masten, die an der Manegenumrandung stehen. Nun hat die Wasserbühne ihren ersten Einsatz. Im Grunde handelt es sich um ein Bassin mit Mittelinsel, welche aufwendige Fontänenspiele hervorbringen kann. Der eigentliche Clou besteht aber in dem gelochten Boden, der die Insel umgibt. Ist er nach oben gefahren, steht die gesamte Manege als Spielfläche mit festem Boden zur Verfügung. Senkt er sich - ganz oder in Segmenten - unter den Wasserspiegel ab, so tritt die kühle Flut zum Vorschein. So wird immer wieder zwischen den Varianten Bühne und Becken gewechselt, ohne dass dies den Fluss des Programms stören würde. Mit wenigen Handgriffen können vom Rand zusätzliche Springbrunnen in die Wasserfläche geschoben werden. Und um die gesamte Manege reicht ein Kranz von kleinen Fontänen. Zum Auftakt der Wasserspiele begnügt die Regie sich mit einem Springbrunnen in der Mitte. Ein Ruderboot wird nun für vier der jungen Artistinnen aus der Ukraine zum Requisit für ihre Handstandakrobatik. Nachdem dies in die Höhe gezogen wird, hoch unter die Circuskuppel, steht die Insel für einen jungen Mann zur Verfügung, dessen Zuhause ein berühmter Circusbau in einer der wichtigsten europäischen Hauptstädte ist. Und dabei sprechen wir nicht von Budapest, sondern von Paris! Valentino Togni Bouglione hat sich eine attraktive und starke Handstandnummer erarbeitet, die im Klötzchen-Abfaller ihren Höhepunkt findet. Hier wird sie inmitten von Fontänenspielen und des glitzernden Wasserspiegels präsentiert. Gerne würden wir den Bouglione-Spross mit seiner Kunst in einer der kommenden Saisons auch im Cirque d’Hiver erleben. Beim Schlusskompliment zeigt er nach oben: Nun nutzen die Ukrainerinnern ihr Ruderboot für synchron ausgeführte Luftartistik an u-förmigen Metallstangen, begleitet von Livegesang. Es sind überwältigende Bilder, die hier geschaffen werden, begleitet vom wunderbar spielenden Orchester.


Nikolai und Anvar mit Zuschauerin, Histrions, Irina Pankina

In ihrer ersten größeren Szene treiben die Clowns Nikolai und Anvar Schabernack mit einer hübschen Dame aus dem Publikum, die unter anderem beim Umgang mit einem Luftballon ihre Geschicklichkeit beweisen muss. Wunderbar ins 20er-Jahre-Motto fügt sich in Machart und Kostümierung auch der Auftritt der russischen Truppe Histrions. Die drei Untermänner balancieren jeweils hohe Perchestangen – zwei von ihnen auf der Stirn, der dritte auf einer Schulter. Auf den ersten beiden balanciert oben jeweils eine Dame im Handstand, auf der anderen ein Herr im Kopfstand. Dabei dreht er sich um sich selbst. Zum Repertoire gehören darüber hinaus der Handwirbel einer Frau am oberen Ende der Perchestange wie auch eine Duoakrobatik von Mann und Frau. Überraschend erscheint uns der Einfall der Regie, den ersten Programmteil nicht mit dem akrobatischen Act dieses Sextetts, sondern mit der Hundenummer ihrer Landsfrau Irina Pankina zu beenden. Die Tiere springen, laufen durch am Boden aufgestellte Ringe sowie über Tonnen, sausen eine Rutschbahn hinunter und anderes mehr.


Truppe Constellation, Andrei Peniaev, Ballett

Hälfte zwei eröffnet das Ballett mit einem Tanz im Flamenco-Rhythmus, ehe uns eine Hochseilnummer im typisch russischen Stil erwartet, beginnend mit dem vierfachen Aufgang der Truppe Constellation über das Schrägseil. Zu den Highlights im Repertoire gehören sicherlich das Zwei-Personen-Hoch mit der Oberfrau im Handstand, der Spagat einer Artistin zwischen den Köpfen zweier Untermänner sowie die Balancen auf einem Fuß auf dem Kopf des Untermannes, der entgegen der Blickrichtung der Dame übers Seil läuft. Der Lauf übers Seil im Drei-Personen-Hoch bildet den Höhepunkt im Wortsinne, ehe es übers Schrägseil wieder Richtung Boden geht. Die Damen tragen nicht nur Fächer als Balancierhilfen, sondern auch Spiegelkugeln übers Seil. Im Anschluss geht es gleich nochmal hoch hinaus, denn die Laterne mit mehreren Leuchtkugeln rechts vom Artisteneingang harrt einer „Reparatur“. Diese übernimmt Andrei Peniaev, der das Requisit scheinbar mühelos erklimmt. So wird die Darbietung am bedrohlich schwankenden Masten auf humorvoll-augenzwinkernde Weise verkauft. Das Programm behält seine heitere Note, wenn die Damen und zwei Herren des Balletts einem großen, dampfenden Badezuber entsteigen und einen fröhlichen Tanz mit Badetüchern aufs Parkett – oder vielmehr den Lochboden – legen.


Alana Abdullaeva und Alte Circusschule der Ukraine, Alessio Fochesato

Alle Register gezogen werden bei der Arbeit von Alana Abdullaeva, die auf einer etwa zwei Meter hohen Kugel stehend die Hula-Hoop-Reifen kreisen lässt – dies inmitten von Wasserflächen, sprudelnden Fontänen und den jungen Ukrainerinnen mit einer Art Bola-Spielen. In hervorragender Weise lässt sie bis zu acht Hula-Hoop-Reifen um Arme, Beine und Körper rotieren. Auch an einer Handschleife in die Luft gezogen kann sie ihre Requisiten in Bewegung setzen. Genretypisch ist der Abschluss mit einem ganzen Bündel Reifen, vollkommen unüblich freilich die Fontänendusche, der sie letztendlich ausgesetzt wird. Wie der Großteil der Artisten im Programm kommt auch diese sympathisch strahlende, junge Frau aus Russland. Der bekannteste Künstler in unseren Breitengraden ist dagegen Alessio Fochesato. Der Italiener hat seine Papageiennummer neu gestaltet. Anstelle von Kindern aus dem Publikum setzt er auf Assistentinnen aus dem Ensemble, was die Wahrscheinlichkeit für Unvorhergesehenes geringer macht. Nun sind diese charmanten Damen es, die einen auf dem Rücken liegenden Papagei auf Händen tragen oder auf deren Händen und Köpfen farbenprächtige Sonnensittiche landen. Der besondere Stolz Alessios ist ein neu erworbener Tukan, der weltweit wohl einzige im Circus. Wie die farbenprächtigen Papageien verschiedener Arten ist auch dieser schwarze Spechtvogel mit seinem riesigen, orangefarbenen Schnabel herrlich anzuschauen und zeigt sein Flugvermögen. Außer den faszinierenden Freiflügen der Aras unter der Circuskuppel begeistert auch, wie zum Abschluss ein Kakadu von hinten auf Alessios Schulter fliegt, also dem Blick des Tiertrainers entzogen.


Adrienn Fehérgyarmati und Gabriella Tóth

In dieser Wassershow ist ausnahmsweise nicht das Musizieren, sondern das Fischen verboten. Dennoch werfen die Clowns Nikolai und Anvar die Angeln aus und müssen dies büßen, wenn sie schließlich unter emporschießenden Fontänen patschnass werden. Für die Schlussnummer sorgen zwei ganz bezaubernde junge Ungarinnen: Adrienn Fehérgyarmati und Gabriella Tóth arbeiten mit strahlendem Lächeln an den Strapaten, beweisen Kraft, Mut und Beweglichkeit. Zu den herausragenden Tricks gehört der Zopfhang, der von der Oberfrau nur mit einer Schlaufe in ihrem Nacken gehalten wird. Für das Publikum wird der Anblick durch kolossale Fontänenspiele veredelt, für die nass werdenden Damen bedeutet dies eine zusätzliche Herausforderung. Die vielen Nummern mit „Wasserkontakt“ im Programm werden dadurch möglich, dass das Nass hier nicht kühl, sondern erwärmt ist. Das führt an diesem heißen Sommertag gegen Ende der Vorstellung - außer zu wunderschönen Bildern - auch zu erdrückender Schwüle im Circusbau.


Wasserspiele, Finale

Vor dem Finale zeigt die Wasserbühne mit tanzenden Fontänen und hoch emporschießenden Wassersäulen, was möglich ist, wenn von den zahlreichen Optionen alle genutzt werden – dies natürlich in einer vollendeten Choreographie, mit Lichtspielen, Laserstrahlen und Nebelschwaden zum großen Kunstwerk veredelt. Und spektakuläre Bilder liefert nochmal das Finale, wenn die Artistinnen und Artisten alle in einem großen Boot sitzen, jeder ein Ruder in die Luft haltend.

"Diese Circusshow vereint gute und sehr gute Nummern in einer äußerst aufwendigen und zugleich liebevoll-durchdachten Inszenierung zu einem stimmungsvollen Ganzen" - unser Fazit zum Besuch des Budapester Wassercircus 2018 lässt sich 1:1 für die aktuelle Ausgabe übernehmen. Ihre Botschaft: Gemeinsam lässt sich alles schaffen - nicht nur im Wassersport. Mit viel Applaus im fast voll besetzten Circusbau geht dieser schöne Nachmittag zu Ende.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll