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Der hohe Artisteneingang mit
dem darin integrierten Orchesterpodium wie auch die Wandflächen
links und rechts davon zeigen die Fassade des Bades. Auf der
kreisrunden Bühne werden wir zunächst Zeuge einer lebhaften
Strandparty.
 
Opening mit Ballett, Wacko
und Co
Das hauseigene Ballett tanzt hier
im Swing-Rhythmus, die acht Damen in schönen Kleidern mit
floralen Motiven, die drei Herren mit beigen Hosen und karierten
Pullovern. Alles atmet das Flair der 20er Jahre. Sonnenschirme,
Liegestühle und Paddel dienen als Requisiten. Auch die beiden
Clowns Nikolai Komovalov und Anvar Sattarov von der russischen
Truppe Zakhvata sowie die Sängerin mischen sich unter das bunte
Volk. Bereits aufgebaut ist das große Trampolin im Zentrum des
Geschehens. Es weckt Assoziationen an einen Swimming Pool. Die
vier jungen Russen von „Wacko und Co“ nutzen es in origineller
Weise, denn zwei Trinkas links und rechts des Requisits, mit
starken Untermännern besetzt, verbinden das Genre mit Elementen
der ikarischen Spiele. Die beiden Flieger werden mit den Füßen
in die Luft gewirbelt und nach Zwischenstationen auf dem
Trampolin ebenfalls mit den Füßen wieder gefangen. Als wäre das
noch nicht genug, kommt die Verbindung mit einem dritten Genre
dazu, dem Russischen Barren. Die beiden Untermänner auf den
Trinkas befestigen an ihren Füßen zwei schmale
Glasfieberstangen, die den beiden Kollegen als Ausgangspunkt für
weitere Sprünge, Salti und Pirouetten dienen. Eine wunderbare
Nummer, originell und stark zugleich, Silber-preisgekrönt in
Girona. Man wünscht dem Quartett eine große, internationale
Karriere.
  
Valentino Togni Bouglione,
„Synchronschwimm“-Bild, Alte Circusschule der Ukraine
Zwischen den verschiedenen
Darbietungen wird im Verlauf der Vorstellung mit
Video-Einblendungen am Artisteneingang immer wieder an die
Erfolge ungarischer Wassersportler bei internationalen
Meisterschaften der vergangenen Jahrzehnte erinnert. Zunächst
rücken die Ruderer Belas Simon und Adrian Juhasz ins Bild, die
2016 eine Goldmedaille bei den Europameisterschaften in
Brandenburg holten. Auf der Bühne geht es nun ums
Synchronschwimmen – dargestellt vom Ballett und den jungen
Artistinnen und Artisten der Alten Circusschule aus der Ukraine,
die seit dem Kriegsbeginn 2022 eine Zuflucht im Circusbau
gefunden haben. Im Rahmen dieses großen Bildes gibt es auch
Luftakrobatik im Duo und im Solo zu sehen – ausgeführt an
Paddeln, die in der Circuskuppel hängen. Hinzu kommt Artistik an
Masten, die an der Manegenumrandung stehen. Nun hat die
Wasserbühne ihren ersten Einsatz. Im Grunde handelt es sich um
ein Bassin mit Mittelinsel, welche aufwendige Fontänenspiele
hervorbringen kann. Der eigentliche Clou besteht aber in dem
gelochten Boden, der die Insel umgibt. Ist er nach oben
gefahren, steht die gesamte Manege als Spielfläche mit festem
Boden zur Verfügung. Senkt er sich - ganz oder in Segmenten - unter den Wasserspiegel ab,
so tritt die kühle Flut zum Vorschein. So wird immer wieder
zwischen den Varianten Bühne und Becken gewechselt, ohne dass
dies den Fluss des Programms stören würde. Mit wenigen
Handgriffen können vom Rand zusätzliche Springbrunnen in die
Wasserfläche geschoben werden. Und um die gesamte Manege reicht
ein Kranz von kleinen Fontänen. Zum Auftakt der Wasserspiele
begnügt die Regie sich mit einem Springbrunnen in der Mitte. Ein
Ruderboot wird nun für vier der jungen Artistinnen aus der
Ukraine zum Requisit für ihre Handstandakrobatik. Nachdem dies
in die Höhe gezogen wird, hoch unter die Circuskuppel, steht die
Insel für einen jungen Mann zur Verfügung, dessen Zuhause ein
berühmter Circusbau in einer der wichtigsten europäischen
Hauptstädte ist. Und dabei sprechen wir nicht von Budapest,
sondern von Paris! Valentino Togni Bouglione hat sich eine
attraktive und starke Handstandnummer erarbeitet, die im
Klötzchen-Abfaller ihren Höhepunkt findet. Hier wird sie
inmitten von Fontänenspielen und des glitzernden Wasserspiegels
präsentiert. Gerne würden wir den Bouglione-Spross mit seiner Kunst
in einer der kommenden Saisons auch im Cirque d’Hiver erleben.
Beim Schlusskompliment zeigt er nach oben: Nun nutzen die
Ukrainerinnern ihr Ruderboot für synchron ausgeführte
Luftartistik an u-förmigen Metallstangen, begleitet von
Livegesang. Es sind überwältigende Bilder, die hier geschaffen
werden, begleitet vom wunderbar spielenden Orchester.
  
Nikolai und Anvar mit
Zuschauerin, Histrions, Irina Pankina
In ihrer ersten größeren Szene
treiben die Clowns Nikolai und Anvar Schabernack mit einer
hübschen Dame aus dem Publikum, die unter anderem beim Umgang
mit einem Luftballon ihre Geschicklichkeit beweisen muss.
Wunderbar ins 20er-Jahre-Motto fügt sich in Machart und
Kostümierung auch der Auftritt der russischen Truppe Histrions.
Die drei Untermänner balancieren jeweils hohe Perchestangen –
zwei von ihnen auf der Stirn, der dritte auf einer Schulter. Auf
den ersten beiden balanciert oben jeweils eine Dame im
Handstand, auf der anderen ein Herr im Kopfstand. Dabei dreht er
sich um sich selbst. Zum Repertoire gehören darüber hinaus der
Handwirbel einer Frau am oberen Ende der Perchestange wie auch
eine Duoakrobatik von Mann und Frau. Überraschend erscheint uns
der Einfall der Regie, den ersten Programmteil nicht mit dem
akrobatischen Act dieses Sextetts, sondern mit der Hundenummer
ihrer Landsfrau Irina Pankina zu beenden. Die Tiere springen,
laufen durch am Boden aufgestellte Ringe sowie über Tonnen,
sausen eine Rutschbahn hinunter und anderes mehr.
  
Truppe Constellation,
Andrei Peniaev, Ballett
Hälfte zwei eröffnet das Ballett
mit einem Tanz im Flamenco-Rhythmus, ehe uns eine Hochseilnummer
im typisch russischen Stil erwartet, beginnend mit dem
vierfachen Aufgang der Truppe Constellation über das Schrägseil.
Zu den Highlights im Repertoire gehören sicherlich das
Zwei-Personen-Hoch mit der Oberfrau im Handstand, der Spagat
einer Artistin zwischen den Köpfen zweier Untermänner sowie die
Balancen auf einem Fuß auf dem Kopf des Untermannes, der
entgegen der Blickrichtung der Dame übers Seil läuft. Der
Lauf übers Seil im Drei-Personen-Hoch bildet den Höhepunkt im
Wortsinne, ehe es übers Schrägseil wieder Richtung Boden geht.
Die Damen tragen nicht nur Fächer als Balancierhilfen, sondern
auch Spiegelkugeln übers Seil. Im Anschluss geht es gleich nochmal hoch hinaus, denn die Laterne mit mehreren Leuchtkugeln
rechts vom Artisteneingang harrt einer „Reparatur“. Diese
übernimmt Andrei Peniaev, der das Requisit scheinbar mühelos
erklimmt. So wird die Darbietung am bedrohlich schwankenden
Masten auf humorvoll-augenzwinkernde Weise verkauft. Das
Programm behält seine heitere Note, wenn die Damen und zwei
Herren des Balletts einem großen, dampfenden Badezuber
entsteigen und einen fröhlichen Tanz mit Badetüchern aufs
Parkett – oder vielmehr den Lochboden – legen.
 
Alana Abdullaeva und Alte
Circusschule der Ukraine, Alessio Fochesato
Alle Register gezogen werden bei
der Arbeit von Alana Abdullaeva, die auf einer etwa zwei Meter
hohen Kugel stehend die Hula-Hoop-Reifen kreisen lässt – dies
inmitten von Wasserflächen, sprudelnden Fontänen und den jungen
Ukrainerinnen mit einer Art Bola-Spielen. In hervorragender Weise
lässt sie bis zu acht Hula-Hoop-Reifen um Arme, Beine und Körper
rotieren. Auch an einer Handschleife in die Luft gezogen kann
sie ihre Requisiten in Bewegung setzen. Genretypisch ist der
Abschluss mit einem ganzen Bündel Reifen, vollkommen unüblich
freilich die Fontänendusche, der sie letztendlich ausgesetzt
wird. Wie der Großteil der Artisten im Programm kommt auch diese
sympathisch strahlende, junge Frau aus Russland. Der bekannteste
Künstler in unseren Breitengraden ist dagegen
Alessio Fochesato. Der Italiener hat seine Papageiennummer neu
gestaltet. Anstelle von Kindern aus dem Publikum setzt er auf
Assistentinnen aus dem Ensemble, was die Wahrscheinlichkeit für
Unvorhergesehenes geringer macht. Nun sind diese charmanten
Damen es, die einen auf dem Rücken liegenden Papagei auf Händen
tragen oder auf deren Händen und Köpfen farbenprächtige
Sonnensittiche landen. Der besondere Stolz Alessios ist ein neu
erworbener Tukan, der weltweit wohl einzige im Circus. Wie die
farbenprächtigen Papageien verschiedener Arten ist auch dieser
schwarze Spechtvogel mit seinem riesigen, orangefarbenen
Schnabel herrlich anzuschauen und zeigt sein Flugvermögen. Außer
den faszinierenden Freiflügen der Aras unter der Circuskuppel
begeistert auch, wie zum Abschluss ein Kakadu von hinten auf
Alessios Schulter fliegt, also dem Blick des Tiertrainers
entzogen.

Adrienn Fehérgyarmati und
Gabriella Tóth
In dieser Wassershow ist
ausnahmsweise nicht das Musizieren, sondern das Fischen
verboten. Dennoch werfen die Clowns Nikolai und Anvar die Angeln
aus und müssen dies büßen, wenn sie schließlich unter
emporschießenden Fontänen patschnass werden. Für die
Schlussnummer sorgen zwei ganz bezaubernde junge Ungarinnen:
Adrienn Fehérgyarmati und Gabriella Tóth arbeiten mit
strahlendem Lächeln an den Strapaten, beweisen Kraft, Mut und
Beweglichkeit. Zu den herausragenden Tricks gehört der Zopfhang,
der von der Oberfrau nur mit einer Schlaufe in ihrem Nacken
gehalten wird. Für das Publikum wird der Anblick durch kolossale
Fontänenspiele veredelt, für die nass werdenden Damen bedeutet
dies eine zusätzliche Herausforderung. Die vielen Nummern mit
„Wasserkontakt“ im Programm werden dadurch möglich, dass das
Nass hier nicht kühl, sondern erwärmt ist. Das führt an diesem
heißen Sommertag gegen Ende der Vorstellung - außer zu
wunderschönen Bildern - auch zu erdrückender Schwüle im
Circusbau.
 
Wasserspiele, Finale
Vor dem Finale zeigt die
Wasserbühne mit tanzenden Fontänen und hoch emporschießenden
Wassersäulen, was möglich ist, wenn von den zahlreichen Optionen
alle genutzt werden – dies natürlich in einer vollendeten
Choreographie, mit Lichtspielen, Laserstrahlen und Nebelschwaden
zum großen Kunstwerk veredelt. Und spektakuläre Bilder liefert
nochmal das Finale, wenn die Artistinnen und Artisten alle in
einem großen Boot sitzen, jeder ein Ruder in die Luft haltend. |