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Circus King - Tour 2025
www.facebook.com/Grosscircus.King ; 127 Showfotos

Puchheim, 11. April 2025: Schon länger wollte ich den Circus King der Familie Artur und Sandy Kaiser besuchen. Schließlich durften wir in jüngerer Zeit bei Artur Kaisers Brüdern Alex (Circus Alex Kaiser), Markus (Circus Barnum) und André (Circus Alessio) jeweils guten Circus erleben. Vielversprechend erschienen auch das bekannt schöne Material des Circus King wie auch der gute Ruf, den sein Direktor als Tierlehrer genießt. Vor einem Jahrzehnt bewunderten wir ihn  mit „Europas größtem Exotenzug“ im Karlsruher Weihnachtscircus. Also mindestens drei gute Gründe für eine Stippvisite.

Die gesuchte Gelegenheit ergibt sich beim Gastspiel des Unternehmens in Puchheim, nicht weit von München. Bei herrlich blauem Himmel und auf einer grünen Wiese gibt der Circus King ein wunderbares Bild ab. Wir erfreuen uns an dem cremefarbenen Viermast-Zelt mit blauen Absetzungen, einem offenen Vorzelt und dem Metallgitterbogen mit Schriftzug „Eingang“ und Sonnensegel darunter.


Circus King in Puchheim

Zum ansprechenden Bild gehören auch der attraktive Frontzaun mit den Initialen CK sowie einer Krone dazwischen, schmucke Transportwagen mit Motiven aus dem Programm sowie sauber aufgereihte Zugmaschinen. Der Weg von der Kasse ins Zelt führt über einen roten Teppich. Im Chapiteau ist die mit LED-Technik bestückte Lichtanlage an vier Traversen befestigt. Den Gästen stehen zwei Reihen Logenstühle und dahinter eine Tribüne mit drei Reihen Schalensitzen und zwei Reihen Bänken zur Verfügung. Der hohe, samtrote Artisteneingang mit goldfarbener Beschriftung und ansprechender Beleuchtung trägt zum gepflegten Ambiente bei. Der Restaurationswagen ist zwischen Gradin und Artisteneingang platziert, was ihn – dauerhaft beleuchtet – auch während der Vorstellung in den Blick rückt. Somit ist die Anordnung nicht ideal. Später in der Pause besichtigen wir den umfangreichen Tierbestand mit insbesondere Pferden, Ponys, Kamelen, Rindern, Lamas und Eseln, die in großzügige Stallungen untergebracht sind.


Artur Kaiser, Sandy Kaiser, Alex

Zu Beginn der Vorstellung begrüßt Artur Kaiser das Publikum in Gedichtform. Dann gehört die Manege seiner Frau Sandy Kaiser, die in einer kompakten Trickfolge – unter anderem mit dem Spagat – auf dem gespannten Drahtseil arbeitet. Zur Musik aus dem „König der Löwen“ passt das Kostüm im Leoparden-Look. Das Programm wird nicht ausschließlich von der Familie Kaiser bestritten. Vielmehr wirken auch engagierte Artisten mit. Einer von ihnen ist Alex aus der Ukraine mit seiner Kubusjonlage. Diese startet er in gemächlichem Tempo, aber im zweiten Teil der Nummer zieht die Geschwindigkeit deutlich an. Abschließend lässt er den Würfel mit einer Spitze nach unten auf seinem Kinn rotieren.


Artur und Leonardo Kaiser

Dann entführt uns Artur Kaiser mit seiner Kamelkarawane in den Orient. Die roten Schabracken der vier Trampeltiere sind – wie beim Frontzaun – mit den goldenen Lettern CK und einer Krone versehen, das schöne Kostüm des sympathischen Vorführers passt farblich exakt dazu. Die Tiere absolvieren Figuren wie den Gegenlauf oder paradieren zu viert nebeneinander. Als Special Guests kommen sechs exotische Rinder dazu. Artur Kaisers Neffe Leonardo gibt den Clown und überzeugt in seiner Variante des bestens bekannten Wischmopp-Entrees mit nett gespielten Rollenwechseln.


Loredana Kaiser, Jarda Kellner, Lugiano Kaiser

Von den fünf Kindern von Artur und Sandy Kaiser nehmen die drei älteren wichtige Rollen im Programm ein. Den Auftakt macht hier Loredana mit ihrer Arbeit am Luftring, an dem sie mit verschiedenen Figuren ihre Kraft und Beweglichkeit unter Beweis stellt oder mit einem Kreisel beeindruckt. Auch die zweitjüngste Tochter Lucianna hat an diesen Requisit ihren Einsatz, freilich und glücklicherweise in kindgerechter Höhe über dem Boden. Tapfer fliegt sie unter den wachsamen Blicken ihres Vaters im Kreis, dies auch kopfüber. Als „komischer Koch“ unterhält uns der tschechische Artist Jarda Kellner. Zunächst jongliert er mit Suppenkellen und mit Bällen, dann demonstriert er seine Geschicklichkeit mit insgesamt sieben tanzenden Tellern. Ein Circusklassiker. Variantenreich jonglieren kann der älteste Sohn der Kaiser, Lugiano. Drei und vier Bälle, drei Fußbälle, vier Ringe und drei Keulen sind seine Requisiten. Jazzmusik ist sein Begleiter.


Leonardo Kaiser, Artur Kaiser, Truppe Kaiser

Nun wechselt Leonardo Kaiser das Clowns- vorübergehend gegen ein Fakir-Kostüm. Sein Feuerspucken zeichnet sich durch lang anhaltende Flammen aus. Natürlich beherrscht er auch das Feuerschlucken. Beim Groß und Klein von Artur Kaiser läuft das Pony unter dem Pferd hindurch und positioniert sich später unter dem Ross, das auf einem Postament steht. Auch ein Steiger des größeren Tieres gehört dazu. Auf Tierdarbietung folgt Tierschau: Der Besuch der Menagerie ist eine der Optionen, die in der Pause zur Verfügung stehen. Als „Truppe King“ eröffnen die Geschwister Lugiano, Loredana und Leandro Kaiser auf dem Fasttrack-Trampolin den zweiten Programmteil. Zu dem ansprechenden Repertoire an Sprüngen und Salti gehören zum Beispiel Sätze über und durch einen Reifen oder über die jeweils anderen Geschwister hinweg. Für Heiterkeit ist nochmals bei Leonardo Kaisers Seilspring-Szene gesorgt, bei der ein Herr aus dem Publikum mitmachen darf.


Loredana Kaiser, Eva Chris

Ein weiteres Mal wagt sich Loredano Kaiser hoch hinaus, nunmehr bei einer Luftakrobatik im Netz. Spagat und Überschläge sind nur zwei Bestandteile ihres Repertoires. Ein Hund und drei Katzen sind die Gefährten von Jarda Kellner und seiner Frau Eva Chris, die mit Kostümen im Safari-Look arbeiten. Die Stubentiger werden in einen zuvor scheinbar leeren Käfig gezaubert und dann von ihren Vorführern zu Läufen über und – im Slalom - durch einen Hindernisparcours sowie zu Podestsprüngen angeleitet. Sandy und Loredana Kaiser, Mutter und Tochter, legen bei ihrer gemeinsamen Hula-Hoop-Nummer viel Temperament an den Tag und arbeiten die meisten Tricks synchron. Zum Schluss setzt Loredana mit ihren Hüften ein ganzes Bündel Ringe in Bewegung. In seinem letzten Auftritt als Clown bringt Leonardo Kaiser die Golfball-Reprise.


Rolena, Lugiano Kaiser, Artur Kaiser

Rolena aus der Ukraine sorgt am Schwungtrapez für spektakuläre Bilder. Abfaller und eine Pirouette gehören zu den Bestandteilen der Darbietung dieser hübschen jungen Frau. Den Reigen der akrobatischen Darbietungen beschließt Lugiano Kaiser auf der Rola Rola. Besonders erwähnenswert sind sicher seine geschickten Balancen auf einem Stapel von fünf Bänken wie auch auf einem so noch nicht gesehenen Gestell mit zwei Leitern links und rechts, die er jeweils mit einem Fuß hinaufsteigt. Für den Schluss- und Höhepunkt des Programms sorgt Direktor Artur Kaiser mit seinem exzellenten, braun-weißen Sechserzug Freiheitspferde. Die neongelben Geschirre der Rösser finden ihre Entsprechung im Kostüm des Tierlehrers, „Flowers“ von Miley Cyrus liefert die musikalische Begleitung. Komplizierte Lauffiguren werden sicher absolviert, darunter der gleichzeitige Richtungswechsel beider Gruppen beim Gegenlauf. Eindrucksvoll ist auch, wie die verschiedenen Tiere bei Pirouetten in unterschiedliche Richtungen drehen. Mit einem ganzen Potpourri an Steigern findet diese Nummer ihren Abschluss. Sie wäre eine Zierde auch für große Circusproduktionen. Im kompakt gehaltenen Finale verabschiedet sich das Ensemble, und nun hat auch die allerjüngste Tochter Liyana ihren Auftritt – sie steht auf dem ausgestreckten Arm des Vaters.

Der verstorbene Circusdirektor Edmund Kaiser hatte neun Kinder, vier Töchter und fünf Söhne. Alle Söhne führen jeweils ihren eigenen Circus, mit dem Circus King haben wir nun in überschaubaren Abständen den vierten davon besucht. Auch hier wurden wir in schönem Ambiente trefflich unterhalten. So steht das weitere Ziel fest: bei nächster Gelegenheit auch den fünften „Kaiser-Circus“, den Circus Edmund Kaiser, zu besuchen und diesen unseren Lesern in Wort und Bild vorzustellen.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll