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Ohlala - sexy - crazy - artistic 2025
www.ohlalatheshow.ch ; 182 Showfotos

Kloten, 1. November 2025: Wenn die Tage kühler werden, werden die Circusshows heißer. Jedenfalls die der Gregory Knie Entertainment AG. Denn stets Mitte Oktober öffnet sich am Flughafen Zürich der Vorhang für „Ohlala – sexy- crazy – artistic“. In der 13. Saison produziert das Unternehmen hier erotische Unterhaltung für ein Publikum ab 16 Jahren. Starke Akrobatik, moderner Tanz und mitreißende Musik mit Live-Gesang fehlen nie. Und doch werden dem Thema Sinn und Sinnlichkeit Jahr für Jahr neue Facetten abgewonnen.

Ein sexy Circusprogramm, jeden Herbst komplett neu und immer hochwertig, das gibt es auf diesem Globus wohl nur ein einziges Mal. Das ist an sich schon eine großartige kreative Leistung. Als wir das Vorzelt betreten, fällt unser Blick zuerst auf einen „OHLALA“-Schriftzug in riesigen Lettern. Dahinter wartet düster-stilvolle Nachtclub-Atmosphäre. Wer mag, darf sich in drei großen „Schaukästen“ mit betörend schönen Damen aus dem Ensemble fotografieren lassen. Nach Buchung vorab kann ein mehrgängiges Menü in einem der Nebenzelte genossen werden. Aber auch spontan steht an der zentralen Bar und an dem seitlichen Essensstand ein enormes Angebot an kühlen Drinks, Snacks und warmen Speisen zur Verfügung. Auch das gehört zu stilvollem Erwachsenen-Entertainment einfach dazu.


Ambiente in Vorzelt und Chapiteau

Waren die Themen der vergangenen beiden Produktionen mit „Bubble Gum“ und „Milk and Chocolate“ vergleichsweise konkret, hat sich das Kreativteam rund um CEO Anja Walder, Artistic Director Scott Maidment und Head of Artist Mariana Rodrigo diesmal für einen abstrakteren Ansatz entschieden. Das Show-Motto „X – wie ein Schatten im Licht, spürbar, aber nie greifbar – bis jetzt“ mag wohl eine Leerstelle beschreiben. Es lässt sich verstehen als ein Platzhalter für das, worauf sich Sehnsüchte richten und für das, worauf Begierde und Verlangen abzielen. Als Zeichen einer geheimnisvollen Welt der Sünde, die man normalerweise nur erahnen, im innen mastenfreien Chapiteau von Gregory Knie aber für einen Abend sehen und spüren kann.


Opening

Zu Beginn richtet sich unser Blick auf eine junge Frau, die auf einem Stuhl sitzt und Cello spielt. Bald schlüpft sie zu ihrem Partner in ein großes Bett und hofft auf Zweisamkeit. Doch weit gefehlt: Zu ihrem Entsetzen entschlüpft ein halbes Dutzend weiterer Damen aus einer Öffnung in der Matratze und umgarnt den Mann. Eine Szene, die haften bleibt. Ein flatterndes, weißes Tuch mit großem „Ohlala“-Logo verdeckt nun Bühne und Logen, bis es fortgezogen wird und die Sicht freigibt aufs große Opening. Auf eine Live-Band wird erstmals verzichtet. Das ist angesichts der perfekten Musik-Einspielungen und des gewohnt glasklaren Sounds von Tonmeister Jaume Trobat einerseits verschmerzbar; andererseits wirkt eine Circus-Bühne ohne Musiker schnell steril. Dieser Gefahr wird hier mit zwei Ansätzen begegnet. Zum einen werden die Leerstellen links und rechts der runden Spielfläche mit heb- und senkbaren Podesten gefüllt. Auf ihnen stehen Glaswürfel, die innen begangen und obendrauf als Emporen genutzt werden können. Eine weitere Glasbox lässt sich als flexibles Element auf die Bühne rollen. So entsteht ein neues Setting. Zum anderen sorgt heuer ein Gesangs-Duo anstelle einer Solistin für Live-Charakter. Leelou und Tony – das Paar aus dem Bett – beeindruckt mit starken Stimmen und Performances, zunächst mit einer Interpretation von „La Bohème“ zum Opening mit dem gesamten Ensemble, das in verruchten Outfits auftritt.


Christopher Togni, David Eriksson, Duo Since Moment

Bei aller Sexyness ist und bleibt Ohlala im Kern immer ein Circusprogramm. Und so verwundert es nicht, dass mit Christopher Togni ein junger Spross der bekannten italienischen Circusdynastie die Spielfolge eröffnet. Seinen muskelbepackten Traumkörper setzt er bei Equilibristik auf vier Handständen so in Szene, dass ihm fortwährender Zwischenapplaus gewiss ist, einem deutlichen Patzer zum Trotz. Begleitet von ruhigem, energetischem Gesang gipfelt seine Arbeit im Klötzchen-Abfaller und erntet Riesenbeifall. Dass Ohlala nicht nur „sexy“ und „artistic“, sondern eben auch „crazy“ sein möchte, drückt sich häufig in der Wahl der Comedians aus. Diesmal wurde der Schwede David Eriksson verpflichtet, der in Deutschland dank seiner Flic-Flac-Engagements zu Bekanntheit gelangt ist. Mit Glatze und Tattoos, zunächst in pinkem Rock und mit ebensolchen Stiefeln sowie mit gecropptem Motörhead-Tanktop gibt er uns in seinem ersten Auftritt gleich Kostproben seines erstaunlichen Könnens. Dazu gehört es beispielsweise, erst fünf Pingpong-Bälle auf einmal im Mund zu verstauen und diese dann mit dem Mund zu jonglieren. Eine Szene des Balletts – der Sänger führt die Damen in Fetisch-Outfits an langen Leinen – leitet über zum ersten artistischen Höhepunkt. Ein Höhepunkt im Wortsinne, denn beim Duo „Since Moment“ hält sich Alexander zunächst mit den Händen an Strapaten und trägt mit den Zähnen ein Band, an dem Mariia bei verschiedenen Figuren ihre enorme Beweglichkeit zeigt. Ungeheuer eindrucksvoll ist der Part, in dem sie die tragende Rolle übernimmt und sich nur mit einer Hand an den Strapaten hält, während sie in einer kontorsionistischen Pose hängt und er sich an ihren Füßen fasst. Bravo! Weiter geht es mit einem doppelten Zahnhang, bei dem sie ihn trägt, und nach einem weiteren Rollenwechsel mit ihrem Zopfhang und einem blitzschnellen Wirbel, bei dem er die Partnerin wiederum nur mit der Kraft des Gebisses sichert. Tosender Applaus ist der Lohn. Entspannung gibt es mit David Eriksson, der uns demonstriert, was man mit Ping-Pong-Bällen noch so anstellen kann: beispielsweise eine Art „Bouncing-Jonglage“ mit dem Mund gegen das Glas einer Taucherbrille, die ein Zuschauer trägt. Die sechs Damen des Balletts tanzen nun um den Glaswürfel, der in die Mitte der Bühne gerollt ist. Darin steht Sänger Tony. Natürlich dauert es nicht lange, bis sie sich zu dem Herrn mit Waschbrettbauch in die Box begeben.


Oleg Valko, Duo Soma, Truppe Gypsy

Oleg Valko balanciert auf einem Mundschwert einen Stapel aus sechs Gläsern, zunächst auf Messers Schneide, dann auf der Spitze. Es folgt die Balance eines langen Schwerts auf dem Mundschwert, dies „Spitze auf Spitze“, während er sich auf den Boden legt und wieder aufsteht. Wirkungsvoll auch sein Schlusstrick, bei dem er einen Ballon und einen Kerzenständer auf dem Mundschwert balanciert, dann den Ballon zum Platzen bringt und den Kerzenständer mit dem Schwert fängt. Auf einen Aufmarsch der Ballettdamen in goldenen Outfits folgt ein weiteres Highlight, der Perche-Act des Duos Soma. Zu den wesentlichen Elementen der Trickfolge gehört zunächst, wie Tobias Wolfgang eine Leiter übersteigt, während er auf einer hohen Stirnperche seine Partnerin Vanessa Martinez trägt, die hoch oben im Handstand balanciert. Dann begeistert das attraktive Paar mit ihrem Zopfhangwirbel am oberen Ende einer Perchestange, die in seinem Beckengurt ruht. Ein Flitterregen zum Abschluss darf nicht fehlen. Während einer Art kecker Polonaise zwischen Loge und Tribüne, zu der ein Teil des Ensembles aufbricht, bleibt Zeit, um das Requisit für die Pausennummer zu errichten. Am Quadratreck beeindrucken die vier Herren der Formation „Gypsy“ mit Umschwüngen und spektakulären Sprüngen von Stange zu Stange, mal in Einzelaktionen und mal synchron.


Ballett, White Gothic

Hälfte zwei beginnt mit der größten Szene des Balletts. Auch hier haben sich die Macher für etwas entschieden, was es bei Ohlala noch nicht gab: Die Compagnie ist diesmal rein weiblich besetzt. Das ist schade, denn es fehlen der reizvolle Kontrast von schönen Frauen und muskelbepackten Herren und die Interaktion zwischen ihnen. Dass manche der männlichen Artisten während der Show immer wieder als Figuranten mitwirken, ist kein Ersatz. Zweifellos sind die Tänzerinnen außerordentlich attraktiv, dank unterschiedlicher Typen jede auf ihre eigene Weise. Doch während wir im letzten Jahr von noch ausgefeilteren und hochwertigeren Choreographien geschwärmt hatten, erscheinen uns selbige diesmal etwas simpler, weniger anspruchsvoll. Die meisten Szenen lassen uns an aufreizende Go-Go-Tänzerinnen in einem Club denken – was sich positiv so interpretieren lässt, dass die gesamte Show ein durchgängiges Gepräge, einen bestimmten tänzerischen Look hat. Er spiegelt sich in den exzellent gearbeiteten Kostümen in Rot, Gold und Schwarz von Stela Verebceanu, die jeweils auch ein "X" beinhalten, beispielsweise in Form leuchtender Kopfschmucke. Besagte Szene zu Beginn der zweiten Hälfte zeigt eine erotische Modenschau, bei der sich die Ladys äußerst lasziv in Szene setzen. Zwei der Artisten sorgen mit Kameras fürs Blitzlichtgewitter, und Star-Choreograph Fidel Buika wirkt in der Rolle des Designers erstmals selbst auf der Bühne mit. Der prominenteste Act in diesem Cast ist sicherlich die Formation „White Gothic“. Da die vier Herren hier in schwarzen Hosen arbeiten, ist der Name diesmal nicht Programm. Das ändert natürlich nichts an dem bärenstarken Repertoire auf dem Gebiet der Partnerequilibristik, welches das Publikum vor Begeisterung spätestens beim Schlusstrick nach Pellegrini-Manier regelrecht ausflippen lässt. Darüber hinaus ist die Darbietung exzellent in Szene gesetzt – mit dem gewohnt meisterhaften Licht einschließlich Laserstrahlen von Diego Diaz, dem großartigen Gesang („Sound of Silence“) von Tony und dem Bühnensetting im Hintergrund, auf dem mehrere Akteure das Geschehen wie menschliche Skulpturen beobachten.
 


Jimmy Jean, Inna Zobenko, Jenny

Unter Wert verkauft wird dagegen der Auftritt von Inna Zobenko. Dabei kniet die Artistin auf einer Drehscheibe und dreht sich in aberwitzigem Tempo und mit unglaublicher Ausdauer um sich selbst. Später richtet sie sich sogar noch auf und steht auf der rotierenden Scheibe. Ihr Gleichgewicht ist mehr als ausgeprägt, ein Schwindelgefühl scheinbar nicht vorhanden. Nur: Da sie das alles in der gläsernen Box in der Bühnenmitte tut, wird es kaum wahrgenommen. Das gilt umso mehr, als im Verlauf ihrer Nummer Head Spinner Jimmy Jean vor der Box im Kopfstand auf dem Boden kreiselt, während Artistenkollegen ihn anfeuern. Der Blick auf die parallele Arbeit seiner Kollegin ist quasi versperrt. Nochmal rücken das Ballett und das große Bett ins Zentrum des Geschehens. Das Schlafmöbel wird zum Ausgangspunkt für Jenny und deren Ver- und Entwicklungen in ihrer Kür am Vertikalseil. Eine wunderbar feminine, aber doch kraftvolle Arbeit.


Alan J. Silva, Yanil Altagracia

Tanz in verschiedenen Facetten nimmt in den Produktionen von Gregory Knie immer besonderen Raum ein. Diesmal wurde zusätzlich zum Ballett Yanil Altagracia verpflichtet, die 2018 den Meistertitel bei der erstmals ausgetragenen Europameisterschaft im Twerking holte. Die in der dominikanischen Republik geborene Schweizerin beherrscht diesen Tanzstil perfekt. Er ist charakterisiert durch kreisende, ruckartige Hüft- und Beckenbewegungen mit Fokus auf dem Gesäß, das zum Schwingen und Zucken gebracht wird. Bei ihrem Auftritt wird die Tänzerin vom Ballett umringt und vom Publikum mit euphorischer Begeisterung bejubelt. Nochmals sorgt David Eriksson mit einem seiner skurrilen Auftritte für Heiterkeit. Wiederum darf der gleiche Zuschauer mitwirken. Diesmal gilt es Äpfel zu werfen, die Eriksson fängt – erst auf einer Gabel, dann mit einem Stachelhut und schließlich mit metallenen Stacheln dort, wo sich üblicherweise der Hosenladen befindet. Alan J. Silva kann stolz sein auf einen Bronzenen Clown in Monte Carlo sowie ein langjähriges Engagement beim Cirque du Soleil. Der enorm muskulöse Mann zeigt eine klassische Luftnummer an weißen Tüchern, mit Spagat zwischen den Stoffbahnen und Flügen über die Rundbühne. Von all dem hält ihn seine Kleinwüchsigkeit nicht ab.


Truppe Aruba

Die Schlussnummer übernimmt – nach einer weiteren Einlage des Balletts – die Truppe Aruba. Fünf Herren und eine Dame (als Statistin) sorgen mit zwei Koreanischen Wippen nochmals für große Bilder. Mit Sprüngen von Brett zu Brett, aber auch von einem Mattenstapel katapultieren sich die Männer gegenseitig in immer größere Höhen, kombinieren dies mit Salti und Pirouetten. Atemberaubend nochmals der Schlusstrick, bei dem ein Artist in die Luft befördert wird, mit verbundenen Augen eine in Flammen stehenden Metallraute durchquert und auf der anderen Seite der Bühne auf einer Matte landet.

Letztlich wird hier zweieinhalb Stunden lang moderne Danceclub-Atmosphäre auf die Bühne gezaubert. Das Publikum feiert die Show frenetisch, spendet am Ende geschlossen und ausführlich Standing Ovations. Es ist einmal mehr beeindruckend, welch enormer Aufwand für die nur vierwöchige Spielzeit betrieben wird. Und so freuen wir uns schon auf den Herbst 2026, wenn unter dem Motto „The Popcorn Party“ wieder neue Variationen der sinnlichen Abendunterhaltung gezeigt werden sollen.

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Text: Markus Moll, Fotos: Tobias Moll