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Das ist bei der aktuellen Show „Parenthèse“ nicht anders. Am 1.
Oktober 2025 feierte sie in Aix-les-Bains Premiere, am 24. Mai
2026 wird sie in La Fontaine-Saint-Martin
letztmalig gespielt. Die tendenziell eher zuschauerärmere
Sommerzeit wird durch diesen vor einigen Jahren eingeführten
Tourneerhythmus ausgespart.

Blick
ins Finale mit neuer Lichttechnik
Das
Gegenteil von einer Aussparung ist ein Einschub. Genau dafür
steht der Titel „Paranthèse“. Laut Definition handelt es sich
dabei um ein rhetorisches Stilmittel, bei dem ein Satz durch
einen Einschub unterbrochen wird. Die Übertragung auf den Circus
findet sich im Vorwort zum Programmheft. Für den Genuss der
Vorstellung ist sie aber nicht zwingend notwendig. Dieser stellt
sich auch so von ganz alleine ein.

Chapiteau des Cirque Arlette Gruss in Colmar
Begeben
wir uns lieber auf Entdeckungsreise zu den Dingen, die die ganz
besondere Atmosphäre des Cirque Arlette Gruss ausmachen. Das
riesige Chapiteau erstrahlt außen in weiß und bietet im
integrierten Eingangsbereich ein großzügiges Entree mit
Restauration sowie einer Boutique für Souvenirs. Der Innenraum
wirkt fast schon intim, obwohl er über Platz für 1.300 Zuschauer
verfügt. Schon beim Einlass ist er stilvoll ausgeleuchtet. Die
Klappsitze sind komfortabel und dass keine Masten im Inneren die
Sicht stören, ist hier schon seit vielen Jahren keine Neuigkeit
mehr.

Orchester
Noch
verhüllt ist vor dem Beginn der Show der Artisteneingang. Das
dahinterliegende Orchesterpodium mit dem Logo des Unternehmens
ist höhenverstellbar. Viel wichtiger sind aber die zehn
Instrumentalisten, die darauf sitzen und unter der Leitung von
Igor Nita genial musizieren. Ihr Arrangements sind grandios, sie
beherrschen jede Tonart, jeden Rhythmus perfekt. Ein so
engagiert spielendes Ensemble ist in einem Circus eine absolute
Rarität. Dank der wunderbaren Tonanlage kommt der Sound auf
allen Plätzen bestens an. Schade nur, dass der Gesang bei
einigen Darbietungen aus der Konserve kommt. Wie das Plakatmotiv
ahnen lässt, war hier wohl eine Sängerin vorgesehen. Bei der
ohnehin starken Lichttechnik fallen zahlreiche Ringe über der
Manege auf. Sie sind mit Leuchtkörpern bestückt, welche nicht
nur schon selbst gut aussehen, sondern auch für eine
außergewöhnliche Beleuchtung sorgen. Zudem wechseln sie immer
wieder ihre Positionen, bilden neue Formationen.
  
Compania Havana, Sarah Houcke, Francesco Fratellini
Das
Programm selbst wird sowohl von Mitgliedern der
Direktionsfamilie als auch von engagierten Artisten bestritten.
Oftmals in großen Inszenierungen mit Tänzerinnen und Tänzern in
fantasievollen Kostümen. Der Spot vor dem Auftakt gehört aber
Francesco Fratellini ganz alleine. Der Clown teilt uns auf
amüsante Weise mit, was im Chapiteau erlaubt und was verboten
ist. Zudem übt er mit dem Publikum, wie man effektvoll klatscht.
Das Opening startet mit Arthur Vereano Huard ganz in weiß auf
einer Plattform in der Manegenmitte. In einer lebhaften
Choreographie in rot-weiß kommen die weiteren Ensemblemitglieder
energiegeladen tanzend hinzu. Arthur Vereano Huard begleitet uns
als Monsieur Loyal durch den Nachmittag. Wie schon seine
Vorgänger in dieser Rolle versteht er es blendend, die Magie des
Circus in eindringlichen Worten zu beschwören oder aber den
seriösen Part bei den Clownsnummern zu geben. Nahtlos geht es
vom Charivari weiter zu den Handvoltigen und Menschenpyramiden
der Compania Havana. Ein fröhlicher artistischer Auftakt, der
gleich für Stimmung sorgt. Alexis Gruss und Sarah Houcke bringen
Hunde sowie Ponys in die mit Teppichboden ausgelegte Manege. Die
Hunde springen genauso durch Reifen wie über ihre Partner. Auch
das Balancieren auf den Hinterbeinen fällt ihnen spielend
leicht. Quasi zur Belohnung dürfen sie ein paar Runden auf den
Rücken der Ponys drehen. Die Szene des Clowns, der sich verletzt
hat und die Blessuren an verschiedenen Körperteilen von einer
Zuschauerin versorgen lässt, ist grundsätzlich bekannt.
Varianten gib es dabei, wie die Verletzungen zustande kommen.
Francesco Fratellini hat hier eine originelle Version gefunden.
Geschützt von einem Superhelden-Cape, fängt er Pfeile mit
Saugnapf an der Spitze mithilfe eines auf dem Kopf getragenen
Helms. Und das führt eben zu Unfällen, deren Folgen eine Dame
mittels Küssen lindert.
  
Darya
Sharamet, Laura-Maria Gruss, Kevin Gruss und Julie Friedrich
Ihrer
ohnehin schon starken Zopfhang-Kür fügt Darya Sharamet ein
ungewöhnliches Element hinzu. Bei ihren Flügen unter der Kuppel
hat sie zumeist einen großen Bilderrahmen dabei. Diesen hält sie
in verschiedenen Positionen fest, wodurch sich neuartige Bilder
ergeben. Aber auch rein artistisch überzeugt sie auf ganzer
Linie. Etwa bei akrobatischen Posen oder schnellen Wirbeln. Die
Pferdedressuren werden wie gewohnt von Linda Biasini-Gruss und
Laura-Maria Gruss präsentiert. Mutter und Tochter starten mit
einer Hohen Schule auf zwei stattlichen schwarzen Pferden.
Francesco Fratellini gibt dazu auf dem nach oben gefahrenen
Podium in der Manegenmitte den DJ. Ebenfalls dabei sind große
weiße Blumen, die von Tänzerinnen in den passenden Kostümen
dargestellt werden. Drei weiße Rösser führt Laura-Maria sodann
in Freiheit vor. Ein gemeinsamer Steiger des Trios bildet den
Abschluss. Ihre Mutter dirigiert sodann mit leichter Hand fünf
Friesen. Auch hier sind teilweise die Blumen dabei, etwa wenn
die Pferde um diese herumlaufen. Die abschließenden Da Capi
leiten sie abwechselnd an. Eine aus mehreren Paketen bestehende
Lieferung soll an Arthur Vereano Huard zugestellt werden. Da der
Bote Francesco Fratellini heißt, wird das ganze zu einem großen
Spaß mit viel Wortwitz. Nicht immer beim Circus seiner Familie
ist Kevin Gruss, der älteste Sohn von Gilbert Gruss. So war er
zu Beginn der laufenden Tournee noch gemeinsam mit seiner
Partnerin Julie Friedrich beim Zirkus Charles Knie. Von dort
kennen wir beider Akrobatik an roten Tüchern mit einem Bett in
gleicher Farbe als Basis. Diente beim Unternehmen von Sascha
Melnjak das Wasser als zusätzlicher Effekt, bringt jetzt die
ungemein intensive Livemusik den zusätzlichen Kick. So wird die
Liebesgeschichte in der Luft zu einem wahren Rausch. Dabei
begeistert das intensive Spiel des Duos genauso wie die
vielfältigen Tricks. Etwa, wenn sich Julie zum Finale aus der
Kuppel an den Tüchern abrollt und dabei der Glitter fliegt.
 
Toa
Hattori, Schaubild nach der Pause
Nach der
Paketzustellung zweiter Episode hebt Toa Hattori das
Seilspringen auf ein circensisches Level. Was er mit dem Seil
zeigt, ist alles andere als ein Kinderspiel. Der Wirbelwind aus
Osaka zelebriert fulminante Sprünge und versprüht jede Menge
Esprit. Sechs in einer Reihe aufgestellte Kollegen animiert er
ebenfalls, mit ihm zu springen. Dann ziehen Menschen durchs
Publikum, die über ihren Kostümen durchsichtige Mäntel mit
beleuchteten LED-Schläuchen an den Rändern ragen. Damit setzen
sie den ersten Effekt für die große Nummer vor der Pause. Diese
besteht im Kern aus Akrobatik an der koreanischen Wippe der
Compania Havana und Flügen unter der Kuppel an Bungeeseilen von
vier Artistinnen und Artisten. Dank der Mitwirkung von
Tänzerinnen und Tänzern wird daraus ein fulminantes Schaubild.
Mit einem solchen beginnt ebenfalls der zweite Teil. Vier
Astronauten in mit Spiegeln besetzten Kostümen und Helm auf dem
Kopf agieren in der Manege. Dank der Leuchtelemente in Kreisform
werden sie perfekt in Szene gesetzt. Über ihnen erleben wir
Akrobatik an der Luftspirale. Wunderbar gearbeitet von Elea
Broger – Tochter des auch vom Cirque Arlette Gruss bekannten
Clowns Andre – und Sarah Florees, der Partnerin des aktuellen
Spaßmachers Francesco Fratellini. Dieser hat direkt danach
seinen nächsten Einsatz. Als Jongleur mit Bällen läuft es für
ihn bestens. Nur die musikalische Begleitung schwächelt. Denn
die stammt von einem offensichtlich in die Jahre gekommenen
Ghettoblaster. Ein Zuschauer muss einspringen und die Antennen
halten sowie austarieren. Letztendlich wird er sogar Teil der
Jonglage. Nämlich dann, wenn auf den beiden Metallstäben Teller
rotieren.
  
Eros
und Alexis Gruss, Arzuman Arutiunian, Globe of Speed
Die
Geschwister Eros und Alexis Gruss haben sich in den vergangenen
Jahren eine immer stärker werdende Ikarier-Nummer aufgebaut. Im
aktuellen Programm sind sie hingegen mit Hand-auf-Hand-Akrobatik
vertreten. Neben Balancen gehören auch Sprünge von Alexis zum
Repertoire. Den Rahmen bilden drei Tänzerinnen und zwei Tänzer
in schwarzer Garderoben. Mit den Händen bewegen sie schwarze
Stöcke. Nach der nächsten witzigen Szene mit Francesco
Fratellini und Arthur Vereano Huard sind sie schon wieder da.
Jetzt agieren sie als Smartphone-süchtige Menschen, die Selfies
von sich schießen. Den Kontrast dazu bildet Arzuman Arutiunian.
Der Equilibrist ist analog unterwegs und liest lieber ein Buch.
Dies tut er zum Song „Another Love“ auf einem kleinen Podest mit
zwei zumeist in unterschiedliche Richtungen rotierenden Kreisen.
Auf dem einen zeigt er seine anspruchsvollen
Handstandvariationen, auf dem anderen liegt der Lesestoff. So
entstehen faszinierende Effekte, die nicht groß sind, aber dafür
im Kleinen umso mehr begeistern. Die großen Dimensionen gibt es
dann wieder bei der Schlussnummer. Wie schon des öfteren, setzt
Gilbert Gruss hier auf eine Motorradkugel. Deren Aufbau wird
aufwendig zelebriert mit Menschen, die in Kutten und mit Fackeln
durch das Chapiteau ziehen. Mit einer großen Glocke, unter der
zwei Tänzer hervorkommen. Und mit zwei Männern, die den Globe
vermeintlich an Seilen hereinziehen. Die eigentliche Nummer wird
dankenswerterweise nicht unnötig in die Länge gezogen. In
schneller Folge drehen immer mehr Fahrer im großen
Stahlgitterkäfig ihre Runde. Am Ende sind es acht Biker
gleichzeitig, die für Nervenkitzel sorgen. Insbesondere, wenn
sie im Dunkeln mit beleuchteten Maschinen fahren. Kaum hat das
mächtige Requisit die Manege verlassen, fängt Francesco
Fratellini das Licht ein und erhellt damit das Finale. Darin
verabschiedet sich das Ensemble in aufeinander abgestimmten
blau-roten Kostümen ausführlich vom frenetisch applaudierenden
Publikum. |