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Cirkus Baldoni - Tour 2026
www.baldoni.dk ; 115 Showfotos

Greve, 8. August 2026: Die diesjährige Tournee ist für den Cirkus Baldoni bereit seine 25. Saison. Klar, dass dieses Jubiläum gefeiert wird. Das umfangreiche und professionell gemachte Programmheft hat auf dem Cover ein entsprechendes Emblem. Auch in der Show wird der Geburtstag angesprochen, aber nicht überstrapaziert. Die Direktion ist auf dem Platz jederzeit für das Publikum ansprechbar. René Baldoni begrüßt die Gäste an der Kasse, Partnerin Camilla sowie Tochter Michala bieten an der Restauration an diesem warmen Augusttag insbesondere Erfrischungen an.

Auf der erhöhten Rundbühne ist hingegen Peter Norgaard unser Gastgeber. Wie bei den vergangenen Produktionen führte er auch 2026 gemeinsam mit René Baldoni Regie. Nun ist er, anders als bei meinen Besuchen in den letzten beiden Jahren, ebenfalls in der Show zu erleben.


Peter Norgaard

Als Ringmaster begrüßt er das Publikum im blau-rot gestreiften Chapiteau mit seinen 480 Sitzplätzen und begleitet es durch den Nachmittag. Er moderiert, singt, tanzt und sorgt als Bauchredner für Heiterkeit. Dies wohldosiert in mehreren Auftritten. Herrlich witzig sind seine Dialoge mit einem Plüschlöwen im Baldoni-T-Shirt. Noch besser gefällt mir sein Zusammenspiel mit einem zotteligen Hund, der nicht nur zum Knuddeln süß ist, sondern es zudem faustdick hinter den Ohren hat. In allen seinen Rollen gibt er den Greatest Showman. Dies formvollendet in rotem Frack mit passender Weste, blauem Zylinder, weißem Hemd und schwarzer Hose. Bevor Peter Norgaard die Vorstellung eröffnen darf, sorgt José Michel für das Warm up und dafür, dass die Szenerie in hellem Licht erstrahlt. Auf einer Bar stehen nicht nur Becher und Flaschen, sondern es findet sich dort auch ein historisches technisches Gerät. Als der Clown das zugehörige Kabel richtig verknotet, fließt der Strom und die Scheinwerfer nehmen ihren Dienst auf.


Nandor Varadi und Diana Boiachin, Duo Crystal

Die ersten Sequenzen des Openings gehören dem Ringmaster, dann kommen die weiteren Mitglieder des Ensembles hinzu, um sich den Gästen vorzustellen. Das ist bei den Artisten der ersten Darbietung fast nicht notwendig, denn Nandor Varadi und Diana Boiachin sind den Baldoni-Stammgästen aus den Vorjahren bestens bekannt. Natürlich zeigen sie jetzt neue Nummern. Zunächst erleben wir Nandor als Tellerjongleur. Das Rotieren des Porzellans auf dünnen Stäben wird hier in eine Restaurantszene verpackt. Peter Norgaard ist der Gast, die beiden Artisten sind die Gastgeber. Die Teller werden zunächst abgewaschen und dann durch schnelles Drehen wieder getrocknet. Das Ganze wird mit ordentlich Tempo und viel Humor gespielt. Dazu gibt es weitere Einlagen aus dem Bereich Jonglage. In weißen Kostümen mit prächtigen goldenen Applikationen erleben wir das Duo Crystal an Tüchern. Dabei fungiert Edvard zumeist als Porteur, der Alexandra bei ihren akrobatischen Posen hält. Gleich zu Beginn hängt er kopfüber zwischen den Stoffbahnen und umgreift einen Arm sowie ein Bein von ihr. Das Finale bestreitet Alexandra im Solo, wenn sie sich an den Tüchern aus der Kuppel abrollt. Ihr Partner sorgt dabei für die sichere Landung. Insgesamt überraschen uns die Ungarn mit einer nicht alltäglichen, wunderbar präsentierten Kür in der Luft.


Fatime, Duo Lagroni

Zumindest in verschiedenen Weihnachtscircus-Produktionen konnten wir Fatime und ihre Hauskatzen auch schon in Deutschland sehen. Charmant leitet sie ihre Stubentiger in verschiedenen Fellschattierungen zu Balancen und Sprüngen in mehreren Varianten an. Neben beeindruckenden Tricks komm auch der Humor nicht zu kurz. Dafür sorgt Ehemann Plamen. Wenn eine Katze den weiten Sprung von Podest zu Podest nicht wagen will, trägt er sie einfach auf seinem Rücken hinüber. Ebenfalls mit dabei ist der Sohn der beiden, welcher im Hintergrund assistiert. Mit einem weitaus gefährlicheren Lebewesen hat es sogleich José Michel zu tun. Als Großwildjäger pirscht er sich über die Bühne. Dass er dabei vom großen Baldoni Rex verfolgt wird, merkt er nicht. Erst als er dem Dinosaurier Auge in Auge gegenübersteht, ist der Schreck groß. Peter Norgaard versucht dem Dino danach circusgerechte Kunststücke zu entlocken. Doch der vorgesehene Sprung durch einen Reifen scheitert an den Größenverhältnissen. Zum Ende des ersten Teils dürfen wir staunen. Nämlich darüber, wie schnell Claudia Bremlov und Dominik Lagroni ihre Kleider wechseln. Bei seinen schwungvollen Quick-Change-Illusionen verwöhnt uns das Duo Lagroni mit einer Modenschau der besonderen Art. Vor allen Dingen Claudia ist es, die immer wieder ihre Outfits ändert. Kaum ist der Rundum-Vorhang, in dessen Zentrum sie steht, nach oben gezogen, fällt er auch schon wieder. Und voilà – die Artistin hat neue Kleider an. Den fulminanten Schlusspunkt setzt ein blitzschneller Quick Change im Glitterregen.


Mr. Jumping, Claudia Bremlov

In die Pause schicken uns Peter Norgaard und sein Löwe. Danach geht es mit dem Moderator ohne Begleitung weiter. Schnell wird er dabei von einem Requisiteur unterbrochen. Die findigen Zuschauer erkennen in ihm den zweiten Vorführer der Katzendressur wieder. Diesmal erleben wir Plamen als Mr. Jumping. Das große Requisit für sein Solo ist bereits aufgebaut: ein Trampolin mit Sprungturm. Nach dem Zusammenspiel mit Peter Norgaard sorgt Mr. Jumping darauf für rasante und höchst amüsante Eskapaden. Hier verbinden sich Slapstick und Akrobatik zu einem großen Vergnügen. Natürlich darf auch ein kleiner Striptease nicht fehlen. Im Schwimmbad-tauglichen Outfit folgt dann Salto auf Salto. Dank der „tierischen Kanonenkugel“ geht es mit einer nicht ganz ernstgemeinten Sensationsnummer weiter. Dabei wird der Plüschlöwe von Peter Norgaard von einer Seite des Chapiteaus auf die andere geschossen. Dort wartet José Michel mit einer Zielscheibe. Bevor der Flug starten kann, liefern sich Mensch und Löwe einen witzigen Dialog. Die Landung nach dem Riesensatz ist alles andere als sanft, dafür aber umso origineller. Die Antipodenspiele von Claudia Bremlov waren vor vielen Jahren eine Attraktion im Circus Universal Renz. Nach wie vor begeistert die blonde Artistin insbesondere mit ihrem ausführlichen Schlusstrick. Immer kleiner werdende Kisten stapelt sie dabei unter einen Turm, den sie mit den Füßen balanciert. Am Ende hat das Gebilde eine ansehnliche Größe. Sicher hält sie das eindrucksvolle Gebilde im Gleichgewicht. Zuvor jongliert sie verschiedene Walzen mit dem Fuß. Dies sowohl im Stand als auch mit dem Rücken auf einer Trinka liegend.


José Michel, Diana Boiachin, Duo Crystal

August José Michel und Gattin Giulia als Weißclown verbindet man unwillkürlich mit dem Wasserentree, welches die beiden in unerreichter Manier aufführen. Da wir diese Nummer mit ihnen bereits in den letzten beiden Jahren bei Baldoni sehen konnten, gibt es nun jede Menge Spaß rund um eine Küche. Dabei spielt eine Saloontür eine wichtige Rolle. In Kochoutfits laufen José Michel und Peer Norgaard immer wieder hindurch. Zur Freude insbesondere der Kinder klatschen sie sich dabei gegenseitig reichlich Sahne ins Gesicht. Yulia versucht mehr oder weniger erfolgreich Ordnung in das Chaos zu bringen. Am Ende erfreuen uns José und Giulia mit wunderbarer Livemusik. Noch einmal gehört das Scheinwerferlicht Diana Boiachin und Nandor Varadi. Diesmal steht Diana mit Akrobatik am Kronleuchter im Mittelpunkt. Darunter befindet sich ein Bett, auf dem Nandor wartet und seine Partnerin immer wieder aus der Luft in Empfang nimmt und mit ihr artistische Figuren zeigt. Quasi Tricks der Partnerakrobatik, zu der beide aus gegensätzlichen Richtungen zusammenfinden. Dieser schön inszenierte Auftritt endet mit dem Genickhangwirbel von Diana. Dank umfangreicher Kostümierung kaum wiederzuerkennen ist das Duo Crystal. Nun zeigen Edvard und Alexandra Rollschuhakrobatik im Rock'n' Roll-Stil. Die Choreographie rund um die eigentlichen Tricks nimmt viel Raum ein. Spannend sind die Touren auch deshalb, weil Alexandra vergleichsweise groß ist. Das hält die beiden aber nicht davon ab, uns mit rasanten Fahrten zu verwöhnen. Das anschließende Finale ist in eine schöne Choreographie verpackt, bei der auch der Schlagzeuger seinen verdienten Applaus bekommt. Er setzt die Akzente zur Musik, die ansonsten aus dem Computer kommt. Über eine Treppe begeben sich die Mitwirkenden zum Haupteingang, um dort ein Spalier für die nach Hause gehenden Zuschauer zu bilden. Das braucht seine Zeit, denn das Chapiteau ist an diesem Nachmittag bestens besetzt.

Der hervorragende Besuch ist der verdiente Lohn für das gesamte Ensemble, aber insbesondere für die Direktion. Es ist schon eine bemerkenswerte Leistung, einen Circus dieser Größenordnung über ein Vierteljahrhundert erfolgreich zu steuern. Zum Tourneebetrieb gehören weitere Aktivitäten. Wenn dieser Beitrag Anfang September erscheint, spielt der Cirkus Baldoni in Hallen auf den Faröer Inseln. Von Mitte November bis Mitte Dezember produziert das Unternehmen einen Weihnachtscircus, der an verschiedenen Orten gastiert. Ganz offensichtlich wird dieses vielfältige Engagement vom Publikum honoriert. Somit bedanke ich mich für das wunderbare Jubiläumsprogramm, gratuliere recht herzlich zum 25. Geburtstag und freue mich auf viele weitere Vorstellungen unter dem blau-roten Chapiteau.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch