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Noch gemietet waren beim
letzten Gastspiel Vor- und Hauptzelt.
Doch kurz nach dem
Auftakt in der Mainmetropole wurden die eigenen Zeltanlagen
geliefert und eingesetzt. Natürlich sind sie auch nun großzügig
aufgebaut. Die Restauration wird genauso wie das weiße Chapiteau
von außenliegenden Gitterbögen getragen. Das geräumige Vorzelt
führt an der Stirn den Unternehmensnamen und ist mit einem
Holzboden versehen. Ein auf einem Steg ausgerollter roter
Teppich führt hinein. Im Inneren laden viele liebevoll
gestaltete Stände dazu ein, sich kulinarisch zu verwöhnen. Davor
befindet sich ein Biergarten. Alles ist traumhaft beleuchtet. An
der Seite ist in einem weiteren Zelt ein Circusmuseum
untergebracht.

Chapiteau
des Circus Gebrüder Barelli
Den Mittelpunkt
aber bildet das Spielzelt. Von außen sieht es beeindruckend aus,
im Zuschauerraum gibt es dank der fehlenden Masten beste Sicht
von allen Plätzen. Neben Krone dürfte Barelli aktuell der
einzige Tourneecircus in Deutschland sein, der diesen Komfort
bietet. Und die Annehmlichkeiten gehen beim Gradin weiter. Die
durchgehend ansteigende Konstruktion kann bis zu 1.237 Zuschauer
auf gepolsterten Klappsitzen aufnehmen, wie die Homepage
informiert. Der Anblick dieses Auditoriums ist genauso
faszinierend wie die Sicht von einem der Stühle auf das
Geschehen in der Manege. In dieser befindet sich noch echtes
Sägemehl, denn Tierdressuren sind fester Bestandteil der Show.
Untergebracht sind die Vierbeiner in einem großzügigen
Stallzelt. Außerdem stehen Freigehege zur Verfügung. Bereits vom
Gastspiel 2024 bekannt ist der prächtige Artisteneingang, auf
dem auch jetzt wieder ein Orchester sitzt und die Show mit
wunderbarer Livemusik begleitet.

Orchester
Das Programm ist
wiederum eine gelungene, abwechslungsreiche Mischung aus
Darbietungen der Direktionsfamilie und engagierten Nummern aus
mehreren Nationen. Es hat mit rund 2 Stunden und 40 Minuten
inklusive Pause für meinen Geschmack genau die richtige Länge.
Dank einer flotten Crew von Requisiteuren und originell
gestalteten Übergängen läuft es sehr flüssig ab.
 
Antony
Barelli, Pieric und Timmy Barelli, Franz Barelli
Immer wieder
erleben wir die Clowns. Allen voran der Franzose Pieiric, den
wir etwa schon beim Cirque Arlette Gruss erleben durften. Hinzu
kommen Timmy und Antony Barelli, sowie Harry und Franz Barelli
als gestrenge Gegenspieler. Den Prolog übernehmen Pieric und
Timmy. Letzterer spielt an verschiedenen Stellen im Chapiteau
Trompete und erwartet das Echo. Dieses kommt, wie wir bald
erfahren, von Antony. Am Ende spielen Onkel und Neffe gemeinsam
auf der Piste sitzend, während ihnen Pieric und Antonys Vater
Franz Barelli gegenüber stehen. Es folgt das Opening mit dem
gesamten Ensemble, das von den Aufgängen des Gradins in die
Manege kommt, um ausgelassen das Publikum zu begrüßen. Der
Seniorchef lässt es sich nicht nehmen, seine Gäste zur Premiere
persönlich willkommen zu heißen. Was man mit dem Stiel eines
Rechens alles machen kann, führt uns Pieric nach einem Dialog
mit Franz Barelli vor. Etwa, ihn als Querflöte zu benutzen oder
damit eine Pfauenfeder in die Luft zu schießen, um sie
anschließend auf der Stirn zu balancieren. Nach einem Gespräch
zwischen den Brüdern begeistert Timmy Barelli mit seinem
Gesangstalent, Franz stimmt zum famosen Finale mit ein. Den
Klassiker „Das Musizieren ist hier verboten“ geben Harry Barelli
und Enkel Antony zum Besten. Der 12-Jährige spielt wiederum auf
seiner Trompete.

Szene aus dem
Finale
Wenn Pieric sich
im folgenden Sketch mehrfach an der Hand verletzt, muss Franz
Barelli mit einem Kuss für Linderung sorgen. Das geht so lange
gut, bis das Hinterteil des Clowns mit dem gestreiften Shirt und
der Latzhose Schaden nimmt. Einen Soloauftritt hat der
Spaßmacher aus Frankreich als Kunstreiter auf einem stattlichen
Ross, welches liebevoll aus Stoff und anderen Materialien
gefertigt ist. Als sein Reiterhut auf den Manegenbogen fällt,
muss ein Junge aus dem Publikum einspringen und die
Kopfbedeckung aufheben. Zum Dank darf er hinter Pieric Platz
nehmen und gemeinsam mit ihm ein paar Runden drehen. Diese
liebevoll gespielte Nummer ist sinnigerweise direkt nach der
Hohen Schule platziert. Das Finale eröffnet Timmy Barelli mit
einem Song, zu dem die männlichen Artisten der Reihe nach
hereinkommen. Alle in einheitlichen dunklen Hosen und Westen
sowie weißen Hemden gekleidet. Nachdem die Herren eine Pyramide
gebildet haben, erobern die Frauen in roten Kleidern tanzend die
Szenerie. Es wird ein ausgelassener, fröhlicher Abschied. Das
Publikum feiert die Akteure mit frenetischem Applaus im Stehen.
Die letzten Augenblicke gehören den Brüdern Timmy und Franz.
 
Franz
Barelli, Ramona Barelli
Doch nicht nur als
Clowns beweisen unsere Gastgeber ihr können. Sie tun dies
ebenfalls auf den Gebieten Tierdressur und Artistik. Franz
Barelli präsentiert zunächst vier Kamele in einer flotten
Laufarbeit. Bald kommen drei weiße Araber hinzu. Die Decken der
Kamele, die Geschirre der Pferde sowie das Kostüm des
Tierlehrers sind farblich aufeinander abgestimmt. Wir erleben
harmonische Abläufe, die von Franz Barelli souverän dirigiert
werden. Während die Kamele auf der einen Seite der Manege
abliegen, flechten die Araber auf der anderen. Mit dem
Solosteiger eines Pferdes endet diese Nummer. Eingerahmt wird
sie vom Ballett, das zu den Tonitos gehört. Das weibliche
Quartett ist auch bei der Hohen Schule von Ramona Barelli dabei.
Nun in spanischen Kostümen bilden die Tänzerinnen zunächst ein
Spalier und agieren später in der Manege, während sich Pferd
sowie Reiterin um sie herum bewegen. Temperamentvoll lenkt
Ramona Barelli das edle Ross bei immer neuen Schrittfolgen. Wir
dürfen eine abwechslungsreiche Kür erleben, bei der Mensch und
Tier vertraut miteinander harmonieren.
  
Salima
Folco Barelli, Francesco Barelli, Ashley Barelli
Unter die Kuppel
des Chapiteaus geht es mit Salima Folco Barelli. Einmal mehr
sehen wir die Enkelin des legendären Circusdirektors Franz
Althoff an den Tüchern. Schöne Tricks werden sympathisch
präsentiert. Während dieser Darbietung unterstützt Timmy Barelli
das Orchester mit dem Saxofon. Die Pausennummer gehört Francesco
Barelli. Bereits vor zwei Jahren begeisterte er das Publikum mit
seinen Bouncing-Jonglagen. Im Herbst 2024 gehörte er sogar zu
den Teilnehmern des European Youth Circus in Wiesbaden. Der
Newcomer überzeugt mit seinen artistischen Fähigkeiten genauso
wie mit dem Verkauf. Er beherrscht das Spiel mit seinen
Jonglierbällen in gleicher Weise wie das mit den Zuschauern. Bis
zu sieben Bälle gleichzeitig lässt er am Premierenabend auf dem
Boden einer Plattform tanzen. Für eine Sequenz wird das Podium
weit in die Höhe gefahren. Auch eine Treppe nimmt Francesco
Barelli locker, während er dabei jongliert. Die Requisiten
bekommt er von zwei Damen des Balletts zugeworfen. Im zweiten
Teil erleben wir seine Cousine Ashley mit einer feurigen
Hula-Hoop-Show. Heiß wird es im wahrsten Sinne des Wortes, wenn
sie am Ende mehrere Ringe mit lodernden Flammen daran um
verschiedene Körperteile rotieren lässt. Aber auch während ihrer
ganzen Performance gibt die junge Dame volle Power. Im rockigen
Outfit und zu entsprechender Musik (etwa „Holding Out For A
Hero“ von Bonnie Tyler) wirbelt sie durch die Manege und lässt
dabei gekonnt die Reifen um Arme, Beine sowie Rumpf kreisen. Sie
ist mit vollem Einsatz bei der Sache und versprüht ordentlich
Energie Richtung Zuschauerraum.
  
Brothers
Rivera, Tonitos, Flying Milla
Bei den
engagierten Acts machen die Brothers Rivera den Auftakt. Bereits
zu Beginn der Vorstellung hängt ihr Todesrad über der Manege.
Darin dreht das Duo aus Kolumbien abgefahrene Runden. Beim
Seilspringen befinden sich sogar beide auf den Außenseiten ihrer
Kessel. Zudem erleben wir etwa den Lauf mit verbundenen Augen
und hohe Sprünge. Mit einem Duell starten Kevin und David ihre
Akrobatik auf dem Drahtseil. Sie liefern sich einen lebhaften
Fechtkampf, der natürlich für beide glimpflich ausgeht. In edlen
Kostümen aus ihrer spanischen Heimat demonstrieren die Gebrüder
Tonitos danach abwechselnd ihr Können. Dazu gehören der Sprung
über ein mit Messern besetztes Hindernis sowie ein beherzter
Satz durch einen großen brennenden Reifen. Auch der Tanz auf dem
gespannten Draht kommt nicht zu kurz. Aus jeweils zwei Damen und
Herren bestehen die Flying Milla, die direkt nach der Pause für
Nervenkitzel sorgen. Wenngleich der dreifache Salto auch im
zweiten Anlauf nicht klappen will, verwöhnen sie uns mit der
Passage und anderen Sprüngen. Dazu gibt es eine gute Portion
chilenisches Temperament. Während das Sicherheitsnetz abgebaut
wird, unterhält uns ein Human Slinky. Unter dem Röhrenkostüm
steckt Gimmi Fornaciari. Wie die Homepage informiert, ist er
ausgebildeter Opernsänger. Sein musikalisches Talent stellt er
an mehreren Stellen im Programm gemeinsam mit dem Orchester
unter Beweis. Außerdem ist er mit einer Hundedressur zu sehen.
Wobei das Tier in diesem Fall ein Roboter ist, der sich aber
überraschend „tierisch“ verhält und sogar durch einen Reifen
springt. Vor dem Finale erleben wir noch einmal die Tonitos.
Diesmal lässt uns einer der Herren vom Drahtseil gemeinsam mit
den vier Tänzerinnen bei Großillusionen staunen. In flotter
Folge und gekonnter Aufmachung erleben wir insgesamt vier
aufwendig zelebrierte Tricks. Bei einem wird eine in einer Kiste
sitzende Frau von brennenden Stäben durchbohrt, um kurz darauf
unverletzt wieder aufzutauchen. Und noch mehr: drei weitere
Damen erscheinen aus dem Behältnis. Bei der „Luna Magic Show“
kann man seinen Augen (fast) nicht trauen.
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