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Circus Gebrüder Barelli - Tour 2026
www.gebrueder-barelli.de ; 154 Showfotos

Frankfurt am Main, 17. Juli 2026: Vor gut zwei Jahren, im Mai 2024, feierte der Circus Gebrüder Barelli an dieser Stelle seinen Neustart. Nun steht das Unternehmen der Familie Spindler wieder auf dem Festplatz am Ratsweg. Schon damals war der Gesamteindruck, den das Material machte, schlichtweg grandios. Dies insbesondere dank der aufwendig restaurierten nostalgischen Fahrzeuge, die in der Sonne um die Wette strahlten. Das tun sie auch jetzt wieder. Hinzu kommt der wunderschöne Zaun in der Front mit Laternen und beleuchteten Bögen. Der Kassenwagen ist ebenfalls eine Augenweide.

Noch gemietet waren beim letzten Gastspiel Vor- und Hauptzelt. Doch kurz nach dem Auftakt in der Mainmetropole wurden die eigenen Zeltanlagen geliefert und eingesetzt. Natürlich sind sie auch nun großzügig aufgebaut. Die Restauration wird genauso wie das weiße Chapiteau von außenliegenden Gitterbögen getragen. Das geräumige Vorzelt führt an der Stirn den Unternehmensnamen und ist mit einem Holzboden versehen. Ein auf einem Steg ausgerollter roter Teppich führt hinein. Im Inneren laden viele liebevoll gestaltete Stände dazu ein, sich kulinarisch zu verwöhnen. Davor befindet sich ein Biergarten. Alles ist traumhaft beleuchtet. An der Seite ist in einem weiteren Zelt ein Circusmuseum untergebracht.


Chapiteau des Circus Gebrüder Barelli

Den Mittelpunkt aber bildet das Spielzelt. Von außen sieht es beeindruckend aus, im Zuschauerraum gibt es dank der fehlenden Masten beste Sicht von allen Plätzen. Neben Krone dürfte Barelli aktuell der einzige Tourneecircus in Deutschland sein, der diesen Komfort bietet. Und die Annehmlichkeiten gehen beim Gradin weiter. Die durchgehend ansteigende Konstruktion kann bis zu 1.237 Zuschauer auf gepolsterten Klappsitzen aufnehmen, wie die Homepage informiert. Der Anblick dieses Auditoriums ist genauso faszinierend wie die Sicht von einem der Stühle auf das Geschehen in der Manege. In dieser befindet sich noch echtes Sägemehl, denn Tierdressuren sind fester Bestandteil der Show. Untergebracht sind die Vierbeiner in einem großzügigen Stallzelt. Außerdem stehen Freigehege zur Verfügung. Bereits vom Gastspiel 2024 bekannt ist der prächtige Artisteneingang, auf dem auch jetzt wieder ein Orchester sitzt und die Show mit wunderbarer Livemusik begleitet.


Orchester

Das Programm ist wiederum eine gelungene, abwechslungsreiche Mischung aus Darbietungen der Direktionsfamilie und engagierten Nummern aus mehreren Nationen. Es hat mit rund 2 Stunden und 40 Minuten inklusive Pause für meinen Geschmack genau die richtige Länge. Dank einer flotten Crew von Requisiteuren und originell gestalteten Übergängen läuft es sehr flüssig ab.


Antony Barelli, Pieric und Timmy Barelli, Franz Barelli

Immer wieder erleben wir die Clowns. Allen voran der Franzose Pieiric, den wir etwa schon beim Cirque Arlette Gruss erleben durften. Hinzu kommen Timmy und Antony Barelli, sowie Harry und Franz Barelli als gestrenge Gegenspieler. Den Prolog übernehmen Pieric und Timmy. Letzterer spielt an verschiedenen Stellen im Chapiteau Trompete und erwartet das Echo. Dieses kommt, wie wir bald erfahren, von Antony. Am Ende spielen Onkel und Neffe gemeinsam auf der Piste sitzend, während ihnen Pieric und Antonys Vater Franz Barelli gegenüber stehen. Es folgt das Opening mit dem gesamten Ensemble, das von den Aufgängen des Gradins in die Manege kommt, um ausgelassen das Publikum zu begrüßen. Der Seniorchef lässt es sich nicht nehmen, seine Gäste zur Premiere persönlich willkommen zu heißen. Was man mit dem Stiel eines Rechens alles machen kann, führt uns Pieric nach einem Dialog mit Franz Barelli vor. Etwa, ihn als Querflöte zu benutzen oder damit eine Pfauenfeder in die Luft zu schießen, um sie anschließend auf der Stirn zu balancieren. Nach einem Gespräch zwischen den Brüdern begeistert Timmy Barelli mit seinem Gesangstalent, Franz stimmt zum famosen Finale mit ein. Den Klassiker „Das Musizieren ist hier verboten“ geben Harry Barelli und Enkel Antony zum Besten. Der 12-Jährige spielt wiederum auf seiner Trompete.


Szene aus dem Finale

Wenn Pieric sich im folgenden Sketch mehrfach an der Hand verletzt, muss Franz Barelli mit einem Kuss für Linderung sorgen. Das geht so lange gut, bis das Hinterteil des Clowns mit dem gestreiften Shirt und der Latzhose Schaden nimmt. Einen Soloauftritt hat der Spaßmacher aus Frankreich als Kunstreiter auf einem stattlichen Ross, welches liebevoll aus Stoff und anderen Materialien gefertigt ist. Als sein Reiterhut auf den Manegenbogen fällt, muss ein Junge aus dem Publikum einspringen und die Kopfbedeckung aufheben. Zum Dank darf er hinter Pieric Platz nehmen und gemeinsam mit ihm ein paar Runden drehen. Diese liebevoll gespielte Nummer ist sinnigerweise direkt nach der Hohen Schule platziert. Das Finale eröffnet Timmy Barelli mit einem Song, zu dem die männlichen Artisten der Reihe nach hereinkommen. Alle in einheitlichen dunklen Hosen und Westen sowie weißen Hemden gekleidet. Nachdem die Herren eine Pyramide gebildet haben, erobern die Frauen in roten Kleidern tanzend die Szenerie. Es wird ein ausgelassener, fröhlicher Abschied. Das Publikum feiert die Akteure mit frenetischem Applaus im Stehen. Die letzten Augenblicke gehören den Brüdern Timmy und Franz.


Franz Barelli, Ramona Barelli

Doch nicht nur als Clowns beweisen unsere Gastgeber ihr können. Sie tun dies ebenfalls auf den Gebieten Tierdressur und Artistik. Franz Barelli präsentiert zunächst vier Kamele in einer flotten Laufarbeit. Bald kommen drei weiße Araber hinzu. Die Decken der Kamele, die Geschirre der Pferde sowie das Kostüm des Tierlehrers sind farblich aufeinander abgestimmt. Wir erleben harmonische Abläufe, die von Franz Barelli souverän dirigiert werden. Während die Kamele auf der einen Seite der Manege abliegen, flechten die Araber auf der anderen. Mit dem Solosteiger eines Pferdes endet diese Nummer. Eingerahmt wird sie vom Ballett, das zu den Tonitos gehört. Das weibliche Quartett ist auch bei der Hohen Schule von Ramona Barelli dabei. Nun in spanischen Kostümen bilden die Tänzerinnen zunächst ein Spalier und agieren später in der Manege, während sich Pferd sowie Reiterin um sie herum bewegen. Temperamentvoll lenkt Ramona Barelli das edle Ross bei immer neuen Schrittfolgen. Wir dürfen eine abwechslungsreiche Kür erleben, bei der Mensch und Tier vertraut miteinander harmonieren.


Salima Folco Barelli, Francesco Barelli, Ashley Barelli

Unter die Kuppel des Chapiteaus geht es mit Salima Folco Barelli. Einmal mehr sehen wir die Enkelin des legendären Circusdirektors Franz Althoff an den Tüchern. Schöne Tricks werden sympathisch präsentiert. Während dieser Darbietung unterstützt Timmy Barelli das Orchester mit dem Saxofon. Die Pausennummer gehört Francesco Barelli. Bereits vor zwei Jahren begeisterte er das Publikum mit seinen Bouncing-Jonglagen. Im Herbst 2024 gehörte er sogar zu den Teilnehmern des European Youth Circus in Wiesbaden. Der Newcomer überzeugt mit seinen artistischen Fähigkeiten genauso wie mit dem Verkauf. Er beherrscht das Spiel mit seinen Jonglierbällen in gleicher Weise wie das mit den Zuschauern. Bis zu sieben Bälle gleichzeitig lässt er am Premierenabend auf dem Boden einer Plattform tanzen. Für eine Sequenz wird das Podium weit in die Höhe gefahren. Auch eine Treppe nimmt Francesco Barelli locker, während er dabei jongliert. Die Requisiten bekommt er von zwei Damen des Balletts zugeworfen. Im zweiten Teil erleben wir seine Cousine Ashley mit einer feurigen Hula-Hoop-Show. Heiß wird es im wahrsten Sinne des Wortes, wenn sie am Ende mehrere Ringe mit lodernden Flammen daran um verschiedene Körperteile rotieren lässt. Aber auch während ihrer ganzen Performance gibt die junge Dame volle Power. Im rockigen Outfit und zu entsprechender Musik (etwa „Holding Out For A Hero“ von Bonnie Tyler) wirbelt sie durch die Manege und lässt dabei gekonnt die Reifen um Arme, Beine sowie Rumpf kreisen. Sie ist mit vollem Einsatz bei der Sache und versprüht ordentlich Energie Richtung Zuschauerraum.


Brothers Rivera, Tonitos, Flying Milla

Bei den engagierten Acts machen die Brothers Rivera den Auftakt. Bereits zu Beginn der Vorstellung hängt ihr Todesrad über der Manege. Darin dreht das Duo aus Kolumbien abgefahrene Runden. Beim Seilspringen befinden sich sogar beide auf den Außenseiten ihrer Kessel. Zudem erleben wir etwa den Lauf mit verbundenen Augen und hohe Sprünge. Mit einem Duell starten Kevin und David ihre Akrobatik auf dem Drahtseil. Sie liefern sich einen lebhaften Fechtkampf, der natürlich für beide glimpflich ausgeht. In edlen Kostümen aus ihrer spanischen Heimat demonstrieren die Gebrüder Tonitos danach abwechselnd ihr Können. Dazu gehören der Sprung über ein mit Messern besetztes Hindernis sowie ein beherzter Satz durch einen großen brennenden Reifen. Auch der Tanz auf dem gespannten Draht kommt nicht zu kurz. Aus jeweils zwei Damen und Herren bestehen die Flying Milla, die direkt nach der Pause für Nervenkitzel sorgen. Wenngleich der dreifache Salto auch im zweiten Anlauf nicht klappen will, verwöhnen sie uns mit der Passage und anderen Sprüngen. Dazu gibt es eine gute Portion chilenisches Temperament. Während das Sicherheitsnetz abgebaut wird, unterhält uns ein Human Slinky. Unter dem Röhrenkostüm steckt Gimmi Fornaciari. Wie die Homepage informiert, ist er ausgebildeter Opernsänger. Sein musikalisches Talent stellt er an mehreren Stellen im Programm gemeinsam mit dem Orchester unter Beweis. Außerdem ist er mit einer Hundedressur zu sehen. Wobei das Tier in diesem Fall ein Roboter ist, der sich aber überraschend „tierisch“ verhält und sogar durch einen Reifen springt. Vor dem Finale erleben wir noch einmal die Tonitos. Diesmal lässt uns einer der Herren vom Drahtseil gemeinsam mit den vier Tänzerinnen bei Großillusionen staunen. In flotter Folge und gekonnter Aufmachung erleben wir insgesamt vier aufwendig zelebrierte Tricks. Bei einem wird eine in einer Kiste sitzende Frau von brennenden Stäben durchbohrt, um kurz darauf unverletzt wieder aufzutauchen. Und noch mehr: drei weitere Damen erscheinen aus dem Behältnis. Bei der „Luna Magic Show“ kann man seinen Augen (fast) nicht trauen.

Der Circus Gebrüder Barelli zaubert 2026 eine traumhafte Circuswelt auf den Festplatz am Frankfurter Ratsweg. Wunderschöne Wagen und ein imposantes Chapiteau ergeben gemeinsam mit vielen weiteren Bestandteilen einen einzigartigen Anblick. Alles ist bis ins kleinste Detail liebevoll und hochwertig gestaltet. Das Programm überzeugt mit einer gelungenen Melange aus eigenen und engagierten Darbietungen. Auch die Tiere haben darin ihren Platz. Es läuft flott ab und beinhaltet attraktive Genres wie Todesrad sowie Flugtrapez. Dazu gibt es fantastische Livemusik und ein stimmungsvolles Licht. So erleben wir einen wunderbaren Abend mit klassischer Circuskunst.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch