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Im Inneren
gibt es ein Gradin mit Schalensitzen, in den Logen stehen
Einzelstühle. Der Artisteneingang ist wunderbar nostalgisch
gestaltet. Über der Gardine hängt das beleuchtete Logo des
Unternehmens. Lichterketten gehen von der Kuppel hinunter zur
Rundleinwand.

Cirkus
Brazil Jack in Göteborg
Überhaupt
spielt das Licht eine große Rolle. Das umfangreiche Equipment
wird sehr professionell eingesetzt, um eine traumhafte
Atmosphäre zu schaffen. Die Verpackung der Show ist hier sehr
aufwendig. Auch hinter den Kulisse gab es Optimierungen. Ein
Küchenwagen inklusive Bereich mit Tischen und Stühlen wurde
angeschafft. An sechs Tagen die Woche versorgt ein Koch das
gesamte Team mit Mahlzeiten, am siebten Tag wird gegrillt, wie
Trolle Rhodin erzählt. Da in Schweden vieles online oder mobile
passiert, gibt es keinen Kassenwagen. Die Tickets werden vorab
gekauft. In der Restauration wird jede Packung Popcorn, jedes
Getränk mit Karte oder Smartphone bezahlt. Da die Stadt Göteborg
Außenwerbung sehr restriktiv handhabt, wird darauf verzichtet.
Die beiden Vorstellungen am Maifeiertag um 13 und 16 Uhr sind
dennoch erfreulich gut besucht. Auch hier wird stark auf
Internet, Social Media und E-Mail-Marketing gesetzt.
 
Trolle
Rhodin, Robert Muraine
Die Show
wird in kurzweiligen rund 105 Minuten inklusive Pause gespielt.
Trolle Rhodin begrüßt das Publikum und übernimmt sehr versiert
die Moderation. Dies im klassischen Ringmasterkostüm mit
modischen Finessen. Unser zweiter Begleiter durch den Nachmittag
ist Robert Muraine. Den Comedian und Artist aus Los Angeles
hatte ich zuletzt im Winter 2012/13 bei Flic Flac in Kassel
gesehen. Damals zeigte er coole Körperverrenkungen mit
Kurzhaarschnitt, Jeans, glänzender Trainingsjacke und
Sonnenbrille. Bei Brazil Jack trägt er verschiedene Anzüge,
wahlweise mit Krawatte oder Fliege. Die Schminke im Gesicht ist
auf zwei weiße Streifen unter den Augen reduziert. Die Hinweise
vor der Show delegiert er an einen Zuschauer. Der bekommt dafür
einfach ein Mikrofon und eine Moderationskarte mit dem Text in
die Hände gedrückt. Im zweiten Teil wiederholt er das Spiel und
pirscht sich ganz unschuldig mit einer Packung Popcorn an. Für
den dann ausgewählten Herrn sowie einen weiteren Gast geht es
gleich darauf in die Manege. Gemeinsam mit dem Comedian dürfen
die beiden coole Tanzmoves zeigen. Sie schlagen sich
überraschend gut. Noch mehr Körperbeherrschung beweist Robert
Muraine im Solo. Auf einem Monowheel kommt er im Trenchcoat
hereingefahren, ein Blinklicht auf dem Kopf. So überrascht er
mit aberwitzigen Körperverrenkungen und cooler Mimik. Wenn er
den Mantel abgelegt hat, begibt er sich in noch abgefahrenere
Positionen, wird fast zum Kontorsionist. Last not least treibt
der sympathische Zeitgenosse Späße mit einem Laubbläser und
mehreren Rollen WC-Papier.
  
Susan Jasters, Willy Colombaioni, Brandon Jasters
Den
artistischen Auftakt macht Susan Jasters mit einer schönen Kür
an einem opulenten Kronleuchter. Daran bezaubert sie mit
verschiedenen Tricks der Luftakrobatik. Am Ende rotiert sie
mittels einer am Requisit hängenden Halsschlaufe um die eigene
Achse, während ein Glitterregen aus der Kuppel für zusätzliche
Effekte sorgt. Willy Colombaioni konnten wir 2015 beim Zirkus
Stey in der Schweiz erleben, wo er im damaligen Programm die
Schlussnummer bildete. Der Italiener ist nach wie vor ein
grandioser Jongleur. Er startet mit Keulen. Damit präsentiert er
variantenreiche, anspruchsvolle Touren. Weiter geht es mit
Ringen. Bis zu neun Stück hält er gleichzeitig in der Luft. Für
das Finale seiner Darbietung kehrt er zu den Keulen zurück. Am
Ende bugsiert er sie in ein Gestell, das er auf der Stirn
balanciert. Das alles präsentiert er äußerst lebhaft und
sympathisch. Dann darf der Nachwuchs zeigen, was er kann. Und
das ist eine ganze Menge, wie Brandon Jasters an den Strapaten
beweist. Der Sohn von Susan legt einen selbstbewussten Auftritt
hin. Er zeigt unter anderem kraftvolle Umschwünge und den
Handstand in luftiger Höhe an den Bändern. Auch das Spiel mit
dem Publikum hat der Youngster schon bestens drauf.
  
Richter
Airtrack, Duo Trapecios, Perla
Unter dem
Titel „Richter Airtrack“ läuft die Pausennummer. Vier muskulöse
Herren aus dem Team von Kevin Richter springen in Jeans und
Jeansweste rasant über ein langes, eher dünnes Luftkissen. Die
Sprungkombinationen sind richtig stark und werden vom Quartett
hinreißend dargeboten. Mal sind die Akteure im Solo auf dem
federnden Untergrund unterwegs, mal zu mehreren. Musikalisch
werden die Artisten vom Lied „Bella Ciao“ angetrieben. Der
zweite Teil startet unter der Kuppel des Chapiteaus mit dem Duo
Trapecios. Zwei Personen am Trapez sind erstmal nicht
ungewöhnlich. Doch hier kommen zwei Trapeze zum Einsatz, die
nebeneinander hängen. Daran zeigen die Akrobaten, eine Deutsche
und ein Argentinier, zumeist synchron, aber auch abwechselnd
waghalsige Kunststücke. Los geht es im Zehenhang, es folgen
schwungvolle Sprünge und Abfaller, bei denen sie
dankenswerterweise longiert sind. So ergeben sich einzigartige
Bilder. Was der Vater mit den Händen beherrscht, kann die
Tochter mit den Füßen – jonglieren. Perla Colombaioni hat sich
den Antipodenspielen verschrieben. Gleich zu Beginn lässt sie
ein Kreuz mit brennenden Enden auf ihre Füßen tanzen. Es folgen
Jonglagen mit Walzen und Basketbällen. Originell ist der Trick,
bei dem sie drei Walzen aufeinander auf jedem ihrer Füßen
balanciert, die Türme in die Höhe kickt und dann jeweils eine
Walze wieder auffängt. Den Abschluss dieser durch und durch
sympathisch verkauften Darbietung bildet das Bugsieren eines
Balls in einem Korb, der am oberen Ende einer Stange mit
mehreren Plattformen daran montiert ist.
 
Juma,
Diorios
Mit
Körperverrenkungen der extrem Art verblüfft Juma. Der junge
Artist sprüht vor Fröhlichkeit und steckt dabei seine Gliedmaßen
in die ungewöhnlichsten Positionen. Er scheint wirklich keine
Knochen zu haben. Während das Publikum noch rätselt, wie eine
Figur überhaupt möglich sein kann, hat er schon die nächste
eingenommen. Dank farbiger Kontaktlinsen bekommen seine
intensiven Blicke Richtung Zuschauer etwas mystisches. Als
Schlussnummer präsentiert der Cirkus Brazil Jack einmal mehr
eine Motorradkugel. Bis zu fünf Fahrer aus dem Hause Diorio
jagen gemeinsam durch den Globe of Speed, der sich am Ende sogar
öffnet. Für Nervenkitzel ist also gesorgt, wie schon zuvor bei
der Fahrt im Dunkeln mit beleuchteten Maschinen. Zurück auf dem
Boden der Manege, lassen sich die Biker ausgiebig feiern.

Finale
Regelrecht
zelebriert wird auch das Finale. Alle Mitwirkenden strömen
herein und versammeln sich in der Mitte der Manege. Trolle
Rhodin spuckt Feuer, dann versprühen Feuerfontänen an der Piste
ihre Funken. Das Publikum applaudiert dem Ensemble frenetisch.
Der Direktor sprich die Abschiedsworte, bevor alle wieder durch
die Gardine verschwinden. Vor dem Vorhang gibt es noch kleine
Zugaben. Ein paar Augenblicke später stehen die Artisten vor
einem Fotohintergrund im Eingangsbereich. Gelegenheit für ein
Selfie, ein kurzes Gespräch oder eine persönlich Verabschiedung.
Das schafft Nähe und bringt Sympathie. Die in sozialen
Netzwerken veröffentlichten Fotos wiederum sind eine gute
Werbung. |