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Doch das alles findet im Reich des Todes statt, einer düsteren Welt.
Die lernen wir gleich am Beginn des Vorzelts kennen. Der Weg in die
Restauration führt durch ein gruseliges Labyrinth. An diesem Abend
sind nur zwei Erschrecker am Werk, die später auch im Chapiteau ihr
Unwesen treiben. Wenn man sich ein wenig konzentriert, kann man sie
gut im Blick behalten und sich so vor unliebsamen Überraschungen
schützen.

Szene aus dem Finale
Der Eingangsbereich ist aufwendig dekoriert, die Mitarbeiter an den
Ständen sind furchteinflößend geschminkt und gekleidet. Der Service
aber läuft äußerst freundlich. Die Cocktails sehen abenteuerlich
aus, manche qualmen sogar. Im Chapiteau fällt insbesondere das große
Gradin mit modernen Klappsitzen und ansteigenden Reihen auch in der
Loge auf. Bester Komfort also, um das Geschehen auf der erhöhten
Rundbühne zu genießen.
 
Nelly Biasini, Master of
Hellfire
In
dessen Eröffnungssequenz hebt ein Totengräber eine Grube aus und
spricht dabei einen Monolog. Ein „Hater“ im Zuschauerraum ruft
dazwischen. Kurz danach bricht er zusammen und stirbt
offensichtlich. Sodann erscheint er im Reich des Todes, also mitten
in der Show. Was er im Jenseits erlebt, bildet die Rahmenhandlung
der Vorstellung. Dort begegnet er verschiedene düsteren Figuren.
Eine davon stellt Giovanni Biasini dar. Mit dabei sind ebenfalls
vier Tänzerinnen, die mehrere Auftritte haben. In der ersten von
sechs artistischen Nummern zeigt Nelly Biasini eine Mischung aus
Handstandakrobatik und Kontorsion, nachdem sie zuvor auf der Bühne
erwürgt wurde. Im dunklen Outfit zeigt die junge Künstlerin
anspruchsvolle Tricks. Dann hat Hubertus Wawra seinen ersten Einsatz
als Master of Hellfire. Damit erhält der Bereich Comedy im Vergleich
zu vorherigen Ausgaben des Zirkus des Horrors eine enorme
Aufwertung. Nun muss sich kein Zuschauer mehr bei entwürdigenden
Aktionen auf der Bühne blamieren. Stattdessen gibt es wirklich
witzige Nummern mit erhöhtem Feuereinsatz. In der ersten kämpft sich
der Master of Hellfire mit zwei extrem unterschiedlich hohen
Schuhsohlen vom Gradin ins Zentrum des Geschehens. Mithilfe des
Publikums singt er einen Begrüßungssong, bei dem er sich selbst auf
der Gitarre begleitet. Am Ende brennen die Ärmel seiner Jacke. Auch
die Interaktion mit den Zuschauern gelingt bestens. Sein Thüringer
Dialekt trägt zur Erheiterung bei.
  
Rocio Henriquez, Todesrad,
Master of Hellfire
Begleitet von einem männlichen Partner am Boden zelebriert Rocio
Henriquez ihre Kür am Flying Pole. In verschiedenen Posen beweist
sie über der Bühne ihre akrobatischen Fähigkeiten sowie eine gute
Portion Risikofreude. Nach einer kleinen Szene im Kontext der
Handlung geht es schon wieder in die Luft. Am Todesrad spielen zwei
Artisten mit den Nerven des Publikums. Sie wagen rasante Touren.
Dies auch beim Seilspringen sowie dem Lauf mit verbundenen Augen auf
der Außenseite des Requisits. Die Pause kündigt eine Zuschauerin mit
einer beschrifteten runden Tafel an. Zuvor diente diese als
Zielscheibe. Der Master of Hellfire hatte mit einem riesige
Flammenwerfer bereits Maß genommen, dann aber doch Abstand von
diesem Experiment genommen. Dazu gibt es ein Feuerwerk an „heißen“
Gags. Schwarze Vögel beginnen den zweiten Teil am Boden, um sich
dann schnell ans Fliegende Trapez zu begeben. Die Flying Henriquez
bestehen aus zwei Fliegerinnen, drei Fliegern und einem Fänger.
Zunächst schwingen sie an drei Trapezen nebeneinander hin und her.
Dann beginnen sie das klassische Repertoire an diesem Requisit.
Höhepunkte sind die Passage und der an diesem Abend im zweiten
Versuch gefangene Dreifache Salto.
 
Skating Rebels, Biker
Das nächste Solo für den Master of Hellfire vereint Feuer, Erotik
und Comedy. Auf die verschiedensten Arten wird Feuer gespuckt und
geschluckt. Das geht los mit einem Feuerzeug und einer Sprühflasche
mit Reinigungsmittel. Es endet mittels im Mund rotierenden Flamme,
die unter Zuhilfenahme einer Bohrmaschine erzeugt werden. Weiter
gibt es Flammen an den Brustwarzen sowie an den Ohren. Das Outfit
dabei ist sehr extravagant. Die Schuhe haben extrem hohe Absätze.
Dazu trägt Hubertus Wawra zunächst einen langen Mantel. Als dieser
gefallen ist, ist der Blick auf ein knappes Unterteil und
Netzstrumpfhosen freigegeben. Nebenbei konsumiert er das weiße
Pulver aus einem durchsichtigen Zylinder mit der Nase. Das Ganze
kommentiert er wiederum äußerst witzig. Dank der Skating Rebels darf
der verstorbene Hater einen Blick in seine Kindheit werfen. Gergö
Török und Vivien Lauri verkörpern seine Eltern, er selbst liegt in
einer Wiege. Im Kern steht aber die Rollschuhakrobatik auf rundem
Podium. Wie schon beim letzten Karlsruher Weihnachtscircus gezeigt,
haben die beiden ein umfangreiches Repertoire, das im
Genickhangwirbel gipfelt. Am Ende, die Story will es offensichtlich
so, bringt er sie um. Für die Schlussnummer wird ein Globe of Death
aufgebaut. Durch diesen jagen am Ende vier Fahrer auf ihren
Motorrädern. Danach führen die Protagonisten sowie das Ballett die
Handlung zu Ende. Im Anschluss kommen alle Mitwirkenden für das
gruselige Finale auf die Bühne. Im Zentrum steht der beeindruckende
Sensenmann auf einem nach oben fahrbaren Podest. Im Vorzelt haben
die Besucher dann noch die Möglichkeit, sich mit dem Ensemble zu
fotografieren, was rege in Anspruch genommen wird.
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