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Zirkus des Horrors - Tour 2026
www.zirkusdeshorrors.de ; 85 Showfotos

Mannheim, 7. März 2026: Im vergangenen Jahr beschränkte sich der Zirkus des Horrors auf zwei vergleichsweise lange Gastspiele in Berlin und Wien. Aktuell stehen für 2026 vier Städte in Deutschland auf dem Tourneeplan. Den Auftakt macht Mannheim Anfang März. Aus dem Vorjahr übernommen wurde die Show unter dem Titel „Memento Mori – Deine letzte Stunde“. Sie ist nichts für Zartbesaitete. Man muss das Horror-Genre schon mögen, um voll auf seine Kosten zu kommen. Natürlich gibt es auch wieder Artistik und Comedy.

Doch das alles findet im Reich des Todes statt, einer düsteren Welt. Die lernen wir gleich am Beginn des Vorzelts kennen. Der Weg in die Restauration führt durch ein gruseliges Labyrinth. An diesem Abend sind nur zwei Erschrecker am Werk, die später auch im Chapiteau ihr Unwesen treiben. Wenn man sich ein wenig konzentriert, kann man sie gut im Blick behalten und sich so vor unliebsamen Überraschungen schützen.


Szene aus dem Finale

Der Eingangsbereich ist aufwendig dekoriert, die Mitarbeiter an den Ständen sind furchteinflößend geschminkt und gekleidet. Der Service aber läuft äußerst freundlich. Die Cocktails sehen abenteuerlich aus, manche qualmen sogar. Im Chapiteau fällt insbesondere das große Gradin mit modernen Klappsitzen und ansteigenden Reihen auch in der Loge auf. Bester Komfort also, um das Geschehen auf der erhöhten Rundbühne zu genießen.


Nelly Biasini, Master of Hellfire

In dessen Eröffnungssequenz hebt ein Totengräber eine Grube aus und spricht dabei einen Monolog. Ein „Hater“ im Zuschauerraum ruft dazwischen. Kurz danach bricht er zusammen und stirbt offensichtlich. Sodann erscheint er im Reich des Todes, also mitten in der Show. Was er im Jenseits erlebt, bildet die Rahmenhandlung der Vorstellung. Dort begegnet er verschiedene düsteren Figuren. Eine davon stellt Giovanni Biasini dar. Mit dabei sind ebenfalls vier Tänzerinnen, die mehrere Auftritte haben. In der ersten von sechs artistischen Nummern zeigt Nelly Biasini eine Mischung aus Handstandakrobatik und Kontorsion, nachdem sie zuvor auf der Bühne erwürgt wurde. Im dunklen Outfit zeigt die junge Künstlerin anspruchsvolle Tricks. Dann hat Hubertus Wawra seinen ersten Einsatz als Master of Hellfire. Damit erhält der Bereich Comedy im Vergleich zu vorherigen Ausgaben des Zirkus des Horrors eine enorme Aufwertung. Nun muss sich kein Zuschauer mehr bei entwürdigenden Aktionen auf der Bühne blamieren. Stattdessen gibt es wirklich witzige Nummern mit erhöhtem Feuereinsatz. In der ersten kämpft sich der Master of Hellfire mit zwei extrem unterschiedlich hohen Schuhsohlen vom Gradin ins Zentrum des Geschehens. Mithilfe des Publikums singt er einen Begrüßungssong, bei dem er sich selbst auf der Gitarre begleitet. Am Ende brennen die Ärmel seiner Jacke. Auch die Interaktion mit den Zuschauern gelingt bestens. Sein Thüringer Dialekt trägt zur Erheiterung bei.


Rocio Henriquez, Todesrad, Master of Hellfire

Begleitet von einem männlichen Partner am Boden zelebriert Rocio Henriquez ihre Kür am Flying Pole. In verschiedenen Posen beweist sie über der Bühne ihre akrobatischen Fähigkeiten sowie eine gute Portion Risikofreude. Nach einer kleinen Szene im Kontext der Handlung geht es schon wieder in die Luft. Am Todesrad spielen zwei Artisten mit den Nerven des Publikums. Sie wagen rasante Touren. Dies auch beim Seilspringen sowie dem Lauf mit verbundenen Augen auf der Außenseite des Requisits. Die Pause kündigt eine Zuschauerin mit einer beschrifteten runden Tafel an. Zuvor diente diese als Zielscheibe. Der Master of Hellfire hatte mit einem riesige Flammenwerfer bereits Maß genommen, dann aber doch Abstand von diesem Experiment genommen. Dazu gibt es ein Feuerwerk an „heißen“ Gags. Schwarze Vögel beginnen den zweiten Teil am Boden, um sich dann schnell ans Fliegende Trapez zu begeben. Die Flying Henriquez bestehen aus zwei Fliegerinnen, drei Fliegern und einem Fänger. Zunächst schwingen sie an drei Trapezen nebeneinander hin und her. Dann beginnen sie das klassische Repertoire an diesem Requisit. Höhepunkte sind die Passage und der an diesem Abend im zweiten Versuch gefangene Dreifache Salto.


Skating Rebels, Biker

Das nächste Solo für den Master of Hellfire vereint Feuer, Erotik und Comedy. Auf die verschiedensten Arten wird Feuer gespuckt und geschluckt. Das geht los mit einem Feuerzeug und einer Sprühflasche mit Reinigungsmittel. Es endet mittels im Mund rotierenden Flamme, die unter Zuhilfenahme einer Bohrmaschine erzeugt werden. Weiter gibt es Flammen an den Brustwarzen sowie an den Ohren. Das Outfit dabei ist sehr extravagant. Die Schuhe haben extrem hohe Absätze. Dazu trägt Hubertus Wawra zunächst einen langen Mantel. Als dieser gefallen ist, ist der Blick auf ein knappes Unterteil und Netzstrumpfhosen freigegeben. Nebenbei konsumiert er das weiße Pulver aus einem durchsichtigen Zylinder mit der Nase. Das Ganze kommentiert er wiederum äußerst witzig. Dank der Skating Rebels darf der verstorbene Hater einen Blick in seine Kindheit werfen. Gergö Török und Vivien Lauri verkörpern seine Eltern, er selbst liegt in einer Wiege. Im Kern steht aber die Rollschuhakrobatik auf rundem Podium. Wie schon beim letzten Karlsruher Weihnachtscircus gezeigt, haben die beiden ein umfangreiches Repertoire, das im Genickhangwirbel gipfelt. Am Ende, die Story will es offensichtlich so, bringt er sie um. Für die Schlussnummer wird ein Globe of Death aufgebaut. Durch diesen jagen am Ende vier Fahrer auf ihren Motorrädern. Danach führen die Protagonisten sowie das Ballett die Handlung zu Ende. Im Anschluss kommen alle Mitwirkenden für das gruselige Finale auf die Bühne. Im Zentrum steht der beeindruckende Sensenmann auf einem nach oben fahrbaren Podest. Im Vorzelt haben die Besucher dann noch die Möglichkeit, sich mit dem Ensemble zu fotografieren, was rege in Anspruch genommen wird.

Eine pure Freude ist der Besuch im Zirkus des Horrors für mich nach wie vor nicht. Zu fremd ist mir das Genre. Dennoch verdient es Anerkennung, wie die Familie Sperlich hier eine durchaus aufwendige Show produziert. Das Lichtdesign schafft eine beeindruckende Atmosphäre, es gibt originelle Kostüme, stimmig eingespielte Sounds und ein engagiertes Team. Auch die Ausstattung ist kreativ umgesetzt. Mit Flugtrapez und Comedy ganz nach meinem Geschmack hat diese Produktion auch für mich zwei Highlights. Die anderen Gäste an diesem Abend scheinen die gesamte Vorstellung „genossen“ zu haben, wie der begeisterte Applaus zeigt.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch