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Circus Knie - Tour 2026
www.knie.ch ; 205 Showfotos

Rapperswil, 13. März 2026: Früher hatte der Artisteneingang den Zweck - der Name sagt es - den Artisten ein schmuckes Entree zu ihrem Auftritt zu bieten und, sofern vorhanden, das Orchester zu beherbergen. Aufzubauen war er zumeist recht einfach. Ganz anders die Konstruktion, die der Circus Knie 2026 hinter der Manege errichtet hat. Der riesige Aufbau hat keinen sichtbaren Eingang für die Mitwirkenden, auch das Orchester bleibt dahinter versteckt. Die Einrichtung dürfte in jeder Stadt eine neue Herausforderung für die Crew darstellen.

Der Artisteneingang ist über 20 Meter breit und hat zwei markante geschwungene Bögen übereinander, von denen der untere als Showtreppe genutzt werden kann. Die gesamte Fläche ist mit LED-Bildschirmen versehen, die durchgehende Bilder erzeugen. Darauf werden bewegte Hintergründe abgespielt, die auf die jeweiligen Darbietungen abgestimmt sind. Es sind wahre lebendige Kunstwerke, die faszinieren und so noch nie in einem Tourneecircus zu sehen waren. Im zweiten Teil wird zusätzlich die aus dem vergangenen Jahr bekannte LED-Bühne genutzt. Die Projektionen darauf sind mit denen auf dem Artisteneingangs synchronisiert, bilden eine Einheit.


Finale mit Blick auf den neuen Artisteneingang

Früher diente die Inszenierung, dienten die Showeffekte in erster Linie dazu, die Auftritte in der Manege optimal zu unterstützen und der Vorstellung in Summe einen Rahmen zu geben. Hier hat Knie bereits in den letzten Jahren Innovationsgeist bewiesen. Denken wir an den Wasservorhang 2023, die Kinetic Lights im vergangenen Jahr oder verschiedene fahrbare Bühnen. Zu den bereits genannten Neuerungen kommt 2026 ein Magic Chandelier. Dieser wird aus 42 Stoffbahnen gebildet, die unter der Kuppel in einem inneren und einem äußeren Kreis aufgehängt sind. Von dort können sie herabgelassen werden, um etwa Mitwirkende in der Manegenmitte erscheinen zu lassen. Zudem werden sie mit zehn Videoprojektoren angestrahlt. Somit sehen wir auch darauf animierte Bilder. Die kreativen Köpfe hinter diesen Innovationen sind die Direktoren Géraldine Knie und Maycol Errani sowie weitere Mitglieder des Circusteams. Das Programmheft nennt hier insbesondere Lichtdesigner Axel Melchior, Marco Baumgartner und Vincent Vignaud. Ebenfalls neu ist eine beleuchtete Piste. Last not least scheint die ohnehin gigantische Lichtanlage weiter gewachsen zu sein. Der Aufwand ist enorm, der Gesamteindruck erschlägt einen fast und es ist eine Gratwanderung, dass die Technik die eigentlichen Darbietungen unterstützt und sie nicht übertüncht.


Maycol Knie junior, Szene aus dem Opening

Früher zeigte der Schweizer National-Circus in seinen Shows neben Pferden noch weitere Tierarten. Elefanten zum Beispiel. Und genau damit sind wir am Beginn der diesjährigen Vorstellung. Maycol Knie junior wird im edlen roten Frack auf einem Podium ferngesteuert über den in der Manege verlegten Holzboden gefahren. Vor sich hat er ein Pult. In seinen Eingangsworten erinnert der Vertreter der 8. Generation an zwei seiner Vorfahren, die er freilich nicht mehr kennengelernt hat. Er stellt uns Fredy Knie senior und Rolf Knie senior vor, die mit Pferden sowie Elefanten gearbeitet haben. Fotos dieser beiden herausragenden Circuspersönlichkeiten erscheinen am Artisteneingang. Zwei von Menschen gespielte Elefanten, ein kleiner und ein großer, kommen in die Manege. Maycol junior führt sie vor. Es schließt sich das eigentliche Opening mit fantasievollen Kostümen in den Farben rot und weiß an. Es ist ein großes Schauspiel aus Tanz, Akrobatik und Magie. Mit dabei sind ein Ensemble des Circus-Theater Bingo, die Urban Crew Philippines, Clown Matute, Illusionist Vincent Vignaud und weitere Akteure. Da erscheinen Menschen in einer Box, da wird Einrad gefahren, da zelebrieren Artistinnen Handstände und ein Trio zeigt über der Manege Akrobatik an einer aus Metallstreben bestehenden Kugel. Für die musikalische Begleitung sorgen neben dem Orchester Evgeniya und Anna mit Gesang sowie auf dem Saxofon.


Nicols Crossbows, Vincent Vignaud, Matute

Das erste Mal senken sich die nun rot angestrahlten Vorhänge inmitten der Manege. Dann wird die ausgelassene Stimmung des Openings abgelöst durch absolute Konzentration bei den Mitwirkenden sowie Hochspannung beim Publikum. Nicols Crossbows heißt der Act von Nicol Nicols und Kimberly Zavatta Bogino. Mit Armbrüsten schießen sie präzise auf bewegliche und ruhende Ziele. Bei den beweglichen Zielen ist Kimberly gefragt. Hier bringt sie ihre Fähigkeiten als Luftartistin ein. In verschiedenen Posen an einem Flying Pole hängend hat sie etwa einen Luftballon oder eine Rose im Mund, die ihr Ehemann mit einem Pfeil trifft. Der Tellschuss bildet den Schlusstrick, hier in einer Mehrfachauslösung gezeigt. Kimberly setzt diese in Gang, Nicol hat den Apfel auf dem Kopf, der – bei der Premiere mit etwas Nachhilfe – vom letzten Pfeil durchbohrt wird. Vincent Vignaud kennen die Knie-Gäste bereits aus dem Vorjahr. Nun ist der Illusionist aus Frankreich mit neuen Zaubereien zurückgekehrt, die er zusammen mit seinen Magic Girls präsentiert. Eine von ihnen legt sich gleich zu Beginn ins Bett, Decke zu, Decke wieder auf und statt der Dame erscheint der Magier. Nach zwei weiteren Illusionen mit schicken Requisiten wird Vincent Vignaud in einem riesigen stählernen Skorpion fixiert und von einem Sägeblatt zerteilt. Doch alles ist nur geschickte Ablenkung, denn der Zauberer erscheint unversehrt im Zuschauerraum. Die starken Tricks werden sehr charmant verkauft, womit wir einen äußerst gelungen Auftritt erleben. Ein Boxer tänzelt eine Treppe des Gradins herunter, um sich kurz darauf mit einem Herrn aus dem Publikum zu messen. Doch zuvor ist ein umfangreiches Warm up angesagt. Und da der Boxer Matute heißt und Clown ist, verläuft das Aufwärmen sehr amüsant. Matute macht die Übungen vor, sein Gegner folgt. Dazu gibt es witzige Sounds, die der Komiker mit dem Mund produziert. Der Fight danach ist schnell entschieden, der Premierengast schickt den Clown auf die Bretter.


Alyona Pavlova, Troupe Wuhan

Einen Schutzengel in Form der Sängerin in einem Kostüm mit Flügeln hat Alyona Pavlova bei ihrer Kür am Luftring. Am Boden begleitet sie zudem die Violinistin. Immer wieder geht es für die Artistin mit den langen blonden Haaren Richtung Kuppel und wieder zurück. Ihre anspruchsvolle Trickfolge arbeitet sie voller Energie und verwöhnt uns dabei mit traumhaften Bildern. Auch Nervenkitzel ist im Spiel, etwa wenn Alyona Pavlova nur mit den Kniekehlen oder dem Spann eines Fußes am Ring hängt – etliche Meter über der Manege wohlgemerkt. Im Zuschauerraum erscheinen Bingo-Artistinnen und -Artisten in weißen Gewändern. In den Händen halten sie beleuchtete Halbkreise. Sie ziehen auf die Spielfläche, wo sie auf die Troupe Wuhan treffen. Deren beeindruckende Schaukel ist bereits aufgebaut, auch dabei werden wieder die Stoffbahnen eingesetzt. Die Darbietung an der Schaukel wurde 2024 in Monte Carlo mit einem Silbernen Clown ausgezeichnet. Sie war, in wechselnden Besetzungen, zudem beim Weltweihnachtscircus sowie den Weihnachtscircussen in Heilbronn und Dresden zu sehen. Die nun bei Knie engagierte Crew macht ihre Sache ganz hervorragend. Zunächst werden die raumgreifenden Sprünge auf einer Matte gelandet, dann auf Menschentürmen. Für die letzten Sequenzen wird oberhalb der Aufhängung der Schaukel eine Plattform errichtet. Die darauf stehenden Artisten fangen ihre Kolleginnen und Kollegen auf, bilden mit ihnen verschiedene Figuren und schicken sie wieder auf die Reise. Ein wirklich imposantes Schauspiel.


Chanel Marie Knie, Ivan Frédéric Knie

Während in der Manege der Holzboden entfernt wird, treibt Matute auf dem Gradin seine Späße mit Zuschauern. Dann tanzen rings um die heruntergelassenen Stoffbahnen Artistinnen in weißen Gewändern mit langen Flügeln. Der Vorhang öffnet sich und wir sehen die auf einem weißen Pferd sitzende Chanel Marie Knie, an den Armen hat sie ebenfalls lange Flügel. So reitet sie einige Runden über das Sägemehl, auf den LED-Screens sorgt ein Sternenhimmel für die passende Atmosphäre. Begleitet von Saxofonistin und Violinistin zeigt die Teenagerin kurz darauf die Hohe Schule. Nun auf einem braunen Pferd und in einem schicken neuen Kostüm. Selbstbewusst präsentiert sie verschiedene Schrittfolgen und überzeugt damit auf ganzer Linie. Kaum steht sie mit ihrem Pferd in der Mitte des Rings, fahren die Stoffbahnen herunter und verhüllen sie. Als sie sich wieder öffnen, geben sie den Blick auf ihren Bruder Ivan Frédéric frei. Bei ihm steht ein Friese, auf dessen Rücken Ivan Platz nimmt, ohne Sattel wohlgemerkt. Dann kommen fünf Falben der spanischen Rasse hinzu. Vom Pferd aus führt der junge Mann eine anspruchsvolle Freiheit vor. So laufen etwa alle sechs Pferde in verschiedenen Konstellationen nebeneinander über das Sägemehl. Wenn alle Tiere in einer Reihe stehen, tauschen zweimal hintereinander zwei von ihnen die Plätze und kreuzen sich dabei vor der Gruppe. Am Ende kommt ein Pony hinzu, das nach ein paar Runden unter den Pferden hindurch läuft. Wie zu hören ist, hat Ivan Frédéric Knie diese Freiheit selbst einstudiert. Dann erscheint der jüngste der drei Geschwister und stiehlt allen das Herz. Maycol junior führt vier Ponys vor, auf denen Comicfiguren wie Superman und Spiderman sitzen. Mit vollem Einsatz lässt der 8-jährige die Ponys über das Sägemehr fegen und über Hürden springen. Sogar einen Steiger mit einem gescheckten Exemplar präsentiert er. Mit Steigern mit prächtigen weißen Arabern beschließt Ivan dieses Tableau. Einzelsteiger in verschiedenen Varianten dirigiert er auf dem Friesen sitzend. Den dreifachen Vorwärtssteiger vom Boden aus. Gemeinsam nimmt das Trio die verdienten ersten Standing Ovations des Abends entgegen.


Splitting Globe of Speed, Xishui County Acrobatic Troupe

Während am Artisteneingang Blitze zucken, wird im Kunstnebel eine mächtige Motorradkugel hereingerollt. Der Bassist des Orchesters und Tänzer in extravaganten roten Kostümen beleben die Szene. Wenn der Globe of Speed platziert ist, jagen immer mehr Motorradfahrer mit ihren Maschinen hindurch. Am Ende sind es zehn Personen, darunter eine Frau. Als Clou öffnet sich die Kugel während der Touren in der Mitte ein Stück. Das Publikum applaudiert den Hasardeuren im Stehen. Damit endet der erste Teil. Die obligatorische Frage in der Pause, wie mir die Show denn bislang gefallen habe, kann ich schlichtweg nicht beantworten. Soeben habe ich nacheinander drei Darbietungen erlebt, die jede für sich das Zeug zur Pausen-, wenn nicht gar Schlussnummer hat. Die ganze erste Hälfte lief in einem atemberaubenden Tempo mit einer Fülle von Eindrücken ab, die ich so schnell nicht verarbeiten kann. Es sind einfach zu viele Reize, die auf einen einprasseln. Der zweite Teil, für den die LED-Bühne aufgebaut wird, verläuft deutlich entspannter. Es gibt ruhigere Darbietungen und vielleicht hat man sich auch schon ein wenig an die Vielzahl der Effekte gewöhnt. Los geht es mit zwei chinesischen Löwen, die von insgesamt vier Artisten der Xishui County Acrobatic Troupe verkörpert werden. Ihren Löwentanz zelebrieren die riesigen Plüschtiere auf großen Stelzen. Da gibt es beherzte Sprünge und schöne Bewegungsabläufe. Zudem machen die flauschigen Großkatzen gerne mal Männchen. Am Ende des Glück bringenden Tanzes dürfen wir die Gesichter der Artisten sehen. Von der Sängerin begleitet gibt Maycol junior auf dem Gradin ein Da Capo mit einem der Elefanten aus dem Opening. Ein weiteres Beispiel für die sehr gelungenen Übergänge zwischen den Darbietungen.


Matute, Ambra und Yves

Die nächste gehört Vincent Vignaud. In einem prachtvoll gestalteten Requisit lässt er hinter einem Vorhang eine Frau erscheinen. Dann stellt er sich hinter sie, hängt ihr ein rotes Cape um und schon ist sie wieder verschwunden. Wie das funktioniert? Keine Ahnung, es ist eben reine Magie. Mit einer Trommel auf dem Rücken kommt Matute ins Chapiteau gelaufen, um seine für mich stärkste Nummer zu spielen. Dabei dirigiert er die beiden Seiten des Gradins zu einem Klatschwettbewerb. Das tun viele Spaßmacher. Aber wie so oft kommt es nicht darauf an, was man macht, sondern wie man es macht. Und Matute versteht es ganz hinreißend, zwischen Begeisterung für die eine und gespielter Verzweiflung für die andere Hälfte zu wechseln. Seine Clownsfigur hat etwas kindlich Unbekümmertes, weiß aber ganz genau, was sie will. Die über 2.000 Gäste im Knie-Chapiteau hat er am Premierenabend noch nicht ganz so gut im Griff wie das kleinere Auditorium bei Roncalli im vergangenen Jahr. Aber das wird sich ganz sicher schnell einspielen. Ambra und Yves waren 2019 Teil des Jubiläumsprogramms bei Knie, nun nehmen sie uns erneut mit auf ihre Golden Dreams. Als lebende Statuen in Gold fahren sie mit ihrem Podest ferngesteuert auf die Zielposition. Dort arbeiten sie ihre Akrobatik an Tüchern. Ruhig zelebrieren sie die Tricks, bei denen auch Ambra den tragenden Part übernimmt. Die Kraft seiner Zähne demonstriert Yves, wenn er ein römisches Schild mit dem Gebiss festhält, an dessen unterem Ende Ambra an den Zehen hängt. Für den Schlussakkord wickelt sich Ambra aus der Kuppel ab, um sie herum fliegt Goldstaub und am Boden wird sie sicher von ihrem Partner aufgefangen.


Jimmy Jean, Willer Nicolodi, Valeriia Davydenko

Die Urban Crew Philippines steht für Streetdance, Breakdance, Parkour, Akrobatik und ansteckende Lebensfreude. Das durften die coolen Jungs bereits im Knie-Programm 2025 beweisen. Nun entfachen sie mit neuen Choreographien, neuen Moves wieder ein pulsierendes Feuerwerk. Insbesondere die gewagten Sprünge faszinieren. Begleitet werden sie dabei von Bingo-Mitgliedern und Jimmy Jean. Der Breakdancer ist ein Meister des Headspinning. Sprich, er rotiert im Kopfstand. Das sogar mit ausgestreckten Beinen und extrem lange. Für die Zuschauer absolut faszinierend, für den Breakdancer offensichtlich eine Leichtigkeit, die er ganz cool präsentiert. Zusammen mit den Effekten auf Bühne und Artisteneingang wird daraus eine große Show. An deren Ende bilden die Akteure ein Spalier für Willer Nicolodi und seinen Mäuserich Joselito. Die bereits vorab aufgekommene Befürchtung, dass die Darbietung des Bauchredners nicht so recht in die moderne Show passt, bewahrheitet sich leider. Nach dem Dialog mit Joselito holt Willer Nicolodi vier Gäste aus dem Publikum und gibt ihnen neue Stimmen. So muss sich etwa die Dame als „Roxy Sexy“ vorstellen. Nun denn. Kunstschütze Matute lenkt bei seinem letzten Kurzauftritt die Blicke Richtung Gradin. Danach richten sich alle Augenpaare auf Valeriia Davydenko. Mit ihrer starken Handstandakrobatik schafft es die junge Artistin spielend, die Aufmerksamkeit unter dem großen Chapiteau auf sich zu ziehen. Es ist phänomenal, wie sie sich auf einem Arm sowie auf zwei Armen in verschiedenen Positionen im Gleichgewicht hält. Zudem zeigt sie außergewöhnlich viele Handwechsel und Drehungen. Dabei ist sie von einem Rausch in blau umgeben. Nicht nur auf Hintergrund und Bühne. sondern auch auf ihrem Podest gibt es Animationen in dieser Farbe. Die Sängerin interpretiert dazu den Madonna-Song „Frozen“.


Antony César

Blautöne, wenngleich in ganz anderer Aufmachung, gibt es ebenfalls bei der Schlussnummer. Diese erleben wir, nachdem Vincent Vignaud eine Partnerin in den Schwebezustand versetzt hat. Fliegen kann ganz offensichtlich auch Antony César. Dafür benötigt der jugendliche Artist mit den blonden Locken lediglich zwei Bänder. „Der fliegende Engel“ nennt ihn die Knie-Website, auf dem Plakat zur diesjährigen Tour ist er prominent vertreten. Man braucht hier gar keine einzelnen Tricks herauszugreifen. Alles, was das Genre Strapaten bietet, ist dabei. Es ist die gesamte, ungemein intensive Kür, die fasziniert. Selbst am Boden unterbricht er diese nicht, sondern hält das Publikum auch hier mit Sprüngen und tänzerischen Elementen in Atem. Wie viel Kraft, Körperbeherrschung und Gefühl für Bewegung muss dieser Auftritt erfordern? Was so spielerisch wirkt, benötigt vermutlich höchste Konzentration. Es ist ein wenig überraschend, aber nicht unverdient, dass dieser Solist den prominenten Platz vor dem Finale bekommt. Da dafür keine Umbaupause notwendig ist, schließt sich die große Party zum Abschluss nahtlos an. Weiß ist hierbei der vorherrschende Farbton. Noch einmal erleben wir traumhafte Kostümkreationen. Das imposante Ensemble sorgt mit grandiosen Choreographen für Hochstimmung. Zusammen mit der Musik und dem optischen Feuerwerk wird daraus eine gigantische Show, das Publikum feiert im Stehen mit. Die Abschiedsworte spricht Géraldine Knie.

Früher – und wir sprechen hier bei der Showtechnik von einem Zeitraum von sieben Jahren, bei den Elefanten von elf Jahren – haben wir an dieser Stelle in erster Linie das Programm, sprich die Darbietungen und ihr Zusammenspiel gewürdigt. Nun wäre die Konzentration darauf viel zu kurz gesprungen. Wir erleben bei Knie 2026 eine gigantische Show. Schon in den letzten Jahren wurde massiv in die Ausstattung investiert, jetzt gibt es nochmals einen riesigen Schritt in Richtung Zukunft. Dieses finanzielle Engagement ist sicherlich ein Stück weit ein Seiltanz. Genauso wie es ein Seiltanz ist, den im Kern nach wie vor gezeigten klassischen Circus mit einer zeitgemäßen Präsentation in Balancen zu halten, ihn nicht zum Statisten zu machen. Das ist den Machern (bis auf kleinere Ausnahmen, etwa bei der Handstanddarbietung) hervorragend gelungen. Der Mut und die Weitsichtigkeit des Direktionstrios Géraldine Knie, Doris Knie sowie Maycol Errani sind zu bewundern. Und der Erfolg mit diesem Konzept ist dem Trio sowie dem von ihnen geführten Unternehmen von ganzem Herzen zu wünschen. Die Publikumsreaktionen zum Saisonstart in Rapperswil jedenfalls zeugen von restloser Begeisterung. Der Circus Knie bietet in diesem Jahr eine ganz neue Dimension des Circus!

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Text und Fotos: Stefan Gierisch