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In ihrer
Ursprungsfassung erzählte diese eine Liebesgeschichte zwischen
„Pferdeprinzessin und Löwenprinz“ und nahm dabei Bezug auf die
traditionsreiche Geschichte des Circus Krone – ein
durchgestyltes „Historienspektakel“, das gar ohne klassische
Komplimente auskam. Leider fand die sehr aufwendig produzierte
Show offenbar nicht den erhofften Anklang. Jedenfalls wurde sie
rasch in Richtung einer herkömmlichen Circusvorstellung
verwandelt, erst recht in der „Neuproduktion“ unter dem Titel
„Stars in der Manege“, mit der nach zweieinhalb Jahren
Corona-Pause im Herbst 2022 der Reisebetrieb wieder aufgenommen
wurde.

Blick ins neue "Megazelt" des
Circus Krone
Seit der
„Weltpremiere“ in München im April 2025 auf der Münchner
Theresienwiese gibt es nun zum zweiten Mal ein vollkommen neues
Sommer-Programm unter der Direktion des Ehepaares Lacey-Krone.
Diesmal haben Jana Mandana Lacey-Krone und Martin Lacey
junior beschlossen, das Konzept der stets sehr erfolgreichen
Winterprogramme im Circus-Krone-Bau an der Münchner Marsstraße
auf die Reisezeit zu übertragen. Sprich, es wird ein starkes
Nummernprogramm geboten, das durch Auftritte der Truppe Bingo –
in Opening, Zwischenspielen und Finale – ein modernes Gepräge
erhält. Als Vorlage dient das Winterprogramm 2022/23 mit seinem
Motto „Farbenspiel“, aus dem einige Nummern und sonstige
Elemente übernommen und mit zusätzlichen Acts in einer „Gold
Edition“ neu aufgelegt wurden. Die Spielstätte übersetzt
den einmaligen Charme des Krone-Baus, eines architektonischen
Zeugnisses der 1960er Jahre, in einen hochmodernen Zeltpalast.
Die Sonderanfertigung vom Format eines Achtmasters ist 84 Meter
lang und 57 Meter breit, der Zuschauerraum wird von zwei 23
Meter hohen, außen liegenden Gitterrohrbögen überspannt, so dass
sich im Inneren ein kreisrunder, mastenfreier Zuschauerraum
ergibt – eine Atmosphäre, die durchaus an den Krone-Bau
erinnert. Den prachtvollen Artisteneingang im Stil einer
Krone-Fassade der 1920er Jahre kennen wir aus der Produktion „Mandana“;
neu sind dagegen die 2000 bequemen, teils ledergepolsterten
Einzelsessel. Licht und Ton erleben wir vollkommen auf der Höhe
der Zeit, und für Live-Akzente sorgt das sechsköpfige Orchester,
das nun auf dem Artisteneingang seinen Platz findet. Nach dem
Motto „Alles unter einem Dach“ finden auch die Restauration und
der Backstagebereich im neuen „Megazelt“ Raum, ganz so wie wir
es von Arlette Gruss in Frankreich kennen. Ein Modell, das
perfekt zum Circus Krone passt: Nach außen wirkt das Chapiteau
weiterhin so riesig, wie es sich mit dem Namen Krone untrennbar
verbindet; im Inneren haben Zuschauerraum und Besucherkapazität
ein für heutige Zeiten vernünftiges Maß. So ergibt sich eine
stimmungsvolle Atmosphäre. Wenn das Publikum gut mitgeht, ist
hier richtig etwas los.

Opening
Nachdem
Starclown Fumagalli seine Manegenkarriere beim Kölner
Weihnachtscircus unter medialem Echo beendet hat, unterbricht er
den Ruhestand nun schon in der zweiten Saison für ein neues
Engagement im Circus Krone. Freilich ist er ganz der Alte und
leitet als komischer Dirigent, der über die Möglichkeiten seines
Taktstocks staunt, die Vorstellung ein. Nach der Ouvertüre und
der Begrüßung durch Ringmaster Nikolai Tovarich erleben wir ein
energiegeladenes Charivari, in dessen Mittelpunkt die
Tänzerinnen und Tänzer der Truppe Bingo stehen. Einer von ihnen
tritt als Sänger hervor, der andere und eine Kollegin zeigen
Handstandakrobatik. Die jungen Frauen der Mongoljingoo-Truppe
lassen Hula-Hoop-Reifen kreisen oder zeigen Luftakrobatik an
Tüchern, auch für eine Dame der „Flying Tabares“ geht es hoch
hinaus. Die Truppe „Mystery of Gentlemen“ gibt eine Kostprobe
ihres Könnens im Genre Handvoltigen. Beim abschließenden Tanz,
zu dem sich auch die Mitglieder von „Extreme Lights“ gesellen,
werden bunte Tücher geschwenkt. So entsteht, trotz der edlen,
weißen Kostüme, ein wirbelnd buntes „Farbenspiel“.
  
Chuan Ho Chu, Thomas Lacey,
Brian
An den
Beginn der eigentlichen Spielfolge setzt die Regie einen
Artisten, der die Energie des Openings aufgreift und die
Stimmung im Publikum weiter anheizt. Mitreißend und temporeich,
fast unverschämt gut gelaunt bringt der Taiwaner Chuan Ho Chu
seine bis zu drei Diabolos zum Fliegen. Auf immer neue Weise lässt
er die Doppelkegel übers Seil tanzen und schickt sie auf
anspruchsvolle Touren. Mit einer Extrarunde im Gang zwischen Premiumparkett und Parkett lässt er sich nach der Nummer feiern
und klatscht viele Hände ab. Genügend Zeit, um die Manege zu
richten für die Hundenummer von Thomas Lacey, dem jüngeren
Bruder des Direktors. Er gefällt mit seinem temperamentvollen
und doch eleganten Auftreten. Elf Vierbeiner unterschiedlicher
Rassen dirigiert er durch eine umfangreiche und rasante
Trickfolge. Dabei springen sie durch Reifen und eine Röhre, über
ein Seil und über Hürden oder schlagen Salti. Mit der Polonaise
aller Tiere, die Vorderpfoten jeweils auf dem Rücken des
vorangehenden Tieres, findet die Nummer ihren Abschluss. Noch
amüsanter wird es, wenn der jugendliche Brian (Mota) mit der
Tücke des Objekts kämpft. Bei seinem Spiel auf dem Flügel macht
sich sein Hocker selbständig, fährt die Tastatur seitlich aus
dem Instrument oder quillt plötzlich Rauch aus dem Instrument.
  
Sven Jahn-Munoz
und Alexis Lacey-Krone, Steve Eleky,
Mongoljingoo-Truppe
Bei Krones
„Reiterspielen“ führen Jana Mandana Lacey-Krone und Hans-Ludwig
Suppmeier gemeinsam das Kommando. Die aufwendige Nummer beginnt
mit einer Art Umzug mit jeweils vier Kamelen und berittenen
Pferden, die auch Figuren wie in einer Freiheitsdressur
absolvieren. Zwei mongolische Reiter und Reiterin Aida Rouault
zeigen im weiteren Verlauf der Nummer Elemente der
Dshigitenreiterei, liegen quer auf dem Rücken eines
galoppierenden Pferdes, sitzen „rückwärts“ im Sattel oder
klettern sogar um den Bauch des Rosses. Sven Jahn-Munoz tritt
als Stehendreiter auf den Rücken zweier Friesen auf. Es folgt
ein großes Karussell-Bild: Im Mittelpunkt sitzt Jana Mandana
Lacey-Krone auf einem Schulpferd, entlang der Piste reiten auf
Pferden Alexis und Thomas Lacey, Sven Jahn-Munoz und die
Mongolen. Elemente der Jockeyreiterei bringt zudem Sven
Jahn-Munoz in die Manege, auch in einem Zwei-Personen-Hoch mit
Alexis Laxey-Krone. Insgesamt ein kreativ gestaltetes Schaubild
mit wunderbaren Kostümen, das auch als eine Reminiszenz an die
Programmgestaltung während der Ära Christel Sembach-Krone und
Gene Reed verstanden werden kann. Eine deutliche Aufwertung
gegenüber der Vorsaison hat sich ergeben, indem Bauchredner
Willer Nicolodi durch Steve Eleky mit seinen bestens bekannten,
genialen Comedy-Jonglagen und -Zaubereien ersetzt wurde. Auch
nach ungezählten Malen, die wir seinen Act sehen dürfen, können
wir immer wieder herzlich lachen. Am artistischen Markt sind
eine ganze Reihe von Kontorsionsnummern zu engagieren, bei denen
die Solo-Artistin – oder auch der Solo-Artist – am Ende einen
Bogenschuss mit den Füßen auslöst. Etwas Neues hat vor Jahren die
Mongoljingoo-Truppe kreiert. Die fünf jungen Damen in
folkloristischen Kostümen ihrer mongolischen Heimat nutzen dazu
ein Podium mit zwei erhöhten Plattformen und gegenüber drei
Zielscheiben. In immer andere Posen formen sie ihre Körper,
letztlich auch um unterschiedliche Bogenschüsse durch die
Geschicklichkeit ihrer Zehen zielgenau zu platzieren. Dies auch
in zwei Varianten, bei denen die auslösende Partnerin von
Unterfrauen getragen wird.

Flying Tabares
Den Aufbau
des doppelten Flugtrapezes samt Fangnetz überbrücken die Bingos
mit Tanz und Gesang in den Treppenaufgängen, dies mit
herrlichen, edlen Kostümen in Rot und Weiß. Die zwei Flugbahnen
nebeneinander mit zwei Fängern ermöglichen es den fünf
Fliegerinnen und zwei Fliegern der Tabares, nonstop – mal links,
mal rechts – verschiedene Salti, Pirouetten und die Passage zu
bieten, letztere in doppelter Ausführung nebeneinander. Leider
scheitert der Dreifache; eine Wiederholung wird nicht versucht.
Zu loben ist noch die Begleitung mit Live-Musik zwischen Tempo
und Gefühl.
 
Alexis
Lacey-Krone und Martin Lacey junior
Die
Raubtiernummer ist nun wieder traditionell nach der Pause
platziert anstatt vor dem Finale, wie es bei der
Vorgängerproduktion „Mandana“ bzw. „Stars in der Manege“ der
Fall war. Vor allem aber zeigt der Circus Krone, dass er
weiterhin an die Zukunft des Circus mit Tieren, insbesondere
auch Wildtieren, glaubt. Denn der in diesem Jahr volljährig
gewordene Direktionsspross Alexis Lacey-Krone übernimmt nun den
größten Teil der Löwendressur, lässt das große Rudel hochsitzen
und einige Tiere rasant über Postamente und am Käfig entlang
springen. Sein Vater Martin Lacey junior ist für die kleinen,
feinen Tricks zuständig. Er präsentiert Schmuseeinheiten mit
einem Löwen, lässt zwei Löwen auf sich abliegen und eine andere
Großkatze die Vorderpfoten auf seine Schultern legen.

Nikolai
Tovarich, Daris und Fumagalli
Den
Käfigabbau überbrücken die Bingos samt ihrem Sänger in einem
weiteren energetischen Auftritt. Oft kopiert, doch nie erreicht,
so könnte man das Bienchen-Entree beschreiben, das Fumagalli und
Daris seit Jahrzehnten so herrlich witzig spielen wie niemand
anders. Ihr seriöser Partner ist hier Nikolai Tovarich, und auch
einige Personen in der ersten Reihe werden zu "Mitwirkenden".
  
Jana Mandana
Lacey-Krone, Mystery of Gentlemen, Extreme Lights
Im
Wesentlichen aus der Kronebau-Version des „Farbenspiels“
übernommen wurde der große Pferdeblock, den Jana Mandana
Lacey-Krone und Hans Ludwig-Suppmeier mit einer vorzüglich
gerittenen, doppelten Hohen Schule auf einem Braunen und einem
Schimmel einleiten. Nach der Überleitung mit einem von Hans
Suppmeier angeleiteten Solosteiger stellt die Direktorin zehn
lackschwarz glänzende Nonius-Hengste in Freiheitsdressur vor.
Anschließend steigen vier Noniusse mit den Vorderbeinen auf
Postamente und lassen sich so von einem Pony unterqueren. Ein
fünffacher Steiger und ein Solosteiger, wiederum abwechselnd von
beiden vorgestellt, bildet den Abschluss dieses schönen
Blocks, der von einem Medley aus Abba-Hits begleitet wird.
Wenn Komiker Brian mit seinem Love-Song auf dem Saxophon
vermeintlich um eine Dame in der Loge wirbt, ist die heitere
Überraschung zum Abschluss umso größer. Gelb ist nicht nur sein
Anzug, gelb sind auch die Kostüme der Bingos, die nochmal im
Zuschauerbereich tanzen. Die mongolische Truppe „Mystery of
Gentlemen“ kombiniert zwei Genres zu einer echten Rarität. Die
männlichen Akteure balancieren hierbei auf großen Kugeln. Von
dort aus katapultieren sie ihre beiden Partnerinnen zu
Handvoltigen in die Luft und fangen sie wieder auf, dies auch
von Kugel zu Kugel und bis hin zum Drei-Personen-Hoch. Gegenüber
dem Engagement im Kronebau wirkt die Nummer deutlich
„aufpoliert“, da wieder eine zweite Fliegerin mitwirkt. Nach wie
vor müssen die Kugeln immer wieder mit dezenten Hilfestellungen
vor dem Wegrollen geschützt werden. Perfekt zum Motto
„Farbenspiel“ passt natürlich der Auftritt der Truppe „Extreme
Lights“ vor dem Finale. In der abgedunkelten Manege performen
die Männer und Frauen ihre moderne Tanzchoreographie, während
die vielfarbigen LED-Lichter an ihren Kostümen raffiniert darauf
abgestimmt zu leuchten beginnen und wieder erlöschen, alles im
Sekundentakt. So erscheinen die Akteure in immer neuen
Formationen scheinbar aus dem Nichts und verschwinden ebenso
wieder, nur um kurz darauf überraschend an anderer Stelle wieder
aufzutauchen. Ob die Darbietung auch die ideale Schlussnummer
ist, sei dagegen dahingestellt. |