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Im strahlenden Sonnenschein
bietet der Circus Monti auf der Basler Rosentalanlage mit seinem
innen mastenfreien Chapiteau und dem stets auf Hochglanz
polierten Wagenpark mit nostalgischem Touch das gewohnte Bild.
Bestens vertraut von früheren Besuchen ist auch der Anblick
eines restlos ausverkauften Auditoriums. Die Familie von
Johannes Muntwyler mit seiner Lebensgefährtin Armelle Fouqueray
und seinen drei Söhnen Tobias, Mario und Nicola hat mit ihren
verträumten Produktionen längst ihren ganz eigenen Erfolgsweg
gefunden.

Aubin Constanceau als
Wahrsager Dani De Vine
Das Programm beginnt mit einem
fröhlichen Tanz des ganzen Ensembles. Zwischen die Moves reihen
sich immer wieder Momente, in denen die Bewegungen einzufrieren
scheinen. Die Zuschauer werden zum Mitklatschen animiert, was
gleich für Stimmung sorgt. Im Mittelpunkt der Produktion steht
der junge Franzose Aubin Constanceau, der mit seinen Dozenten an
der Circusschule von Montréal die Kunstfigur Dani De Vine
geschaffen hat. Gewand und Turban, Bart und die Glaskugel in den
Farben des gelben Monti-Zelts mit roten Absetzungen lassen an
einen Wahrsager wie aus dem Bilderbuch denken, auch wenn man
sich eigentlich einen älteren Herrn vorstellen würde. Dani De
Vine bringt mit seinen Prophezeiungen ordentlich Unsicherheit
ins Monti-Ensemble. Mario Muntwyler und Bühnenpartner John Witte
bekommen beispielsweise einen wahren Geldsegen vorausgesagt, die
Artistin Naika Aymon dagegen ein Single-Dasein, worauf sie in
Tränen ausbricht. Zwischendrin schwingt sich Dani alias Aubin
Constanceau an die Strapaten und beweist, dass er dieses Genre
hervorragend beherrscht.
  
Robyn Haefeli, Trio Bar‘Us,
Raphaelle Pépin
Scheinbar in Hypnose versetzt
wird die Schweizerin Robyn Haefeli, die daraufhin zu ruhigen
Klängen ihre Runden im Cyrrad über die Bühne dreht, mal in
Rückenlage und mal in Kopfüber-Position. Ihr Genre ist geradezu
typisch für den modernen Circus und bei Monti regelmäßig
vertreten. Eine Rarität dagegen ist der Russische Barren. Das
Bar’Us Trio zeigt in dieser Disziplin eine Nummer, wie sie sein
muss: Die beiden Untermänner Frank Garcia und Jarrinson Cuero
Martinez tragen auf ihren Schultern die Stange, mit der die
Partnerin Naika Aymon zu Sprüngen und Salti in die Luft
katapultiert wird und auf der sie wieder landet. Weitere
Partner, die Hilfestellung leisten können, gibt es nicht. Etwas
überraschend ist die frühe Platzierung der starken Nummer im
Programmablauf. Zwischen den ersten beiden artistischen Acts
machen wir darüber hinaus Bekanntschaft mit der ungeheuer
amüsanten Komikerin Raphaelle Pépin, die auf Rollschuhen die
Bühne entert und bei der Suche nach Dani De Vine noch Zeit für
einen magischen Seiltrick hat.
  
Fernanda Podesta, Aubin
Constanceau, Anna Layne
Nachdem an einem großen Korb eine
Schlangenbeschwörung versucht wird, erscheint aus dem
geflochtenen Gefäß die Vertikalseil-Artistin Fernanda Podesta.
Mit ihren ausdrucksstarken Verstrickungen ins Seil, mit Wirbeln
und Abfallern in einer äußerst temporeichen Trickfolge erntet
sie großen Applaus. Eine weitere Form der Magie präsentiert uns
Dani de Vine mit einer Großillusion, bei der Artistin Anna Layne
scheinbar erheblich geschrumpft wird. Schon dieses Manöver weist
auf ihre enorme Biegsamkeit hin. Dass diese tatsächlich
vorhanden ist, beweist sie gleich im Anschluss bei ihrer
außergewöhnlichen Kontorsionsnummer im violetten Kostüm. Sie
streicht sich mit den Füßen die Haare aus dem Gesicht, agiert
bewusst nicht langsam, sondern mit abrupt-wilden Bewegungen.
Eindrucksvoll auch die Drehung ihres Körpers, während sie auf
zwei überkreuzten Händen stehend balanciert. In Richtung Pause
geht es mit einem weiteren Tanz des Ensembles, bei welchem dem
Wahrsager letztlich seine Kugel geklaut wird. Mit dieser Wendung
geht es in die Unterbrechung.
  
Maximo Occipinti und Maia
Claire Lussier, Raphaelle Pépin, Mario Muntwyler und John Witte
Zum Beginn des zweiten
Programmteils ist der Fangstuhl schon aufgebaut. Leider hat sich
der eigentliche Fänger Téo Noiriel so schwer verletzt, dass er
bis auf weiteres ausfällt. In Maximo Occipinti wurde Ersatz
gefunden. Nachvollziehbarerweise ist das Repertoire, das er
kurzfristig mit Fliegerin Maia Claire Lussier einstudiert hat,
beispielsweise mit dynamischen Hand- und Fußwechseln sowie
ruhigen Posen. noch nicht vollständig auf dem Standard des
Genres. So fehlt etwa ein Salto. Sicherlich werden sich im
Saisonverlauf noch Optimierungen ergeben. Dennoch wirkt die
Disziplin an sich schon recht spektakulär. Von der Rutschbahn am
Wahrsagerzelt, das die Kulisse bildet, saust Dani de Vine in die
Manege, traurig ob des Verlusts der Kristallkugel, die für ihn
auch den Verlust der Magie bedeutet. Doch die Stimmung schlägt
gleich wieder ins Heitere um, auch wenn Komikerin Raphaelle
Pépin ebenfalls mit einem gravierenden Handicap zu kämpfen hat.
Ihre beiden Arme sind eingegipst und stehen rechtwinklig vom
Körper ab, der Kopf befindet sich in einer Halskrause. Der
Versuch, sich trotz dieser Einschränkungen ein Frühstück mit
Müsli, Toast und Tee zu bereiten, ist äußerst vergnüglich
anzusehen, auch dank ihrer umwerfenden Mimik. Letztlich hilft
ihr das Ensemble. Seine 20. Saison in der Monti-Manege feiert
Direktionssohn Mario Muntwyler. In John Witte hat er einen neuen
Partner für eine Duo-Nummer gefunden. Mal jonglieren beide auf
einem Tisch stehend synchron mit jeweils sieben Bällen, mal
werfen sie sich zurück auf dem Boden die Requisiten zu, mal
sitzt John Witte auf dem Möbel und steht Mario Muntwyler hinter
ihm, während mit vier Händen ein gemeinsames Wurfmuster erzeugt
wird. Und letztendlich wird gemeinsam ein ganzes Dutzend Bälle
bewegt, während der kanadische Gast auf dem Tisch und der
Schweizer Vertreter des Hauses in der Manege steht. Der Jubel
des Publikums ist groß. Und groß ist auch die Trauer von Dani de
Vine um die verlorene Kugel. Er ruft die „Sterne und Geister“ um
Hilfe an.
  
Mael Tran und Jonathan Victoria,
Ensemble-Bild, Finale
Nochmals erwartet uns ein starker
artistischer Act. Auf vier Handstäben zelebrieren Mael Tran und
Jonathan Victoria ihre Hand- und auch Kopfstände, die mal
synchron gearbeitet werden, mal in unterschiedlichen, aber auf
einander bezogenen Variationen. Und nun steuert die Geschichte
ihrem Happy End entgegen, bei dem Dani de Vine seine
Kristallkugel zurück erhält. Voller Freude geht er mit der vom
Gips befreiten Komikerin Raphaelle Pépin in die Luft. In das
wirbelnd bunte Ensemble-Bild werden nochmals kleine akrobatische
Kabinettstückchen eingebaut – Balancen auf der Schulterperche,
ein Drei-Personen-Hoch, ein Handstand auf dem Kopf des Partners,
Kontorsion. Die poetischen Schlussworte im Finale spricht Mario
Muntwyler. |