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Circus Monti - Tour 2026
www.circus-monti.ch ; 165 Showfotos

Basel, 23. August 2026: Starke Artistik, herrlich witzige Clownerie, sprühende Musikalität und eine zauberhafte Geschichte im märchenhaften Ambiente: Der Schweizer Circus Monti der Familie Muntwyler bietet mit seiner aktuellen Produktion „Poussière d’étoiles“ (deutsch: Sternenstaub) ein Rundum-Wohlfühlpaket. Die Story dreht sich um den exzentrischen Wahrsager Dani De Vine, der mit seinen ambitionierten Weissagungen die ganze Circustruppe ins Chaos stürzt. Regie führten zum ersten Mal Itzel Viruega aus Mexiko und Jérémie Robert aus Frankreich.

Im strahlenden Sonnenschein bietet der Circus Monti auf der Basler Rosentalanlage mit seinem innen mastenfreien Chapiteau und dem stets auf Hochglanz polierten Wagenpark mit nostalgischem Touch das gewohnte Bild. Bestens vertraut von früheren Besuchen ist auch der Anblick eines restlos ausverkauften Auditoriums. Die Familie von Johannes Muntwyler mit seiner Lebensgefährtin Armelle Fouqueray und seinen drei Söhnen Tobias, Mario und Nicola hat mit ihren verträumten Produktionen längst ihren ganz eigenen Erfolgsweg gefunden.


Aubin Constanceau als Wahrsager Dani De Vine

Das Programm beginnt mit einem fröhlichen Tanz des ganzen Ensembles. Zwischen die Moves reihen sich immer wieder Momente, in denen die Bewegungen einzufrieren scheinen. Die Zuschauer werden zum Mitklatschen animiert, was gleich für Stimmung sorgt. Im Mittelpunkt der Produktion steht der junge Franzose Aubin Constanceau, der mit seinen Dozenten an der Circusschule von Montréal die Kunstfigur Dani De Vine geschaffen hat. Gewand und Turban, Bart und die Glaskugel in den Farben des gelben Monti-Zelts mit roten Absetzungen lassen an einen Wahrsager wie aus dem Bilderbuch denken, auch wenn man sich eigentlich einen älteren Herrn vorstellen würde. Dani De Vine bringt mit seinen Prophezeiungen ordentlich Unsicherheit ins Monti-Ensemble. Mario Muntwyler und Bühnenpartner John Witte bekommen beispielsweise einen wahren Geldsegen vorausgesagt, die Artistin Naika Aymon dagegen ein Single-Dasein, worauf sie in Tränen ausbricht. Zwischendrin schwingt sich Dani alias Aubin Constanceau an die Strapaten und beweist, dass er dieses Genre hervorragend beherrscht.


Robyn Haefeli, Trio Bar‘Us, Raphaelle Pépin

Scheinbar in Hypnose versetzt wird die Schweizerin Robyn Haefeli, die daraufhin zu ruhigen Klängen ihre Runden im Cyrrad über die Bühne dreht, mal in Rückenlage und mal in Kopfüber-Position. Ihr Genre ist geradezu typisch für den modernen Circus und bei Monti regelmäßig vertreten. Eine Rarität dagegen ist der Russische Barren. Das Bar’Us Trio zeigt in dieser Disziplin eine Nummer, wie sie sein muss: Die beiden Untermänner Frank Garcia und Jarrinson Cuero Martinez tragen auf ihren Schultern die Stange, mit der die Partnerin Naika Aymon zu Sprüngen und Salti in die Luft katapultiert wird und auf der sie wieder landet. Weitere Partner, die Hilfestellung leisten können, gibt es nicht. Etwas überraschend ist die frühe Platzierung der starken Nummer im Programmablauf. Zwischen den ersten beiden artistischen Acts machen wir darüber hinaus Bekanntschaft mit der ungeheuer amüsanten Komikerin Raphaelle Pépin, die auf Rollschuhen die Bühne entert und bei der Suche nach Dani De Vine noch Zeit für einen magischen Seiltrick hat.


Fernanda Podesta, Aubin Constanceau, Anna Layne

Nachdem an einem großen Korb eine Schlangenbeschwörung versucht wird, erscheint aus dem geflochtenen Gefäß die Vertikalseil-Artistin Fernanda Podesta. Mit ihren ausdrucksstarken Verstrickungen ins Seil, mit Wirbeln und Abfallern in einer äußerst temporeichen Trickfolge erntet sie großen Applaus. Eine weitere Form der Magie präsentiert uns Dani de Vine mit einer Großillusion, bei der Artistin Anna Layne scheinbar erheblich geschrumpft wird. Schon dieses Manöver weist auf ihre enorme Biegsamkeit hin. Dass diese tatsächlich vorhanden ist, beweist sie gleich im Anschluss bei ihrer außergewöhnlichen Kontorsionsnummer im violetten Kostüm. Sie streicht sich mit den Füßen die Haare aus dem Gesicht, agiert bewusst nicht langsam, sondern mit abrupt-wilden Bewegungen. Eindrucksvoll auch die Drehung ihres Körpers, während sie auf zwei überkreuzten Händen stehend balanciert. In Richtung Pause geht es mit einem weiteren Tanz des Ensembles, bei welchem dem Wahrsager letztlich seine Kugel geklaut wird. Mit dieser Wendung geht es in die Unterbrechung.


Maximo Occipinti und Maia Claire Lussier, Raphaelle Pépin, Mario Muntwyler und John Witte

Zum Beginn des zweiten Programmteils ist der Fangstuhl schon aufgebaut. Leider hat sich der eigentliche Fänger Téo Noiriel so schwer verletzt, dass er bis auf weiteres ausfällt. In Maximo Occipinti wurde Ersatz gefunden. Nachvollziehbarerweise ist das Repertoire, das er kurzfristig mit Fliegerin Maia Claire Lussier einstudiert hat, beispielsweise mit dynamischen Hand- und Fußwechseln sowie ruhigen Posen. noch nicht vollständig auf dem Standard des Genres. So fehlt etwa ein Salto. Sicherlich werden sich im Saisonverlauf noch Optimierungen ergeben. Dennoch wirkt die Disziplin an sich schon recht spektakulär. Von der Rutschbahn am Wahrsagerzelt, das die Kulisse bildet, saust Dani de Vine in die Manege, traurig ob des Verlusts der Kristallkugel, die für ihn auch den Verlust der Magie bedeutet. Doch die Stimmung schlägt gleich wieder ins Heitere um, auch wenn Komikerin Raphaelle Pépin ebenfalls mit einem gravierenden Handicap zu kämpfen hat. Ihre beiden Arme sind eingegipst und stehen rechtwinklig vom Körper ab, der Kopf befindet sich in einer Halskrause. Der Versuch, sich trotz dieser Einschränkungen ein Frühstück mit Müsli, Toast und Tee zu bereiten, ist äußerst vergnüglich anzusehen, auch dank ihrer umwerfenden Mimik. Letztlich hilft ihr das Ensemble. Seine 20. Saison in der Monti-Manege feiert Direktionssohn Mario Muntwyler. In John Witte hat er einen neuen Partner für eine Duo-Nummer gefunden. Mal jonglieren beide auf einem Tisch stehend synchron mit jeweils sieben Bällen, mal werfen sie sich zurück auf dem Boden die Requisiten zu, mal sitzt John Witte auf dem Möbel und steht Mario Muntwyler hinter ihm, während mit vier Händen ein gemeinsames Wurfmuster erzeugt wird. Und letztendlich wird gemeinsam ein ganzes Dutzend Bälle bewegt, während der kanadische Gast auf dem Tisch und der Schweizer Vertreter des Hauses in der Manege steht. Der Jubel des Publikums ist groß. Und groß ist auch die Trauer von Dani de Vine um die verlorene Kugel. Er ruft die „Sterne und Geister“ um Hilfe an.


Mael Tran und Jonathan Victoria, Ensemble-Bild, Finale

Nochmals erwartet uns ein starker artistischer Act. Auf vier Handstäben zelebrieren Mael Tran und Jonathan Victoria ihre Hand- und auch Kopfstände, die mal synchron gearbeitet werden, mal in unterschiedlichen, aber auf einander bezogenen Variationen. Und nun steuert die Geschichte ihrem Happy End entgegen, bei dem Dani de Vine seine Kristallkugel zurück erhält. Voller Freude geht er mit der vom Gips befreiten Komikerin Raphaelle Pépin in die Luft. In das wirbelnd bunte Ensemble-Bild werden nochmals kleine akrobatische Kabinettstückchen eingebaut – Balancen auf der Schulterperche, ein Drei-Personen-Hoch, ein Handstand auf dem Kopf des Partners, Kontorsion. Die poetischen Schlussworte im Finale spricht Mario Muntwyler.

Tosender Applaus für diese wunderbare Show, zu der auch die Kostüme von Barbara Tschumi, das Licht von Jasper Baan Hofmann und vor allem die wunderbar schwungvollen Kompositionen von Thierry Epiney beitragen, der zum sechsten Mal die Musik für ein Monti-Programm geliefert hat. Gespielt werden die Klänge in erstklassiger Weise vom sechsköpfigen Orchester unter der Leitung von Michal Kolodziej.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll