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European Youth Circus 2008 - Resümee
Vorbericht ; Gruppe A ; Gruppe B ; Preisträger ; Resümee

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Letztlich waren die Mädchen und Frauen die großen Gewinnerinnen des European Youth Circus in Wiesbaden, das vom 30. Oktober bis 2. November wieder im Sarrasani-Zelt auf dem Dern'schen Gelände inmitten der Innenstadt über die Bühne ging: Gold, Silber und Bronze gingen bei dem Artistikfestival in beiden Altersgruppen ausschließlich an weibliche Teilnehmer. Regelrecht mit Preisen überhäuft wurde dabei das deutsche Duo Elja am Trapez, welches sein Glück kaum fassen konnte: Gold von der Jury! Den Publikumspreis! Den Preis des Tigerpalastes, verbunden mit einem fünfmonatigen Engagement in dem Frankfurter Weltstar-Varieté! Und den Preis des Internationalen Circusfestivals von Latina, bestehend in einer Einladung zur Teilnahme! Die Zwillingsschwestern, ausgebildet an der Berliner Artistenschule, werden große Varieté-Karriere machen.

Nicht genug loben kann man das Engagement der Stadt Wiesbaden, die das Festival organisiert und veranstaltet. Das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Ob man aber den wahren Wert dieser Veranstaltung erkannt hat? Es verwundert schon ein bisschen, dass "nur" die Kulturdezernentin und nicht der Oberbürgermeister Schirmherr des Festivals ist.

Ein Fragezeichen muss man hinter die Bewertungskriterien setzen. Nur ein Drittel zählte die artistische Leistung der Künstler, ein weiteres Drittel ihre Ausstrahlung und Persönlichkeit und schließlich ein Drittel das Innovative an einer Darbietung, wie Jurysprecher und Tigerpalast-Chef Johnny Klinke verkündete. Mit anderen Worten: Nummern mit klassisch circensischem Verkauf (soweit sie überhaupt vertreten waren) hatten es schwer, Darbietungen mit einer intellektuell angehauchten Schwermut leichter. Und das bei einer Veranstaltung, die Circus im Namen trägt und Varieté nicht! Unverständlich ist jedenfalls, dass der sichere, ausstrahlungsstarke spanische (Boden-)Jongleur Rony Gómez (24) leer ausging. Er stammt ebenso aus einer Circusfamilie wie die Enoch-Junioren Edward (24) und Jimmy (18) alias „The Haddies Jr. Jr.“ vom dänischen Nationalcircus Dannebrog mit ihrer typisch circensischen Fahrradnummer. Sie probten in Wiesbaden noch zu mitgebrachter CD-Musik, baten aber das Orchester kurz vor ihrem ersten Auftritt, live zu spielen. Alle anderen Nummern arbeiteten zu Bandmusik. Die „Haddies“ zeigten hier Mut und sorgten, „Can Can“ & Co“ sei Dank, für Stimmung. Auch dafür gab es keinen Preis, ebenso wie für das circuserprobte Duo Hand’z up, bestehend aus den Franzosen Julien (23) und Mathieu (25), die mit ihrer klassisch geprägten Hand-auf-Hand-Nummer 2007 mit dem Cirque Medrano (Raoul Gibault) gereist waren.

Pasciol Raviol und der frühere Luftakrobat Jiri Mrazek („Duo Jirginias“) sorgten für die Regie; Raviol führte kompetent und charmant durch die Programme.  In der Jury saßen neben Johnny Klinke die Regisseurin Masha Dimtri (Schweiz), die Britin Carol Gandey von „Gandey Entetainment“, Circusregisseur Antonio Giarola (Italien), Regisseur Alexander Grimailo (Russland), die Artistin und frühere Festivalteilnehmerin Cecilia Hedlund (Schweden) sowie Frank J. Keller vom Circus Krone. Bleibt zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen des Titels der Veranstaltung besinnen – „European Youth Circus“ eben – und die nächste Auflage 2010 nicht wieder zum Varietéfestival wird.

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Text: Markus Moll; Fotos: Sven Rindfleisch