|
  
Ernest Palchikov, White Crow, Freres Taquin
Ebenso nur mit Sonderpreisen
bedacht wurden das Duo Milany, das in der besuchten Vorstellung
bei ihrer Fangstuhlnummer die Longe nicht nur zur Sicherheit,
sondern auch zur Unterstützung von einzelnen Tricks benutzte,
und die Jongleure Vicotria & Victor Kosnyrov. Abgesehen von der
Truppe Believe in Swing, die mit ihrer Rock and Roll Akrobatik
wohl eher zu Beginn der Vorstellung und nicht als Schlussnummer
hätten platziert werden sollen, und den Clowns Mikos, Francesco
und Lorenzo waren in der Samstags’ Vorstellung sonst nur noch
künftige „Clown-Preisträger“ zu sehen. Die „White Crow“ auf dem
russischen Barren etwa – faszinierend, wie Carole Demers immer
in die Lüfte steigt und dabei die tollsten Saltis schlägt; in
einer Vorstellung alleine dreimal den „Dreifachen“. Und auch
wenn sie in ihrer Nummer nicht ganz fehlerfrei blieb, ist der
Silberne Clown meiner Meinung nach mehr als gerechtfertigt. Wenn
auch nicht für ihren Aérial Tango (Mix aus Trapez und Strapaten),
sondern für ihren Auftritt als Show Girls erhielt die Troupe
Cirneanum Platinium du Cirque Globus Bucarest einen Bronzenen
Clown. Ebenso wie die, nicht zu letzt von Roncalli bekannten,
Frères Taquin. Tom Dieck jun. erhielt für seine gemischte
Raubtiergruppe (jetzt mit einigen „wilden“ Momenten) einen
Bronzenen Clown. Für die Truppe Dosov auf dem Schleuderbrett
(zuletzt bei Stuttgarter Weltweihnachtscircus) gab’s einen
Silbernen Clown.

Familie Casartelli - "Tziganes"
Der Preisträger des einzigen
Goldenes Clowns, die Familie Casartelli, war in dieser
Auswahlvorstellung mit dem Pferdeschaubild „Tziganes“ (u. a. mit
Pferdefreiheit) und dem Pas de Deux zu Pferd (Brian und Ingrid
Casartelli) nebst Livegesang mit eigenwilliger Interpretation
von „Strangers in the Night“ vertreten. Publikumswirksam wurde
beim Schlusstrick des Pas de Daux (einbeiniger Stand von Ingrid
auf Brian’s Kopf) auf die Longe verzichtet.
   
Chiens en Peluche
d’lzhevsk, Elisabeth Axt,
Ruslan Sadoev, Truppe Domchyn
Die Auswahlvorstellung am Sonntag
startet mit einer Hundenummer der besonderen Art. Bei den Chiens
en Peluche d’lzhevsk vom Nikulin Circus entpuppten sich die
Hunde als kleinere und größere Akrobaten in bunten Hundekostümen
aus Plüsch. Genauso wie im letzten Jahr das Duo Nikulin konnten
auch die Chiens en Peluche d’lzhevsk mit ihrer fröhlichen Nummer
das Publikum begeistern. Für die „Tierlehrerin“ gab’s als
jüngste Teilnehmerin des Festivals den Spezialpreis der
Prinzessin Antoinette – und für die gesamte Nummer den
Sonderpreis der monegassischen Circusfreunde. Mit Elisabeth Axt (letzten Winter
im Krone-Bau in München) auf dem Washington Trapez ging es ohne
Longe – dafür aber mit jede Menger waghalsiger Tricks – hoch
unter die Circuskuppel. Zwei Sonderpreise gab es dafür – meiner
Meinung nach hätte es auch etwas mehr sein dürfen. Der Ukrainer
Ruslan Sadoev vom Rosgoscirk zeigte auf dem Rücken seines
Pferdes gekonnte Jonglagen (Bälle und Keulen) und unzählige,
sicher gesprungene Salti; als Schlusstrick ein Salto mit
Schraube. Seine Jonglagen wechselten sich mit der
Hula-Hoop-Nummer seiner Schwester Ilona ab, die ebenfalls
gekonnt auf dem Rücken des Pferdes gezeigt wurde. Für Ruslan gab
es einen Bronzenen Clown – nach meinem Geschmack hätte ruhig
auch ein Silberner Clown sein dürfen. Ebenfalls waghalsige
Sprünge und Salti zeigte die Truppe Domchyn mit ihrer doppelten
Russischen Schaukel. Für die Sprünge vom Schaukel zu Schaukel
bzw. von der Schaukel auf die Matte gab’s verdientermaßen
ebenfalls einen Silbernen Clown.
  
Familie Casartelli - "Aladin"
Bevor die Casartellis ihr große
Exotenschaubild „Aladin“ aufführten (mit Kamelfreiheit, Lamas,
Kängeruh, Stieren, Straußen, 2 Giraffen und 3 Elefanten nebst
Ballettdamen) ging es mit dem Duo Bobrovi am Vertikalseil in die
Luft. Vitaly Bobrov und Oxana (ehemals Mitglied der
Hochseiltruppe Voljanski), ebenfalls vom Rosgoscirk, zeigten
eine ansprechende Leistung, die mit einem Bronzenen Clown
belohnt wurde. Nach der
Pause sahen wir noch einmal Tom Dieck jun. und seine Raubtiere.
Danach ging es ans Fliegende Trapez mit der Truppe der
Circusschule Shanghai, die im Vorjahr Gold beim 18. Premiere
Rampe Festival in Monte-Carlo gewann. Aber auch die Bezeichnung
„Ecole du Cirque“ (Circusschule) dürfte keine Rechtfertigung
dafür sein, das kleine Kinder als FliegerInnen fungierten. Zwar
gab es auch für diese Nummer Standing Ovations – aber nur ein
Teil des Publikums erhob sich von seinen Plätzen. Und vielleicht
wollte die Jury ja auch ein Zeichen setzten, in dem sie dieser
Nummer eben keinen Clown zusprach. Hoffen wir, dass man so
langsam zu einem Umdenken kommt und solche Kinderarbeit nicht
mehr in den Mangen zu finden ist. Für dieses Festival war es
jedenfalls der letzte Auftritt der Truppe aus Shanghai – bereits
am nächsten Tag war das Trapez aus der Circuskuppel
verschwunden.
  
Some like it hot, Brian Casartelli &
Duo Guerrero
Die
Handvoltigen von „Some like it hot“ wussten das Publikum nicht
zu überzeugen. Mit einem Sonderpreis (Prix de l’ Unesco) durften
auch sie den Heimweg antreten. Pompös dann der Auftakt zu Robin
Valencias Kanonschuss – zu dem es aber leider nicht kam. Nach
publikumswirksamen Countdown ein Knall; aber keine fliegende
Robin Valencia. Nach bangen Minuten, die weder Petit Gougou noch
das Circusorchester unter Reto Parolari zu überbrücken wussten,
wurde Robin von ihrem Mann aus der misslichen Situation (ihrer
Kanone) befreit. Sichtlich mitgenommen, aber unverletzt verabschiedete sie sich
vom geschockten Publikum. Vom Publikum gefeiert wurde
der Handstandequilibrist Encho Keriasov. Noch vor seinem
Schlusstrick hielt es das Publikum nicht mehr auf den Stühlen
und es gab Standing Ovations. Für Nervenkitzel sorgte dann das
Duo Guerrero. Zu Live-Gesang von Aura folgte die Hochseil-Nummer
der Guerreros. Nach den Silbernen Clowns 1990 und 1993 gab es
diese Jahr mit der besonderen Erwähnung der Jury, den nach den
Clowns wichtigsten Preis des Festivals. Mit ihrer
Pferdefreiheit, oder besser gesagt dem Pferdeschaubild, „Vive
Monaco“ gewannen die Cassartellis noch einmal die Herzen der
Monegassen, spätestens als der Monte-Carlo-Marsch erklang und
die Geschirre der Pferde zu leuchten anfingen, hatte Brian
Cassartelli das Publikum in seiner Hand. |