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Prüfender Blick auf Elefant, Tiger & Co.
Mit der Amtstierärztin auf Kontrollrundgang im Zirkus Charles Knie
www.zirkus-charles-knie.de

Bad Mergentheim, 6. September 2007: Einen Rinderbestand überprüfen, die Haltung von Schweinen kontrollieren – Routine beim Veterinäramt des Main-Tauber-Kreises. Aber Elefanten, Löwen, Tiger und ein Känguru zu begutachten, das ist dann doch nichts Alltägliches. Ein Kontrollrundgang beim Zirkus mit der Amtstierärztin. Ohne Voranmeldung kommt die Veterinärin des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis am Donnerstagvormittag auf den Bad Mergentheimer Volksfestplatz. In der Nacht sind hier unzählige Lkw und Wohnwagen eingetroffen. Sie gehören zum großen Zirkus Charles Knie. Der Aufbau ist in vollem Gange: Die Masten des gelben Viermastzeltes werden gerade aufgerichtet, Zaunteile geschleppt und Pferde aus dem Transportwagen in ihre Stallzelte geführt.

Bereits am Freitagnachmittag soll die erste Vorstellung sein. Vor jedem Zirkusgastspiel aber muss das zuständige Veterinäramt prüfen, ob die Tierhaltung in Ordnung ist. Andernfalls können Auflagen erlassen, können sogar Tiere beschlagnahmt werden. So steht es im Gesetz. Amtstierärztin Dr. Marita Lohmann wird von Zirkusdirektor Sascha Melnjak zu den Tierstallungen geführt. Als erstes möchte die Veterinärin die Haltung der Raubtiere begutachten. Sie leben in einem Käfigwagen, davor ist ein Freigehege aufgebaut, das zusätzlichen Platz bietet, außerdem zum Beispiel erhöhte Liegeflächen oder Holzstämme zum Spielen und Krallen schärfen. Lohmann mustert die Tiere – aus sicherer Entfernung – genau: Sind die Tiere gut ernährt? Wie ist der Pflegezustand?

Inzwischen ist Raubtiertrainer Alexander Lacey hinzugekommen. Die Veterinärin hat viele Fragen: Wann bekommen die Tiere Wasser? Dreimal am Tag, erläutert der Brite, bei Hitze öfter. Was macht er, wenn ein Tier krank ist? Dann stehe eine Tierklinik zur Verfügung, aber die Tiere seien noch recht jung und völlig gesund. Woher stammen die Tiere? Seine Familie habe alle selbst in England gezüchtet, berichtet Lacey: die Löwen in der neunten, die Tiger in der siebten Generation. Außerdem muss Lacey eine ganze Reihe Dokumente vorweisen: die Haltungsgenehmigung, Impfpässe, eine Dokumentation aller tierärztlichen Behandlungen. Zuletzt soll er das Kühlabteil in einem der Zirkuswagen zeigen, in dem er das Fleisch für seine Tiere lagert. Schließlich ist die Veterinärin zufrieden und setzt den Prüfstempel in Laceys Papiere: keine Beanstandungen.

Nicht immer ist das so: Etwa bei jeder zweiten Kontrolle eines Zirkusunternehmens habe sie Beanstandungen, berichtet die Veterinärin. Dabei könne man nicht generell sagen, ob größere oder kleinere Zirkusse häufiger negativ auffallen: „Die kleinen Unternehmen haben ja meistens keine exotischen Tiere, sondern nur Haustiere – da ist die Haltung viel einfacher.“ Wenn sie Auflagen mache – zum Beispiel ein größeres Gehege einzurichten oder ein Tier ärztlich behandeln zu lassen –, dann werde das in den Prüfbericht eingetragen. Der Kontrolleur in der nächsten Stadt könne dann feststellen, ob die Auflagen erfüllt wurden. Freilich sei es nicht immer leicht nachzuvollziehen, ob die Vorgaben umgesetzt wurden: „Wir wissen oft nicht, wohin ein Zirkus weiterzieht und können daher unsere Kollegen im nächsten Landkreis oft nicht verständigen, dass Mängel festgestellt wurden. Wenn ein Zirkus weg ist, dann ist er weg. Wir müssten Verstöße einfach besser zurück- und weiterverfolgen können.“ Deshalb hält sie das Vorhaben des Bundes für sinnvoll, ein Zentralregister einzurichten, in dem alle Zirkusse und deren Tierbestände erfasst sind. Auch der Berufsverband der Tierlehrer – die Vereinigung der Zirkusdresseure – unterstützt dieses Vorhaben.

Nach der Kontrolle der Raubtierhaltung begleitet Dresseur Sandro Krämer die Veterinärin auf ihrem weiteren Rundgang. Er ist für alle anderen Tiere verantwortlich: Sie gehören dem Zirkus selbst, während die Raubtiernummer hinzuengagiert wurde. Die Atmosphäre zwischen Dresseur und Kontrolleurin ist gespannt, beide Seiten sind argwöhnisch. Das sei bei solchen Kontrollen immer so, berichtet die Veterinärin später. Bei den Papageien und Kakadus interessiert sie sich dafür, ob die notwendige Heizung im Volieren-Wagen vorhanden ist. Krämer erläutert die Standheizung und zeigt auf das Thermometer hinter den Glasscheiben. Beim Außenbecken der Seelöwen misst die Amtstierärztin mit einigen Schritten grob ab, ob es groß genug ist. Auch das ist der Fall. Die Veterinärin zählt die Pferde, Ponys, Emus, Kamele, Zebras – und prüft später im Tierbestandsbuch, ob wirklich genau so viele Tiere vorhanden sind, wie es in den Unterlagen steht. Die Spielmöglichkeiten in den Gehegen von Lamas und Känguru – Holzstämme zum Beispiel – findet sie vorbildlich.

Den Ernährungs-, Pflege- und Gesundheitszustand zum Beispiel eines Elefanten zu begutachten sei natürlich keine leichte Aufgabe, räumt die Veterinärin ein. Zur Vorbereitung auf den Termin hat sie noch einmal die so genannten „Zirkusleitlinien“ studiert. Sie sind ein Maßstab ihrer Prüfung und wurden von Vertretern der Tierschutzbehörden, Tierschutzverbände und Zirkusunternehmen gemeinsam erarbeitet. Die Leitlinien geben auch Hinweise, auf was die Prüfer achten sollen: bei Elefanten wird zum Beispiel der Zustand der Haut und der Fußnägel genannt. Haut und Nägel bedürfen bei diesen Tieren nämlich besonderer Pflege. Der Amtstierärztin fällt an diesem Vormittag positiv auf, dass die drei Elefantenkühe des Zirkus Charles Knie im Stallzelt nicht angekettet sind, sondern sich frei bewegen können. Keines der Tiere zeigt das „Weben“, das monotone Hin- und Herwiegen des Kopfes.

Nach einer Stunde ist der Rundgang beendet: „Keine Beanstandungen“, trägt Veterinärin Dr. Lohmann in die Dokumentation der Kontrollbesuche ein, die der Zirkus pflichtgemäß mit sich führt. Bedauerlich findet sie nur, dass der Volksfestplatz asphaltiert ist und den Tieren keinen weicheren Untergrund bietet. Die Zirkusmitarbeiter hätten aber zum Teil – etwa mit Stroheinstreu beim Kängurugehege – für eine Alternative zum Wiesengrund gesorgt. „Tierhaltung auf Reisen ist zwangsläufig ein Kompromiss, so große Gehege wie im Zoo sind da in der Regel gar nicht möglich“, sagt die Veterinärin. Die Tierlehrer dagegen argumentieren, dass ständig wechselnde Eindrücke und Umgebungen während einer Tournee und die tägliche Beschäftigung der Tiere das oft geringere Platzangebot mehr als wettmachen.

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Text und Fotos: Markus Moll. Der Autor ist Pressereferent des Landratsamtes Main-Tauber-Kreis.