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Dinner- & Erlebnis-Varieté Bell 23/24
www.tiererlebnisparkbell.de - 153 Showfotos

Bell, 13. Januar 2024: Remo Müller und seine Frau Alexandra Taetz haben gemeinsam bereits so manches kleine Wunder geschaffen. Zusammen mit Alexandras Eltern erwarben sie das Areal des maroden Freizeitparks Bell im Hunsrück und verwandelten das Gelände in einen schmucken Zoo. Zuletzt kam eine Afrikaanlage unter anderem für Giraffen hinzu. Während im Sommer der Zoobetrieb im Vordergrund steht, hat sich in der Winterzeit das Dinner- und Erlebnis-Varieté zu einer wichtigen Säule des Unternehmens entwickelt. Wir besuchen die Dernière – die 37. und letzte Vorstellung der Saison.

Remo Müller war von klein auf vom Circus begeistert. So sehr, dass der Schweizer eine Ausbildung in einem Beruf machte, den man im Circus brauchen kann, also als Koch. Später ließ er sich zum Tierpfleger ausbilden. Berufliche Stationen führten ihn in die Restauration des Circus Knie, zu Raubtierlehrer René Strickler und vor allem in den Walter-Zoo Gossau bei St. Gallen. Dort war er in einer außergewöhnlichen Doppelrolle als Restaurantleiter sowie Raubtierpfleger und -trainer tätig. Seine vier eigenen Tiger, die er aus deutschen Zoos bekommen hatte, stellte er dem Publikum in kommentierten Proben vor. Zudem war er im Winter für die Dinnershow des Zoos zuständig. Seine spätere Frau Alexandra lernte er auf einer Haustiermesse kennen, auf der die erfolgreiche Hundetrainerin auftrat. Den Umzug des Paares samt der Tigergruppe in den Hunsrück begleitete das Schweizer Fernsehen im Format „Die Auswanderer“. 2015 wurde der Tier-Erlebnispark eröffnet, bereits im darauf folgenden Jahr erstmals das Dinner- und Erlebnis-Varieté angeboten.


Wunderbares Ambiente im Dinner- und Erlebnis-Varieté in Bell

Am Parkeingang befindet sich das langgestreckte Gebäude des Zoorestaurants. Seine überdachte Veranda an der Längsseite verwandelt sich während der Dinnershow-Spielzeit in das edel gestaltete Foyer, das wir durch eine Flügeltür betreten. Roter Samt und großformatige Künstlerfotos schaffen Atmosphäre. Hier finden Garderobe und Empfang ihren Platz. Am Ende des Ganges geht es nach rechts Richtung Parkrestaurant, dessen Küche und Besuchertoiletten genutzt werden. Nach links führt der Weg in den Theatersaal, in dem eine Atmosphäre ähnlich der in einem Spiegelzelt geschaffen worden ist. Was wir an diesem Abend gar nicht bemerken: Es handelt sich um ein herkömmliches, nahezu quadratisches Festzelt, das durch den Einbau einer umlaufenden Wand und eine abgehängte Decke in eine kreisrunde Spielstätte verwandelt worden ist. Mit Mittelbühne, Bühne an der Rückwand gegenüber dem Eingang und festlich eingedeckten Tischen auf mehreren Ebenen.


Linette und Reven Taetz, Vorspeise

„Best of Cinema – die filmreife Dinnershow“ lautet diesmal das Motto. Dieses findet sich auch in der Dekoration wieder. So sehen wir an der Wand des Theaterraums wie auch rund um die Bühne „Filmrollen“ mit Fotos bekannter Leinwandstars. Als Special Guests in dieser Dernière zeigen die beiden Kinder von Remo Müller und Alexandra Taetz, was sie artistisch bereits gelernt haben: Linette mit Hula Hoop-Reifen und Reven mit Diabolos. Ein Emblem des Leinwandmusicals „Die Schöne und das Biest“ ziert den Teller, auf dem die Vorspeise serviert wird – Karottenrösti, Miniwraps und Brotsalat. Alles, was an diesem Abend auf den Tisch kommt, ist Augen- und Gaumenschmaus zugleich.


Dinora Bondar, Promi-Stimmen aus dem Off, Frank Lorenz

Dann sucht das Ensemble seine Plätze im „Kino“. Hierzu werden prominente Gäste „live“ zugeschaltet. Ihre Fotos erscheinen auf der Leinwand, ihre Stimmen hören wir aus dem Off, eingesprochen von einem Parodisten. Wir hören Amüsantes von Dieter Hallervorden, Udo Lindenberg und Rainer Calmund. Noch witziger wird es mit Bauchredner Frank Lorenz. Dessen Affe flirtet singend mit einer Dame aus dem Publikum („Für dich soll es Bananen regnen“) und bringt das Publikum mit den „Bananen aus Amsterdam“ zum Schunkeln. Dinora Bondar, ehemalige Sportgymnastin des portugiesischen Nationalteams, hat die Wettkampfstätten gegen Bühnen und Manegen getauscht. Dort lässt sie Hula-Hoop-Reifen kreisen.


Anita Steiner mit Dima Pavlenko, Suppe, Eddy Carello

Die anschließend servierte Süßkartoffel-Curry-Suppe ist den „Piraten der Karibik“ gewidmet, was in Musikbegleitung und Servierplatten-Deko zum Ausdruck kommt. Mit charmanter Moderation, ebensolchem Gesang („Mambo Italiano“) und mit zwei Herren aus dem Enseble tanzend leitet Anita Steiner zur Diabolo-Nummer von Julian Müller über. „Matrix“ ist nun das Motiv. Entsprechend cool, zunächst mit Sonnenbrille, lässt der junge Mann bis zu drei der Doppelkegel übers Seil tanzen, durch die Luft fliegen und fängt sie wieder. Die Leinwand im Hintergrund zeigt Motive, die aus dem Blockbuster stammen könnten. Das wohl bekannteste Gesicht dieser Show ist Eddy Carello. Stilvoll in grün-schwarz gestreifter Hose und ebensolcher Weste sowie mit passendem Hemd nutzt er für seine Gentleman-Jonglagen zunächst drei rote Zylinder und balanciert einen weiteren Hut auf einer Zigarre. Ebenfalls drei Gegenstände setzt er ein, wenn er mit drei Äpfeln jongliert – dies aber „zubeißend“ statt gentleman-like.


Kelly Huesca, Frank Lorenz mit Mitspielern

Elegant und liebevoll von Anfang bis Ende zaubert dagegen Kelly Huesca mit bloßen Händen flüchtige Bilder aus rieselndem Sand. Dies auf eine beleuchtete Glasplatte vor ihr; ihre Werke werden per Kamera auf große Leinwand übertragen. Weihnachtssongs liefern die Begleitung. Besonders vergnüglich wird es, wenn Bauchredner Frank Lorenz einer jungen Frau und einem jungen Mann aus dem Publikum seine Stimmen leiht, sie in einen Dialog treten und ihnen gemeinsam den großen Hit der Münchner Freiheit auf die Lippen legt: „Ohne dich schlaf ich heut‘ Nacht nicht ein“.


Duo Opa, Hauptgang, Kelly Huesca

Perfekt zum cineastischen Motto der Show passt die Partnerakrobatik des Duos Opa, bestehend aus Dima Pavlenko und Partnerin Guilena Bondar. „Time of my Life“ aus dem Dirty-Dancing-Soundtrack liefert die Begleitung zu einem Tanz, der mit Elementen der Partnerakrobatik und Hebefiguren gespickt ist – natürlich auch mit der ikonischen Szene aus dem Tanzfilm von 1987, bei dem die Dame bäuchlings auf den nach oben gestreckten Händen des Partners liegt. In dieser Position rotiert der Herr zudem mehrfach um die eigene Achse, sie immer noch tragend. Nun ist es Zeit für den Hauptgang, der wie alle Köstlichkeiten des Abends unter der Leitung von Remo Müller selbst in der Küche des Parkrestaurants zubereitet wurde. Wir haben die Wahl zwischen Involtini vom Schwein oder Blätterteigrolle, jeweils gefüllt mit Weichkäse, Birne und Nuss, mit gratiniertem Wintergemüse und gefüllten Basilikum-Teigtäschchen. Auf dem roten Sofa im Hintergrund plaudern Bauchredner Frank Lorenz und Sängerin Anita Steiner in einer romantischen Szene über das Zusammenleben von Mann und Frau, singen gemeinsam „Baby it’s cold outside“ und raten in einem Spiel Filmtitel, von „Pink Panther“ bis „Jurassic Parc“. Im Look des Musical-Films „Chicago“ arbeitet dagegen die ausgesprochen hübsche Kelly Huesca. Sie jongliert in die Luft mit fünf Bällen und gegen den Boden mit bis zu sieben. Zunächst noch ganz „brav“ mit Hose, Jackett und Hut, streift sie diese im zweiten Teil der Darbietung ab und verzaubert das Publikum dann im knappen schwarzen Kostüm.


Eddy Carello, Dessert, Duo Opa

Die Lacher auf seiner Seite hat Eddy Carello, wenn er sich durch die Gags aus Steve Elekys Comedy-Zauberei blödelt, von der „wertvollen chinesischen Vase“ bis zur „Empty Magic Box“. Auf eine insgesamt gelungene Kopie folgt ein offizielles Double, denn Frank Lorenz hat eine weitere Puppe dabei, in der wir Marius Müller-Westernhagen erkennen. Mensch und Puppe interpretieren nun gemeinsam „Freiheit“, einen der großen Songs des Deutschrock-Stars. Auch seine zweite artistische Nummer widmet das Duo Opa einem Filmklassiker. Als Agent 007 und „Bondgirl“ drehen sich die beiden in hoher Geschwindigkeit auf Rollschuhen und zeigen einige Tricks des Genres, jedoch nicht den Genickhangwirbel. Das weltbekannte musikalische Motiv der Agentenfilmreihe liefert die Begleitung. Einfühlsamer Gesang von Anita Steiner und weitere Bilder von Sandmalerin Kelly Huesca führen uns zum Finale, in dem sich die Artisten vorstellen und Remo Müller allen Beteiligten für ihre Arbeit in der vergangenen Spielzeit dankt. Erst danach wird das Dessert serviert, ein Duett vom Schokoladenkuchen mit Himbeer-Pannacotta, hausgemachtem Eis und Kompott. Der Teller ist mit einem Bild der Blues Brothers aus Kakaopulver verziert.

Delikate Speisen, eine unterhaltsame Show, kühle Weine und heiße Stimmung – mit "Best of Cinema“ gelingt es Remo Müller und Alexandra Taetz, in einem kleinen Dorf im Hunsrück eine Dinnershow im wunderbaren Ambiente zu präsentieren, die künstlerisch wie kulinarisch rundum Freude bereitet, auch ohne den Namen eines Sternekochs auf dem Plakat und ohne ganz große Stars im Programm. Hut ab! Bereits am 1. Juli startet der Vorverkauf für die kommende Spielzeit im Winter 2024/25, die dann unter dem Motto "Hotel Bellvue - ein Genuss für alle Sinne" stehen wird.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll