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Friedrichstadt-Palast - BLINDED by DELIGHT
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Berlin, 4. Juni 2026: Ein wundervoll buntes Pop-Spektakel mit energiereichen Songs, großartigen Tanzchoreographien, fantastischen Kostümen und ausgesuchten artistischen Acts reißt das Publikum im Berliner Friedrichstadt-Palast förmlich von den Sitzen. Am Ende applaudiert der ganze, voll besetzte Saal im Stehen; die gesamte Vorstellung an diesem Freitagabend wird von der euphorischen Stimmung und der Begeisterung der Gäste getragen. „BLINDED by DELIGHT“ – geblendet vor Entzücken – ist nicht nur der Titel dieser Show, sondern auch ein eingelöstes Versprechen.

Vielleicht macht Geld doch glücklich, denn ohne die jährlichen Zuschüsse des Landes Berlin in zweistelliger Millionenhöhe wären die gigantischen Produktionen auf der größten Theaterbühne der Welt so nicht möglich. Beim Blick ins Programmheft kann man nur staunen: Elf internationale Choreographen haben die Tanzszenen für „BLINDED by DELIGHT“ geschaffen. Für das Design von Bühnenbild und Video, Licht und Ton sowie für Komposition und Songtexte werden 15 weitere Verantwortliche benannt, ergänzt von einem Heer an Assistenten und weiteren Kunstschaffenden. An der Spitze des Kreativteams stehen darüber hinaus Intendant Dr. Berndt Schmidt, Kostüm-Stardesigner Jeremy Scott sowie Oliver Hoppman als Autor und Regisseur. Hier wird ein großes Rad gedreht.


Der Friedrichstadt-Palast in Berlin

Auf der anderen Seite erzielt der Palast einen wesentlich höheren Eigenfinanzierungsanteil als andere öffentliche Theater und eilt beim Ticket-Absatz und der sensationellen Auslastung von Rekord zu Rekord. Die durch die Produktionen angelockten Gäste sorgen für so hohe Ausgaben in Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel, dass die öffentliche Zuwendung als Investition in die Strahlkraft Berlins betrachtet werden kann, die mehrfach in den städtischen Haushalt zurückfließt. Fast 1900 Zuschauer finden im Theatersaal mit seinen ansteigenden Rängen Platz. Er wurde 1984 als letztes bauliches Prestigeprojekt der damaligen DDR eröffnet.


Schleuderbrett, "Life's Delights"

„BLINDED by DELIGHT“ erzählt von Luci, gespielt von Musical-Sängerin Denise Lucia Aquino, die ihre Träume bewusst erlebt und mit ihnen interagieren kann. Der graue Alltag lässt ihre Träume jedoch zunächst seltener werden und verblassen. Und doch entspringt ihrer Phantasie zu Beginn der Show der Traum als männliche Figur, die zugleich ein charismatischer Entertainer ist. Wir haben an diesem Abend das Vergnügen mit Marc Chardon in dieser Rolle. „Spürt ihr das?“, ruft er im Lauf des ersten großen Bildes in den Saal und erntet den Jubel des Publikums. Das große Ballett-Ensemble – 60 Frauen und Männer gehören ihm an – zeigt in seinem ersten Auftritt Lucis wunderschöne Traumwelt, die hier durch Kostüme mit bunten Farbfeldern wie auf Rubiks Zauberwürfel symbolisiert werden. „Wovon träumst du?“, lautet der Titel des mitreißenden Songs dazu. Gespielt wird er von der großen Showband unter Daniel Behrens, die links und rechts der Bühne auf mehreren Ebenen hinter Glasscheiben sitzt. Auch Fora Aracama und Nico Busso vom Duo Rings wirken in dieser Szene mit, hier mit Luftakrobatik an relativ kleinen Quadraten. Dass in Träumen alles möglich ist, auch das Fliegen, wird in der Schleuderbrett-Nummer deutlich, welche Rafael und Paco Olmos nach ihrem Engagement im Schweizer National-Circus Knie exklusiv für den Palast geschaffen haben, gemeinsam mit Absolventen der Berliner Artistenschule. Zwei große Boxen, die anstelle von klassischen Sprungtürmen genutzt werden, und zwei Wippen sind die Requisiten, die das Quintett für Salti und Pirouetten nutzt, begleitet von rockiger und rasanter Musik. Damit wird schon ganz früh in der Show Stimmung gemacht, die Begeisterung ist hörbar groß. Zurück auf den Boden der Tatsachen gelangen wir im nächsten großen Bild, das Lucis von Tempo, Hektik und Lärm bestimmten Alltag darstellt. Rastlos rennt Luci in einer Trommel, quasi einem Hamsterrad, und rastlos hasten die Damen und Herren des Balletts in ihren dunklen Kostümen inmitten von Quadraten aus weißem Licht, die auf den Bühnenboden geworfen werden. Stampfender Sound begleitet sie. Doch die positive Wendung folgt bald. Aus dem Bühnenboden erscheint zunächst ein beleuchteter Würfel, der Luci in ihre Traumwelt entführt. Dort begegnet sie nicht nur den personifizierten Glückshormonen, Oxytocin, Dopamin und Endorphin – dargestellt von drei Gesangssolistinnen und -solisten –, sondern auch dem Traum. Nun werden von unten drei beleuchtete „Türen des Glücks“ auf die Bühne gefahren. Durch diese gerät Luci an außergewöhnliche Orte ihrer Fantasie und ihrer Erinnerung, beginnt ihre Träume wieder wahrzunehmen. Bald darauf wird es in diesen Traumwelten kunterbunt. Unter dem Motto „Life’s Delights“ tanzen viele Ladys ganz in Pink.


"Happy Hour", Viktoriia Dziuba

In der „Happy Hour“ versprühen die singenden Glückshormone gute Laune und begleiten Luci auf ihrer Reise. Und schon geht es zu einer romantischen Komödie in einen Kinosaal. Hier werden ganz wundervolle Kostümschöpfungen präsentiert: eine Dame als Torte mit herausnehmbarem Kuchenstück, zwei andere als Würfel und Roulettetisch – und ein junger, attraktiver Mann, der außer einer knappen Badehose nur ein Surfbrett trägt. Das alles ist herrlich bunt und auf wunderbare Weise ein wenig Retro. Ein hübscher Kontrast zu abstrakt-futuristischen Designerroben in früheren Shows des Palastes. Langsam senkt sich die Abenddämmerung über die Bühne und vom Schnürboden schwebt Viktoriia Dziuba in die Szenerie herab. Inmitten einer stimmungsvollen Installation aus Glühlampen zelebriert sie im Zeitlupentempo so noch nicht gesehene, unerhört schwierige und komplexe Figuren der Handstand-Equilibristik. Die euphorischen Reaktionen des Publikums auf dieses artistische Glanzlicht sind überwältigend.


"Poison"

Die Nacht breitet sich aus. Luci und Traum verbringen gemeinsam sündige Stunden – dargestellt in dem sinnlichen Bild "Poison", in dem das Ballett in rot-schwarzen Kostümen tanzt. Auf Stühlen, auf einer Treppe im Hintergrund, in einem flachen Wasserbecken. Eine der Szenen, in denen solche plastischen, klassischen Bühnenelemente zum Einsatz kommen, während über weite Strecken der Vorstellung eher darauf gesetzt wird, mit modernen LED-Wänden wechselnde Stimmungen zu schaffen.


"Splendor"

Zu Beginn des zweiten Programmteils schweben Luci und Traum quasi auf Wolke 7. Passend dazu gibt es ein großes Bild unter dem Titel "Splendor" mit dem Ballett in golden glänzenden und schwarzen Kostümen, die wiederum eher klassisches Flair versprühen. Die Szene geht nahtlos über in einen artistischen Act mit BMX-Rädern, der ebenfalls speziell für den Friedrichstadt-Palast kreiert worden ist. Eine Halfpipe mit vier Rampen steht im Zentrum, ringsherum gruppieren sich vier weitere Rampen. So können die sechs Artisten zu Aktionen aus allen vier Raumrichtungen starten, bis hin zu Salti mitsamt Rad. Auch diese Nummer erntet riesigen Jubel.


"Nightnare", "Blossoming"

Wiederum erscheinen die Türen, und so gelangt Luci durch eine von ihnen in eine Kathedrale aus zerbrochenen Spiegeln, die nun wieder in Form echter Requisiten erscheinen. Nightmare – Albtraum – ist der Song tituliert, währenddessen die Protagonistin von finsteren Figuren umtanzt wird. Doch sie stellt sich der Dunkelheit entgegen und bringt durch ihr strahlendes Wesen die Traumwelt mit dem passenden Song („Blossoming“) neu zum Aufblühen. Viele folgen ihr zurück ans Licht, was durch einen Tanz der Compagnie in hautfarben schimmernden Kostümen versinnbildlicht wird.


Cocktail-Kleider mit Designer Jeremy Scott, Duo Rings

Nachdem die Fröhlichkeit zurückgekehrt ist, erleben wir in einer weiteren „Happy Hour“ mehrere Damen und einen Herrn des Balletts als unterschiedliche Cocktails gewandet. Nochmals also herrliche Kostümkreationen im Retro-Stil. Flor Aracama und Nico Busso alias Duo Rings haben für ihre Luftakrobatik ein außergewöhnliches Requisit gewählt, zwei Strapatenbänder mit jeweils einem Ring mit schmalem Durchmesser am Ende. Mal trägt sie den Partner, der mit einer Hand an ihren Fuß greift; mal hält sich jeder von ihnen nur mit einer Hand an einem Ring, während sie einander in kunstvollen Figuren umkreisen. Luci spürt nun, dass der Moment naht, an dem sie sich der Realität stellen muss. Kann Traum bei ihr bleiben? Dieser möchte endlich Realität werden, möchte „All In“ gehen, wie es in einem weiteren Lied heißt. Eine Explosion von LED-Lichtpunkten auf dem erneut erscheinenden Riesen-Würfel beschreibt, wie er in das echte Leben gelangt.


Kostüme der Girlreihe und Designer Jeremy Scott

Die Rückkehr in die Realität, der wahr gewordene Traum, kommt in der grandiosen Schlussnummer zum Ausdruck. Aus dem Bühnenhintergrund kommt ein rotierendes Treppen-Podium herangefahren, das 32 Ballettgirls Platz bietet. Kostbar silbern glitzern die Kostüme, Kopfputze und Kopfbedeckungen der Tänzerinnen. In einem mit mathematischer Genauigkeit choreographierten Meisterwerk, geschaffen von Ballettdirektorin Alexandra Georgieva, bringen sie die weltberühmte „Kickline“ des Palastes. Nicht einfach ein synchrones Hochwerfen von Beinen, sondern eine in vielfach wechselnden Mustern und Formationen ablaufende Präzisions-Maschinerie. Schönheit pur, Eleganz in ihrer reinsten und berauschendsten Form.

Diese Grand Show im Friedrichstadt-Palast trägt mit ihrer konkreten Handlung, mit Songs und Spielszenen viele Elemente des Musicals. Bei den akrobatischen Acts ist sie Circus und Varieté am Nächsten. Doch wer sie mit den Maßstäben von Musical und Varieté misst, der irrt. Der Sinn, der Wesenskern der Revue ist die Schönheit um ihrer selbst willen. Schönheit, die in spektakulären Bildern aus Bühnenelementen, LED-Technik und Lichtkreationen ihren Ausdruck findet. Schönheit, die mit kostbaren Kostümen und opulenten Tanzszenen berauscht. Eine Produktion, die zwischen Nostalgie und Futurismus pendelt und letztlich so ist, wie die Bühne, auf der sie spielt: in ihrer Art unvergleichlich und die größte auf der Welt.

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Text: Markus Moll
Fotos:
Titelbild oben, Schleuderbrett, Life's Delights, Viktoriaa Dziuba, Poison, Splendor, Duo Rings: Nady El-Tounsy
Happy Hour, Nightmare, Blossoming, Cocktailkeider, Girlreihe: Markus Nass
Gebäude: Bernd Brundert