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GOP Münster - "Hot Spot"
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Münster, 23. März 2025: Mit Standing Ovations endet diese Vorstellung an einem Sonntagnachmittag im GOP Varieté Münster. Die Publikumsreaktionen sind wenig überraschend, denn mit der Produktion „Hot Spot“ wird ein artistisch sehr starkes Programm geboten. Dank der Mustache Brothers lädt es zudem zum herzlichen Lachen ein, mit den Kartenmanipulationen des gebürtigen Taiwaners Mike Chao zum Staunen. Besonders in Erinnerung bleibt zudem Conférencier Andreas Wessels – er überzeugt mit verblüffendem Können als Jongleur ebenso wie mit humorvollen Moderationen. Mitten im Herzen der nordrhein-westfälischen Großstadt liegt das GOP Münster gegenüber dem Hauptbahnhof.

Vor 20 Jahren, im Sommer 2005, hat die Familie Grote an dieser Stelle ihr damals viertes Varieté-Theater eröffnet. Heute betreibt sie sieben Häuser dieser Art zwischen Bremen im Norden und München im Süden. Überall gehört ein elegantes Restaurant mit zum Konzept, so auch in Münster. Das umfassend sanierte Gebäude hat eine lange Entertainment-Tradition, denn das 1920 eröffnete „Roland-Theater“ war nicht nur ein Lichtspielhaus, sondern insbesondere später auch Theaterbühne und trug zuletzt den Namen Roland-Frosch-Varieté.


Opening, Danilo Marder, Andreas Wessels

Für gute Unterhaltung sind wir hier also an der richtigen Stelle. „Right here, right now“ liefert denn auch die musikalische Begleitung des Openings, bei dem das Ensemble auf einem Podium aus großen, weißen Quadern tanzt, umgeben von vier laternenartigen Leuchtobjekten. Diese Bühnenelemente werden im Laufe der Show immer wieder anders angeordnet. Von einem „Tempel der Akrobatik und Hot Spot des Varietés“ spricht Andreas Wessels in seiner Eingangsmoderation. Bereits 2008 erlebten wir Danilo Marder erstmals in einer Absolventenshow der Berliner Artistenschule. Er gehört zu den staatlich geprüften Artisten aus der Hauptstadt, die sich langfristig erfolgreich am Markt etabliert haben. Sein Metier sind nach wie vor kunstvolle Handstände auf zwei langen Stäben, dies auch auf nur einem Arm, in einer kraftvollen Flaggen-Position oder in einer gekonnten Waage. Zu dynamischer, mitreißender Musik zeigt Andreas Wessels sein hervorragendes Können als Balljongleur. Er hält nicht nur fünf Fußbälle sicher in der Luft, sondern lässt kurz auch noch einen sechsten auf seinem Kopf springen. Ebenso gelingt ihm die Jonglage mit fünf Bällen, während er einen sechsten auf dem rechten Fuß abgelegt hat und zugleich über ein Seil springt, das zwei Artistenkollegen drehen lassen.


Mustache Brothers, Annika Hakala, Andreas Wessels

Seit wir die „Mustache Brothers“ vor vielen Jahren das erste Mal im Schweizer Circus Nock erleben durften, haben wir die Brasilianer Nelson Cavalcante und Bruno Fratani besonders in Herz geschlossen. Die Sympathieträger beweisen als Kaskadeure auf und unter ihrem Tisch nicht nur akrobatisches Geschick, sondern bauen inzwischen auch viele Wortspiele in ihren Auftritt ein. Wenn Nelsons Hose herunterrutscht und wir seine darunter getragene Damenwäsche erblicken, kommt ein wenig schlüpfriger Humor dazu. Mit einem Zwischenspiel um seine große „Rauchkanone“ leitet Andreas Wessels zum Auftritt von Annika Hakala über. Die in Österreich lebende Finnin ist eine Könnerin beim Spiel mit den Hula-Hoop-Reifen. Bis zu sieben von ihnen lässt sie um Arme, Beine und Körper kreisen. Zusätzlich beeindruckt sie mit ihrer besonderen Persönlichkeit. An einer Handschlaufe lässt sie sich schlussendlich in die Luft ziehen, die Hula Hoops weiterhin um die Hüften bewegend. Für Bar-Atmosphäre sorgt Andreas Wessels, wenn er sich auf besondere Weise einen Whiskey bereitet. Den Eiswürfel wirft er ins Glas, das er auf dem Kopf balanciert. Die hochgeworfene Cocktailkirsche fängt er auf einem kleinen Holzspieß zwischen den Lippen, und den Löffel bugsiert er mit gezieltem Schwung vom Fuß in das auf seinem Schädel stehende Glas. Im Anschluss gelingen ihm weitere Kabinettstückchen mit Zigarette und Feuerzeug.


Mustache Brothers

In einer amüsanten Parodie stellen die Mustache Brothers gleich darauf die Kunststücke mit der Zigarette nach. Dabei beginnt Nelson scheinbar innerlich zu dampfen. Ernsthaft geht es erst wieder zu, wenn Jeka Dehtiarov sich im Cyrrad über die Bühne dreht. Wer einen so durchtrainierten und muskulösen Körper hat, darf beruhigt nur in einer Badehose arbeiten. Zum Schlusstrick legt er noch eine Augenbinde an und rotiert nun quasi „blind“. Mit der Präsentation der fünf Buchstaben P, A, U, S, E schließt das Ensemble die erste Hälfte ab.


Andreas Wessels, Jeka Dehtiarov, Skating Medini

Den zweiten Teil der Vorstellung eröffnet Andreas Wessels mit einer Horizontaljonglage: Von der Decke hängen fünf LED-Röhren an langen Schnüren. Zunächst auf einem Stuhl sitzend, versetzt er die Röhren im Halbdunkel in Bewegung, dies auch auf sich kreuzenden Bahnen, und geht zwischen ihnen hindurch. Zusammen mit der atmosphärischen Musik ergibt sich eine besonders stimmungsvolle Darbietung. Schwieriges ganz leicht wirken lässt auch Jeka Dehtiarov in seinem zweiten Auftritt, nunmehr am Flying Pole. Voller Kraft hält er sich bei seinen Posen an dem Requisit, dies einmal nur mit dem angewinkelten Arm, den Oberkörper gegen die Stange gedrückt. Mit einem Brief, der die meiste Zeit zwischen den Zähnen gehalten und zwischendurch gelesen wird, ist noch eine Mini-Geschichte, ein inhaltliches Motiv, in der Nummer inkludiert. Dann wird es erneut heiter, zunächst mit einem kleinen Wettstreit zwischen den brasilianischen Wahlverwandten Mustache Brothers und den leiblichen Togni-Brüdern aus Italien, dann mit Andreas Wessels. Er kann nicht nur mit Ping-Pong-Bällen, die er mit dem Mund bewegt, Klassik und Pop auf dem Xylophon spielen. Nein, er trägt auch Gedichte vor, in denen er die Namen von klassischen Komponisten und Popmusikern verarbeitet hat. Nun ist wieder Tempo gefragt, und für dieses sorgen die sympathischen Geschwister Asia und Dylan Medini. Als „Skating Medini“ drehen sie rasante Touren auf Rollschuhen und überzeugen mit wesentlichen Tricks des Genres bis hin zum Genickhangwirbel.


Mike Chao, Andreas Wessels, Togni Brothers

Fernöstliches Flair bringt Mike Chao auf die Bühne. In einen eleganten schwarzen Anzug mit Gehrock gekleidet, lässt er auf wundersame Weise immer mehr Bälle und Spielkarten erscheinen. Die Fingerfertigkeit des Taiwaners, der bereits mit dem Circus Roncalli auf Tournee war, ist verblüffend. Auch bei dieser Darbietung schrecken die Mustache Brothers nicht davor zurück, sie in einer frechen Parodie nachzuspielen. Eine Reprise im eigentlichen Sinne des Wortes. Hier hilft ein Föhn, die Karten fliegen zu lassen. Als Hommage an Rastelli zeigt Andreas Wessels ein Kunststück, das Können und Humor verbindet. Und so muss ein Zuschauer auf einem Stuhl Platz nehmen. Auf seinen Füßen, zwischen seinen Knien, auf den Oberschenkeln, in den Ellenbogen sowie mithilfe von Händen, Mundstab und Kopf hat er zwölf Bälle und Kugeln in unterschiedlichsten Kugeln zu tragen. Die beiden Togni Brothers, Michael und Dario, präsentieren uns klassische ikarische Spiele. Hier ist besonders beeindruckend, dass zwei so groß gewachsene, kräftige junge Männer diese Disziplin beherrschen. Grandios ist die Landung im Fuß-auf-Fuß-stehend zum Abschluss einer Serie von vier Rückwärts-Überschlägen. Dank einer Variante mit spektakulärem Scheinsturz zuvor wird der Schwierigkeitsgrad auch dem letzten im Theater deutlich gemacht. Es folgen als Höhepunkte ein Doppelsalto sowie eine Serie von 15 federleichten Überschlägen. Bravo!

In der Tat verwandelt diese Show das Theater in Münster in einen „Hot Spot“ der Varietékunst. Im mit Zugaben gespickten Finale verabschiedet sich das Publikum von dem – wie gesagt – stehend applaudierenden Publikum. Die nächsten Stationen dieser Produktion in den Häusern der GOP-Gruppe sind Hannover vom 15. Januar bis 12. April und dann Bad Oyenhausen vom 16. Juli bis 4. Oktober 2026. Ein Besuch sei wärmstens empfohlen.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll