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Friedrichsbau - "Masque"
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Stuttgart, 24. November 2023: „Um frei leben zu können, musst du dich nicht hinter einer Maske verstecken – sei einfach du selbst.“ Diese Botschaft vermittelt das Friedrichsbau-Varieté Stuttgart mit seiner Winterproduktion „Masque“. Regisseur Ralph Sun und sein Team haben dafür einen glamourösen Maskenball voller Humor, Tanz, Gesang, Akrobatik und sinnlichen Momenten geschaffen. Im Mittelpunkt des Ensembles aus einem sechsköpfigen Ballett und der Artistenriege steht die Entertainerin und Sängerin Kristina Kruttke, die uns hervorragend singend und charmant plaudernd durch den Abend begleitet.

Alle Mitglieder des Casts arbeiten mit Masken; selbst viele Besucherinnen und Besucher der festlichen Premiere haben den Hinweis zum Dresscode in der Einladung aufgegriffen und verbergen ihr Gesicht oder wenigstens die Augenpartie. Die Bühne erleben wir in einen großen Spiegelsaal verwandelt, wobei die angedeuteten Spiegel ringsherum auch als Türen genutzt werden können und so vielfältige Möglichkeiten für Auf- und Abgänge des Ensembles sowie zusätzliche Lichteffekte bieten. Dabei wird diesmal wirklich die gesamte Größe der riesigen, hierdurch mitunter etwas karg wirkenden Bühne als Spielfläche genutzt.


Vegas Showgirls, Kristina Kruttke, Marie Bitaroczky

In geheimnisvollen Kutten umringen weitere Mitglieder des Casts zunächst das Ballett der Formation Vegas Showgirls, das uns in einem ersten Tanz empfängt, mit weiten Armbewegungen und in sündigen Kleidern aus transparentem, schwarzem Stoff. Kristina Kruttke lädt uns ein, alle gesellschaftlichen Grenzen zu sprengen, die Kontrolle abzugeben, beim Maskenball eine Nacht ohne Ängste und Vorurteile zu verbringen – „because you’re mine“, wie sie in ihrem ersten Song singt. Der italienische Messerwerfer Bruno platziert seine Messer zielsicher rund um seine Partnerin Fellon, während sich diese an einer rotierenden Scheibe dreht. Marie Bitaroczky ist mit ihren langen, gelockten Haaren und im schwarzen Netz-Kostüm nicht nur eine attraktive Erscheinung, sondern auch eine Könnerin. Dies beweist sie uns in ihrer Kür an weißen Tüchern, in der sie zwischen kraftvollen Posen sowie Abfallern wechselt. Großer Applaus ist der Lohn.


Fabio Zimmermann, Vegas Showgirls, Oleg Valko

Kristina Kruttke erzählt uns von den großen Maskenbällen in Venedig, bei denen „der Page als König und der König als Hirte“ auftreten, bei den die Rollen über alle Standes- und Geschlechtergrenzen hinweg getauscht werden. „Zorro, Batman oder Don Juan de Marco: Wer bist du, wer willst du sein“, lautet ihre Frage. Mit bis zu fünf im Halbdunkel leuchtenden, dabei ihre Farben wechselnden Keulen jongliert Fabio Zimmermann in einer tänzerischen Choreographie. Doch auch bei einem Maskenball ohne Konventionen erscheint uns sein Kostüm aus weiter, weißer Hose mit Kummerbund und freiem Oberkörper nicht ideal. Präzision und Beweglichkeit beweist im Anschluss das Ballett zum Song „Je danse“ in abermals sinnlichen Outfits. Oleg Valko balanciert auf einem Mundschwert einen Stapel aus sechs Gläsern, zunächst auf Messers Schneide, dann auf der Spitze. Es folgt die Balance eines langen Schwerts auf dem Mundschwert, dies „Spitze aufs Spitze“, während er sich auf den Boden legt und wieder aufsteht. Wirkungsvoll auch sein Schlusstrick, bei dem er einen Ballon und einen Kerzenständer auf dem Mundschwert balanciert, dann den Ballon zum Platzen bringt und den Kerzenständer mit dem Schwert fängt.


Kristina Kruttke und Vegas Showgirls

Gastgeberin Kristina Kruttke philosophiert darüber, wie wir einerseits im übertragenen Sinne täglich Masken tragen – im Büro, vor Freunden – und zugleich die eine Person suchen, die unser wahres Ich erkennt. „True Colors“ ist der dazu passende Songtitel, den sie inmitten der andächtig lauschenden Ballettgirls interpretiert. Auf diesen romantischen Moment folgt die im dynamischen Tempo gearbeitete, recht kurze Hand-auf-Hand-Performance von Fabio Zimmerman und Julia Wahl. Für den gewagtesten Moment der Show sorgen die Vegas Showgirls bei ihrem atemberaubend sexy Tanz in schwarzen Fetisch-Outfits.


Bruno und Fellon, Oleg Valko, Vegas Showgirls

Damit ist der Boden bereitet für die Armbrust-Nummer von Bruno und Fellon. Mal zielt er mit zwei Armbrüsten gleichzeitig auf zwei von ihr gehaltene Ballons, mal schießt er einen Pfeil über den Rücken auf einen von ihr gehaltenen Ballon. Auch sie greift zur Waffe und trifft eine von ihm gehaltene Blume. Zum Abschluss schießt sich Bruno über mehrere Stationen und nacheinander ausgelöste Armbrüste einen Apfel selbst vom Kopf. Nach der Pause empfängt uns Oleg Valko, der in seinem kompakten Auftritt an den Strapaten in unterschiedlichen Figuren kraftvoll über der Bühne kreiselt, dann das offene weiße Hemd ablegt und nicht nur mit dem muskulösen Oberkörper, sondern auch mit seinem Auf- und Abwickeln an den Stoffbändern beeindruckt. Zu den Klängen der „Bitter Sweet Symphony“ tanzt das Ballett in goldfarbenen Kleidern und mit Hirschgeweihen, schafft so ein mystisches Bild. Auch in dieser Choreographie wird zusätzlich der Laufsteg ins Publikum einbezogen, um Nähe zu schaffen, den Raum voll auszunutzen.


Marie Bitaroczky, Oleg Valko, Vegas Showgirls

Die große Diva Kristina Kruttke hat nun ihr Kostüm gewechselt, von rot nach grün, und geht gesanglich auf Männersuche. Obwohl ihr die Aussichten zunächst gut erscheinen, kommt sie nicht zum Zuge, denn das Objekt der Begierde hat ja „Wurstfinger“, wie ihr neuer Text auf den James-Bond-Filmsong „Goldfinger“ lautet. Einfach nur eine hübsche Erscheinung ist dagegen Julia Wahl, die ihre rasant, kräftezehrende, aber auch nicht sehr ausführliche Poledance-Kür inmitten des sie umringenden Ensembles zelebriert. Interaktiv und amüsant ist die alternative Weihnachtsgeschichte, die uns Kristina Kruttke erzählt und in der jeweils unterschiedliche Gruppen aus dem Publikum die Rollen von Maria, Josef, Jesus und den Schafen im Stall übernehmen dürfen. Noch einmal rätselhaft wird es mit den Vegas Showgirls und ihrem Tanz mit goldfarbenen Vollmasken und goldenen Perücken. Bei ihrem Auftritt im Luftnetz nutzt Marie Bitaroczky die Möglichkeiten, die dieses Requisit bietet, hervorragend aus, beispielsweise mit einer Art Vorwärtsrolle, Handstand und Kontorsionen sowie dem Genickhang. Die Schlussnummer übernimmt Oleg Valko mit seiner Kubusjonglage. Unter anderem lässt er seinen Metallwürfel auf der nach oben ausgestreckten Hand rotieren. Fürs Finale werden nochmals alle Register gezogen, wenn das Ballett zu „I am what I am“ in prächtigen Revuekostümen mit Federschmuck erscheint. Kristina Kruttke schildert, wie uns (auch imaginäre) Masken manchmal Kraft und Stärke verleihen, um die Person zu sein, die man sein möchte. Doch es brauche keine Maske, um zu sich selbst zu stehen.

Und so legen alle Ensemblemitglieder ihre Masken ab, während sie die Bühne verlassen und ins Foyer ziehen, begleitet von der von Kristina Kruttke berührend schön gesungenen Hymne „Young and Beautiful“: „Ich weiß, du wirst mich noch lieben, wenn ich nicht mehr jung und schön bin“. Ein wunderbar passender Abschluss. Tosender Applaus für diese sehr gelungene, aufwendige und prachtvolle Wintershow, mit der das Friedrichsbau-Variéte einmal mehr zu einem selbstbestimmten Leben in einer diversen Gesellschaft aufruft.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll