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Ab sofort
wird er die beiden jährlichen Shows für das Kleinkunsttheater
im Frankfurter Westen zusammenstellen. Er folgt damit auf
Frank Rupprecht. Als Geschäftsführer seiner Agentur „Paulsen &
Consorten“ ist er der Produzent der Show „Spin!“, welche wir
jetzt in Höchst erleben. Der Anstoß dazu, diese hierher zu
holen, kam aber noch von Frank Rupprecht, wie Pressesprecher
Felix Schulz-Stahlbaum erzählt.

Finale mit dem Ensemble und Maik M. Paulsen (links)
„Spin!“
war die Abschlussproduktion 2019 der Staatlichen
Artistenschule Berlin. Sie wurde bereits vor mehr als 30.000
Zuschauern gespielt, wie die Homepage verrät. Wenn man sich
unsere Programmbesprechung aus dem Premierenjahr anschaut,
sieht man, dass es seitdem größere Veränderungen gab. Die
meisten der Artisten von damals sind nicht mehr dabei. Dafür
eben viele neue. Auch die Inszenierung hat sich in Summe
weiterentwickelt. Vor dem November-Engagement in Höchst wurde
gemeinsam mit Regisseur Karl-Heinz Helmschrot nochmal intensiv
daran gefeilt. Somit ist das Stück dann in gewisser Weise doch
ein Neues Theater-Original geworden.
 
Leonie Koerner, Luzie Lou
Wir
erleben starke Artistik von jungen Menschen, die vor nicht
allzu langer Zeit ihre Ausbildung abgeschlossen haben und nun
ins Berufsleben starten. Das alles in einer durchgehenden
Inszenierung ohne Unterbrechungen. Deren Titel verspricht
„drehen“, „wirbeln“ oder auch „kreiseln“. Und rund geht es
gleich beim Opening. In der Mitte der Bühne spielt Michael
Preise auf dem E-Cello. Die weiteren Ensemblemitglieder liegen
im Kreis um ihn herum. Ebenso ein Cyr Wheel. Die Artisten
stehen auf und erwachen in einer ersten Choreographie. Der
Reifen wird hochgehoben, dann balanciert Johann Prinz darauf.
Die wahre Könnerin an diesem Requisit aber ist Leonie Koerner.
Im roten Oberteil sowie Rock wirbelt sie in den
unterschiedlichsten Variationen über die Bühne. Es sieht alles
so leicht, fließend aus. Aber nicht zuletzt der limitierte
Raum dürfte eine Herausforderung darstellen. Ein großer
durchsichtiger Plastiksack dient als Einleitung für die
Darbietung am Luftring von Luzie Lou. In unterschiedlichen
Höhen lässt sie Gleichgewichtssinn, die Biegsamkeit ihres
Körpers und Ausstrahlung zu einer ganzheitlichen Kür
verschmelzen.
 
Duo
Kraoul, Duo One Line
Am Boden
erwarten sie Künstlerkolleginnen und -kollegen mit
aufgespannten Regenschirmen. Zusammengeklappt bilden diese
wiederum das Entree für die Partnerakrobatik von Karim El
Nakib und Raoul Rogula, kurz Duo Kraoul. Mit freien
Oberkörpern zelebrieren sie eine unglaubliche Leichtigkeit.
Ihre akrobatischen Sprünge wirken nahezu, als würden hier
Federn durch die Luft fliegen. Zudem zeigen sie Handstände
sowie Elemente aus der Disziplin Klischnigg. Wenn man trommeln
will, aber nur die Sticks dazu hat, ist es praktisch, wenn ein
Beatboxer in der Nähe ist. So beginnt das folgende Intermezzo.
Florian Preise ist der zunächst Intrument-lose Drummer und
Adrian Schulte-Zweckel vom Duo One Line der Mundakrobat. Dank
der anderen Mitwirkenden kommen dann doch noch zwei Trommeln
und ein Becken zusammen. Nicht nur das. Florians Bruder
Michael steuert ein paar Keulen bei, sodass jongliert werden
kann. Außerdem spielt Michael in einigen Sequenzen auf dem
E-Cello. Bestens aufeinander eingespielt sind Adrian
Schulte-Zweck und Jannis Nau. Als Duo One Line stehen sie
schon seit frühester Kindheit gemeinsam auf der Bühne. Mit
viel Witz spielen sie sich gegenseitig die Diabolos zu,
schicken sie einzeln und gemeinsam auf atemberaubende Touren
durch die Luft oder lassen sie auf den Schnüren zwischen den
Stäben tanzen. Wenn Jannis drei Diabolos gleichzeitig
jongliert, kreuzt Adrian deren Bahnen mit einer rotierenden
Schnur, an der ebenfalls eine Doppelspule entlangläuft.
  
Johann Prinz, Luzie Lou, Leonie Koerner
Bevor
Johann Prinz seine eigentliche Nummer arbeiten kann, wird er
ordentlich um die eigene Achse gedreht. Gelbe, um die Hüfte
gewickelte Schnüre machen es möglich. Auch in diese Szene sind
mehre Artisten involviert, wird eine kleine Geschichte
erzählt. Dabei hängt der gebürtige Hesse schon an den
Strapaten. Für seine originelle, kraftvolle und
leistungsstarke Darbietung an den Bändern gab es beim European
Youth Circus 2022 „Silber“ in der jüngeren Kategorie.
Umschwünge sind genauso dabei wie anspruchsvolle Haltefiguren.
Nach der folgenden Pause geht es mit Trommeln auf
Plastikfässern weiter. Dazu immer wieder akrobatische
Einlagen. Mittendrin steht bereits das Requisit für den
zweiten Soloauftritt von Luzie Lou. Diesmal erleben wir sie am
Mast. Wiederum ganz in rot gekleidet beweist sie einmal mehr
exzellente Körperbeherrschung. Diesmal eben nicht in der Luft,
sondern an einer Stange, die auf einer runden Platte montiert
ist. Genau dieser Sockel sorgt beim nächsten Umbau für mächtig
Spaß. Zunächst symbolisiert er ein Schiff, Titanic-Szene
inklusive, dann ein Flugzeug. Mit Rollkoffern in der Hand
hetzen zwei junge Männer dem Flieger hinterher, verpassen ihn
aber. Unser Glück, denn so können die beiden das Programm
fortsetzen. Das Duo Kraoul stellt jetzt
Hand-auf-Hand-Akrobatik in den Vordergrund. Dies mit teilweise
neuartigen Figuren und viel Spielfreude sowie Dynamik. Eine
Rarität ist der nächste Einsatz von Leonie Koerner, den sie
nach einer Einlage des Duo One Line präsentiert. Denn sie
kommt auf Inlineskatern hereingefahren und begibt sich dann
mit diesen ans Tanztrapez. Die Rollschuhe machen ihre Kür
sicher nicht einfacher. Doch das lässt sie sich nicht
anmerken. Das ausführliche sowie anspruchsvolle Repertoire
wirkt bei ihr ganz leicht, eben fast schwerelos.
 
Johann Prinz, Canaval Twins
Auf zwei
rollbaren Podeste sind die Handstäbe montiert, auf denen sich
Johann Prinz und Raoul Rogula in ihrer Kunst messen. Jeweils
begleitet von einer der Damen zeigen sie sich gegenseitig,
welche Handstandvarianten sie beherrschen und arbeiten diese
dann gemeinsam. Für die musikalische Begleitung sorgt Michael
Preise auf dem E-Cello. Er spielt genauso wie sein Bruder auch
zu weiteren Darbietungen, bei wieder anderen erklingt die
Originalmusik aus der Konserve. Die Tontechnik sorgt für einen
wunderbaren Sound. Ein großes Lob ebenfalls an das
Lichtdesign, welches den visuellen Genuss komplettiert. Seinen
für mich witzigsten Auftritt hat das Duo One Line mit seinem
Ausflug in ein asiatisches Restaurant. Jannis sitzt im
Schneidersitz auf einem Podest und verspeist sein Essen. Eine
Hälfte eines Diabolos bildet die Schüssel, die beiden Stöcke
die Essstäbchen und die Schnur dazwischen wird wahlweise als
Nudel oder Zahnseide eingesetzt. Die akustische Untermalung
wird von Adrian mit dem Mund produziert. Die Schlussnummer
gehört den Canaval Twins. Im Dunkeln jonglieren sie mit
beleuchteten Keulen. Dies sowohl jeweils alleine als auch in
Passings. Dabei stehen sie teilweise auf beleuchteten Würfeln.
Es ergeben sich faszinierende Bilder. „Illuminate“ heißt
dieser außergewöhnliche Act, bei der sich der eine fast schon
blind auf den anderen verlassen können muss. Beim groß
zelebrierten Finale geht es dann wieder im wahrsten Sinne des
Wortes rund, bevor das Ensemble in einer Reihe nebeneinander
den Applaus der Gäste im Saal entgegennimmt. |