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Wie ein Raumschiff, das unerwartet
hier gelandet ist, wirkt der mächtige Bau am Rande Kirrwillers. Schräg
gegenüber befindet sich das kurz vor der Fertigstellung stehende Hotel
und Spa, mit dem die Betreiberfamilie Meyer nun den nächsten Schritt
Richtung Zukunft gehen, die Aufenthaltsdauer ihrer Gäste und damit die
Wertschöpfungskette verlängern möchte.

Finale
Die zweite Reise, um die es hier gehen
soll, ist der ungewöhnliche Erfolgsweg, den die Familie Meyer
gegangen ist. Nun darf sie auf das 45-jährige Bestehen ihrer Bühne
zurückschauen. Die Ursprünge liegen im damaligen Dorfgasthaus von
Francois Meyer und seiner Frau Lucie Adam, das um eine Tanzfläche
ergänzt wurde. Diese bestand von 1948 bis 1975. 1980 übernahmen der
heutige Seniorchef Pierre Meyer und Ehefrau Cathy das Restaurant und
richteten zunächst eine kleine Bühne ein, so dass erste Themenabende mit
beispielsweise tahitianischen und brasilianischen Tänzern angeboten
werden konnten, inspiriert von den Pariser Cabarets. Schon das war
mutig, doch der nächste kühne Schritt folgte 1989 mit dem Bau einer
200-Quadratmeter-Bühne in einem Saal mit 600 Plätzen. Nun wurden eigene
Revueshows produziert. 1994 waren die legendären Magier Siegfried und
Roy zu Gast, Pierre Meyer kam zum Gegenbesuch nach Las Vegas – und mit
einer noch wagemutigeren Idee zurück. Und so wurde 1996 der heutige
Royal Palace errichtet, das Revuetheater mit doppelt so großer Bühne und
annähernd 1000 Plätzen auf bequemen Kinosesseln. Außerdem wurde das
Restaurant „Le Majestic“ auf bis zu 800 Plätze erweitert und zwei Jahre
später das noch gehobenere Restaurant „Le Versailles“ ergänzt.
  
Eingang zum Royal Palace, Foyer,
Restaurant "Majestic"
Bei unserer Ankunft kommen wir erst
einmal aus dem Staunen nicht mehr heraus. Imposant wirkt der Eingang des
Theaters mit dem großen Schriftzug über dem geschwungenen Dach. Edel
ausgestattet ist das Foyer mit seinen großen Kronleuchtern und
verschiedenen Sitzgruppen. Juniorchef Mathieu Meyer persönlich ist Teil
des Empfangsteams am Einlass zum Restaurant. Dessen Ausstattung ist das,
was man „fancy“ nennt, mit rot abgehängten Decken und fauchenden Tigern
als Teil der Wandbemalung. Freundlich werden wir zu unserem Tisch
gebracht und bedient; alles ist perfekt organisiert. Beim Menü mit
Crémant und Wein, Geflügelterrine, Entenbrustfilet und einem
Vanille-Himbeer-Törtchen am festlich gedeckten Tisch lassen wir es uns
gut gehen. Sängerin und Sänger heizen die Stimmung im Saal an. Zu später
Stunde ist es dann soweit – die Festgesellschaft wechselt in den
Theatersaal, wo der Beginn der Vorstellung auf 22.15 Uhr angesetzt ist.
  
Hermanos Acero, Flamingo-Figuren,
Protagonist
Und die Show unter dem Motto „Parfum
d‘Étoiles“ ("Duft der Sterne“) ist die dritte Reise, von der wir zu
berichten haben. Die fantasievolle Handlung erzählt davon, wie ein
Sternenregen auf die Erde niedergegangen ist und die Landschaften sowie
die Lebewesen verwandelt hat. Menschen, Tiere und Pflanzen sind in
fantastische Kreaturen verwandelt. In dieser Szenerie begibt sich die
junge Parfümeurin Evy - alias Sängerin Meggy Forget - auf eine poetische
Reise um die Welt, bei der sie eben diesen „Duft der Sterne“ finden
möchte. So beschreibt es das umfangreiche, qualitative Programmheft. Die
Song- und vielen Sprechtexte in französischer Sprache machen es nicht
leicht, der Handlung in allen Details zu folgen, aber das ist bei der
Flut an wunderschönen Bildern, herrlichen Tanzszenen und ausschließlich
hochstehenden artistischen Darbietungen letztlich auch gar nicht
notwendig. Jérémy Amelin hat das Buch geschrieben und die Show in Szene
gesetzt. Ihm zur Seite steht ein großes Kreativteam, aus dem für uns die
wohlbekannten Namen von Lichtdesigner Julien L‘Homme und Magier sowie
Kostümdesigner Vincent Vignaud besonders hervorstechen. Die erste Szene
spielt in einer geheimnisvollen, vornehm gestalteten Unterwasser-Villa,
aus der Evy nach vielen Tagen mittels einer goldenen Kapsel wieder an
die Erdoberfläche gelangt. Diese Transformation wird mit Bildern auf den
riesigen LED-Wänden dargestellt. Eingebettet in diese erste Szene ist
die Arbeit der Hermanos Acero mit ihrer herausragenden Partnerakrobatik.
Besonders bemerkenswert ist der Schlusstrick, bei dem Charly seinen
Bruder Wuilder im Kopf-auf-Kopf eine Treppe hinunter und wieder hinauf
trägt. Und oben angekommen, nun wieder an Land, ist auch die
Protagonistin Evy. Sie trifft auf eine fantastische Welt, in der wir
Damen des Balletts als Fabelwesen mit großen, pinken Flamingoköpfen und
die männlichen Tänzer als menschliche Frösche in fluoreszierenden, schwarz-grünen Kostümen
treffen. Auch trifft sie erstmals den jungen Mann, der uns seinem grünen
Kostüm mit ebensolcher Perücke ein wenig an Tarzan erinnert. Gespielt
wird er von Barnaban Craker. Weitere Gesangssolisten sind Eloi Horry und
Maxime Desnos.
  
„Stars und Sternchen“, Barnaban
Craker auf Telefonzelle, Jonathan Rossi
In dieser temporeich inszenierten Show
wechseln die Bilder stets rasch. Und so sind wir nun in einer
Hollywood-Szenerie angekommen, in der die 13 Damen des Balletts die
„Stars und Sternchen“ in der Film-Metropole darstellen, mit wunderbaren
Kostümen und Kopfputzen jeweils in Sternform. Die acht Herren der
Compagnie geben die Reporter in Trenchcoats und jeweils mit einem
Gestell mit zahlreichen Fotokameras am Rücken. Während unser Protagonist
auf einer Telefonzelle den Chart-Hit „I’m only human“ interpretiert,
zeigt ein Solist darin und drum herum einen ausdrucksstarken Solotanz
bis hin zum Salto. Perfekt in diese sinnliche Show passt natürlich
Jonathan Rossi mit seinem enorm muskelbepackten Körper. Auf seinem
Trial-Bike balanciert er mal nur auf dem Vorder-, mal nur auf dem
Hinterrad. Spektakulär sind seine Sprünge auf dem Hinterrad von einem
Podest über die Oberkanten mehrerer, schmaler Metall-Hürden.
 
Ballett bei der Girl-Reihe und als
Azteken
Schlag auf Schlag geht es weiter. „Träume
im Licht“ nennt sich das klassische Revue-Bild, bei der die Tänzerinnen
in herrlichen roten Federschmuck-Kostümen bei der Girl-Reihe synchron
die Beine fliegen lassen, zum Teil auch barbusig – nicht zum letzten Mal
in dieser Show, die eben in der Tradition der großen französischen
Revuetheater steht. Und schon geht es weiter in die Welt der Azteken,
die von den Tänzerinnen und Tänzern in gleichermaßen freizügigen wie
traumhaften Kostümen dargestellt wird.
 
Cristina Garcia, Circus-Szene
Nun hat Cristina Garcia ihren großen
Auftritt. Höhepunkt ihrer starken Kontorsionsnummer ist nach wie vor der
treffsichere Bogenschuss auf einen Luftballon. Dieser wird mit den Füßen
ausgeführt, während sie auf Händen steht. Besonderen Gefallen haben wir
natürlich am Schaubild „La Magie des Saltimbanques“, das uns in eine
Circusvorstellung führt – mit den Ballettdamen als sexy Raubkatzen und
den Herren als starkes, ebenso furchteinflößendes Getier von Eisbär bis
Stier. In der ganzen Show ergibt jeweils die Kombination aus plastischen
Bühnenelementen – wie hier etwa einem blau-roten Circus-Postament – und
den aufwendigen LED-Einspielungen das überwältigende Gesamtbild.
  
Sarita, Der Kuss der Rosen, Die Federn der Ewigkeit
Fester Bestandteil der Shows im Royal
Palace sind seit einigen Jahren auch die Großillusionen von Sarita, der
Lebenspartnerin des Juniorchefs Mathieu Meyer. Zu Beginn legt sich ein
Assistent in ein scheinbar leeres Bett und deckt sich zu – Augenblicke
später ist er verschwunden, dafür erscheinen Sarita und zwei weitere
Damen aus dem Liegemöbel wie aus dem Nichts. Ein anderer Partner wird in
eine Trommel gesteckt, die wir gleich darauf leer und von Speeren
durchbohrt erblicken. Auch diesem Behältnis entsteigen kurz darauf
mehrere Personen. Noch zwei weitere große Tricks folgen, bei denen ein
Quartett von Damen auftaucht, wo vorher Leere war und die große Magierin
Sarita selbst sich scheinbar in Luft auflöst – aber natürlich dennoch
wiederkehrt. Was für ihren Mann Jonathan gilt, das lässt sich für
Viviana Rossi mindestens genauso feststellen: Ihre Darbietung passt
perfekt in eine sinnliche Show. Über einer wassergefüllten,
transparenten Badewanne zeigt sie an den Strapaten starke Schwünge an
einem Arm, Aufwickler, kraftvolle Überschläge und den Genickhangwirbel.
Wenn sie ins Nass eintaucht und sich dann wieder in die Lüfte schwingt,
sprühen verheißungsvoll die Wassertropfen. Hinter ihr nehmen fünf Damen
des Balletts eine Dusche unter ebenso vielen Brausen und räkeln sich
lasziv auf dem Wannenrand. „Der Kuss der Rosen“ ist das folgende Bild
getauft, in dem die Damen sich in wunderschönen Kostümen präsentieren,
die sie in Gestalt der edlen Blumen mit roten Blüten zeigen. Immer dann,
wenn Parfümeurin Evy bei ihrer Reise einen weiteren Duft findet, wie
hier den der Rosen, dann wird das entsprechende Aroma im Zuschauerraum
versprüht. So wird die Show zur Unterhaltung in „4D“, zum immersiven
Erlebnis, das uns nicht nur sehen und hören, sondern auch riechen lässt.
Weitere kostbare Kostümkreationen erwarten uns im Bild „Die Federn der
Ewigkeit“, mit einem Defilée der Ballettgirls mit aufwendigstem
Federschmuck in blau und grün sowie natürlich echtem Pfauengefieder.
Eine der Frauen trägt eine exzellent gefertigte Vollmaske im Stil eines
Pfauenkopfes.
 
Elisa Cussadie und Orient-Bild
Und wir reisen schnell weiter in den
Orient. Elisa Cussadie in ihrem goldenen Kleid ist nicht nur schön wie
eine Göttin, sie präsentiert auch fünf wunderschöne, große Vögel – vier
farbenprächtige Aras unterschiedlicher Arten sowie einen weißen Kakadu.
Neben Tricks wie Platzwechseln von Stange zu Stange sind es natürlich
die Freiflüge über die Zuschauerränge, die auch hier besonders
beeindrucken. Ganz in Gold geht es weiter, wenn die Damen und Herren der
Compagnie per Hubpodium von unten auf die Bühne gefahren werden und dort
sinnlich tanzen, äußerst spärlich aber doch stilvoll bekleidet. Evy und
ihr Tarzan-Schwarm kommen sich nun immer näher.
 
Tanzduo, Truppe Skokov
„Die Legende der Ozeane“ erzählt das
letzte Bild, in das ein Duett zweier Mitglieder des Balletts integriert
ist und in dem ein drehbarer Schiffsrumpf nochmal Zeugnis gibt von dem
hohen Aufwand, der für diese Produktion getrieben wird. Maritim
thematisiert sind nun auch die Kostüme, mit an langen Führstäben bewegten
Seepferdchen und Frauen in der Gestalt von Oktopussen. Zartes hellblau
ist hier die prägende Farbe, ebenso wie bei den acht Akrobatinnen der
Truppe Skokov an der Doppelten Russischen Schaukel. Ihre Flüge von der
einen Schaukel zur anderen oder auch zur Matte, bis hin zum sich
kreuzenden Sprung zweier Akteurinnen, sind äußerst beeindruckend.
Nachdem Evy den „Duft der Sterne“ gefunden hat und mit ihrem Partner in
einem Kuss versinkt, ist auch die Handlung vollendet. Nochmal alle
Register gezogen werden für das Finale, in dem die Bühne mit großen
Showtreppen ausgestattet wird. Die Damen tanzen in Kostümen in edlem
Schwarz mit üppigstem Federschmuck, die Herren in passenden Anzügen ohne
Hemd. Goldene Sterne setzen die Akzente an den Kostümen. Dazu wird
gesungen, und natürlich stellt sich auch das artistische Ensemble nochmal
vor, ehe das Logo mit dem Schriftzug „Kirrwiller Royal Palace –
International Music Hall“ riesenhaft auf der LED-Wand erscheint und der
große Vorhang fällt. |