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Royal Palace 25/26 - Parfum d'Etoiles
www.royal-palace.com - 224 Showfotos

Kirrwiller, 25. April 2026: Von drei verblüffenden Reisen ist hier zu erzählen. Die erste betrifft die Anfahrt zum Royal Palace, dem zweitgrößten Revuetheater Frankreichs nach dem Moulin Rouge in der Millionen-Metropole Paris. Nachdem wir die französische Autobahn A 4 verlassen haben, knapp 30 Kilometer von Straßburg entfernt, geht es noch eine Viertelstunde über Land – auf schmalen Straßen vorbei an Feldern und Wäldern, durch kleine Dörfer. Unser Ziel ist Kirrwiller, ein Ort im Elsass mit etwa 500 Einwohnern. Doppelt so viele Menschen finden Platz in dem Theatersaal, der hier sein Zuhause hat.

Wie ein Raumschiff, das unerwartet hier gelandet ist, wirkt der mächtige Bau am Rande Kirrwillers. Schräg gegenüber befindet sich das kurz vor der Fertigstellung stehende Hotel und Spa, mit dem die Betreiberfamilie Meyer nun den nächsten Schritt Richtung Zukunft gehen, die Aufenthaltsdauer ihrer Gäste und damit die Wertschöpfungskette verlängern möchte.


Finale

Die zweite Reise, um die es hier gehen soll, ist der ungewöhnliche Erfolgsweg, den die Familie Meyer gegangen ist. Nun darf sie auf das 45-jährige Bestehen ihrer Bühne zurückschauen. Die Ursprünge liegen im damaligen Dorfgasthaus von Francois Meyer und seiner Frau Lucie Adam, das um eine Tanzfläche ergänzt wurde. Diese bestand von 1948 bis 1975. 1980 übernahmen der heutige Seniorchef Pierre Meyer und Ehefrau Cathy das Restaurant und richteten zunächst eine kleine Bühne ein, so dass erste Themenabende mit beispielsweise tahitianischen und brasilianischen Tänzern angeboten werden konnten, inspiriert von den Pariser Cabarets. Schon das war mutig, doch der nächste kühne Schritt folgte 1989 mit dem Bau einer 200-Quadratmeter-Bühne in einem Saal mit 600 Plätzen. Nun wurden eigene Revueshows produziert. 1994 waren die legendären Magier Siegfried und Roy zu Gast, Pierre Meyer kam zum Gegenbesuch nach Las Vegas – und mit einer noch wagemutigeren Idee zurück. Und so wurde 1996 der heutige Royal Palace errichtet, das Revuetheater mit doppelt so großer Bühne und annähernd 1000 Plätzen auf bequemen Kinosesseln. Außerdem wurde das Restaurant „Le Majestic“ auf bis zu 800 Plätze erweitert und zwei Jahre später das noch gehobenere Restaurant „Le Versailles“ ergänzt.


Eingang zum Royal Palace, Foyer, Restaurant "Majestic"

Bei unserer Ankunft kommen wir erst einmal aus dem Staunen nicht mehr heraus. Imposant wirkt der Eingang des Theaters mit dem großen Schriftzug über dem geschwungenen Dach. Edel ausgestattet ist das Foyer mit seinen großen Kronleuchtern und verschiedenen Sitzgruppen. Juniorchef Mathieu Meyer persönlich ist Teil des Empfangsteams am Einlass zum Restaurant. Dessen Ausstattung ist das, was man „fancy“ nennt, mit rot abgehängten Decken und fauchenden Tigern als Teil der Wandbemalung. Freundlich werden wir zu unserem Tisch gebracht und bedient; alles ist perfekt organisiert. Beim Menü mit Crémant und Wein, Geflügelterrine, Entenbrustfilet und einem Vanille-Himbeer-Törtchen am festlich gedeckten Tisch lassen wir es uns gut gehen. Sängerin und Sänger heizen die Stimmung im Saal an. Zu später Stunde ist es dann soweit – die Festgesellschaft wechselt in den Theatersaal, wo der Beginn der Vorstellung auf 22.15 Uhr angesetzt ist.


Hermanos Acero, Flamingo-Figuren, Protagonist

Und die Show unter dem Motto „Parfum d‘Étoiles“ ("Duft der Sterne“) ist die dritte Reise, von der wir zu berichten haben. Die fantasievolle Handlung erzählt davon, wie ein Sternenregen auf die Erde niedergegangen ist und die Landschaften sowie die Lebewesen verwandelt hat. Menschen, Tiere und Pflanzen sind in fantastische Kreaturen verwandelt. In dieser Szenerie begibt sich die junge Parfümeurin Evy - alias Sängerin Meggy Forget - auf eine poetische Reise um die Welt, bei der sie eben diesen „Duft der Sterne“ finden möchte. So beschreibt es das umfangreiche, qualitative Programmheft. Die Song- und vielen Sprechtexte in französischer Sprache machen es nicht leicht, der Handlung in allen Details zu folgen, aber das ist bei der Flut an wunderschönen Bildern, herrlichen Tanzszenen und ausschließlich hochstehenden artistischen Darbietungen letztlich auch gar nicht notwendig. Jérémy Amelin hat das Buch geschrieben und die Show in Szene gesetzt. Ihm zur Seite steht ein großes Kreativteam, aus dem für uns die wohlbekannten Namen von Lichtdesigner Julien L‘Homme und Magier sowie Kostümdesigner Vincent Vignaud besonders hervorstechen. Die erste Szene spielt in einer geheimnisvollen, vornehm gestalteten Unterwasser-Villa, aus der Evy nach vielen Tagen mittels einer goldenen Kapsel wieder an die Erdoberfläche gelangt. Diese Transformation wird mit Bildern auf den riesigen LED-Wänden dargestellt. Eingebettet in diese erste Szene ist die Arbeit der Hermanos Acero mit ihrer herausragenden Partnerakrobatik. Besonders bemerkenswert ist der Schlusstrick, bei dem Charly seinen Bruder Wuilder im Kopf-auf-Kopf eine Treppe hinunter und wieder hinauf trägt. Und oben angekommen, nun wieder an Land, ist auch die Protagonistin Evy. Sie trifft auf eine fantastische Welt, in der wir Damen des Balletts als Fabelwesen mit großen, pinken Flamingoköpfen und die männlichen Tänzer als menschliche Frösche in fluoreszierenden, schwarz-grünen Kostümen treffen. Auch trifft sie erstmals den jungen Mann, der uns seinem grünen Kostüm mit ebensolcher Perücke ein wenig an Tarzan erinnert. Gespielt wird er von Barnaban Craker. Weitere Gesangssolisten sind Eloi Horry und Maxime Desnos.


„Stars und Sternchen“, Barnaban Craker auf Telefonzelle, Jonathan Rossi

In dieser temporeich inszenierten Show wechseln die Bilder stets rasch. Und so sind wir nun in einer Hollywood-Szenerie angekommen, in der die 13 Damen des Balletts die „Stars und Sternchen“ in der Film-Metropole darstellen, mit wunderbaren Kostümen und Kopfputzen jeweils in Sternform. Die acht Herren der Compagnie geben die Reporter in Trenchcoats und jeweils mit einem Gestell mit zahlreichen Fotokameras am Rücken. Während unser Protagonist auf einer Telefonzelle den Chart-Hit „I’m only human“ interpretiert, zeigt ein Solist darin und drum herum einen ausdrucksstarken Solotanz bis hin zum Salto. Perfekt in diese sinnliche Show passt natürlich Jonathan Rossi mit seinem enorm muskelbepackten Körper. Auf seinem Trial-Bike balanciert er mal nur auf dem Vorder-, mal nur auf dem Hinterrad. Spektakulär sind seine Sprünge auf dem Hinterrad von einem Podest über die Oberkanten mehrerer, schmaler Metall-Hürden.


Ballett bei der Girl-Reihe und als Azteken

Schlag auf Schlag geht es weiter. „Träume im Licht“ nennt sich das klassische Revue-Bild, bei der die Tänzerinnen in herrlichen roten Federschmuck-Kostümen bei der Girl-Reihe synchron die Beine fliegen lassen, zum Teil auch barbusig – nicht zum letzten Mal in dieser Show, die eben in der Tradition der großen französischen Revuetheater steht. Und schon geht es weiter in die Welt der Azteken, die von den Tänzerinnen und Tänzern in gleichermaßen freizügigen wie traumhaften Kostümen dargestellt wird.


Cristina Garcia, Circus-Szene

Nun hat Cristina Garcia ihren großen Auftritt. Höhepunkt ihrer starken Kontorsionsnummer ist nach wie vor der treffsichere Bogenschuss auf einen Luftballon. Dieser wird mit den Füßen ausgeführt, während sie auf Händen steht. Besonderen Gefallen haben wir natürlich am Schaubild „La Magie des Saltimbanques“, das uns in eine Circusvorstellung führt – mit den Ballettdamen als sexy Raubkatzen und den Herren als starkes, ebenso furchteinflößendes Getier von Eisbär bis Stier. In der ganzen Show ergibt jeweils die Kombination aus plastischen Bühnenelementen – wie hier etwa einem blau-roten Circus-Postament – und den aufwendigen LED-Einspielungen das überwältigende Gesamtbild.


Sarita, Der Kuss der Rosen, Die Federn der Ewigkeit

Fester Bestandteil der Shows im Royal Palace sind seit einigen Jahren auch die Großillusionen von Sarita, der Lebenspartnerin des Juniorchefs Mathieu Meyer. Zu Beginn legt sich ein Assistent in ein scheinbar leeres Bett und deckt sich zu – Augenblicke später ist er verschwunden, dafür erscheinen Sarita und zwei weitere Damen aus dem Liegemöbel wie aus dem Nichts. Ein anderer Partner wird in eine Trommel gesteckt, die wir gleich darauf leer und von Speeren durchbohrt erblicken. Auch diesem Behältnis entsteigen kurz darauf mehrere Personen. Noch zwei weitere große Tricks folgen, bei denen ein Quartett von Damen auftaucht, wo vorher Leere war und die große Magierin Sarita selbst sich scheinbar in Luft auflöst – aber natürlich dennoch wiederkehrt. Was für ihren Mann Jonathan gilt, das lässt sich für Viviana Rossi mindestens genauso feststellen: Ihre Darbietung passt perfekt in eine sinnliche Show. Über einer wassergefüllten, transparenten Badewanne zeigt sie an den Strapaten starke Schwünge an einem Arm, Aufwickler, kraftvolle Überschläge und den Genickhangwirbel. Wenn sie ins Nass eintaucht und sich dann wieder in die Lüfte schwingt, sprühen verheißungsvoll die Wassertropfen. Hinter ihr nehmen fünf Damen des Balletts eine Dusche unter ebenso vielen Brausen und räkeln sich lasziv auf dem Wannenrand. „Der Kuss der Rosen“ ist das folgende Bild getauft, in dem die Damen sich in wunderschönen Kostümen präsentieren, die sie in Gestalt der edlen Blumen mit roten Blüten zeigen. Immer dann, wenn Parfümeurin Evy bei ihrer Reise einen weiteren Duft findet, wie hier den der Rosen, dann wird das entsprechende Aroma im Zuschauerraum versprüht. So wird die Show zur Unterhaltung in „4D“, zum immersiven Erlebnis, das uns nicht nur sehen und hören, sondern auch riechen lässt. Weitere kostbare Kostümkreationen erwarten uns im Bild „Die Federn der Ewigkeit“, mit einem Defilée der Ballettgirls mit aufwendigstem Federschmuck in blau und grün sowie natürlich echtem Pfauengefieder. Eine der Frauen trägt eine exzellent gefertigte Vollmaske im Stil eines Pfauenkopfes.


Elisa Cussadie und Orient-Bild

Und wir reisen schnell weiter in den Orient. Elisa Cussadie in ihrem goldenen Kleid ist nicht nur schön wie eine Göttin, sie präsentiert auch fünf wunderschöne, große Vögel – vier farbenprächtige Aras unterschiedlicher Arten sowie einen weißen Kakadu. Neben Tricks wie Platzwechseln von Stange zu Stange sind es natürlich die Freiflüge über die Zuschauerränge, die auch hier besonders beeindrucken. Ganz in Gold geht es weiter, wenn die Damen und Herren der Compagnie per Hubpodium von unten auf die Bühne gefahren werden und dort sinnlich tanzen, äußerst spärlich aber doch stilvoll bekleidet. Evy und ihr Tarzan-Schwarm kommen sich nun immer näher.


Tanzduo, Truppe Skokov

„Die Legende der Ozeane“ erzählt das letzte Bild, in das ein Duett zweier Mitglieder des Balletts integriert ist und in dem ein drehbarer Schiffsrumpf nochmal Zeugnis gibt von dem hohen Aufwand, der für diese Produktion getrieben wird. Maritim thematisiert sind nun auch die Kostüme, mit an langen Führstäben bewegten Seepferdchen und Frauen in der Gestalt von Oktopussen. Zartes hellblau ist hier die prägende Farbe, ebenso wie bei den acht Akrobatinnen der Truppe Skokov an der Doppelten Russischen Schaukel. Ihre Flüge von der einen Schaukel zur anderen oder auch zur Matte, bis hin zum sich kreuzenden Sprung zweier Akteurinnen, sind äußerst beeindruckend. Nachdem Evy den „Duft der Sterne“ gefunden hat und mit ihrem Partner in einem Kuss versinkt, ist auch die Handlung vollendet. Nochmal alle Register gezogen werden für das Finale, in dem die Bühne mit großen Showtreppen ausgestattet wird. Die Damen tanzen in Kostümen in edlem Schwarz mit üppigstem Federschmuck, die Herren in passenden Anzügen ohne Hemd. Goldene Sterne setzen die Akzente an den Kostümen. Dazu wird gesungen, und natürlich stellt sich auch das artistische Ensemble nochmal vor, ehe das Logo mit dem Schriftzug „Kirrwiller Royal Palace – International Music Hall“ riesenhaft auf der LED-Wand erscheint und der große Vorhang fällt.

Die Reise durch fantastische Bühnenwelten ist zu Ende, der Abend noch nicht, auch wenn Mitternacht gerade hinter uns liegt. Vielmehr kann nun in der zweistöckigen, stylischen Club-Diskothek weiter getanzt, getrunken und geplaudert werden. Wer die Reise zum „Duft der Sterne“ noch erleben möchte, der muss sich beeilen, denn bereits am 5. Juli 2026 ist die letzte Vorstellung dieser Produktion. Im jährlichen Wechsel bringt der Royal Palace neue Shows auf die Bühne, eine außergewöhnlich hohe Schlagzahl für solche aufwendig inszenierte Revuen. Und so wird schon am 29. August die erste Vorstellung des neuen Programms „Sublime“ über die große Bühne im kleinen Elsässer Dorf gehen.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll