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Es sind also
intensive Proben angesagt, damit das Premierenpublikum am 11. Januar
eine runde Show genießen kann. Für die Regie ist einmal mehr Adrian Paul
verantwortlich. „Sunset Strip – Die 80s Rockshow“ lautet der Titel des
Programm, welches bis zum 1. April läuft. Es nimmt uns mit in die 1980er
Jahre. Es gibt extravagante Outfits und die Rockmusik dieser Dekade. So
etwa von Bon Jovi und Europe.

Szene aus dem
Finale
Letztere wird
dankenswerterweise wieder live gespielt, denn die Apollo Band ist mit
von der Partie. Die vier Musiker um Adrian Paul an der Gitarre zeigen
vollen Einsatz, es wird in der Tat zumeist harter Rock gespielt. Den
Gesang übernimmt Ruben Claro. Der Interpret hat eine starke Stimme, die
perfekt zu den Titeln des Abends passt. Große Freude auch darüber, dass
das hauseigene Ballett die Show mit fetzigen Choreographien aufwertet.
Die vier Tänzerinnen sehen blendend aus und tragen gewohnt fantastische,
mit jedem Auftritt wechselnde Kostüme. Sich gekonnt bewegen können sie
ohnehin. Als Bühnenbild dienen zwei beleuchtete Showtreppen, zwischen
denen der Schlagzeuger sitzt und an deren oberen Enden eine Plattform
Platz für Auftritte bietet. Rückwärtig befindet sich eine imposante
Batterie an Boxen der Marke Marshall. Teile der eindrucksvollen
Lichtanlage sind ebenfalls in den Aufbau integriert.

Kike Aguilera
und Jon Young
Zum Einsatz kommt
ferner die Seitenbühne. In der sich dort befindenden Bar „Sunset Strip“
erwarten uns unsere Gastgeber. Beide konnten wir vor nicht allzu langer
Zeit bereits im Apollo Varieté sehen. Kike Aguilera war vor einem Jahr
als Komiker in der Produktion „Rock'n'Roll Circus“, Jon Young als
Akrobat am Mast im „Bavarieté“, welches im vergangenen Herbst gespielt
wurde. Jetzt gibt Kike den vermeintlich abgezockten, coolen Typen im
Anzug mit Leopardenfellmuster und weit geöffnetem Hemd. Er trägt
auffälligen Schmuck und kokettiert gerne mit seinem Brusthaar. Jon
kleidet sich ebenfalls mit Leopardenfell, allerdings als Weste. Er ist
leicht vertrottelt, hat aber am Ende dann doch meist die Nase vor. Es
ist ein wenig die moderne Variante des Spiels zwischen Weißclown und
August. Angepasst an das rockige Motiv der Show. Da gibt es den
ausgestreckten Mittelfinger, das Wort „Scheiße“ fällt mehr als einmal.
  
Trio Bokafi,
Duo Chains, Melanie Chy
Zum Opening wird
gleich eine rauschende Party gefeiert, mit allen Mitwirkenden und
fetziger Musik. Diese Stimmung nimmt das Trio Bokafi für seine Akrobatik
am Schleuderbrett auf. Zu Gabor Boros, dem Kopf der Formation, kommen
Fliegerin Leona Mohacsi und Fänger Juan Esteban Mendez Valdes. Letzterer
war einst Mitglied der Magic Compagnie von Sophie Edelstein. Nun
katapultieren die beiden Herren ihre Partnerin durch die Luft, um sie
nach variantenreichen Sprüngen sicher wieder aufzufangen. Nach getaner
Arbeit gönnen sie sich einen Schluck an der Bar. Deren Betreiber Kike
zaubert derweil auf der Bühne mit Flaschen und Gläsern, die in Röhren
verschwinden und wieder auftauchen. Jon Young schaut zunächst verblüfft
zu und macht sich dann seinen ganz eigenen Spaß. In edel glitzernden
Outfits performen die Tänzerinnen zur Musik von Band und Sänger. Sebas
und Sonia bilden das Duo Chains. Statt an Strapaten arbeiten sie an zwei
Ketten, welche unten jeweils eine Handschlaufe aus Stoff haben. Daran
zeigen sie eine intensive Liebesgeschichte voller Leidenschaft, die
natürlich Raum für ihre Artistik lässt. So hält etwa der an den Ketten
hängende Sebas seine Partnerin nur mit den Beinen fest. Nach einer
Freddie-Mercury-Einlage von Kike sind Lack und Leder angesagt. In den
entsprechenden Kostümen heizt das Ballett zusammen mit den Musikern die
Stimmung für Melanie Chy weiter an. Mit Bierflasche in der Hand kommt
sie im Bikerstyle auf einem schweren Motorrad hereingefahren. Vor 30
Jahren sah ich ihre Solonummer erstmalig im Kronebau, damals noch unter
dem Künstlernamen „Miss Police“. Nun also mit Alkohol am Steuer. In
ihrer aktuellen Aufmachung passt Melanie Chy perfekt in diese Show. Das
Bike dient als Requisit für starke Handstände, die sie in den
verschiedensten Formen zelebriert. Auf zwei Armen hält sie sich genauso
souverän im Gleichgewicht wie auf einem.
  
Viviana Rossi,
Jon Young, Maverik Niemen
Schon wieder
stehen die Tänzerinnen im Scheinwerferlicht, diesmal in sündigen,
neonfarbenen Kostümen. Korrespondierend zur ebenfalls lasziv gekleideten
Viviana Rossi. Das alles passt wunderbar zu ihrem ersten Auftritt, denn
diesen vollführt die Spanierin am Pole. Hier verschmelzen Tanz,
Akrobatik und Sinnlichkeit. Viviana Rossi bezaubert mit vielen
wunderbaren Tricks, die so viel Kraft kosten müssen und
hier doch so leicht aussehen. Zusammen mit dem Ballett, welches die gesamte
Darbietung begleitet hat, verabschiedet sie sich. Wunderbar die Szene
vor der Pause. Jon Young versucht sich am Mast und bringt sich in eine
prekäre Lage, aus der ihn auch Kike nicht befreien kann. Eine gute
Gelegenheit also für eine Unterbrechung. In dieser können die Gäste im
Saal einen weiteren Gang des extra für die Show kreierten Menüs
genießen. Beispielsweise eine hervorragende Maispoularde mit
Wurzelgemüse und Kartoffelgratin. Gut gestärkt geht es in den Wilden
Westen. Aus den Tänzerinnen sind äußerst attraktive Cowgirls geworden.
Ruben Claro hat sich mit Jeansweste, Halstuch und Cowboyhut ebenfalls
auf das Motto eingelassen. Auf diese Szenerie trifft Maverik Niemen.
Ganz cool bewegt er sich zu seinem bereits aufgebauten Podest. Darauf
begeistert er mit gewagten Balancen auf wackeligem Unterbau. In seiner
Rola-Rola-Darbietung bewegt er sich auf einem Brett, das auf Walzen oder
auch mal einem Basketball liegt. Die zugehörigen Requisiten werden ihm
von den Tänzerinnen gereicht. So etwa sieben Tischchen, die er nach und
nach auf einem auf einer Walze liegenden Brett stapelt. Als „zersägte
Jungfrau“ muss sodann Jon Young herhalten. Natürlich folgt bei diesem
von Kike ausgeführten Zaubertrick Panne auf Panne. Hier steht wieder der
Humor im Vordergrund, der durch die hinreißende Mitwirkung des Balletts
enorm gewinnt. Beim Outfit schließt sich Jon Young den Damen an,
inklusive hoher quietschgrüner Stiefel.
  
Uliana Khavrona,
Viviana Rossi, Duo Marruffo
Nur wenige
Augenblicke später tragen die Tänzerinnen sündige, glitzernde
Kostümkreationen, um darin das nächste Stück der Musiker in Bewegung
umzusetzen. Eine sechsjährige Tanzkarriere hat Uliana Khavrona
absolviert. Die Erfahrungen daraus integriert sie in ihre Hula-Hoop-Show.
Gekonnt lässt sie Reifen um die verschiedensten Körperteile rotieren.
Immer mehr davon hält sie virtuos und in den verschiedensten Varianten
in Bewegung. Nach den nächsten Zaubereien von Kike und Jon Young nimmt
Viviana Rossi ein Bad in einer gläsernen Wanne. Doch das Behältnis dient
nicht der Körperpflege oder Entspannung, sondern das Wasser sorgt bei
ihrer Kür an den Strapaten für fantastische Effekte. Die perlenden
Wassertropfen sind hier wirklich nur die optische Aufwertung, denn die
starken Tricks überzeugen schon an sich. Viviana Rossi hat nicht nur
einen eindrucksvoll trainierten Body, sondern weiß ihre Kraft auch
äußerst geschickt einzusetzen. Eine enorme Körperbeherrschung erfordern
insbesondere die zig Umschwünge. Nur ein paar
kleinere Ablenkungsmanöver benötigen Kike und Jon Young für ihr Spiel
mit einem Zuschauer. Der Herr darf zwischen zwei Fingern eine Rolle
WC-Papier halten. Davon abgerissene Blätter verschwinden auf wundersame
Weise. Partner-Equilibristik hat gerade Konjunktur. Mit dem Duo Marruffo
hat das Apollo aber eine besondere Darbietung des Genres im Programm.
Zum einen, weil es sich bei Juan und Gustavo um Vater und Sohn handelt.
Zum anderen, weil der Höhepunkt ihres Auftritts alles andere als
alltäglich ist. Im Kopf-auf-Kopf erklimmt Untermann Juan zwei
freistehende Leitern zu beiden Seiten seines Körpers. Schon zuvor
begeistern die beiden mit einer Vielfalt an akrobatischen Figuren, bei
denen Sohn Gustavo den tragenden Part übernimmt. Das Finale wird zum
Fest für Augen und Ohren. Natürlich gibt es auch hier fetzige Rockmusik,
alle Mitwirkenden verabschieden sich in einer ausführlichen
Choreographie mit vielen Ideen. Die kreativsten Momente des Abend
erleben wir aber, wenn sich der Vorhang ein letztes Mal öffnet. Es gibt
ein Acoustic Set, Kike verteilt Banknoten, Adrian Paul trägt Bikerin
Melanie Chy auf der Schulter herein, die offenbar zwischenzeitlich die
ein oder andere weitere Bierflasche geleert hat. Ein Happy End gibt es
für Kike und Jon Young, die schlussendlich eng umschlungen tanzen. |