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Tigerpalast - Jubiläumsshow 2008
www.tigerpalast.de ; 25 Showfotos

Frankfurt, 29. Oktober 2008: 1988 von Johnny Klinke, Margareta Dillinger und dem 2002 verstorbenen Kabarettisten Matthias Beltz eröffnet, feiert das Tigerpalast-Varieté in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen. Und das wird gebührend gefeiert: Mit einem Varietéprogramm, das keine Wünsche offen lässt und wirklich, wie es die Werbung offeriert, mit „Weltstars des Varietés“ aufwartet. Einer dieser Weltstars ist Kris Kremo. Drei Bälle, drei Hüte, drei Zigarrenkisten. Mehr braucht der Schweizer Jongleur nicht, um allabendlich sein Publikum zu begeistern. Kremos Geheimnis sind seine unglaubliche Bühnenpräsenz, gepaart mit Eleganz und feiner Selbstironie. Kremo erfüllt also genau die Kriterien, die Tigerpalast-Chef Johnny Klinke als Jurysprecher des Wiesbadener „European Youth Circus“ stets von den Festivalteilnehmern einfordert: „Wir suchen Artisten, die nicht nur handwerklich überzeugen, sondern mit ihrer Persönlichkeit auch unsere Herzen erobern.“


Mikahil Usov, Duo Iouvilov, Marko Karvo

Solche Persönlichkeiten gibt es im rund zweistündigen Jubiläumsprogramm reichlich. Der finnische Magier Marko Karvo etwa, der statt Tauben ausgewachsene Papageien hervorzaubert. Oder auch der russische „God of Handstand“ Oleg Izossimov, der im Zeitlupentempo zu klassische Musik elegant die Muskeln spielen lässt. Selbst das italienisch, russische Duo Iouvilov, das eigentlich nur eine solide Hand-auf-Hand-Darbietung, zugegeben mit einigen ungewöhnlichen Tricks, zeigt, wird durch eine unwiderstehliche Präsenz zu einem wahren Naturereignis. Eine echte Bühnenpersönlichkeit ist auch der russische Clown, Mikahil Usov, der seine abstruse Plastiktüten-Jonglage mit umwerfender Mimik kredenzt.


The White Crow, Nathalie Enterline, Duo Sorella

Zum besonderen Charme des Frankfurter Tigerpalasts, der vor 20 Jahren mit dem Wahlspruch „Liberté, Égalité und Varieté“, die Renaissance der klassischen Varietébühnen einleitete, gehört neben der stets stillvollen, meist hübsch altmodischen Conference (Liliane Montevecchi) und der mitreißend aufspielenden Liveband die räumliche Enge im nur 166 Besucher fassenden Theatersaal. Besonders spannend wird es immer dann, wenn Artisten im wahrsten Sinne des Wortes in Luft gehen. Bevor etwa das Duo Sorella mit seiner famosen, erotisch aufgeladenen Darbietung am Trapez beginnen kann, ist im Saal erstmal Stühlerücken angesagt. Während nämlich das Publikum vorübergehend auf der Bühne Platz nimmt, arbeiten die Luftartisten in fünf Meter Höhe mitten im Zuschauerraum. Es ist schon ein einmaliges Erlebnis hautnah mitzuerleben, wenn Trapez-Artist Christoph Gobet gen Boden rauscht und erst im letzten Augenblick von seinem Partner Rodrique Funke aufgefangen wird. Beinahe schon unglaublich, aber doch wahr, dass in dieser Enge sogar die White Crow ihre sensationelle Russische-Barren-Darbietung (ohne dreifache Salti) zeigen können. Komplettiert wird das Jubiläumsprogramm von Elena Larkina mit Hula-Hoop und Nathalie Enterlines überraschend mitreißender Tanzperformance.

Typisch für die Tigerpalast-Shows ist im übrigen auch, dass die beteiligten Künstler in schöner Regelmäßigkeit wechseln. Da die nachrückenden Artisten aber stets von der selben, erlesenen Qualität sind, ist man mit einem Besuch im Tigerpalast stets auf der sicheren Seite. Zumindest so lange man die aufgrund der geringen Platzkapazität doch recht hoch angesetzten Eintrittspreise (ab 50,50 Euro) nicht scheut.

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Text und Fotos: Sven Rindfleisch