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Das lästige
Kofferpacken entfällt, die mitgebrachte Jacke gibt man an der Garderobe
ab und schon nimmt man an seinem gebuchten Tisch Platz. Das
Servicepersonal kümmert sich zuverlässig und freundlich um seine Gäste.
Wie gewohnt, wird auf Wunsch ein zur Vorstellung passendes Menü
gereicht. Als Hauptgang gibt es aktuell unter anderem eine äußerst
leckere, mediterrane Kalbsroulade.

Blick ins
Finale
Mit dem Öffnen des
Vorhangs wird der Blick auf die Kulisse des Abends, mithin also auf
unseren Luxusliner, freigegeben. Das Schiff ist schon etwas in die Jahre
gekommen, hat aber Stil und ist gepflegt. Dargestellt sind zwei Decks,
die mit Reling, Liegestühlen, Türen sowie Lichtern wunderbar aussehen
und dem Ensemble viele Interaktionen erlauben. Wieder mit dabei ist das
hauseigene, grandiose Ballett mit vier Tänzerinnen. Luis Polo Martinez
ist nicht nur der Sänger der Show, sondern zudem unser Kapitän. Die
artistischen Darbietungen sind perfekt ausgewählt. Wie gewohnt, spielen
die Künstler nicht nur ihre eigentliche Darbietung, sondern sind immer
wieder in großen Szenen zu erleben. Die Regie hat Stefan Huber
übernommen.
  
Danil Lysenko,
Nikita Boutorine, Luis Polo Martinez
Zu Beginn laufen
noch die Vorbereitungen, Matrosen schrubben die Holzplanken, Bänke
werden an ihren Platz getragen. Jemile Martinez in blütenweißer Uniform
kontrolliert alles ganz genau. Die ersten Flaggen, in diesem Fall die
deutschen, werden gehisst. Die Fahnenzeremonie wiederholt sich bei jeder
angelaufenen Station. Immer werden die jeweiligen Landesfahnen
aufgehängt. Zudem werden die Destinationen mittels Musik und Kostümen
umgesetzt. Wie gewohnt grandios unterstützt vom Lichtdesign. In diese
ersten Szenen integriert ist die Artistik auf der freistehenden Leiter
von Nikita Boutorine. Ein eindrucksvolles Balancegefühl bildet wohl die
Basis für viele starke Tricks, die der sympathische Künstler auf einem
Requisit zeigt. Einen Wechsel der Leitern, wie er bei anderen Nummern
des Genres üblich ist, gibt es hier nicht, was dem flotten Ablauf
dienlich ist. Weiter geht es mit dem letzten Feinschliff vor dem
Boarding. Die Crew nimmt in akkuraten Uniformen Aufstellung und das
Ballett begrüßt uns im feschen Matrosenoutfit. Dann hat Kapitän Luis
Polo Martinez seinen großen Auftritt. In prächtiger Robe singt er sein
erstes Lied und geht auf Tuchfühlung mit dem Publikum im Saal. Das
Repertoire des Vokalisten in dieser Produktion ist beeindruckend. Neben
landestypischen Songs der jeweiligen Destinationen bringt er auch „Nessun
Dorma“ und „Time to say Goodbye“ zu Gehör. Als Sidekick ist ihm Nikita
Boutorine zugeordnet, der eine Art Kreuzfahrtdirektor darstellt. Die
beiden tragen das ein oder andere Scharmützel aus.
  
Yahav Adar, Duo
Fabulous, Nikita Boutorine
Dann wird es
feurig rot, unser Schiff legt in Spanien an. Das Licht sowie die Kostüme
der Tänzerinnen und Herren aus dem Ensemble haben diese Farbe. Genauso
wie das Kleid von Yahav Adar. Mit ihrer Kür am Roue Cyr steht die
gebürtige Israelin im Zentrum dieses Landgangs auf der iberischen
Halbinsel. Immer neue Runden dreht sie mit ihrem großen Reifen, mal mit
allen vier Gliedmaßen am Ring, mal hält sie sich nur mit den Händen
fest. Es ist eine sinnliche Performance, die vergessen lässt, wieviel
Training, wieviel Arbeit darin steckt. Der Zuschauer kann sie einfach
nur genießen. Weiter geht es über das Mittelmeer nach Frankreich. Nikita
Boutorine überwacht in der Uniform eines Gendarms das Aufziehen der
Flagge. Mithilfe seiner Pfeife studiert er mit dem Publikum sodann das
geordnete Applaudieren ein. Als das erledigt ist, stürzen wir uns in das
Strandleben von Saint Tropez. Es gibt Liegestühle und Palmen, in bunten
Outfits feiern die Reisegäste ausgelassen den Tag am Meer. Der
zugehörige artistische Auftritt gehört dem Duo Fabulous. Mikhail und
Dmitro haben sich den Ikarischen Spielen verschrieben. Sie blicken auf
20 Jahre Erfahrung zurück. Uns so jongliert der einen den anderen sehr
versiert mit den Füßen. Immer flotter und verwegener werden die Salti.
Selbstverständliche haben die beiden auch weitere Sprungkombinationen im
Repertoire. Eine starke Darbietung, die souverän präsentiert wird. Im
edlen Smoking hat Nikita Boutorine sein nächstes Solo. Mithilfe von
Bällen erklärt er auf humoristische Weise verschiedene Formen der
Jonglage, um uns so am Seetag zu unterhalten. Das macht er sehr
sympathisch und mit jeder Menge jugendlichem Charme. Dankenswerterweise
vermeidet er es auch weitgehend, Gags aus vergleichbaren Acts
aufzugreifen. Für meinen Geschmack aber braucht diese Comedyjonglage
noch Zeit, um zu reifen, sich weiterzuentwickeln. Pointen und Timing
haben durchaus Optimierungspotential. Das Grande Finale bestreitet
Nikita Boutorine mit drei verschiedenen Waffen, unter anderem einer
Machete.
  
Viktoriia
Dziuba, Mustache Brothers, Danil Lysenko
Nach Bella Italia
geht es mit dem Ballett in bunten Kleidern mit weißen Punkten und „Koch“
Danil Lysenko. Vom Oberdeck schmettert Luis Polo Martinez eine Arie. Die
Pausennummer gehört Viktoriia Dziuba. Und das vollkommen zu Recht. Ihre
Handstandakrobatik auf hohem Podest ist einzigartig und aktuell einer
der Topacts der Branche. Traumhaft sicher arbeitet sie Figuren der
Equilibristik, die innovativ und von höchstem Schwierigkeitsgrad sind.
Dazu beweist sie die enorme Biegsamkeit ihres Körpers. Viktoriia Dziuba
lässt uns verzaubert und restlos begeistert zurück. Zu Beginn von Teil
zwei sitzt sie als Dame von Welt am Restauranttisch. Den beiden Kellnern
ist sie allerdings nicht gewachsen und so verabschiedet sie sich
kurzerhand. Damit gehört der Tisch den Mustache Brothers. Bruno Fratani
und Nelson Cavalcante sind Kaskadeure par excellence und wissen somit
aufs Beste, das Möbelstück für ihre Zwecke zu nutzen. Sprich, für
spritzige Akrobatik und Comedy. Zu ihren Kunststücken kommen gespielte
Streitereien, wenn sich die beiden ins Gehege kommen. Es ist ein
herrlicher Spaß, der für Schwung nach der Unterbrechung sorgt. Da die
Mustache Brothers aus Brasilien stammen, haben wir offenbar soeben den
Atlantik überquert. Weiter geht es nach Mexiko, wo die Reisegruppe auf
Tanz und Gesang aus diesem Land trifft. Den artistischen Part übernimmt
Danil Lysenko. Nach zwei Tourneen mit dem Circus Theater Roncalli
gastiert der Jongleur in feinen Nadelstreifen nun also im
Varieté-Theater des Unternehmens. Auch hier glänzt er mit seinen weißen
Ringen, von denen er immer mehr gleichzeitig durch die Luft fliegen
lässt. Virtuos schickt er seine Requisiten in immer neuen Varianten auf
die Reise Richtung Bühnendecke. Ein faszinierendes Spiel, das der junge
Künstler äußerst gewinnend serviert.
  
Vadym & Dasha,
Ballett, Duo High Tension
Für die nächsten
Augenblicke wandern die Blicke des Publikums auf die kleine Seitenbühne.
Hier amüsieren sich der Barkeeper und seine beiden Gäste in lässigen
Strandoutfits. Inzwischen hat unser Schiff vor Jamaika den Anker
geworfen, wie die Flaggen verraten. Auf der karibischen Insel begrüßen
uns die Tänzerinnen in hinreißenden Kostümen, die mit reichlich
exotischen Früchten dekoriert sind. Vadym und Dasha kennen wir noch mit
ihrer Arbeit an den Strapaten. Etwa vom Festival Young Stage oder aus
dem Pariser Cirque d'Hiver. Im Apollo Varieté erleben wir sie nun das
zweite Mal mit ihrer Tanzakrobatik am Boden. Dabei trägt Vadym seine
Partnerin auf Händen, während diese verschiedene artistische Posen
zeigt. So kreiert das junge Paar wunderschöne Figuren. Mit den USA
erreichen wir die letzte Destination unserer Kreuzfahrt. Kapitän Luis
Polo Martinez stimmt den nächsten Song an, während die Business Women
der Wall Street mit schwarzen Aktenkoffern um ihn herum tanzen. Einen
Wimpernschlag später steht das Ballett schon wieder in prächtigen roten
Showkleidern im Scheinwerferlicht. Per Bus geht es mal eben weiter in
die US-amerikanische Entertainment-Metropole Las Vegas, wie Nikita
Boutorine süffisant anmerkt. Diesmal unterhält er uns als Comedy-Magier.
Ein Seil, Ringe, Hase und Taube gehören zu den magischen Requisiten.
Seine Illusionen garniert er mit witzigen Moderationen. Die Anleihen bei
bekannten Vorbildern halten sich auch hier in Grenzen. Das Ganze gerät
aber recht hektisch. Auch hier wünscht man sich eine Weiterentwicklung.
Die Gäste im Saal jedenfalls haben auch so hörbar ihren Spaß. Mit der
Akrobatik am Trapez von Chris Gobet und Julian Kaiser hat die Show eine
in jeder Hinsicht würdige Schlussnummer. Als Duo High Tension spielen
sie mit den Nerven des Publikums. Anspruchsvolle und eben riskante
Tricks werden hier souverän vorgeführt. Julian Kaiser übernimmt den
tragenden Part, Chris Gobet beweist an seinen Händen und Füßen seine
Gelenkigkeit. Zum Finale tauschen sie diese Rollen sogar. Eine
einzigartige Darbietung, die formvollendet präsentiert wird. Gewohnt
großartig zelebriert werden die Abschiedsszenen. Die Kostüme der
Tänzerinnen sind ein Traum, es gibt noch einmal herrliche Choreographien
mit dem ganzen Ensemble. Sogar eine Runde durch den Saal ist dabei. Das
Ende der Kreuzfahrt wird ausgiebig gefeiert, ein farbenfrohes Fest
voller Lebensfreude! Und sogar Kapitän und Kreuzfahrtdirektor versöhnen
sich. Für uns geht es zurück an Land, für die Crew stehen in den
kommenden Wochen noch etliche maritime Reisen auf dem Programm. Nach
einer rund einmonatigen Sommerpause geht es dann ins „Crazy Candyland“. |