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Apollo Varieté 2024 - "Traumschiff"
www.apollo-variete.com - 165 Showfotos

Düsseldorf, 11. April 2024: Schon oft haben uns die Shows im Apollo Varieté in einzelne Regionen, Länder oder Städte entführt. Zum Karneval in Venedig etwa, zur Strandparty nach Saint Tropez oder zur Fiesta nach Mexiko. In der neuesten Produktion werden gleich mehrere Stationen angesteuert, ein Kreuzfahrtschiff macht es möglich. Nicht irgendein seelenloses Clubschiff, sondern das „Apollo Traumschiff“ holt uns am Düsseldorfer Rheinufer ab und nimmt uns mit in die große, weite Welt. Damit sind wir auch schon beim Titel des Programms, das bis zum 23. Juni im stilvollen Theatersaal zu erleben ist. Das Schöne an dieser Cruise ist natürlich, dass hier – wenn überhaupt – leichtes Gepäck vollkommen ausreichend ist.

Das lästige Kofferpacken entfällt, die mitgebrachte Jacke gibt man an der Garderobe ab und schon nimmt man an seinem gebuchten Tisch Platz. Das Servicepersonal kümmert sich zuverlässig und freundlich um seine Gäste. Wie gewohnt, wird auf Wunsch ein zur Vorstellung passendes Menü gereicht. Als Hauptgang gibt es aktuell unter anderem eine äußerst leckere, mediterrane Kalbsroulade.


Blick ins Finale

Mit dem Öffnen des Vorhangs wird der Blick auf die Kulisse des Abends, mithin also auf unseren Luxusliner, freigegeben. Das Schiff ist schon etwas in die Jahre gekommen, hat aber Stil und ist gepflegt. Dargestellt sind zwei Decks, die mit Reling, Liegestühlen, Türen sowie Lichtern wunderbar aussehen und dem Ensemble viele Interaktionen erlauben. Wieder mit dabei ist das hauseigene, grandiose Ballett mit vier Tänzerinnen. Luis Polo Martinez ist nicht nur der Sänger der Show, sondern zudem unser Kapitän. Die artistischen Darbietungen sind perfekt ausgewählt. Wie gewohnt, spielen die Künstler nicht nur ihre eigentliche Darbietung, sondern sind immer wieder in großen Szenen zu erleben. Die Regie hat Stefan Huber übernommen.


Danil Lysenko, Nikita Boutorine, Luis Polo Martinez

Zu Beginn laufen noch die Vorbereitungen, Matrosen schrubben die Holzplanken, Bänke werden an ihren Platz getragen. Jemile Martinez in blütenweißer Uniform kontrolliert alles ganz genau. Die ersten Flaggen, in diesem Fall die deutschen, werden gehisst. Die Fahnenzeremonie wiederholt sich bei jeder angelaufenen Station. Immer werden die jeweiligen Landesfahnen aufgehängt. Zudem werden die Destinationen mittels Musik und Kostümen umgesetzt. Wie gewohnt grandios unterstützt vom Lichtdesign. In diese ersten Szenen integriert ist die Artistik auf der freistehenden Leiter von Nikita Boutorine. Ein eindrucksvolles Balancegefühl bildet wohl die Basis für viele starke Tricks, die der sympathische Künstler auf einem Requisit zeigt. Einen Wechsel der Leitern, wie er bei anderen Nummern des Genres üblich ist, gibt es hier nicht, was dem flotten Ablauf dienlich ist. Weiter geht es mit dem letzten Feinschliff vor dem Boarding. Die Crew nimmt in akkuraten Uniformen Aufstellung und das Ballett begrüßt uns im feschen Matrosenoutfit. Dann hat Kapitän Luis Polo Martinez seinen großen Auftritt. In prächtiger Robe singt er sein erstes Lied und geht auf Tuchfühlung mit dem Publikum im Saal. Das Repertoire des Vokalisten in dieser Produktion ist beeindruckend. Neben landestypischen Songs der jeweiligen Destinationen bringt er auch „Nessun Dorma“ und „Time to say Goodbye“ zu Gehör. Als Sidekick ist ihm Nikita Boutorine zugeordnet, der eine Art Kreuzfahrtdirektor darstellt. Die beiden tragen das ein oder andere Scharmützel aus.


Yahav Adar, Duo Fabulous, Nikita Boutorine

Dann wird es feurig rot, unser Schiff legt in Spanien an. Das Licht sowie die Kostüme der Tänzerinnen und Herren aus dem Ensemble haben diese Farbe. Genauso wie das Kleid von Yahav Adar. Mit ihrer Kür am Roue Cyr steht die gebürtige Israelin im Zentrum dieses Landgangs auf der iberischen Halbinsel. Immer neue Runden dreht sie mit ihrem großen Reifen, mal mit allen vier Gliedmaßen am Ring, mal hält sie sich nur mit den Händen fest. Es ist eine sinnliche Performance, die vergessen lässt, wieviel Training, wieviel Arbeit darin steckt. Der Zuschauer kann sie einfach nur genießen. Weiter geht es über das Mittelmeer nach Frankreich. Nikita Boutorine überwacht in der Uniform eines Gendarms das Aufziehen der Flagge. Mithilfe seiner Pfeife studiert er mit dem Publikum sodann das geordnete Applaudieren ein. Als das erledigt ist, stürzen wir uns in das Strandleben von Saint Tropez. Es gibt Liegestühle und Palmen, in bunten Outfits feiern die Reisegäste ausgelassen den Tag am Meer. Der zugehörige artistische Auftritt gehört dem Duo Fabulous. Mikhail und Dmitro haben sich den Ikarischen Spielen verschrieben. Sie blicken auf 20 Jahre Erfahrung zurück. Uns so jongliert der einen den anderen sehr versiert mit den Füßen. Immer flotter und verwegener werden die Salti. Selbstverständliche haben die beiden auch weitere Sprungkombinationen im Repertoire. Eine starke Darbietung, die souverän präsentiert wird. Im edlen Smoking hat Nikita Boutorine sein nächstes Solo. Mithilfe von Bällen erklärt er auf humoristische Weise verschiedene Formen der Jonglage, um uns so am Seetag zu unterhalten. Das macht er sehr sympathisch und mit jeder Menge jugendlichem Charme. Dankenswerterweise vermeidet er es auch weitgehend, Gags aus vergleichbaren Acts aufzugreifen. Für meinen Geschmack aber braucht diese Comedyjonglage noch Zeit, um zu reifen, sich weiterzuentwickeln. Pointen und Timing haben durchaus Optimierungspotential. Das Grande Finale bestreitet Nikita Boutorine mit drei verschiedenen Waffen, unter anderem einer Machete.


Viktoriia Dziuba, Mustache Brothers, Danil Lysenko

Nach Bella Italia geht es mit dem Ballett in bunten Kleidern mit weißen Punkten und „Koch“ Danil Lysenko. Vom Oberdeck schmettert Luis Polo Martinez eine Arie. Die Pausennummer gehört Viktoriia Dziuba. Und das vollkommen zu Recht. Ihre Handstandakrobatik auf hohem Podest ist einzigartig und aktuell einer der Topacts der Branche. Traumhaft sicher arbeitet sie Figuren der Equilibristik, die innovativ und von höchstem Schwierigkeitsgrad sind. Dazu beweist sie die enorme Biegsamkeit ihres Körpers. Viktoriia Dziuba lässt uns verzaubert und restlos begeistert zurück. Zu Beginn von Teil zwei sitzt sie als Dame von Welt am Restauranttisch. Den beiden Kellnern ist sie allerdings nicht gewachsen und so verabschiedet sie sich kurzerhand. Damit gehört der Tisch den Mustache Brothers. Bruno Fratani und Nelson Cavalcante sind Kaskadeure par excellence und wissen somit aufs Beste, das Möbelstück für ihre Zwecke zu nutzen. Sprich, für spritzige Akrobatik und Comedy. Zu ihren Kunststücken kommen gespielte Streitereien, wenn sich die beiden ins Gehege kommen. Es ist ein herrlicher Spaß, der für Schwung nach der Unterbrechung sorgt. Da die Mustache Brothers aus Brasilien stammen, haben wir offenbar soeben den Atlantik überquert. Weiter geht es nach Mexiko, wo die Reisegruppe auf Tanz und Gesang aus diesem Land trifft. Den artistischen Part übernimmt Danil Lysenko. Nach zwei Tourneen mit dem Circus Theater Roncalli gastiert der Jongleur in feinen Nadelstreifen nun also im Varieté-Theater des Unternehmens. Auch hier glänzt er mit seinen weißen Ringen, von denen er immer mehr gleichzeitig durch die Luft fliegen lässt. Virtuos schickt er seine Requisiten in immer neuen Varianten auf die Reise Richtung Bühnendecke. Ein faszinierendes Spiel, das der junge Künstler äußerst gewinnend serviert.


Vadym & Dasha, Ballett, Duo High Tension

Für die nächsten Augenblicke wandern die Blicke des Publikums auf die kleine Seitenbühne. Hier amüsieren sich der Barkeeper und seine beiden Gäste in lässigen Strandoutfits. Inzwischen hat unser Schiff vor Jamaika den Anker geworfen, wie die Flaggen verraten. Auf der karibischen Insel begrüßen uns die Tänzerinnen in hinreißenden Kostümen, die mit reichlich exotischen Früchten dekoriert sind. Vadym und Dasha kennen wir noch mit ihrer Arbeit an den Strapaten. Etwa vom Festival Young Stage oder aus dem Pariser Cirque d'Hiver. Im Apollo Varieté erleben wir sie nun das zweite Mal mit ihrer Tanzakrobatik am Boden. Dabei trägt Vadym seine Partnerin auf Händen, während diese verschiedene artistische Posen zeigt. So kreiert das junge Paar wunderschöne Figuren. Mit den USA erreichen wir die letzte Destination unserer Kreuzfahrt. Kapitän Luis Polo Martinez stimmt den nächsten Song an, während die Business Women der Wall Street mit schwarzen Aktenkoffern um ihn herum tanzen. Einen Wimpernschlag später steht das Ballett schon wieder in prächtigen roten Showkleidern im Scheinwerferlicht. Per Bus geht es mal eben weiter in die US-amerikanische Entertainment-Metropole Las Vegas, wie Nikita Boutorine süffisant anmerkt. Diesmal unterhält er uns als Comedy-Magier. Ein Seil, Ringe, Hase und Taube gehören zu den magischen Requisiten. Seine Illusionen garniert er mit witzigen Moderationen. Die Anleihen bei bekannten Vorbildern halten sich auch hier in Grenzen. Das Ganze gerät aber recht hektisch. Auch hier wünscht man sich eine Weiterentwicklung. Die Gäste im Saal jedenfalls haben auch so hörbar ihren Spaß. Mit der Akrobatik am Trapez von Chris Gobet und Julian Kaiser hat die Show eine in jeder Hinsicht würdige Schlussnummer. Als Duo High Tension spielen sie mit den Nerven des Publikums. Anspruchsvolle und eben riskante Tricks werden hier souverän vorgeführt. Julian Kaiser übernimmt den tragenden Part, Chris Gobet beweist an seinen Händen und Füßen seine Gelenkigkeit. Zum Finale tauschen sie diese Rollen sogar. Eine einzigartige Darbietung, die formvollendet präsentiert wird. Gewohnt großartig zelebriert werden die Abschiedsszenen. Die Kostüme der Tänzerinnen sind ein Traum, es gibt noch einmal herrliche Choreographien mit dem ganzen Ensemble. Sogar eine Runde durch den Saal ist dabei. Das Ende der Kreuzfahrt wird ausgiebig gefeiert, ein farbenfrohes Fest voller Lebensfreude! Und sogar Kapitän und Kreuzfahrtdirektor versöhnen sich. Für uns geht es zurück an Land, für die Crew stehen in den kommenden Wochen noch etliche maritime Reisen auf dem Programm. Nach einer rund einmonatigen Sommerpause geht es dann ins „Crazy Candyland“.

Eine Tour mit dem Traumschiff ist natürlich als Motto für eine Varietéshow extrem dankbar, eröffnet unzählige Möglichkeiten. Noch dazu, wenn – wie im Apollo Varieté – eine große Bühne, wunderbare Kulissen, ein fantastisches Ballett und beste technische Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Ein großes Plus sind zudem die eigens für diese Produktion engagierten Künstler. Das Programm verwöhnt uns mit schönen Bildern aus aller Welt und starker Artistik. Was die Inszenierung angeht, haben wir hier allerdings schon durchaus Stärkeres gesehen. Doch eine Fahrt mit dem Luxusliner aus dem Hause Roncalli sollte man sich allemal gönnen, garantiert sie doch ganz unkompliziert ein paar Stunden Auszeit vom Alltag.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch