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Offenburg,
27. Dezember 2008:
Die meisten der hiesigen
Weihnachtscircusse tragen den Namen der Stadt, in der sie
alljährlich spielen, in ihrem Titel. Bei keiner Winterproduktion
dürfte die Bindung an den Veranstaltungsort so stark sein wie in
Offenburg. Von einem „Kultcircus“ war schon des öfteren die
Rede. Zwei Köpfe sind es, die diese Bindung ganz besonders
personifizieren. Da ist zum Einen Conferencier Klaus Kaulis, der
hier nur „Herr Kaulis“ genannt wird und in Offenburg
wahrscheinlich einen Bekanntheitsgrad genießt, wie sonst nur die
Oberbürgermeisterin. |
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Und da ist natürlich Anja Oschkinat, die
Directrice, die jedes Jahr den ganzen Circus auf die Beine
stellt. Wenn sie beim Finale ihrem Publikum vom Zuschauereingang
aus Handküsse zuwirft, fliegen ihr die Sympathien des Publikums
sicht-, vor allem aber hörbar entgegen.
Mit viel
Liebe hat sie auch 2008/09 wieder – zum 13. Mal – das Programm
zusammengestellt. Dieses hat eher Varieté- als Circuscharakter.
Die Darbietungen, mit Ausnahme der Elefanten, könnten problemlos
auf einer Varietébühne arbeiten bzw. tun dies ohnehin. Außerdem
können alle Auftritte mit dem Attribut „klassisch“ versehen
werden. Klassische Kostüme, klassische Musikauswahl (dieses Jahr
leider vom Band) und klassische Präsentation. Dies hat
letztendlich den Effekt, dass die ganze Show wie aus einem Guss
daherkommt. |
  
Totti Alexis und Klaus Kaulis
Reprisenclown
Totti Alexis eröffnet sie, wenn er auf der Piste sitzend
Trompete spielt, während eine junge Dame in der Manege ihre
Handstandakrobatik zeigt. Klaus Kaulis begrüßt das Publikum
standesgemäß im feinen Livree. Im weiteren Verlauf der Show ist
er stets präsent und stellt im Plauderton die auftretenden
Artisten vor. Clown Totti gibt er immer wieder Tipps, wie er
denn nun das Herz einer Frau erobern kann. Eine nette
Geschichte, die sich durch das Programm spinnt.
  
Erwin Frankello,
Davide Roberts, Shirley Dean
Rola-Rola-Artist Davide Roberts balanciert auf wackeligen Türmen aus
Walzen und stapelt Bretter etagenweise auf einer Rolle.
Unterstützt wird er vom Idealbild einer Assistentin: Charmante
Blondine im Abendkleid, die den Akteur dezent unterstützt. In
Nadelstreifen tanzt Massimiliano Sblattero über das Drahtseil.
Er tut dies zu Musik aus „Lord of the dance“, welche die Wirkung
seines Auftritts ungemein steigert. Zusätzlich beweist der
Italiener seine Sprungkraft bei Sätzen über Reifen und eine
Feuerbarriere. Die Wappentiere des Offenburger Weihnachtscircus
sind seit jeher die Elefanten. Zwei afrikanische Elefantendamen
bringen Nadja und Erwin Frankello in die Manege. Sie sind sowohl
geistig als auch körperlich auf der Höhe. Das beweisen sie beim
Tauziehen und Ballspielen mit dem Publikum genauso wie beim
Kopfrechnen. Eine nicht alltägliche Dressurleistung. Leider
bleibt es bei dieser einen Tierdarbietung. Für eine Show unter
dem Titel „Circus“ hätte ich diesbezüglich mehr erwartet. Als
einzige Frau im Genre der Gentlemanjonglage wird Shirley Dean
angekündigt. Sie zeigt ihre bekannte Kür mit Melone, Bällen,
Zylindern und Zigarrenkästchen. Im Nu gewinnt sie mit ihrer
quirligen Art die Herzen der Offenburger. Vier Frauenträume aus
Italien zelebrieren direkt vor der Pause ihre mehrfach
preisgekrönte Partnerequlibristik. Die Pelligrini Brothers
gehören nach wie vor zu den Topstars der Szene, haben sie doch
erst Anfang 2008 einen Goldenen Clown in Monte Carlo gewonnen.
  
Haddy's jr. jr., Clio Togni,
Svetlana und Marina
Nachdem das
Publikum in der Pause die Gelegenheit zum Elefantenreiten oder
der Erfrischung im liebevoll gestalteten Restaurationszelt
wahrgenommen hat, geht es weiter mit Darbietung Nummer vier aus
Italien. Der Luftring , an dem Clio Togni auftritt, hat einen
ungewöhnlich großen Durchmesser. Darin arbeitet sie in niedriger
Höhe ihre Akrobatik zu Tangomusik. Vom Cirkus Dannebrog kommen
die Haddy's, bestehend aus Edward und Jimmy Enoch. Rasant fegen
die beiden Dänen auf ihren Fahrrädern durch die Manege. Es macht
einfach Spaß, den beiden jungen Artisten bei den Touren Einzel
und Duo zuzuschauen. War die Pausennummer der Hingucker für die
Damenwelt, kommen vor dem Finale die Männer zu ihrem Recht. Die
bildhübschen Weißrussinnen Sevtlana und Marina verstehen sich
zudem auch noch vortrefflich in der Kunst der Antipodenspiele.
Das Publikum tobt und bereitet somit stimmungsmässig bestens das
Finale vor. Doch bevor es soweit ist, holt sich Totti
frauentechnisch letzte Tipps bei Klaus Kaulis, damit es dann
wenigstens bei der letztendlich Gelegenheit in dieser
Vorstellung mit den Damen klappt. In seinen Reprisen erleben wir
den Clown als Musiker, Sänger und Elektriker. Seine Auftritte
zeugen von großer Kreativität. Den „schon mal gesehen“-Effekt
gibt es bei ihm, wenn überhaupt, nur sehr selten. Sein komisches
Talent, sowie sein musikalisches Können garantieren beste
Unterhaltung.
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Beste Unterhaltung auf hohem Niveau, das gilt für das
gesamte Programm des 13. Offenburger Weihnachtscircus.
Zudem punkten Anja Oschkinat und Team mit einer besonders
angenehmen Atmosphäre im Chapiteau sowie im liebevoll
dekorierten großen Vorzelt. Wenn ich nach Weihnachten noch
zwei Wünsche loswerden darf dann die nach mehr
Tierdarbietungen und einem Liveorchester. Ansonsten bin
ich, was den Offenburger Weihnachtscircus angeht,
wunschlos glücklich. |
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