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Wer natürlich
jedes Jahr wechselt, sind die Artisten. Immer feine, ausgesuchte
Darbietungen, die wunderbar in den Rahmen passen. Zumeist eine
schöne Mischung aus bekannten Gesichtern und interessanten
Neuentdeckungen. Eine nicht irrelevante Veränderung gibt es in
dieser Spielzeit dann aber doch. Sie fällt sofort auf, wenn man
das Chapiteau am Bois de Boulogne betritt. Den Gästen auf dem
Gradin stehen nun Schalensitze zur Verfügung. Bislang gab es
dort Holzbänke, die - genauso wie die Sturmstangen - ihren ganz
eigenen Charme haben, aber natürlich weniger Komfort bieten.
 
Xavier
Fagnon und Emilion Delbosq, Suellen Sforzi
Das Warm up zur
Show gehört Emilion Delbosq. Der Clown ist nach fünf Jahren
zurückgekehrt, was wunderbar ist. Denn zum einen haben wir sonst
wenig Gelegenheit, den Spaßmacher bei uns zu erleben. Zum
anderen hat er sich eine herrliche Figur erschaffen und versteht
es damit, eigenständige, wirklich witzige Nummern zu spielen.
Als Pressefotograf mischt er sich beim Einlass unter die
hereinkommenden Zuschauer. Kurz bevor es richtig losgeht,
entdeckt er in der Manege glitzernde Schuhe, zieht sich diese an
und performt zu verschiedenen Hits die passenden Moves. Dann
begrüßen Monsieur Loyal Xavier Fagnon und seine Weihnachtsfrauen
das Publikum. Der artistische Auftakt gehört Suellen Sforzi.
Schon in vielen internationalen Circusunternehmen konnten wir
die Kontorsionistin erleben. Charmant verbiegt sie ihren Körper,
setzt sich mit den Füßen Sonnenbrille und Hut auf. Auch
verschiedene Handstände präsentiert sie. Feurig wird es beim mit
den Füßen ausgelösten Schuss mit Pfeil und Bogen auf einen
Luftballon. Die Pfeilspitze brennt und nach dem Treffer gibt es
eine Feuersäule.
  
Steve
Alessandrini, Elodie Lobjos, Rafael Gil
Eine mechanische
Schreibmaschine verwandelt Emilion Delbosq in ein
Musikinstrument, nachdem ihn Xavier Fagnon vom Bearbeiten der
Steuer abgehalten hat. So haut er dann rhythmisch in die Tasten.
Ein Mast mit Haltegriffen am oberen Ende ist das Requisit von
Steve Alessandrini. Daran zelebriert er eine durchinszenierte
Kür mit vielen horizontalen Handständen. Somit kommen wir in den
Genuss einer nicht eben alltäglichen Darbietung, die von einer
modern interpretierten Opernarie begleitet wird. Zu Klaviermusik
arbeitet Elodie Lobjos an den Tüchern. Dadurch wirkt ihre
schöne, anmutig vorgetragene Trickfolge für meinen Geschmack
eine Spur zu ruhig. Akrobatisch überzeugt der Auftritt
natürlich. Somit ist es an Rafael Gil, wieder Schwung ins
Programm zu bringen. Das tut der Jongleur ganz famos, nachdem
Emilion Delbosq mit einer Zuschauerin auf eine imaginäre
Spritztour mit einem Auto gegangen ist. Rafael Gil jongliert mit
Keulen, Fußbällen und Strohhüten. Besonders faszinierend ist
aber das Spiel mit kleinen weißen Bällen, die er nach rasanten
Touren mit kleinen Netzen auffängt, die an einem Gürtel um seine
Hüften befestigt sind. Sogar eine schwungvolle Runde durchs
Publikum dreht der sympathische Mexikaner, während er seine Hüte
durch die Luft fliegen lässt. Die folgende Pause wird, auch das
ist hier Tradition, mit dem Verknoten von vier Herren aus dem
Publikum eingeleitet. Dies natürlich unter der Regie von Emilion
Delbosq.
 
Giordan
Anselmi Alessandrini, Marine Durand-Rech
Zu Beginn des
zweiten Teils ist das Seil gespannt. Einmal mehr erleben wir
darauf Marine Durand-Rech mit einer wunderschönen, klassisch
gearbeiteten Nummer. Sie tanzt über den gespannten Draht, hält
sich im Spagat sowie auf einem Stuhl darauf im Gleichgewicht.
Den letzten Weg von Plattform zu Plattform legt sie gar auf
Zehenspitzen zurück. Von seinem geliebten Staubsauger beim
Saubermachen im Stich gelassen, nutzt Emilion Delbosq diesen, um
kleine und große Rauchkringel zu produzieren. Das ist nicht nur
ungemein witzig, sondern sorgt zudem für schöne Bilder. Einem in
der ersten Reihe sitzenden Jungen schießt er damit sogar einen
Plastikbecher vom Kopf. Mit dem Heraufspringen der Stufen seiner
Treppe im Einarmer auf einer Stelze krönt Giordan Anselmi
Alessandrini seine Darbietung. Diesem phänomenalen Trick gehen
einige Varianten des „Treppensteigens“ auf ein und zwei Armen
voraus. Zudem begeistert der sympathische Italiener mit etlichen
Überschlägen auf einer Plattform.
 
Emilion
Delbosq, Skating Medini
Mit einer Band aus
drei Zuschauern performt Emilion Delbosq Hits von Queen und gibt
dabei gleich Freddie Mercury höchstselbst. Wer nicht die
gewünschte Leistung bringt, muss mit hinter den Vorhang. Nach
einem Schuss kehrt der Clown alleine zurück. Seine
Spielzeugpistole lässt nichts Gutes ahnen. Die letzte der
Mitspielerinnen aber dreht den Spieß um. Am Ende verabschiedet
sich natürlich das gesamte Quartett quicklebendig. Rasant geht
es in Richtung Finale. Auf einem runden Podest wagen Asia und
Dylan Medini atemberaubende Runden auf Rollschuhen. Immer hält
Dylan seine Schwester sicher beziehungsweise hat sie im wahrsten
Sinne des Wortes „am Hals hängen“. Das beim abschließenden
Nackenwirbel. Das ausführlich zelebrierte, weihnachtliche Finale
wird um einen Epilog ergänzt. Emilion Delbosq erscheint mit
einer brennenden Kerze in der Manege. Der weibliche Teil des
Ensembles holt ihn ab und bläst gemeinsam mit ihm die Flamme
aus. |