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Cirque de Noel - Christiane Bouglione 2023
www.lecirquedenoel-paris.com ; 117 Showfotos

Paris, 2. Dezember 2023: Das Lied „Petit Papa Noel“ gehört einfach dazu. Wenn die Artisten im Finale nebeneinander in der Manege stehen, ertönt dieser Song. Zu seinen letzten Noten heben alle Mitwirkenden gleichzeitig die Arme. Spätestens dann stellen sich auch bei mir Anfang Dezember Weihnachtsgefühle ein. So, wie das bevorstehende Fest mit vielen Traditionen verbunden ist, pflegt auch der Cirque de Noel von Christiane Bouglione seine Rituale. Die Atmosphäre ist intim, ja heimelig, weihnachtliche Kostüme findet man in größerer Zahl, das Licht ist warm und die passende Musik fehlt eben nie.

Wer natürlich jedes Jahr wechselt, sind die Artisten. Immer feine, ausgesuchte Darbietungen, die wunderbar in den Rahmen passen. Zumeist eine schöne Mischung aus bekannten Gesichtern und interessanten Neuentdeckungen. Eine nicht irrelevante Veränderung gibt es in dieser Spielzeit dann aber doch. Sie fällt sofort auf, wenn man das Chapiteau am Bois de Boulogne betritt. Den Gästen auf dem Gradin stehen nun Schalensitze zur Verfügung. Bislang gab es dort Holzbänke, die - genauso wie die Sturmstangen - ihren ganz eigenen Charme haben, aber natürlich weniger Komfort bieten.


Xavier Fagnon und Emilion Delbosq, Suellen Sforzi

Das Warm up zur Show gehört Emilion Delbosq. Der Clown ist nach fünf Jahren zurückgekehrt, was wunderbar ist. Denn zum einen haben wir sonst wenig Gelegenheit, den Spaßmacher bei uns zu erleben. Zum anderen hat er sich eine herrliche Figur erschaffen und versteht es damit, eigenständige, wirklich witzige Nummern zu spielen. Als Pressefotograf mischt er sich beim Einlass unter die hereinkommenden Zuschauer. Kurz bevor es richtig losgeht, entdeckt er in der Manege glitzernde Schuhe, zieht sich diese an und performt zu verschiedenen Hits die passenden Moves. Dann begrüßen Monsieur Loyal Xavier Fagnon und seine Weihnachtsfrauen das Publikum. Der artistische Auftakt gehört Suellen Sforzi. Schon in vielen internationalen Circusunternehmen konnten wir die Kontorsionistin erleben. Charmant verbiegt sie ihren Körper, setzt sich mit den Füßen Sonnenbrille und Hut auf. Auch verschiedene Handstände präsentiert sie. Feurig wird es beim mit den Füßen ausgelösten Schuss mit Pfeil und Bogen auf einen Luftballon. Die Pfeilspitze brennt und nach dem Treffer gibt es eine Feuersäule.


Steve Alessandrini, Elodie Lobjos, Rafael Gil

Eine mechanische Schreibmaschine verwandelt Emilion Delbosq in ein Musikinstrument, nachdem ihn Xavier Fagnon vom Bearbeiten der Steuer abgehalten hat. So haut er dann rhythmisch in die Tasten. Ein Mast mit Haltegriffen am oberen Ende ist das Requisit von Steve Alessandrini. Daran zelebriert er eine durchinszenierte Kür mit vielen horizontalen Handständen. Somit kommen wir in den Genuss einer nicht eben alltäglichen Darbietung, die von einer modern interpretierten Opernarie begleitet wird. Zu Klaviermusik arbeitet Elodie Lobjos an den Tüchern. Dadurch wirkt ihre schöne, anmutig vorgetragene Trickfolge für meinen Geschmack eine Spur zu ruhig. Akrobatisch überzeugt der Auftritt natürlich. Somit ist es an Rafael Gil, wieder Schwung ins Programm zu bringen. Das tut der Jongleur ganz famos, nachdem Emilion Delbosq mit einer Zuschauerin auf eine imaginäre Spritztour mit einem Auto gegangen ist. Rafael Gil jongliert mit Keulen, Fußbällen und Strohhüten. Besonders faszinierend ist aber das Spiel mit kleinen weißen Bällen, die er nach rasanten Touren mit kleinen Netzen auffängt, die an einem Gürtel um seine Hüften befestigt sind. Sogar eine schwungvolle Runde durchs Publikum dreht der sympathische Mexikaner, während er seine Hüte durch die Luft fliegen lässt. Die folgende Pause wird, auch das ist hier Tradition, mit dem Verknoten von vier Herren aus dem Publikum eingeleitet. Dies natürlich unter der Regie von Emilion Delbosq.


Giordan Anselmi Alessandrini, Marine Durand-Rech

Zu Beginn des zweiten Teils ist das Seil gespannt. Einmal mehr erleben wir darauf Marine Durand-Rech mit einer wunderschönen, klassisch gearbeiteten Nummer. Sie tanzt über den gespannten Draht, hält sich im Spagat sowie auf einem Stuhl darauf im Gleichgewicht. Den letzten Weg von Plattform zu Plattform legt sie gar auf Zehenspitzen zurück. Von seinem geliebten Staubsauger beim Saubermachen im Stich gelassen, nutzt Emilion Delbosq diesen, um kleine und große Rauchkringel zu produzieren. Das ist nicht nur ungemein witzig, sondern sorgt zudem für schöne Bilder. Einem in der ersten Reihe sitzenden Jungen schießt er damit sogar einen Plastikbecher vom Kopf. Mit dem Heraufspringen der Stufen seiner Treppe im Einarmer auf einer Stelze krönt Giordan Anselmi Alessandrini seine Darbietung. Diesem phänomenalen Trick gehen einige Varianten des „Treppensteigens“ auf ein und zwei Armen voraus. Zudem begeistert der sympathische Italiener mit etlichen Überschlägen auf einer Plattform.


Emilion Delbosq, Skating Medini

Mit einer Band aus drei Zuschauern performt Emilion Delbosq Hits von Queen und gibt dabei gleich Freddie Mercury höchstselbst. Wer nicht die gewünschte Leistung bringt, muss mit hinter den Vorhang. Nach einem Schuss kehrt der Clown alleine zurück. Seine Spielzeugpistole lässt nichts Gutes ahnen. Die letzte der Mitspielerinnen aber dreht den Spieß um. Am Ende verabschiedet sich natürlich das gesamte Quartett quicklebendig. Rasant geht es in Richtung Finale. Auf einem runden Podest wagen Asia und Dylan Medini atemberaubende Runden auf Rollschuhen. Immer hält Dylan seine Schwester sicher beziehungsweise hat sie im wahrsten Sinne des Wortes „am Hals hängen“. Das beim abschließenden Nackenwirbel. Das ausführlich zelebrierte, weihnachtliche Finale wird um einen Epilog ergänzt. Emilion Delbosq erscheint mit einer brennenden Kerze in der Manege. Der weibliche Teil des Ensembles holt ihn ab und bläst gemeinsam mit ihm die Flamme aus.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch