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Great Christmas Circus 2023/24
www.great-christmas-circus.de ; 168 Showfotos

Frankfurt am Main, 15. Dezember 2023: Die Erwartungen sind hoch. Schließlich hat der Great Christmas Circus von Anbeginn mit starken Shows überzeugt. Mit der zehnten Auflage wird der erste runde Geburtstag gefeiert, da hofft man natürlich auf etwas Besonderes. Auf dem Paper liest sich das Programm sehr gut. Mit Joseph Bouglione steht ein exzellenter Regisseur zur Verfügung. Hinzu kommen das aus den Vorjahren bekannte, fantastisch spielende Orchester sowie ein fulminantes Lichtdesign. Auf den wunderschön gestalteten Plakaten, die an jeder Straßenecke zu finden sind, steht Fumagalli im Mittelpunkt. Der Starclown ist das prominente Gesicht der Jubiläumsausgabe.

Schon der Anblick der Circusstadt erfüllt das „Great“ im Namen der Produktion auf das Allerbeste. Die Familie Wille hat ihr gepflegtes, umfangreiches Material ideal aufgebaut. Im Zentrum steht das riesige Chapiteau mit seinen 2.200 Sitzplätzen, direkt davor das passende Vorzelt, welches die umfangreichen Restauration beherbergt.


Front des Great Christmas Circus 2023/24

Für die Toilettenanlage wurde ein weiteres Zelt aufgebaut. Darauf der beleuchtete Schriftzug „Carl Busch“. Gemeinsam mit Kassenwagen und Frontzaun ergibt dies ein beeindruckendes Ensemble. Im Dunkeln sorgen die Lichterketten am Chapiteau für wunderschöne Bilder. In seinem Inneren fällt der geschmackvolle Artisteneingang mit dem Orchesterpodium über der Gardine ins Auge. Das Gradin verfügt ausschließlich über Klappsitze. Ungünstig allerdings, dass der Einlass nur über die mittlere Treppe erfolgt. So müssen die Zuschauer der seitlichen Blöcke immer zwischen erster Reihe und Manege entlang laufen. Insbesondere zu Beginn des zweiten Teils und beim Finale ist das störend.


Fumagalli und Pascal de Boer, Dede Larible

Während die Gäste noch ihre Plätze einnehmen, spaziert Fumagalli mit Besen auf dem Rücken durch die Ränge. In der Manege angekommen, sorgt er mit Klatschspielchen für das warm up. Bruder Daris kommt hinzu, erntet aber deutlich weniger Beifall. Auf einem Podest mit Notenständer bereiten die beiden Clowns alles für den Kapellmeister vor. Als dieser nicht erscheint, nimmt Fumagalli den Taktstock selbst in die Hand. Dank seiner Bewegungen damit spielt das Orchester gekonnt wilde Töne. Die sechs Musiker unter der Leitung von Petru Haruta begleiten das weitere Programm ganz virtuos und tragen so enorm zum Gesamteindruck bei. Das Begrüßungskomitee besteht aus Fumagalli, Daris und Pascal de Boer. Den Niederländer kennen wir vor allen Dingen als Comedian. In dieser Show fungiert er als eleganter Moderator, ist unser Begleiter durch den Abend. Das Trio gibt die Manege frei für den ersten artistischen Act. Es ist an Dede Larible, die Spielfolge zu eröffnen. Der jugendliche Jongleur sorgt gleich für ordentlich Tempo. Larible startet und beendet seinen Auftritt mit Keulen, dazwischen jongliert er gekonnt mit Ringen und Hüten. Quasi en passant schafft er es ebenfalls, mit dem Publikum zu spielen.


Elisa Cussadie, Jamena Wille, Claudia Navratilova

Unter den ungläubigen Augen von Pascal de Boer sowie des Publikums lassen Fumagalli und Daris ein buntes Halstuch unsichtbar durch die Luft wandern. Fliegt hier der Schwindel am Ende auf, ist das Staunen über die ungewöhnlichen Verrenkungen von Elisa Cussadie echt. Anders als die meisten ihrer Kolleginnen verbiegt die blonde Italienerin ihren Körper nicht nach hinten, sondern nach vorne. Sprich, Klischnigg ist ihre Disziplin. „Welcome to Burlesque“ ist der begleitende Song, wenn sie sich etwa einen Fuß hinter den Kopf steckt oder gleich den ganzen Körper in einen viel zu klein erscheinenden Plexiglaswürfel zwängt. Jamena Wille hat die bisherigen Ausgaben des Great Christmas Circus immer wieder mit Luftnummern bereichert. Etwa an den Tüchern oder in einer sich nach unten öffnenden Kugel. In diesem Jahr ist ein prächtiger Kronleuchter ihr Requisit, an dem das Mitglied der Direktionsfamilie elegante Haltefiguren zelebriert. Sohn Alfons hat sich der Comedy zugewandt. In seinem ersten Auftritt übt er sich mit einem Feuerzeug als Fakir und jongliert mit Keulen. Artistennachwuchs im besten Sinne ist auch Claudia Navratilova. Die Tochter des Jongleur-Duos Rapolli war hier bereits vor einem Jahr auf dem Drahtseil zu erleben. Nun erleben wir ihre weiterentwickelte Kür auf dem gespannten Draht. Die 14-jährige überzeugt etwa mit dem Spagat und verschiedenen Sprüngen. Sie krönt ihre Nummer mit dem Sprung durch einen brennenden Reifen, der zudem mit Messern besetzt ist.


Natascha Wille, Daniel Golla

Bei „Yakari und Kleiner Donner“, der Tourneeproduktion der Familie Wille, spielen Pferde eine zentrale Rolle. Natürlich fehlen die Vierbeiner auch beim Weihnachtscircus nicht. Zunächst erleben wir Sara Berouskova als Stehendreiterin auf zwei Friesen. Im Anschluss führt Angel Wille sechs quirlige Ponys vor, von denen eines partout nicht mit den anderen über eine Stange springen will. Der einstudierte Patzer sorgt für viel Heiterkeit. Eine blendende Figur zu Pferd macht wie immer Natascha Wille. Nach Schritten der Hohen Schule tanzt sie gemeinsam mit ihrem tierischen Partner auf dem Sägemehl. Mit einem kleinen Trick schafft es Fumagalli tatsächlich, die unter einem Hut platzierten weißen Handschuhe vom Kopf eines Zuschauers zu nehmen, ohne den Hut zu berühren. Daris und Pascal de Boer sind dem Spaßmacher dabei nicht ganz freiwillig eine große Hilfe. Immer wieder überraschend, da unerwartet in einer Circusshow, ist der Auftritt von Daniel Golla. Denn der Nordhesse lässt als Showpilot seine ferngesteuerten Modellflugzeuge waghalsige Manöver über den Köpfen des Publikums fliegen. Ruhige Sequenzen wechseln sich mit temporeichen ab. Bänder an den Tragflächen sorgen genauso für besondere Effekte wie brennende Wunderkerzen. Zur Crew gehören neben dem Pilot mehrere Flugbegleiterinnen, die Reifen halten, durch die Daniel Golla seinen Flieger präzise hindurch gleiten lässt. Mit Fumagalli, Daris und Pascal de Boer geht es in die Pause.


Antonio Garcia, Alfons Wille, Shirley Larible

Antonio und Connor Garcia haben sich über die letzten Jahre eine starke Handstanddarbietung aufgebaut und verfeinern diese immer weiter. Längst sind sie nicht mehr ein „Anhängsel“ ihrer Eltern, sondern eigenständige Artisten, wie unter anderem ihr diesjähriges Engagement im Apollo-Varieté beweist. Partnertricks wechseln sich ab mit Soli. Da wird im Einarmer ein Basketball geprellt oder im Kopfstand rotiert. Das alles serviert mit viel Power. An die Szene „Das Spielen ist hier verboten“ angelehnt ist der nächste Auftritt von Pascal de Boer und Alfons Wille. Pascal spielt dabei Sopran-Saxophon, Alfons Trompete, Keyboard und Saxophon. Aus dem Gegeneinander wird schließlich ein Miteinander mit wunderbarer Musik. Prächtige Partner hat sich Elisa Cussadie für ihren zweiten Auftritt ausgesucht. Nun präsentiert sie herrliche Papageien in verschiedenen Größen und Farben. Die gelehrigen Vögel interagieren mit Zuschauern genauso selbstverständlich wie mit ihrer Trainerin. Da wird im Flug eine Rose ausgeliefert oder sich rücklings in die Arme einer Zuschauerin gelegt. Imposant sind immer wieder die ausdauernden Flüge der Aras über den Zuschauerrängen. Gleich darauf schwingt sich Shirley Larible auf in die Luft. Voller Eleganz präsentiert sie ihre kraftvolle Akrobatik an den Strapaten. Zu ihrer Kür gehören etwa zahlreiche Umschwünge oder der Übergang vom Stand in den Spagat ohne Zuhilfenahme der Hände. Ein enormer Gleichgewichtssinn muss notwendig sein, um dieses Kunststück so sicher zu arbeiten wie Shirley Larible.


Duo Garcia

Mit Fußbällen jongliert Tonda Rapolli. Gleich zwei davon hält er mit dem Kopf in Bewegung. Mit den Händen sind es bis zu fünf. Partnerin Helena ist nicht nur Assistentin, sondern versteht sich ebenfalls auf die Kunst der Jonglage. Das beweist sie mit Keulen, die sie rotieren lässt, während sie auf dem Kopf von Tonda steht, der ebenfalls jongliert. Nach einem von Angel Wille gesungenen Weihnachtslied gehört die Manege Manuel Frank und den Pferden des Great Christmas Circus. In seiner neuesten Dressurschöpfung führt er jeweils vier Friesen und vier Falabella-Miniponys mit edlen Geschirren vor. Unter seiner Anleitung formieren sich die Tiere zu anspruchsvollen Figuren, wunderschöne Bilder entstehen dabei. Die Pferdedressuren von und mit Manuel Frank sind auch diesmal ein Genuss. Wo Fumagalli ist, ist das „Bienchen“ nicht weit. Natürlich spielt der italienische Clown auch hier sein Parade-Entree. Dies unterstützt von Bruder Daris und Sohn Niko. Es ist wie immer ein herrlicher, spritziger Spaß, bei dem Kinder aller Altersstufen voll auf ihre Kosten kommen. Es bleibt tatsächlich kein Auge trocken. Zum Schluss werden noch einmal die Nerven des Publikums strapaziert. Die Luftakrobatik des Duo Garcia an der rotierenden Rakete ist wirklich ein Thriller. Kopfüber unter dem Fluggerät hängend, hält Pablo seine Ehefrau Vicky in immer wieder neuen Varianten fest. Zuletzt rotiert sie waagerecht an einem Seil, an dem sie sich mit den Zähnen festhält. Eine weitere Luftsensation, die angekündigt wurde, nämlich Super Silva junior, arbeitet zumindest am Premierenabend nicht.

Im großen Finale verabschieden sich alle Mitwirkenden vom frenetisch applaudierenden Publikum. Und das völlig zu Recht. Denn mit dieser Jubiläumsausgabe erfüllt der Great Christmas Circus die hohen Erwartungen. Ein hochkarätiges. geschickt zusammengestelltes und bestens in Szene gesetztes Programm verwöhnt die Gäste. Das eindrucksvolle Material der Familie Wille sorgt für echte Großcircus-Amosphäre und hohen Komfort. Eines der ganz großen Highlights der Weihnachtscircus-Saison 2023/24. Herzlichen Glückwunsch!

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Text und Fotos: Stefan Gierisch