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Schon der
Anblick der Circusstadt erfüllt das „Great“ im Namen der
Produktion auf das Allerbeste. Die Familie Wille hat ihr
gepflegtes, umfangreiches Material ideal aufgebaut. Im Zentrum
steht das riesige Chapiteau mit seinen 2.200 Sitzplätzen, direkt
davor das passende Vorzelt, welches die umfangreichen
Restauration beherbergt.

Front
des Great Christmas Circus 2023/24
Für die
Toilettenanlage wurde ein weiteres Zelt aufgebaut. Darauf der
beleuchtete Schriftzug „Carl Busch“. Gemeinsam mit Kassenwagen
und Frontzaun ergibt dies ein beeindruckendes Ensemble. Im
Dunkeln sorgen die Lichterketten am Chapiteau für wunderschöne
Bilder. In seinem Inneren fällt der geschmackvolle
Artisteneingang mit dem Orchesterpodium über der Gardine ins
Auge. Das Gradin verfügt ausschließlich über Klappsitze.
Ungünstig allerdings, dass der Einlass nur über die mittlere
Treppe erfolgt. So müssen die Zuschauer der seitlichen Blöcke
immer zwischen erster Reihe und Manege entlang laufen.
Insbesondere zu Beginn des zweiten Teils und beim Finale ist das
störend.
 
Fumagalli und Pascal de Boer, Dede Larible
Während
die Gäste noch ihre Plätze einnehmen, spaziert Fumagalli mit
Besen auf dem Rücken durch die Ränge. In der Manege angekommen,
sorgt er mit Klatschspielchen für das warm up. Bruder Daris
kommt hinzu, erntet aber deutlich weniger Beifall. Auf einem
Podest mit Notenständer bereiten die beiden Clowns alles für den
Kapellmeister vor. Als dieser nicht erscheint, nimmt Fumagalli
den Taktstock selbst in die Hand. Dank seiner Bewegungen damit
spielt das Orchester gekonnt wilde Töne. Die sechs Musiker unter
der Leitung von Petru Haruta begleiten das weitere Programm ganz
virtuos und tragen so enorm zum Gesamteindruck bei. Das
Begrüßungskomitee besteht aus Fumagalli, Daris und Pascal de
Boer. Den Niederländer kennen wir vor allen Dingen als Comedian.
In dieser Show fungiert er als eleganter Moderator, ist unser
Begleiter durch den Abend. Das Trio gibt die Manege frei für den
ersten artistischen Act. Es ist an Dede Larible, die Spielfolge
zu eröffnen. Der jugendliche Jongleur sorgt gleich für
ordentlich Tempo. Larible startet und beendet seinen Auftritt
mit Keulen, dazwischen jongliert er gekonnt mit Ringen und
Hüten. Quasi en passant schafft er es ebenfalls, mit dem
Publikum zu spielen.
  
Elisa
Cussadie, Jamena Wille, Claudia Navratilova
Unter den
ungläubigen Augen von Pascal de Boer sowie des Publikums lassen Fumagalli und Daris ein buntes Halstuch unsichtbar durch die
Luft wandern. Fliegt hier der Schwindel am Ende auf, ist das
Staunen über die ungewöhnlichen Verrenkungen von Elisa Cussadie
echt. Anders als die meisten ihrer Kolleginnen verbiegt die
blonde Italienerin ihren Körper nicht nach hinten, sondern nach
vorne. Sprich, Klischnigg ist ihre Disziplin. „Welcome to
Burlesque“ ist der begleitende Song, wenn sie sich etwa einen
Fuß hinter den Kopf steckt oder gleich den ganzen Körper in
einen viel zu klein erscheinenden Plexiglaswürfel zwängt. Jamena
Wille hat die bisherigen Ausgaben des Great Christmas Circus
immer wieder mit Luftnummern bereichert. Etwa an den Tüchern
oder in einer sich nach unten öffnenden Kugel. In diesem Jahr
ist ein prächtiger Kronleuchter ihr Requisit, an dem das
Mitglied der Direktionsfamilie elegante Haltefiguren zelebriert.
Sohn Alfons hat sich der Comedy zugewandt. In seinem ersten
Auftritt übt er sich mit einem Feuerzeug als Fakir und jongliert
mit Keulen. Artistennachwuchs im besten Sinne ist auch Claudia
Navratilova. Die Tochter des Jongleur-Duos Rapolli war hier
bereits vor einem Jahr auf dem Drahtseil zu erleben. Nun erleben
wir ihre weiterentwickelte Kür auf dem gespannten Draht. Die
14-jährige überzeugt etwa mit dem Spagat und verschiedenen
Sprüngen. Sie krönt ihre Nummer mit dem Sprung durch einen
brennenden Reifen, der zudem mit Messern besetzt ist.
 
Natascha Wille, Daniel Golla
Bei „Yakari
und Kleiner Donner“, der Tourneeproduktion der Familie Wille,
spielen Pferde eine zentrale Rolle. Natürlich fehlen die
Vierbeiner auch beim Weihnachtscircus nicht. Zunächst erleben
wir Sara Berouskova als Stehendreiterin auf zwei Friesen. Im
Anschluss führt Angel Wille sechs quirlige Ponys vor, von denen
eines partout nicht mit den anderen über eine Stange springen
will. Der einstudierte Patzer sorgt für viel Heiterkeit. Eine
blendende Figur zu Pferd macht wie immer Natascha Wille. Nach
Schritten der Hohen Schule tanzt sie gemeinsam mit ihrem
tierischen Partner auf dem Sägemehl. Mit einem kleinen Trick
schafft es Fumagalli tatsächlich, die unter einem Hut
platzierten weißen Handschuhe vom Kopf eines Zuschauers zu
nehmen, ohne den Hut zu berühren. Daris und Pascal de Boer sind
dem Spaßmacher dabei nicht ganz freiwillig eine große Hilfe.
Immer wieder überraschend, da unerwartet in einer Circusshow,
ist der Auftritt von Daniel Golla. Denn der Nordhesse lässt als
Showpilot seine ferngesteuerten Modellflugzeuge waghalsige
Manöver über den Köpfen des Publikums fliegen. Ruhige Sequenzen
wechseln sich mit temporeichen ab. Bänder an den Tragflächen
sorgen genauso für besondere Effekte wie brennende Wunderkerzen.
Zur Crew gehören neben dem Pilot mehrere Flugbegleiterinnen, die
Reifen halten, durch die Daniel Golla seinen Flieger präzise
hindurch gleiten lässt. Mit Fumagalli, Daris und Pascal de Boer
geht es in die Pause.
  
Antonio
Garcia, Alfons Wille, Shirley Larible
Antonio
und Connor Garcia haben sich über die letzten Jahre eine starke
Handstanddarbietung aufgebaut und verfeinern diese immer weiter.
Längst sind sie nicht mehr ein „Anhängsel“ ihrer Eltern, sondern
eigenständige Artisten, wie unter anderem ihr diesjähriges
Engagement im Apollo-Varieté beweist. Partnertricks wechseln
sich ab mit Soli. Da wird im Einarmer ein Basketball geprellt
oder im Kopfstand rotiert. Das alles serviert mit viel Power. An
die Szene „Das Spielen ist hier verboten“ angelehnt ist der
nächste Auftritt von Pascal de Boer und Alfons Wille. Pascal
spielt dabei Sopran-Saxophon, Alfons Trompete, Keyboard und
Saxophon. Aus dem Gegeneinander wird schließlich ein Miteinander
mit wunderbarer Musik. Prächtige Partner hat sich Elisa Cussadie
für ihren zweiten Auftritt ausgesucht. Nun präsentiert sie
herrliche Papageien in verschiedenen Größen und Farben. Die
gelehrigen Vögel interagieren mit Zuschauern genauso
selbstverständlich wie mit ihrer Trainerin. Da wird im Flug eine
Rose ausgeliefert oder sich rücklings in die Arme einer
Zuschauerin gelegt. Imposant sind immer wieder die ausdauernden
Flüge der Aras über den Zuschauerrängen. Gleich darauf schwingt
sich Shirley Larible auf in die Luft. Voller Eleganz präsentiert
sie ihre kraftvolle Akrobatik an den Strapaten. Zu ihrer Kür
gehören etwa zahlreiche Umschwünge oder der Übergang vom Stand
in den Spagat ohne Zuhilfenahme der Hände. Ein enormer
Gleichgewichtssinn muss notwendig sein, um dieses Kunststück so
sicher zu arbeiten wie Shirley Larible.

Duo
Garcia
Mit
Fußbällen jongliert Tonda Rapolli. Gleich zwei davon hält er mit
dem Kopf in Bewegung. Mit den Händen sind es bis zu fünf.
Partnerin Helena ist nicht nur Assistentin, sondern versteht
sich ebenfalls auf die Kunst der Jonglage. Das beweist sie mit
Keulen, die sie rotieren lässt, während sie auf dem Kopf von
Tonda steht, der ebenfalls jongliert. Nach einem von Angel Wille
gesungenen Weihnachtslied gehört die Manege Manuel Frank und den
Pferden des Great Christmas Circus. In seiner neuesten
Dressurschöpfung führt er jeweils vier Friesen und
vier Falabella-Miniponys mit edlen Geschirren vor. Unter seiner
Anleitung formieren sich die Tiere zu anspruchsvollen Figuren,
wunderschöne Bilder entstehen dabei. Die Pferdedressuren von und
mit Manuel Frank sind auch diesmal ein Genuss. Wo Fumagalli ist,
ist das „Bienchen“ nicht weit. Natürlich spielt der italienische
Clown auch hier sein Parade-Entree. Dies unterstützt von Bruder
Daris und Sohn Niko. Es ist wie immer ein herrlicher, spritziger
Spaß, bei dem Kinder aller Altersstufen voll auf ihre Kosten
kommen. Es bleibt tatsächlich kein Auge trocken. Zum Schluss
werden noch einmal die Nerven des Publikums strapaziert. Die
Luftakrobatik des Duo Garcia an der rotierenden Rakete ist
wirklich ein Thriller. Kopfüber unter dem Fluggerät hängend, hält
Pablo seine Ehefrau Vicky in immer wieder neuen Varianten fest.
Zuletzt rotiert sie waagerecht an einem Seil, an dem sie sich
mit den Zähnen festhält. Eine weitere Luftsensation, die
angekündigt wurde, nämlich Super Silva junior, arbeitet
zumindest am Premierenabend nicht. |