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Kölner Weihnachtscircus 2023
www.koelner-weihnachtscircus.de ; 116 Showfotos

Köln, 17. Dezember 2023: Den kompletten Dezember spielte der Kölner Weihnachtscircus in seiner achten Saison. Am 1. des Monats wurde Premiere gefeiert, an Silvester die letzte Vorstellung gezeigt. Insgesamt strömten über 81.500 Zuschauer in das Chapiteau an der Zoobrücke. Das bedeutet nach Angaben des Veranstalters einen neuen Besucherrekord. Den hat sich das Team um die Produzenten Ilja und Katja Smitt redlich verdient. Nicht nur die Vermarktung des Events ist professionell, auch das Produkt überzeugt auf ganzer Linie. Geboten wird eine stark besetzte, sehr flott ablaufende Show mit Schwerpunkt auf der Artistik im wunderbaren Ambiente.

Schon das Vorzelt ist aufwendig gestaltet. Es gibt Loungebereiche, Stehtische und Sitzmöglichkeiten an Tischen. Alles ist glanzvoll weihnachtlich dekoriert. Die Restauration erfüllt vielfältige kulinarische Wünsche. Nervig ist einzig das Bezahlsystem, für das man an einem gesonderten Stand Wertmünzen erwerben muss. Für das Programmheft etwa ist unter anderem eine halbe dieser Münzen notwendig. Halbe Münzen werden aber nicht verkauft, nur als „Restgeld“ ausgegeben, das dann hinterher wieder zurückgetauscht werden muss.


Chapiteau des Kölner Weihnachtscircus

Aber letztendlich ist das nur eine Randnotiz eines ansonsten begeisternden Circusbesuchs. Das ehemals von Salto Natale genutzte Chapiteau stellt eine traumhafte Spielstätte dar. Die Sicht ist von der ersten bis zur letzten Reihe – hier gibt es Balkonlogen – sehr gut. Zum Einlass ist ein großer, prächtig geschmückter und illuminierter Weihnachtsbaum in der Mitte der Rundbühne aufgestellt. Der Artisteneingang besteht aus einem roten Vorhang und ist leicht zurückgesetzt.


Markus Köllner, Aleksandr Batuev, Melanie Chy

Bevor es richtig losgeht, sehen wir erstmal das prominenteste Gesicht der Show. Andrey Jigalov erzählt von seinem Wunsch, als Clown aufzutreten. Dies allerdings noch als Bauchrednerpuppe, die von seinem Partner Oleg Ponukaling Suvoroff gespielt wird. Markus Köllner übernimmt die Begrüßung, der Weihnachtsbaum wird herausgebracht und dann geht es Schlag auf Schlag. Das sechsköpfige, rein weibliche Ballett tanzt wunderbar in edlen Kostümen, das gesamte Ensemble heißt das Publikum willkommen und während die Tänzerinnen die Bühne verlassen, kommt ihnen schon Aleksandr Batuev entgegen, seine Metallkiste in den Händen. In diese zwängt sich der smarte Klischnigger im Businesslook am Ende des Auftritts. Zuvor verbiegt er seinen schlanken Körper in die unglaublichsten Positionen. Dazu gibt es ein cooles Spiel mit dem Publikum. Mehrere Versuche benötigt Andrey Jigalov, um mit seinem Smartphone ein Selfie zu machen, das ihn zufriedenstellt. Gleichzeitig eine gute Gelegenheit für den ersten Kontakt mit dem Publikum und ein kleines Warm up. Rockig gibt sich Melanie Chy. Im schicken Bikeroutfit kommt sie auf einem schweren Motorrad hereingefahren. Die Maschine dient ihr als Requisit für starke Handstandakrobatik. Aus dem Rahmen des Bikes zieht sie zwei Handstäbe heraus, auf der die Rockerlady kraftvolle Ein- und Zweiarmer in unterschiedlichen Varianten arbeitet. Auch hier überzeugt die Interaktion mit dem Publikum.


Duo Yehor und Olena, Andrey Jigalov, Vincent Vignaud

Träumen dürfen wir sodann mit dem Duo Yehor und Olena. Sie lenken die Blicke mit einer wundervollen Kür an den Strapaten unter die Kuppel. Ihr gegenseitiges Umwerben lässt fasst vergessen, wie riskant ihre Arbeit in luftiger Höhe ist. Insbesondere die Haltefiguren wissen zu überzeugen. Sind die Kostüme von Yehor und Olena in schwarz gehalten, wird es gleich darauf wieder hell. Denn das Ballett tanzt in weißen Kleidern und bei Andrej Fjodorovs ist sowieso alles weiß. Sein Kostüm ebenso wie das Gefieder seiner Tauben und das Fell seiner Hunde. Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie er Tauben dazu bringt, auf Kommando durchaus anspruchsvolle Tricks zu zeigen. Während in einer klassischen Taubenrevue die Tiere etwa auf ein Karussell oder eine Wippe gesetzt werden, präsentiert Fjodorovs eine Dressurvorführung im wahrsten Sinne des Wortes. Diese bekommt durch die Integration der Hunde zusätzliche Reize. Wenn am Ende unzählige weiße Tauben auf ihn zufliegen, ergibt sich ein herrliches Bild. Der Paradeauftritt von Andrey Jigalov ist das verhinderte Konzert mit Wassereinsatz. Oleg Ponukaling Suvoroff will im edlen Zwirn auf der Melodika konzertieren, Jigalov versucht das zu unterbinden, in dem er ihm immer wieder Wasser in den Zylinder gießt. Doch wenn sich der große Musiker diesen auf den Kopf setzt, bleibt er trocken. Aber Jigalov findet Mittel und Wege, dass nicht nur er selbst, sondern auch sein Gegenspieler nass wird. War hier schon ein wenig Magie im Spiel, sorgen Vincent Vignaud und seine Girls für die großen Illusionen. Zuletzt ist es ein imposanter Skorpion aus Stahl mit großem Sägeblatt, der für Aufsehen sorgt. Die spitzen Zähne der Säge zerteilen den in der Mitte fixierten Magiers vermeintlich. Doch wenige Augenblicke später steht dieser quicklebendig im Zuschauerraum. Das Verschwinden und Erscheinen an unerwarteten Orten kennzeichnet seine weiteren verblüffenden Tricks ebenso wie das Durchbohren von Assistentinnen.


Shooting Stars, Pavel Roujilo

Der mit den Füßen ausgelöste Schuss mit Pfeil und Bogen krönt inzwischen etliche Solo-Darbietungen des Genres Kontorsion. Im Kölner Weihnachtscircus haben ihn gleich sieben Artistinnen zum zentralen Element ihrer Nummer gemacht. Folgerichtig nennt sich die Formation aus der Mongolei „Shooting Stars“. Mehrfach schießen sie von einem Gestell aus synchron auf Luftballons. Zusätzlich bezaubern uns die jungen Frauen mit ihrer Kunst als Schlangenfrauen und kreieren so wunderschöne lebende Kunstwerke. Nach der folgenden Pause werden wir von sechs großen roten Blumen begrüßt. Verkörpert werden sie von den Tänzerinnen, die so die Einleitung für die Jonglagen von Pavel Roujilo gestalten. Dabei konzentriert er sich auf weiße Bälle als Requisiten. Immer mehr davon werden Teil seines Auftritts. Es ist ein einziger Rausch, in den sich Roujilo spielt und seine Bälle in immer wieder anderer Anzahl sowie auf immer wieder neuen Bahnen durch die Luft fliegen lässt. Das Zuschauen bei diesem einzigartigen Jongleur ist stets ein Genuss. Zumindest für mich neu ist der Auftritt von Andrey Jigalov und Partner als Cowboy und Indianer zu Pferd. Letzteres natürlich aus Stoff. Dabei sorgt das Duo für ordentlich Spaß. Für Nervenkitzel hingegen sorgt das Duo Parshin. Mit ihrer Darbietung an der Luftperche haben sich Oleksandr Parshyn und Hanna Levchenko eine Disziplin ausgesucht, die derzeit selten von einem Duo ausgeübt wird. Für die Tricks hängt Oleksandr mit den Füßen an der Stange, während er Hanna durch die Luft wirft oder sie an einer Leine herumwirbelt, an der sich beide nur mit den Zähnen festhalten.


Duo Kvas, Nanjing Lasso Acrobatic Troupe

Schon in vielen namhaften Manegen zu Gast war das Duo Kvas. Nach einem weiteren Auftritt von Andrey Jigalov und Oleg Ponukaling Suvoroff erleben wir sie mit ihrer elegant dargebotenen Partner-Equilibristik. Hand- auf-Hand, Hand-auf-Kopf und Kopf-auf-Kopf, es ist alles dabei. Anspruchsvolle Figuren sehen hier so traumhaft einfach aus. Wie viel Kraft und Körperbeherrschung dahintersteckt, kann man als Zuschauer nur erahnen. Mit einer grandiosen, innovativen Nummer endet die Show. Die Nanjing Lasso Acrobatic Troupe arbeitet, der Name verrät es, mit Lassos. Der Clou aber ist, dass sie es nicht bei den bekannten Tricks belassen. Die neun chinesischen Akrobaten integrieren Elemente aus den Ikarischen Spielen sowie solche, die wir von Reifenspringern kennen. Sie jonglieren sich gegenseitig mit den Füßen und springen bei ihren Salti durch sich drehende Lassos. Solche, die die Flieger selbst halten und solche, die von Partnern gehalten werden. Wenn Lassos in großer Höhe rotieren, springen sie hindurch. Eine faszinierende Vorführung, die dieses Programm wahrlich krönt. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Ballett leitet zum ausführlichen Finale über, in dem sich alle Mitwirkenden verabschieden und vom Publikum frenetisch gefeiert werden. Yehor und Olena geben mit einer kurzen Partnerakrobatik eine Zugabe.

Diese 8. Produktion des Kölner Weihnachtscircus ist ungeheuer dicht, läuft sehr flott ab. Die Musik ist oftmals recht rockig und mitreißend. Langeweile gibt es hier nicht. Hinzu kommen die sorgfältig ausgewählten Artisten, ein schönes Lichtdesign und das wunderbare Ambiente. So macht Circus einfach allergrößten Spaß.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch