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Schon das Vorzelt
ist aufwendig gestaltet. Es gibt Loungebereiche, Stehtische und
Sitzmöglichkeiten an Tischen. Alles ist glanzvoll weihnachtlich
dekoriert. Die Restauration erfüllt vielfältige kulinarische
Wünsche. Nervig ist einzig das Bezahlsystem, für das man an
einem gesonderten Stand Wertmünzen erwerben muss. Für das
Programmheft etwa ist unter anderem eine halbe dieser Münzen
notwendig. Halbe Münzen werden aber nicht verkauft, nur als
„Restgeld“ ausgegeben, das dann hinterher wieder zurückgetauscht
werden muss.

Chapiteau
des Kölner Weihnachtscircus
Aber letztendlich
ist das nur eine Randnotiz eines ansonsten begeisternden
Circusbesuchs. Das ehemals von Salto Natale genutzte Chapiteau
stellt eine traumhafte Spielstätte dar. Die Sicht ist von der
ersten bis zur letzten Reihe – hier gibt es Balkonlogen – sehr
gut. Zum Einlass ist ein großer, prächtig geschmückter und
illuminierter Weihnachtsbaum in der Mitte der Rundbühne
aufgestellt. Der Artisteneingang besteht aus einem roten Vorhang
und ist leicht zurückgesetzt.
  
Markus
Köllner, Aleksandr Batuev, Melanie Chy
Bevor es richtig
losgeht, sehen wir erstmal das prominenteste Gesicht der Show.
Andrey Jigalov erzählt von seinem Wunsch, als Clown aufzutreten.
Dies allerdings noch als Bauchrednerpuppe, die von seinem
Partner Oleg Ponukaling Suvoroff gespielt wird. Markus Köllner
übernimmt die Begrüßung, der Weihnachtsbaum wird herausgebracht
und dann geht es Schlag auf Schlag. Das sechsköpfige, rein
weibliche Ballett tanzt wunderbar in edlen Kostümen, das gesamte
Ensemble heißt das Publikum willkommen und während die
Tänzerinnen die Bühne verlassen, kommt ihnen schon Aleksandr
Batuev entgegen, seine Metallkiste in den Händen. In diese
zwängt sich der smarte Klischnigger im Businesslook am Ende des
Auftritts. Zuvor verbiegt er seinen schlanken Körper in die
unglaublichsten Positionen. Dazu gibt es ein cooles Spiel mit
dem Publikum. Mehrere Versuche benötigt Andrey Jigalov, um mit
seinem Smartphone ein Selfie zu machen, das ihn zufriedenstellt.
Gleichzeitig eine gute Gelegenheit für den ersten Kontakt mit
dem Publikum und ein kleines Warm up. Rockig gibt sich Melanie
Chy. Im schicken Bikeroutfit kommt sie auf einem schweren
Motorrad hereingefahren. Die Maschine dient ihr als Requisit für
starke Handstandakrobatik. Aus dem Rahmen des Bikes zieht sie
zwei Handstäbe heraus, auf der die Rockerlady kraftvolle Ein-
und Zweiarmer in unterschiedlichen Varianten arbeitet. Auch hier
überzeugt die Interaktion mit dem Publikum.
  
Duo Yehor
und Olena, Andrey Jigalov, Vincent Vignaud
Träumen dürfen wir
sodann mit dem Duo Yehor und Olena. Sie lenken die Blicke mit
einer wundervollen Kür an den Strapaten unter die Kuppel. Ihr
gegenseitiges Umwerben lässt fasst vergessen, wie riskant ihre
Arbeit in luftiger Höhe ist. Insbesondere die Haltefiguren
wissen zu überzeugen. Sind die Kostüme von Yehor und Olena in
schwarz gehalten, wird es gleich darauf wieder hell. Denn das
Ballett tanzt in weißen Kleidern und bei Andrej Fjodorovs ist
sowieso alles weiß. Sein Kostüm ebenso wie das Gefieder seiner
Tauben und das Fell seiner Hunde. Es ist immer wieder
faszinierend zu sehen, wie er Tauben dazu bringt, auf Kommando
durchaus anspruchsvolle Tricks zu zeigen. Während in einer
klassischen Taubenrevue die Tiere etwa auf ein Karussell oder
eine Wippe gesetzt werden, präsentiert Fjodorovs eine
Dressurvorführung im wahrsten Sinne des Wortes. Diese bekommt
durch die Integration der Hunde zusätzliche Reize. Wenn am Ende
unzählige weiße Tauben auf ihn zufliegen, ergibt sich ein
herrliches Bild. Der Paradeauftritt von Andrey Jigalov ist das
verhinderte Konzert mit Wassereinsatz. Oleg Ponukaling Suvoroff
will im edlen Zwirn auf der Melodika konzertieren, Jigalov
versucht das zu unterbinden, in dem er ihm immer wieder Wasser
in den Zylinder gießt. Doch wenn sich der große Musiker diesen
auf den Kopf setzt, bleibt er trocken. Aber Jigalov findet
Mittel und Wege, dass nicht nur er selbst, sondern auch sein
Gegenspieler nass wird. War hier schon ein wenig Magie im Spiel,
sorgen Vincent Vignaud und seine Girls für die großen
Illusionen. Zuletzt ist es ein imposanter Skorpion aus Stahl mit
großem Sägeblatt, der für Aufsehen sorgt. Die spitzen Zähne der
Säge zerteilen den in der Mitte fixierten Magiers vermeintlich.
Doch wenige Augenblicke später steht dieser quicklebendig im
Zuschauerraum. Das Verschwinden und Erscheinen an unerwarteten
Orten kennzeichnet seine weiteren verblüffenden Tricks ebenso
wie das Durchbohren von Assistentinnen.
 
Shooting
Stars, Pavel Roujilo
Der mit den Füßen
ausgelöste Schuss mit Pfeil und Bogen krönt inzwischen etliche
Solo-Darbietungen des Genres Kontorsion. Im Kölner
Weihnachtscircus haben ihn gleich sieben Artistinnen zum
zentralen Element ihrer Nummer gemacht. Folgerichtig nennt sich
die Formation aus der Mongolei „Shooting Stars“. Mehrfach
schießen sie von einem Gestell aus synchron auf Luftballons.
Zusätzlich bezaubern uns die jungen Frauen mit ihrer Kunst als
Schlangenfrauen und kreieren so wunderschöne lebende Kunstwerke.
Nach der folgenden Pause werden wir von sechs großen roten
Blumen begrüßt. Verkörpert werden sie von den Tänzerinnen, die
so die Einleitung für die Jonglagen von Pavel Roujilo gestalten.
Dabei konzentriert er sich auf weiße Bälle als Requisiten. Immer
mehr davon werden Teil seines Auftritts. Es ist ein einziger
Rausch, in den sich Roujilo spielt und seine Bälle in immer
wieder anderer Anzahl sowie auf immer wieder neuen Bahnen durch
die Luft fliegen lässt. Das Zuschauen bei diesem einzigartigen
Jongleur ist stets ein Genuss. Zumindest für mich neu ist der
Auftritt von Andrey Jigalov und Partner als Cowboy und Indianer
zu Pferd. Letzteres natürlich aus Stoff. Dabei sorgt das Duo für
ordentlich Spaß. Für Nervenkitzel hingegen sorgt das Duo Parshin.
Mit ihrer Darbietung an der Luftperche haben sich Oleksandr
Parshyn und Hanna Levchenko eine Disziplin ausgesucht, die
derzeit selten von einem Duo ausgeübt wird. Für die Tricks hängt
Oleksandr mit den Füßen an der Stange, während er Hanna durch
die Luft wirft oder sie an einer Leine herumwirbelt, an der sich
beide nur mit den Zähnen festhalten.
 
Duo Kvas,
Nanjing Lasso Acrobatic Troupe
Schon in vielen
namhaften Manegen zu Gast war das Duo Kvas. Nach einem weiteren
Auftritt von Andrey Jigalov und Oleg Ponukaling Suvoroff erleben
wir sie mit ihrer elegant dargebotenen Partner-Equilibristik.
Hand- auf-Hand, Hand-auf-Kopf und Kopf-auf-Kopf, es ist alles
dabei. Anspruchsvolle Figuren sehen hier so traumhaft einfach
aus. Wie viel Kraft und Körperbeherrschung dahintersteckt, kann
man als Zuschauer nur erahnen. Mit einer grandiosen, innovativen
Nummer endet die Show. Die Nanjing Lasso Acrobatic Troupe
arbeitet, der Name verrät es, mit Lassos. Der Clou aber ist,
dass sie es nicht bei den bekannten Tricks belassen. Die neun
chinesischen Akrobaten integrieren Elemente aus den Ikarischen
Spielen sowie solche, die wir von Reifenspringern kennen. Sie
jonglieren sich gegenseitig mit den Füßen und springen bei ihren
Salti durch sich drehende Lassos. Solche, die die Flieger selbst
halten und solche, die von Partnern gehalten werden. Wenn Lassos
in großer Höhe rotieren, springen sie hindurch. Eine
faszinierende Vorführung, die dieses Programm wahrlich krönt.
Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Ballett leitet
zum ausführlichen Finale über, in dem sich alle Mitwirkenden
verabschieden und vom Publikum frenetisch gefeiert werden. Yehor
und Olena geben mit einer kurzen Partnerakrobatik eine Zugabe. |