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Es ist schon ein Kunststück,
in einer Kurstadt mit nur 25.000 Einwohnern im am dünnsten
besiedelten Landkreis Baden-Württembergs eine solch hochwertige
Produktion in kurzer Zeit erfolgreich zu etablieren. Schließlich
besuchen inzwischen jährlich mehr Menschen den Main-Tauber
Weihnachtscircus als Bad Mergentheim Einwohner zählt. Hier hat
Rudi Bauer mit seinem Team viele Weichen richtig gestellt, zudem
hat der Standort bei genauerem Hinsehen einige Vorteile: Die Stadt
gilt seit langem als zirkusbegeistert, auch das Konzept
Weihnachtscircus war in der Region bereits bekannt und beliebt.
In einem wohl bundesweit einmaligen Ausmaß wird das Projekt
Weihnachtscircus von der Stadtverwaltung mitgetragen und
unterstützt.

Dolly Power Dancers
Zudem kann sich Rudi Bauer auf
ein engagiertes und erfahrenes Team verlassen. Stützen des
Unternehmens sind Joey Nix (Kreativdirektor), Tim Thomsen
(Produktionsbüro), Sven Plewa (Kassenleitung), Timo Schwarzmeier
(gastronomische Leitung), Daniel Renz junior (technische
Leitung), Ricardo Frank (Außenwerbung) und neu in dieser Saison
Barbara Rott (Medien und Marketing). Gespielt wird wiederum im
weiß-gelben 42-Meter-Chapiteau des ehemaligen Circus Universal
Renz mit passendem, festlich dekoriertem Vorzelt.
  
Erik Niemen, Liudmyla Ryhzkova,
BMX Riders
Clown Jimmy Folco wärmt das
Publikum zunächst mit einem Klatschspiel auf, ehe das große
Opening mit den sechs Dolly Power Dancers aus dem Circus Louis
Knie folgt. Die hübschen jungen Frauen in ihren schmucken,
weiß-roten Kostümen kombinieren ihre modernen Dancemoves mit
kleinen artistischen Kostproben, dies mit Hula-Hoop-Reifen und
Luftakrobatik im Netz. Parallelen zur Truppe Bingo sind nicht zu
übersehen. Nach der Begrüßung durch den gewohnt charmanten und
eloquenten Sprechstallmeister David Paschke, der zum zweiten Mal
gewonnen werden konnte, gehört die Manege Erik Niemen. Auf dem
Drahtseil springt er über einen Säbel sowie durch
einen Reifen. Auf Pirouetten folgt der Sprung über eine
Barriere. Dieser wird zunächst mit einem effektvollen
Scheinsturz verkauft, um dann die Barriere noch höher halten zu
lassen, bis auf Brusthöhe des Artisten. Mit einem gewaltigen
Satz wird diese überquert. Auch der Rückwärtssalto
gelingt dem jungen Italiener sicher. Schon oft haben wir Jimmy Folcos Wasserspucken mit einem Kind aus dem Publikum gesehen,
doch noch nie haben wir es erlebt, dass ein Junge tatsächlich
wie befohlen den wassergefüllten Mund in Richtung eines
erwachsenen Logengastes entleert. Da ist selbst Jimmy Folco
überrascht. Liudmyla Ryhzkova ist mit ihren langen, gelockten
Haaren und ihrem mit glitzernden Pailletten besetzten Kostüm
eine äußerst ansprechende Erscheinung. Mit strahlendem Lächeln
arbeitet sie an den Tüchern. In großer Höhe beweist sie Kraft,
Eleganz und Beweglichkeit. Auf Posen, Abfaller und Spagat folgen
rasante Wirbel und mutiges Abwickeln bis knapp über den Boden.
Mit rockigen Moves stimmen die Dolly Power Dancers auf den
Tribünentreppen auf den folgenden Act ein, die BMX Riders. Frei
nach dem Motto „Ewig junger Circus“ strampeln die drei coolen
Jungs eine Art Schanze hinauf und landen nach diversen Sprüngen
– von Pirouetten bis hin zum Rückwärtsalto auf dem Rad – auf
einer schrägen Rampe, die wieder zum Manegenboden hinunterführt.
Links befindet sich ein hohes Postament und darauf ein noch
höher angebrachtes, schmales Brett. Zu diesen Stationen wird
hinauf und wieder in die Manege hinunter gesprungen. Zudem
werden die auf der Schanze oder auf dem Boden liegenden Partner
mit dem BMX-Rad übersprungen.
 
Flying Comets, Danny
Lauenburger
Für Entspannung sorgt Jimmy Folco
als „verrückter Koch“, der mit Pizzen jongliert und ein Ei auf
seinem Kopf zerschellen lässt, welches er eigentlich mit der
Kochmütze fangen wollte. Wunderbar emotionale Bilder schafft
Alessio Fochesato, der seine farbenprächtigen Papageien durch
von kleinen Besuchern gehaltene Reifen fliegen, sie auf
Kinderhänden landen oder frei über den Köpfen der Zuschauer
kreisen lässt. Das Engagement von Jimmy Folco bietet David
Paschke die Gelegenheit, auch seine komische Seite zu zeigen. In
einer ersten gemeinsamen Reprise begeben sich beide in einen
Disput über Luftballons, der für den eleganten
Sprechstallmeister damit endet, dass ein wassergefüllter Ballon
über seinem Kopf platzt. Sängerin Lili Konyot wagt sich beim
Netzaufbau an das anspruchsvolle „This is me“ aus dem
Greatest-Showman-Soundtrack, dies inmitten der tanzenden Dolly
Power Dancers. Die eingespielte Musik wird in dieser Saison
erstmals von Manfred Huber am Schlagzeug live akzentuiert. Wie
schon im Vorjahr präsentiert der Main-Tauber Weihnachtscircus
ein Flugtrapez als Pausennummer, nun allerdings in größerer
Formation mit drei Fliegerinnen, einem Flieger und einem Fänger.
Ein Eineinhalbfacher (an den Beinen gefangen), der Doppelsalto
gestreckt und der Dreifache sind wesentliche Bestandteile des
Repertoires der „Flying Comets“, nicht jedoch die Passage. Nach
der Pause ist der Zentralkäfig samt Postamenten bereits
aufgebaut. Durch einen Tunnel betreten acht kleine „Löwen“ mit
Mähnen den Käfig. Unter der Anleitung ihres äußerst
sympathischen Trainers Danny Lauenburger beweisen sie ihre
Platzsicherheit, werden mit zwei langen Stäben dirigiert und
stets auf Distanz gehalten, so wie es bei gefährlichen "Big Cats" üblich ist. Wir dürfen alles erleben, was wir in einer
großen Raubtiernummer erwarten: Hochsitzer, Reifensprünge,
gegenseitiges Überspringen, „Löwenbar“, Rollover und anderes
mehr. Nur handelt es sich bei den Tieren nicht um echte
Raubkatzen, sondern um Chow-Chow-Hunde! Eine wunderbare, mit
viel Liebe zum Detail umgesetzte Hommage ans Thema
Raubtierdressur, das leider weitgehend aus den Manegen
verschwunden ist. Hier bekommen wir en miniature die Bilder
geschenkt, die wir so gerne wieder mit großen Katzen sehen
würden.
 
Liudmyla Ryhzkova, David
Paschke und Jimmy Folco
Während des Käfigabbaus
demonstriert Alessio im Dialog mit David Paschke das
erstaunliche Sprachtalent von Gelbbauchamazone Tortuga. Der
Papagei kann Tiergeräusche und Instrumente imitieren, zum
Geburtstag gratulieren und sich vom Publikum verabschieden,
natürlich auf Italienisch. In der Zwischenzeit wurde die Waterbowl aufgebaut. Liudmyla Ryhzkova springt immer wieder ins
Nass des Plexiglasbeckens, taucht unter und wieder auf, lässt
Wassertropfen sprühen. Zwischen den Passagen im Becken arbeitet
sie ihre Luftakrobatik am Ring über dem Wasser. „Halb Mensch,
halb Fisch“, wird sie von Jimmy Folco auf amüsante Weise
beschrieben. Der Clown und David Paschke liefern sich nun ein
Zeitlupen-Duell mit Messer und Pistole, dem letztendlich beide
zum Opfer fallen, dies natürlich nur zum Schein.
  
Danny Luftmann, Duo
Dominguez, Truppe Diorio
Ein überaus selten gezeigtes und
damit spannendes Genre bringt Danny Luftman in die Manege. Der
Portugiese mit Soleil-Erfahrung lässt im Superhelden-Outfit bis
zu fünf Bumerangs durchs Chapiteau fliegen und fängt diese
wieder auf. Der Applaus ist riesig. Über eine tolle
Neuentdeckung dürfen wir uns beim Auftritt des Duo Dominguez aus
Kuba freuen. Wie König und Königin erscheinen Abel Dominguez und
seine Partnerin Yanet González Correa in ihren aufwendigen
Kostümen. Mal schwebt er im Zahnhang und hält eine Handschlaufe,
an der sie sich wiederum im Zahnhang hält. Mal kreist sie
kopfüber an Strapaten, während weitere Bänder an ihrem Zopf
befestigt sind – an diesem wiederum rotiert er durch die Luft.
Dann wagt sie den Zopfhang, während er sich im Zahnhang an einer
Schlaufe um ihr rechtes Fußgelenk hält. Zum Ende der Darbietung
trägt er die im Zopfhang fliegende Partnerin nur mit der Kraft
seines Gebisses. Der zweite Teil der Nummer wird von Lili Konyot
gesanglich begleitet. Drei Herren aus dem Publikum dürfen in Jimmy Folcos Filmszene mitwirken, seine Ehefrau Claudia gibt herrlich
überzeugend die total introvertierte Zuschauerin, der in diesem
Entree einiges zugemutet wird. Ein großer Spaß. Stets seine
Wirkung beim breiten Publikum erzielt das Genre Motorradkugel.
Vier Fahrer aus dem Hause Daniel Diorio, davon eine Frau, rasen
hier durch das Requisit. Dabei öffnen sich die beiden
Kugelhäften; im Anschluss folgen noch rasante Touren auf sich
kreuzenden Bahnen, die Maschinen dabei im abgedunkelten Zelt
LED-beleuchtet. |