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Mannheimer Weihnachtscircus 2023/24
www.mannheimer-weihnachtscircus.de ; 116 Showfotos

Mannheim, 29. Dezember 2023: Nach Hannover, Aachen und Regensburg hat nun auch Mannheim einen Weihnachtscircus aus der Produktion von Thomas Schütte. Dies in Kooperation mit der in der Stadt an Rhein und Neckar etablierten Dinnershow „Palazzo“. Auf dem Neuen Messplatz stehen schicke rote Zeltanlagen mit gelben Ornamenten. Das Vorzelt ist festlich dekoriert, die Restauration bietet durchaus kreative, hochwertige Speisen. So wird die Bratwurst hier auch in der Wildvariante oder weihnachtlich gewürzt serviert. Zusammen mit Sauer- oder Rotkraut im Brötchen. Im Chapiteau findet sich neben den Logen ein Gradin mit roten Klappsitzen. Eine Piste gibt es nicht, die Logenkästen bilden die Begrenzung der runden Spielfläche.

Integriert in den roten Artisteneingang ist das Logo der Produktion, welches im gleichen Stil wie das der anderen Standorte gehalten ist. Davor stehen zwei große, geschmückte und beleuchtete Weihnachtsbäume.


Zeltanlagen auf dem Neuen Messplatz in Mannheim

Die Show folgt ebenfalls dem bekannten und offensichtlich erfolgreichen Muster. Zu hochwertigen Darbietungen aus den Bereichen Artistik und Clownerie kommen eine Sängerin sowie ein Ballett. Tierdressuren sind zur Premiere in Mannheim nicht dabei, aber auch diese gab und gibt es in den von Thomas Schütte verantworteten Programmen schon. Das Lichtdesign ist wunderbar. Nicht so recht in diesen Rahmen passen mag der DJ, der neben einem der Weihnachtsbäume sitzt. Der in schwarz gekleidete Herr mit Nikolausmütze auf dem Kopf übernimmt auch die wenigen Ansagen.


Chistirrin, Luna Girls, Balkanski Familie

Wie beim Weihnachtscircus in Hannover gibt es einen Wettbewerb um die besten Darbietungen. Als Jury fungiert das Publikum. Die Zuschauer erhalten einen Stimmzettel, mit dem sie ihren Favoriten wählen können. In der Gunst der Mannheimer ganz oben steht Chistirrin. Der Clown aus Mexiko erobert die Herzen des Publikums im Sturm und sichert sich den ersten Platz. Chistirrin macht seine fröhlichen Späße, jongliert und musiziert. Auch sein, je nach Sichtweise, Mit- oder Gegenspieler kann den quirligen Comedian nicht stoppen. Einen Gegenpol dazu bildet die ruhige Akrobatik am Luftring der Luna Girls, die auf Rang zwei landet. Marina und Marika arbeiten wunderschöne Haltefiguren über der Manege. Alles sieht so traumhaft einfach aus und erfordert doch viel Kraft und eine gewisse Risikobereitschaft. Bronze geht an die Balkanski Familie. Dabei handelt es sich um die Kinder von Nikolai Balkanski, der vor vielen Jahren beim Circus Krone im Todesrad sowie in der großen Schleuderbrett-Truppe zu erleben war. Zwei Mädchen und ein Junge zeigen auf einer runden Plattform rasante Rollschuhartistik. Leistung und Präsentation sind in der Tat bereits beeindruckend, dennoch kommt der Auftritt in diesem großen Rahmen aus meiner Sicht etwas zu früh. Die Akteure wirken noch sehr jung. Durch das geringe Körpergewicht der jüngeren Schwester wirken einige der Tricks zudem vergleichsweise „leicht“.


Urban Lights, Anton Monastyrsky, Gerlings

Breakdance, Akrobatik und eine Lichtshow kombiniert die Formation Urban Lights zu einer mitreißenden Show. Das Quintett zeigt Sprünge über mehrere am Boden kniende Zuschauer, ein Mitglied rotiert im Kopfstand um die eigene Achse. Danach sorgen die Akteure im Dunkeln mit LED-besetzten Kostümen für ganz besondere Effekte. Einer der wenigen männlichen Vertreter des Genres Hula Hoop ist Anton Monasytrsky. Nicht nur das, denn er gewinnt dieser Disziplin zudem neue Seiten ab. In seine Kür voller Dynamik integriert er unter anderem einen Handstand. Ursprünglich an zwei Todesrädern auftreten sollte eine Formation der Gerlings. So erleben wir auch vier Artisten, von denen aber nur zwei auf dem nun einzelnen Todesrad arbeiten. Hohe Sprünge und der Lauf mit verbundenen Augen gehören zu ihrem Repertoire. Die anderen beiden Akteure bleiben am Boden.


Mario Berousek, Mongolian Fantasy, Liina Aunola

Mit Mario Berousek wurde einer der ganzen großen Namen für die Premiere in Mannheim verpflichtet. Seine Jonglagen mit silbernen Keulen sind legendär. Kaum folgen kann das menschliche Auge, wenn er zum Schluss drei davon in Höchstgeschwindigkeit rotieren lässt. Deutlich ruhiger sind die Bewegungen bei den vier Kontorsionistinnen von Mongolian Fantasy. Sie erschaffen wunderbare Bilder und lassen vergessen, dass sie mit einer Wirbelsäule ausgestattet sind. Seine extremen Verbiegungen serviert das Quartett stets mit einem Lächeln. Martti Peltonen und Liina Aunola waren zusätzlich mit ihrer gemeinsamen Kunstschützen-Darbietung an der Armbrust vorgesehen. Letztendlich zu sehen gibt es dann aber nur die Luftnummer im Solo von Liina Aunola. Diese beginnt und beendet sie am Vertikalseil, dazwischen arbeitet sie am Schwungseil. Im Repertoire hat sie unter anderem den beherzten Sprung vom Schwung- zum Vertikalseil. Hinzu kommen starke Tricks am jeweiligen Requisit.


Yahav Adar, Gerlings, Lara Wolf

Mit dem Roue Cyr dreht Yahav Adar ihre kunstvollen Runden über den Manegenteppich. Wo unsereins schnell einen Drehwurm bekommen würde, beweist die Artistin eine bewundernswerte Körperbeherrschung. In immer wieder neuen Variationen bewegt sich Yahav Adar mit ihrem Rad fort und lässt den unteren Teil ihres roten Kleids fliegen. Mit einer Pyramide zu sieben Personen auf dem Hochseil sorgen die Gerlings vor dem Finale für den ganz großen Nervenkitzel. Auch davor dürfen die Zuschauer mitfiebern. Etwa beim doppelten Zwei-Personen-Hoch oder beim Überspringen von zwei auf dem Seil sitzenden Partnern. Komplettiert wird die Show durch sechs Tänzerinnen und Sängerin Lara Wolf. Das Ballett ist immer wieder in wunderschönen Choreographien und ebensolchen Kostümen präsent. Da werden die Zwischenspiele zu eigenständigen Darbietungen. Lara Wolf überzeugt sowohl mit ihrer großartigen Stimme als auch mit ihrer sympathischen Präsenz. Egal ob Pop- oder Weihnachtssong, Lara Wolf hat stets eine passende Interpretation parat. Ausgiebig zelebriert, ja gefeiert wird das Finale. Es gibt mehrere Zugaben, bei denen das Ensemble etwa eine Runde zwischen Gradin und Logen dreht.

Frenetischer Applaus im bestens gefüllten Chapiteau zeugt von einem rundum begeisterten Publikum. Das in anderen Städten bewährte Konzept scheint auch bei den Mannheimern anzukommen. Der Veranstalter spricht nach der Spielzeit von rund 30.000 Gästen und vielen ausverkauften Vorstellungen. Die zweite Auflage für den kommenden Winter ist bereits kommuniziert. Somit hat die Quadratestadt gute Chancen, endlich einen dauerhaften Weihnachtscircus zu bekommen.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch