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Remscheider Weihnachtscircus 2023/24
https://weihnachtscircus-remscheid.de ; 177 Showfotos

Remscheid, 29. Dezember 2023: Your Disco needs you! In der ersten Programmhälfte des Remscheider Weihnachtscircus verwandelt sich das Chapiteau in einen Danceclub mit stampfenden, lauten Beats. Doch ab der Pausennummer erleben wir ein auch musikalisch abwechslungsreiches Programm, das in einer regelrechten Schlussoffensive gipfelt. Dazu zählen die Partnerakrobatik von Korotin und Makiyev, die Truppe Hassak an den Masten und das großartige Duo “Moment of Love” an den Strapaten. Wunderschön der live gesungene Schlusssong "Danke für diese Zeit”. Der Remscheider Weihnachtscircus wird, wie seine Pendants in Düsseldorf, Wuppertal und Mönchengladbach, von der Winterzauber Event UG von Stefan Ballack und Thomas Merz veranstaltet.

Auf dem Remscheider Schützenplatz setzen die beiden umtriebigen Circusmacher ein rot-weißes Chapiteau der Familie Scholl mit passendem Vorzelt ein. Im Inneren des Spielzeltes erwarten uns ein Schalensitzgradin, Logen mit Polsterstühlen und eine Rundbühne anstelle der klassischen Manege mit Sägemehl. Das ist auch nachvollziehbar bei einem Programm mit Artistik und Clownerie ohne Tiere. Als gewisser Nachteil erweist sich das Krachen, das gerade bei Truppen-Aktionen auf dem Holzboden entsteht.


Truppe Inspire

Im Opening wird kurz “Last Christmas” angespielt, dann aber zugunsten moderner Sounds gleich wieder abgebrochen. Weihnachtsstimmung also fehl am Platz? Eine etwas kuriose Botschaft für einen Weihnachtscircus. Definitiv nicht weihnachtlich, sondern jugendlich im Steampunk-Style fällt der akrobatische Tanz der Jungs und Mädels der Truppe Inspire aus, der gleich für ein großes Bild am Beginn des Programms sorgt.


Anna Demeter, David Hammarberg, Florian Alexander Kurz

Die junge Ungarin Anna Demeter überzeugt bei ihrem Auftritt am Schwungseil, beispielsweise mit dem Genickhang, dem Rutschen in den Fershang und wagemutigen Pirouetten in Abfaller hinein. Im zweiten Teil ihrer Darbietung verwandelt sich das Schwung- in ein Vertikalseil. David Hammarberg kombiniert iEquilibristik auf Handstäben und eine klassische Stuhlpyramide mit fünf Stühlen. Sicher und mit gewinnendem Lächeln führt er die Tricks aus. “Shut up and dance with me” wurde ihm von Regisseur Simon Preißing als neue Musik zugewiesen, dies live gesungen von dem wirklich stimmstarken, aber noch etwas zurückhaltenden lokalen Nachwuchssänger Florian Alexander Kurz.


Poroto und Nicole, Truppe Inspire, Huan Vargas

Einen guten Griff hat die Direktion mit Clown Poroto und Partnerin Nicole gemacht, der wiederholt in Remscheid engagiert ist. Sein Streetstyle-Outfit mit blauer Jeans mit bunten Flicken, rotem Hoodie, Mütze und Kopfhörern gibt ihm einen modernen Touch. Zugleich sind es eher klassische Szenen, die der freundliche und sympathische junge Mann spielt. Er hat uns bereits zum Programmbeginn empfangen. Nun erweckt er eine Ballerina, seine Partnerin Nicole, zum Leben, indem er sie aufzieht wie eine Spieluhr. Nochmal kommt die Truppe Inspire mit insgesamt zehn Personen zum Einsatz. Wiederum werden Tanz und Akrobatik miteinander kombiniert, nun aber mit verschiedenen Haltepositionen an einem würfelförmigen Metallgestell, das an ein Quadratreck erinnert. Klassisch mit Bällen, Ringen und Keulen jongliert der junge Artist Huan Vargas, leider zeitweise begleitet von lauten, stampfenden Beats. Am Ende balanciert er eine Perchestange auf seiner Stirn, an der drei Fangnetze, einen Becher und ganz oben eine Teekanne befestigt sind. In alle fünf Ziele platziert er präzise nach oben geworfene Bälle.


Poroto, Georgina Szotko, Truppe Hassak

Eine einzige Szene von Poroto erscheint uns grenzwertig, nämlich dann, wenn ein Zuschauer ein Huhn mimen muss und dadurch unangenehm vorgeführt wird. Da sehen wir doch lieber, wie Poroto ein Glockenspiel aus Gummihühnern bedient. Das früher weit verbreitete Vertikalseil hat mittlerweile Seltenheitswert gewonnen, doch Georgina Szotko beherrscht dieses traditionelle Genre der Luftartistik bravourös. Bei ihren Ver- und Entwicklungen wird sie von Florian Alexander Kurz mit einem gefühlvoll gesungenen Rocksong begleitet. Eine echte Rarität ist die Pausennummer, die von der kasachischen Truppe Hassak vorgestellt wird. Sie setzen ein Requisit ein, das aus zwei Leitern besteht, verbunden durch eine Plattform in der Mitte. Auf der einen Seite geht es hinauf, auf der anderen hinunter. Dies natürlich nicht “einfach so”, sondern mit allen möglichen “Handicaps”. So werden Partnerin oder Partner über die Leiter getragen, während diese im Handstand, im Einarmer oder Kopf-auf-Kopf auf dem Untermann balancieren. Auch wird auf dem Kopf ein zusätzliches Zwei-Mann-Hoch getragen, oder eine Stirnperche, auf der wiederum zwei weitere Akteure Platz finden. Eine wirklich starke Leistung.


Anastasia Rogall, David Hammarberg, Roberto Vargas

Nicht zum ersten Mal ist Anastasia Rogall in den Programmen des Remscheider Weihnachtscircus vertreten. In diesem Winter eröffnet sie den zweiten Programmteil mit ihrer Akrobatik auf einem kreisenden Metallwürfel. Zu ruhiger Musik werden verschiedenste Figuren zelebriert. Nochmals erleben wir die Truppe Inspire, nunmehr im Swing-Rhythmus. Die Damen tragen gepunktete Petticoats, die Herren karierte Anzüge, und dazu wird fröhlich getanzt, dies in Kombination mit akrobatischen Sprüngen. Und auch an der Kunst von David Hammarberg dürfen wir uns nochmal erfreuen, nunmehr mit eleganter Akrobatik an weißen Tuchstrapaten. Auf den Spagat in luftiger Höhe folgt ein Abfaller, dies gesanglich live begleitet mit einem deutschen Popsong. Jugendliches Temperament beweist Roberto Vargas bei seinen Balancen auf der Rola Rola. Seine Tricks auf beispielsweise fünf aufeinander gestapelten Bänken über dem Rollbrett oder auf einer waghalsigen Konstruktion aus zwei liegenden und fünf stehenden Zylindern sind Klassiker des Genres und beeindrucken doch immer wieder.


Maxim Korotin und Nickolay Makiyev, Truppe Hassak, Duo "Moment of Love"

Hand auf Hand, Hand auf Kopf, Schulter auf Schulter oder Kopf auf Fuß - in allen möglichen Positionen zueinander demonstrieren uns Maxim Korotin und Nickolay Makiyev ihre kraftstrotzende Partnerakrobatik und leiten damit, begleitet von dynamischen Klängen, die erwähnte Schlussoffensive ein. Diese wird, nach einer weiteren Reprisen von Clown Poroto, von der Truppe Hassak fortgeführt. Nun ist der doppelte Pole ihr Requisit. Nach der strengen, traditionellen Choreographie der Leiterbalance arbeiten sie nun im Disco-Dance-Modus, davon offensichtlich selbst amüsiert, freundlich und sympathisch. Immer wieder erklimmen die vier Herren und ihre Partnerin den Mast, zeigen oben Positionen, ohne sich mit den Händen festzuhalten, und sausen dann wieder hinunter. So rutschen zwei von ihnen an einem Partner vorbei, der die Stange für einen kurzen Moment loslässt. Auch Salti von Mast zu Mast werden geboten. Den Abschluss übernimmt das Duo „Moment of Love“ aus Vietnam. Mann und Frau in äußerst geschmackvollen, hellblauen Kostümen verzaubern an den Strapaten mit ganz großen Gefühlen und ganz großer Gefahr bis zum doppelten Zahnhang - der Partner hält sich im Zahnhang am Requisit, die Partnerin an einer Schlaufe, die an seinem Fuß befestigt ist. Der Schluss- und Höhepunkt des Programms, preisgekrönt mit Silber beim Festival in Girona Anfang 2019.

Und ebenso emotional geht es im Finale mit dem live gesungenen, speziell für den Weihnachtscircus komponierten “Danke für diese Zeit" weiter. Das Publikum spendet begeistert Standing Ovations. Und auch wir sind, obwohl uns weite Teile der ersten Hälfte insbesondere musikalisch zu laut und zu monoton waren, letztendlich mehr als zufrieden und verlassen gut gelaunt das Zelt.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll