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Reutlinger Weihnachtscircus 2023/24
www.reutlinger-weihnachtscircus.de ; 108 Showfotos

Reutlingen, 21. Dezember 2023: Die auffälligste Neuerung ist schon von weitem sichtbar. Der Reutlinger Weihnachtscircus hat sich zum Jubiläum neue Zeltanlagen zugelegt. Statt in blau, erstrahlen die zugehörigen Planen jetzt in weiß mit geschwungenen schwarzen Ornamenten. Höhere Kapazitäten bieten Vorzelt und Chapiteau noch dazu. Auf dem zugehörigen Gradin sowie in den Logen finden jetzt knapp 1.000 Zuschauer Platz. Die Sitzeinrichtung ist zum überwiegenden Teil mit Schalensitzen bestückt, nur in den letzten Reihen stehen Stühle. Geblieben ist der wunderschöne Artisteneingang.

Natürlich ist auch das Restaurationszelt passend dimensioniert. Es ist wie immer aufwendig weihnachtlich geschmückt und bietet vielfältige Möglichkeiten, die angebotenen Speisen und Getränke an Tischen zu genießen. In Reutlingen hat man schon früh den Zusammenhang zwischen nummerierten Plätzen im Chapiteau und Umsatz in der Gastronomie erkannt. Wer seinen Sitz während der Vorstellung sicher hat, kann davor sowie in der Pause länger in der Restauration verweilen.


Neue Zeltanlagen des Reutlinger Weihnachtscircus

Wird das Material nur alle paar Jahre gewechselt, bekommt das Reutlinger Publikum natürlich in jeder Spielzeit eine komplett neue Show geboten. Das aufwendige Programmheft erinnert im hinteren Teil an einige Highlights aus der 20-jährigen Geschichte. Die Ankündigung der Darbietungen der Jubiläumsproduktion auf der Homepage lässt auf einen langen Nachmittag schließen. So umfangreich ist die Liste der angekündigten Artisten. Doch dank eines sehr flotten Ablaufs und einer geschickten Regie hat die Show schon bei der Nachmittagspremiere genau die richtige Länge, wirkt sehr kurzweilig. Die Inszenierung liegt in dieser Saison in den Händen der Direktionsfamilie (Andrea und Michael) Sperlich. An erster Stelle ist hier Sohn Peter zu nennen, der auch für die Technik verantwortlich ist. Er hat aus den engagierten Nummern eine runde, mitreißende Vorstellung gemacht.


Timo Marc, Sandy Müller und Ballett

Hinzu kommen vier attraktive Tänzerinnen, die in wechselnden Kostümen mit immer wieder neuen Choreographien von Yana Grimm für Auflockerung sorgen. Akustische Highlights setzt Sandy Müller. Die Sängerin mit wunderbarer Stimme wird wohldosiert eingesetzt. Natürlich ist sie beim Opening mit allen Mitwirkenden und Kunstschnee aus der Kuppel dabei. Gesanglich unterstützt wird sie von Michael Cadima, den wir ansonsten als Clown erleben. Ein Orchester gibt es nicht, schlichtweg weil adäquate Musiker aufgrund der weltpolitischen Lage nicht verfügbar sind. Die Moderation liegt erstmalig bei Timo Marc. Der Berufsmagier trägt ein edles, vom Film „Greatest Showman“ inspiriertes, Kostüm und erfüllt so optisch alle Ansprüche. In der ersten Vorstellung der Spielzeit wirkt er noch etwas zu aufgedreht.


Truppe Cheban, Irena Lagroni, Michael Cadima

Den artistischen Auftakt macht die Truppe Cheban. Die fünf Moldawier wirbeln auf großen luftgefüllten Sprungreifen durch die Manege. Sie wagen Salti und hüpfen über Seile, die von Partnern geschwungen werden. Nach diesem manegenfüllenden Bild voller Dynamik, steht Irena Lagroni alleine im Scheinwerferlicht. Genauer gesagt, liegt sie die meiste Zeit auf dem Rücken, denn ihre Disziplin sind die Antipodenspiele. Mit den Füßen jongliert die blonde Tschechin eine Walze sowie mehrere Teppiche. Als Schlusstrick erleben wir das Bugsieren eines Balls über mehrere Plattformen in einen Korb. Mit dem Gassigehen mit einem imaginären Hund beginnt und endet der erste Auftritt von Michael Cadima. Dazwischen holt sich der jugendliche Clown im weiß-orange-pinken Anzug einen Zuschauer als Partner, um sich mit ihm für ein Basketballmatch aufzuwärmen. Michael Cadima macht die Übungen vor, der Gast muss sie nachmachen. Dazu gibt es vom Spaßmacher mit dem Mund erzeugte Geräusche.


Truppe Magola, Rafaela Honden, Olga Moreva

Eine Dame und drei Herren bilden die Truppe Magola. In einen ganzheitlichen Ablauf integriert sind ihre Balancen auf der Schulterperche. Zunächst schultern die beiden Untermänner jeweils eine Partnerin bzw. einen Partner nebeneinander. In luftiger Höhe wird auf der einen Stange ein Kopfstand gezeigt, auf der anderen rotiert eine Artistin in einem Gestell um die eigene Achse. Später trägt einer der Akteure einen Partner auf der Perche, der wiederum die Frau im Quartett an Seil und Handschlaufe festhält. Für die Tierdressuren zeichnet in diesem Winter Rafaela Honden verantwortlich. Im ersten Teil präsentiert sie wunderschöne Papageien. Die gelehrigen Vögel fahren Roller, ziehen sich gegenseitig in einem kleinen Streitwagen oder wippen eine Runde. Das sind nur ein paar der Tricks, die an einem Tisch gearbeitet werden. Für die Flüge ist sodann Olga Moreva verantwortlich. Dafür bedient sie sich eines Tuchs, das mit beiden Enden in einer Halterung hängt, welche an einem Seil unter der Kuppel befestigt ist. Es gibt also keine zwei Bahnen, die nebeneinander hängen und unten keine Verbindung haben, wie zumeist bei derartigen Luftnummern. Das ermöglicht neuartige Abläufe und Haltefiguren, wie etwa den Flug mit dem in den Stoff eingewickelten Kopf. Auch an den Zehen eines ihrer Füße hängend wagt Olga Moreva eine Sequenz.

 

Nicolas Lagron, Duo Magola, Kate & Pasi

Es überrascht zunächst ein wenig, dass Nicolas Lagron in einem nicht eben schwach besetzten Programm den prominenten Platz vor der Pause bekommt. Schließlich ist der Bouncing Jongleur gerade einmal 16 Jahre jung. Wenn er dann aber seine Bälle auf aberwitzige Touren schickt ist klar, dass er an dieser Stelle genau richtig gesetzt ist. Das Publikum geht bei seinen Jonglagen begeistert mit. Können und Verkauf sind bei Nicolas Lagron trotz seiner Jugend schon sehr überzeugend. Zu Teil zwei begrüßen uns Sängerin Sandy Müller, die Tänzerinnen in weihnachtlichen Kostümen und zwei Schneemänner. Bereits aufgebaut ist ein Pole, an dem zwei Mitglieder der Truppe Magola eine schöne Kür arbeiten. Harmonisch lässt das Paar kraftvolle Figuren ebenso leicht aussehen, wie das wiederholte Erklimmen des Masten. Aus Finnland kommen Katerina Repponen und Pasi Nousiainen oder kurz Duo Kate & Pasi. Die beiden sind wahre Charaktere und ihre Kostüme lassen schon erahnen, dass ihre Darbietung alles andere als konventionell ist. Sie kombinieren auf sehr originelle Weise Handstandakrobatik und Antipodenspiele. Bei letzteren jongliert Kate eine Walze mit den Füßen, während Pasi sie im Hand-auf-Hand hält oder aber er dient ihr als „menschliche Trinka“.


Rafaela Honden, Michael Cadima, Oleg Izossimov

Wunderschöne weiße Schäferhunde sind Rafaela Hondens Partner bei ihrem zweiten Einsatz. Neun Prachtexemplare bilden gemeinsam eine Pyramide im Sitzen, sieben eine solche mit Hochsitzern. Dazu gibt es verschiedene Sprünge und eine „Hundebar“. Die Nummer erinnert vom Aufbau an eine Raubtierdressur. Das Kostüm der Trainerin und das Lichtdesign zu Beginn schaffen eine Antarktis-Atmosphäre. Allerlei Pannen stören den von Michael Cadima im schicken Anzug live vorgetragenen Song. Das Ganze gerät äußerst witzig, erinnert aber sehr stark an die My Way-Szene seines portugiesischen Kollegen Cesar Dias. Gleiches gilt für den ersten Auftritt von Cadima. Hier in Reutlingen ist das insofern kein Problem, als Cesar Dias noch nie im Weihnachtscircus zu sehen war. Spannend wird es hingegen auf der Tournee mit dem Zirkus Charles Knie, wo eben jener Cesar Dias viele Jahre engagiert war. Ein Tanz des Balletts in beleuchteten Kostümen leitet über zu Oleg Izossimov. Der Gewinner eines Silbernen Clowns in Monte Carlo ist eine Legende auf dem Gebiet der Equlibristik. Unverändert zeigt er zu einer Opernarie wunderschöne Handstandvariationen auf einem sich drehenden Podest mit zwei Handstäben. Eine zeitlose Darbietung, leistungsstark und wunderschön anzusehen.


Valentino Bihorac, Trio Beautiful, Truppe Cheban

Mit Keulen, Ringen und Bällen jongliert Valentino Bihorac. Bei einige seiner Touren kombiniert er auch verschiedene Requisiten. So hält er etwa vier Keulen mit den Händen in der Luft während er einen Ball auf dem Kopf hüpfen lässt. Dank seines offensiven Verkaufs bringt Valentino Bihorac noch einmal Stimmung in die Show. Nach einem weiteren Intermezzo mit Sängerin und Tänzerinnen gehört die Manege Anastasiia Azarova, Yevheniia Demianova und Olena Khamutynska. Gemeinsam nennen sie sich Trio Beautiful. Sie bilden kleine Kunstwerke, die viel Gleichgewichtssinn, Kraft und gegenseitiges Vertrauen erfordern. Dabei machen die drei Artistinnen eine ausgesprochen gute Figur. Die Schlussnummer gehört der Truppe Cheban. Nun erleben wir das Qunitett in traditionellen Kostümen an der Russischen Schaukel. Die gewagten Sprünge werden auf einer Matte gelandet. So geht es mit viel Schwung ins Finale, das mit allen Mitwirkenden zelebriert wird.

In den 20 Jahren seines Bestehens hat sich der Reutlinger Weihnachtscircus ein treues Stammpublikum aufgebaut. Die sympathische Direktionsfamilie ist mit Herzblut bei der Sache und kümmert sich vielfach persönlich um ihre Gäste. Die jährlichen Produktionen sind auf einem erfreulichen Niveau und die Zuschauer können sich darauf verlassen, immer eine komplett neue Show erleben zu dürfen. So auch in diesem Winter mit einer Vorstellung, die geschickt zusammengestellt und flott in Szene gesetzt ist. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

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Text und Fotos: Stefan Gierisch