|
Natürlich
ist auch das Restaurationszelt passend dimensioniert. Es ist wie
immer aufwendig weihnachtlich geschmückt und bietet vielfältige
Möglichkeiten, die angebotenen Speisen und Getränke an Tischen
zu genießen. In Reutlingen hat man schon früh den Zusammenhang
zwischen nummerierten Plätzen im Chapiteau und Umsatz in der
Gastronomie erkannt. Wer seinen Sitz während der Vorstellung
sicher hat, kann davor sowie in der Pause länger in der
Restauration verweilen.

Neue
Zeltanlagen des Reutlinger Weihnachtscircus
Wird das
Material nur alle paar Jahre gewechselt, bekommt das Reutlinger
Publikum natürlich in jeder Spielzeit eine komplett neue Show
geboten. Das aufwendige Programmheft erinnert im hinteren Teil
an einige Highlights aus der 20-jährigen Geschichte. Die
Ankündigung der Darbietungen der Jubiläumsproduktion auf der
Homepage lässt auf einen langen Nachmittag schließen. So
umfangreich ist die Liste der angekündigten Artisten. Doch dank
eines sehr flotten Ablaufs und einer geschickten Regie hat die
Show schon bei der Nachmittagspremiere genau die richtige Länge,
wirkt sehr kurzweilig. Die Inszenierung liegt in dieser Saison
in den Händen der Direktionsfamilie (Andrea und Michael)
Sperlich. An erster Stelle ist hier Sohn Peter zu nennen, der
auch für die Technik verantwortlich ist. Er hat aus den
engagierten Nummern eine runde, mitreißende Vorstellung gemacht.
 
Timo
Marc, Sandy Müller und Ballett
Hinzu
kommen vier attraktive Tänzerinnen, die in wechselnden Kostümen
mit immer wieder neuen Choreographien von Yana Grimm für
Auflockerung sorgen. Akustische Highlights setzt Sandy Müller.
Die Sängerin mit wunderbarer Stimme wird wohldosiert eingesetzt.
Natürlich ist sie beim Opening mit allen Mitwirkenden und
Kunstschnee aus der Kuppel dabei. Gesanglich unterstützt wird
sie von Michael Cadima, den wir ansonsten als Clown erleben. Ein
Orchester gibt es nicht, schlichtweg weil adäquate Musiker
aufgrund der weltpolitischen Lage nicht verfügbar sind. Die
Moderation liegt erstmalig bei Timo Marc. Der Berufsmagier trägt
ein edles, vom Film „Greatest Showman“ inspiriertes, Kostüm und
erfüllt so optisch alle Ansprüche. In der ersten Vorstellung der
Spielzeit wirkt er noch etwas zu aufgedreht.
  
Truppe
Cheban, Irena Lagroni, Michael Cadima
Den
artistischen Auftakt macht die Truppe Cheban. Die fünf Moldawier
wirbeln auf großen luftgefüllten Sprungreifen durch die Manege.
Sie wagen Salti und hüpfen über Seile, die von Partnern
geschwungen werden. Nach diesem manegenfüllenden Bild voller
Dynamik, steht Irena Lagroni alleine im Scheinwerferlicht.
Genauer gesagt, liegt sie die meiste Zeit auf dem Rücken, denn
ihre Disziplin sind die Antipodenspiele. Mit den Füßen jongliert
die blonde Tschechin eine Walze sowie mehrere Teppiche. Als
Schlusstrick erleben wir das Bugsieren eines Balls über mehrere
Plattformen in einen Korb. Mit dem Gassigehen mit einem
imaginären Hund beginnt und endet der erste Auftritt von Michael
Cadima. Dazwischen holt sich der jugendliche Clown im
weiß-orange-pinken Anzug einen Zuschauer als Partner, um sich
mit ihm für ein Basketballmatch aufzuwärmen. Michael Cadima
macht die Übungen vor, der Gast muss sie nachmachen. Dazu gibt
es vom Spaßmacher mit dem Mund erzeugte Geräusche.
  
Truppe
Magola, Rafaela Honden, Olga Moreva
Eine Dame
und drei Herren bilden die Truppe Magola. In einen
ganzheitlichen Ablauf integriert sind ihre Balancen auf der
Schulterperche. Zunächst schultern die beiden Untermänner
jeweils eine Partnerin bzw. einen Partner nebeneinander. In
luftiger Höhe wird auf der einen Stange ein Kopfstand gezeigt,
auf der anderen rotiert eine Artistin in einem Gestell um die
eigene Achse. Später trägt einer der Akteure einen Partner auf
der Perche, der wiederum die Frau im Quartett an Seil und
Handschlaufe festhält. Für die Tierdressuren zeichnet in diesem
Winter Rafaela Honden verantwortlich. Im ersten Teil präsentiert
sie wunderschöne Papageien. Die gelehrigen Vögel fahren Roller,
ziehen sich gegenseitig in einem kleinen Streitwagen oder wippen
eine Runde. Das sind nur ein paar der Tricks, die an einem Tisch
gearbeitet werden. Für die Flüge ist sodann Olga Moreva
verantwortlich. Dafür bedient sie sich eines Tuchs, das mit
beiden Enden in einer Halterung hängt, welche an einem Seil
unter der Kuppel befestigt ist. Es gibt also keine zwei Bahnen,
die nebeneinander hängen und unten keine Verbindung haben, wie
zumeist bei derartigen Luftnummern. Das ermöglicht neuartige
Abläufe und Haltefiguren, wie etwa den Flug mit dem in den Stoff
eingewickelten Kopf. Auch an den Zehen eines ihrer Füße hängend
wagt Olga Moreva eine Sequenz.
  
Nicolas
Lagron, Duo Magola, Kate & Pasi
Es
überrascht zunächst ein wenig, dass Nicolas Lagron in einem
nicht eben schwach besetzten Programm den prominenten Platz vor
der Pause bekommt. Schließlich ist der Bouncing Jongleur gerade
einmal 16 Jahre jung. Wenn er dann aber seine Bälle auf
aberwitzige Touren schickt ist klar, dass er an dieser Stelle
genau richtig gesetzt ist. Das Publikum geht bei seinen
Jonglagen begeistert mit. Können und Verkauf sind bei Nicolas
Lagron trotz seiner Jugend schon sehr überzeugend. Zu Teil zwei
begrüßen uns Sängerin Sandy Müller, die Tänzerinnen in
weihnachtlichen Kostümen und zwei Schneemänner. Bereits
aufgebaut ist ein Pole, an dem zwei Mitglieder der Truppe Magola
eine schöne Kür arbeiten. Harmonisch lässt das Paar kraftvolle
Figuren ebenso leicht aussehen, wie das wiederholte Erklimmen
des Masten. Aus Finnland kommen Katerina Repponen und Pasi
Nousiainen oder kurz Duo Kate & Pasi. Die beiden sind wahre
Charaktere und ihre Kostüme lassen schon erahnen, dass ihre
Darbietung alles andere als konventionell ist. Sie kombinieren
auf sehr originelle Weise Handstandakrobatik und
Antipodenspiele. Bei letzteren jongliert Kate eine Walze mit den
Füßen, während Pasi sie im Hand-auf-Hand hält oder aber er dient
ihr als „menschliche Trinka“.
  
Rafaela
Honden, Michael Cadima, Oleg Izossimov
Wunderschöne weiße Schäferhunde sind Rafaela Hondens Partner bei
ihrem zweiten Einsatz. Neun Prachtexemplare bilden gemeinsam
eine Pyramide im Sitzen, sieben eine solche mit Hochsitzern.
Dazu gibt es verschiedene Sprünge und eine „Hundebar“. Die
Nummer erinnert vom Aufbau an eine Raubtierdressur. Das Kostüm
der Trainerin und das Lichtdesign zu Beginn schaffen eine
Antarktis-Atmosphäre. Allerlei Pannen stören den von Michael
Cadima im schicken Anzug live vorgetragenen Song. Das Ganze
gerät äußerst witzig, erinnert aber sehr stark an die My
Way-Szene seines portugiesischen Kollegen Cesar Dias. Gleiches
gilt für den ersten Auftritt von Cadima. Hier in Reutlingen ist
das insofern kein Problem, als Cesar Dias noch nie im
Weihnachtscircus zu sehen war. Spannend wird es hingegen auf der
Tournee mit dem Zirkus Charles Knie, wo eben jener Cesar Dias
viele Jahre engagiert war. Ein Tanz des Balletts in beleuchteten
Kostümen leitet über zu Oleg Izossimov. Der Gewinner eines
Silbernen Clowns in Monte Carlo ist eine Legende auf dem Gebiet
der Equlibristik. Unverändert zeigt er zu einer Opernarie
wunderschöne Handstandvariationen auf einem sich drehenden
Podest mit zwei Handstäben. Eine zeitlose Darbietung,
leistungsstark und wunderschön anzusehen.
  
Valentino Bihorac, Trio Beautiful, Truppe Cheban
Mit
Keulen, Ringen und Bällen jongliert Valentino Bihorac. Bei
einige seiner Touren kombiniert er auch verschiedene Requisiten.
So hält er etwa vier Keulen mit den Händen in der Luft während
er einen Ball auf dem Kopf hüpfen lässt. Dank seines offensiven
Verkaufs bringt Valentino Bihorac noch einmal Stimmung in die
Show. Nach einem weiteren Intermezzo mit Sängerin und
Tänzerinnen gehört die Manege Anastasiia Azarova, Yevheniia
Demianova und Olena Khamutynska. Gemeinsam nennen sie sich Trio
Beautiful. Sie bilden kleine Kunstwerke, die viel
Gleichgewichtssinn, Kraft und gegenseitiges Vertrauen erfordern.
Dabei machen die drei Artistinnen eine ausgesprochen gute Figur.
Die Schlussnummer gehört der Truppe Cheban. Nun erleben wir das
Qunitett in traditionellen Kostümen an der Russischen Schaukel.
Die gewagten Sprünge werden auf einer Matte gelandet. So geht es
mit viel Schwung ins Finale, das mit allen Mitwirkenden
zelebriert wird. |