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Nach langen Jahren im Ausland
kehrte er erst 2002 dauerhaft in die Heimat zurück, um nach
einem Wirtschaftsstudium in den USA und beruflichen Erfahrungen
beim Disney-Konzern gemeinsam mit seinem Vater den Wintercircus
„Salto Natale“ zu gründen. Seitdem der 46-Jährige im Vorjahr die
alleinige Leitung übernommen hat, wurde der Name auf „Salto“
verkürzt. Noch immer wird von Ende November bis Ende Dezember in
prächtig ausgestatteten Zeltanlagen in Kloten, direkt neben dem
Flughafen Zürich, Circus gespielt.

Opening mit "Peter Pan"
inmitten von Elfen und Piraten
Peter Pan – das ist der Junge aus
den Kindergeschichten des schottischen Schriftstellers J. M.
Barrie, der niemals erwachsen wird und auf der fiktiven Insel „Neverland“
lebt, dem Nimmerland. Es wird unter anderem von Elfen und
Piraten bevölkert. Nun hat Gregory Knie seine neue Produktion „Neverland“
getauft und kreiert darin seine eigene Version der märchenhaften
Insel. Eine schöne Idee, mit der er an den Beginn seiner eigenen
Karriere erinnert, die ihn erst auf Umwegen zum Circusdirektor
werden ließ. Vielleicht steckt ja auch tatsächlich ein wenig
Peter Pan in dem stets jugendlich wirkenden Circusproduzenten. Und noch
etwas verbindet er mit „Neverland“: Denn so hatte der
King of Pop Michael Jackson seine große Ranch mit Privatzoo,
Vergnügungspark und Kino bezeichnet. Als Jugendlicher war es
Gregory Knie vergönnt, Michael Jackson persönlich kennen zu
lernen. Per Ansage aus dem Off versprechen
seine Verlobte Céline Victor und er vor Showbeginn „eine Welt, in der
das Unmögliche möglich wird“. Im großen Eröffnungsbild steuert
dann ein kleines Boot über die Bühne, in dem einer der Insassen
mit einem Fernrohr Ausschau hält. Ein Stelzenläufer studiert
eine Landkarte. Artist Svyatoslav Rasshivkin gibt den Peter Pan
mit fantasievollem Kostüm und roten Haaren, in Sängerin Elle
vermögen wir die ebenfalls zur Kindergeschichte gehörende Fee Tinkerbelle zu erkennen. Auf „Neverland“ angekommen, bevölkern
eine Vielzahl von Piraten, Elfen und anderen Märchengestalten
die Bühne. Es entspinnt sich ein ganz großes, farbenprächtiges
Tanzbild mit herrlichen Kostümen. Der bezaubernde Popsong zu
Anfang schlägt um in Dance-Kracher; in einem Medley sind mehrere
der mitreißenden Songs von Michael Jackson verwoben.
  
Jimmy Gonzalez, Vanessa und Sven,
Olé
Eine ganz außergewöhnliche
Jonglagenummer hat sich Jimmy Gonzalez erarbeitet. Aus einem
großen Tonklumpen formt er immer wieder unterschiedlich große
Kugeln, die er auf ihre Touren in die Luft schickt. Mehrfach
lässt er diese absichtlich fallen, um sie später wieder auf neue
Weise zusammenzufügen. Auch kreiert er aus dem Ton eine Maske,
um so quasi blind mit drei Kugeln zu jonglieren. Stets mit
Interesse verfolgt haben wir die großartige Karriere von Vanessa
Baier und Sven Böker, seit wir beide im Juni 2009 nach einem
Auftritt im Rahmen der Absolventenshow der Berliner
Artistenschule kennen
lernten. Sie sind mit Sicherheit zu den erfolgreichsten Schülern
dieser Einrichtung zu zählen. Nach zwei Saisons bei Roncalli
zeigen sie ihre sinnliche Partnerakrobatik nun bei Salto. Sie
bezieht ihren besonderen Reiz aus dem Rollenwechsel. Hier ist es
die groß gewachsene Vanessa, die ihren etwas kleineren Partner
Sven durch eine Abfolge schwieriger Tricks trägt. „Never Enough“
aus dem „Greatest Showman“ liefert die musikalische Begleitung,
hier live gesungen von Elle. Definitiv Schluss mit der
romantischen Stimmung ist fürs erste, wenn die Comedy-Truppe „Olé
– the Gipsy-Kings of Comedy“ die Bühne entert. Die drei Gauchos
mit ihren Gitarren blödeln sich durch ein irrwitziges Medley,
von „Volare“ bis Elvis Presley, von „Oh Happy Day“ über „Kalinka“
bis „Hava Nagila“. Maximal extrovertiert bringen die drei das
Publikum zum kräftigen Mitsingen. Wann immer der eine von ihnen
den Schriftzug „Olé“ oben auf dem Hut, im Inneren seiner Jacke
oder auf dem Gürtel zeigt, wird es Zeit für einen
entsprechenden, donnernden Ausruf aus den Zuschauerreihen. Ein
riesiger, interaktiver Spaß und wieder mal eine ganz andere,
originelle Art von Comedy.
 
Unicircle Flow, Alejandro
Licea Pellon
Als Piraten agieren die fünf
Damen und Herren des Salto-Balletts in einer weiteren
Tanzszene. Einige Mitglieder der Truppe Urban Crew – die später
die Schlussnummer bestreiten wird – gesellen sich hinzu. Damit
ist der Boden bereitet für den Auftritt des jungen, blendend
aussehenden Kubaners Alejandro Licea Pellon auf der Rola Rola.
Eine weiße Hose und eine prächtige, offen getragene Uniformjacke
ohne Ärmel bilden sein Kostüm, so dass der muskelpackte
Oberkörper entsprechend zur Geltung kommt. Zunächst nutzt er ein
Brett, auf dem zwei Handstäbe montiert sind, um sich im
Handstand zu drehen – dies auf einem Turm aus zwei stehenden und
einer liegenden Rolle. Zur rockigen Begleitung von „Living on a
Prayer“ geht es noch höher hinaus, auf einen Turm aus drei
stehenden und zwei liegenden Rollen. Auf diesem dreht er sich
einmal um sich selbst, durchweg mit strahlendem Lächeln. Eine
wundervolle Überraschung haben die acht Japanerinnen der Truppe
„Unicircle Flow“ mit in die Schweiz gebracht. Völlig zu Recht
übernehmen sie in den übrigen Teilen des Programms die Rolle der
entzückenden Elfen. Als Pausennummer fahren sie auf ihren
Einrädern über die Bühne – wie der Truppenname bereits andeutet,
in einem großartigen Fluss der Bewegungen. Mal rotieren die
Mädchen mit ihren wehenden roten Kleidern in Formation jeweils
um die eigene Achse, mal schaffen sie bewegte Bilder, in dem sie
hintereinander her fahren, sich teilweise auch im Stil einer
Polonaise an den Händen halten. So kreuzen sich ihre Bahnen,
oder es wird spontan eine Drehung eingebaut, sich weiter an den
Händen fassend. Peter Pan lädt einen anderen Jungen zu einem
Glücksrad-Spiel ein. Gewinn ist eine Geschenkbox, in dem sich
ein Zettel mit der Aufschrift „Pause“ befindet.
  
Elle, 2-zen-O, Olé
Hälfte zwei beginnt mit einem
winterlichen Bild. Sängerin Elle im traumhaften Mantel wird, auf
einer Bank sitzend, in die Höhe gezogen, wo sie zwischen Sternen
und Schneeflocken einen weiteren Song interpretiert. Am Boden
geht es weiter mit einer Gesangs- und Tanznummer im mondänen
Revuestil. Hierbei wird Elle vom fünfköpfigen Ballett umrahmt.
Nachdem das Duo „2-zen-O“ im Jahr 2018 Schlussnummer im
Circus Knie war, feiert diese starke Darbietung
2023 ihr Schweiz-Comeback bei Salto. Marie-Eve Bisson und
Jonathan Morin arbeiten an den beiden ineinander verkreuzten
Luftringen eine Kür, die sich durch starke, riskante Tricks
ebenso auszeichnet wie durch ihr äußerst sinnliches
Zusammenspiel. „I don’t want to miss a thing“ von Aerosmith
liefert die musikalische Begleitung, hier live gesungen von Elle
mit ihrer hervorragenden Stimme. Nochmals haarsträubend komisch,
geradezu anarchisch wird es beim zweiten Auftritt der Komiker
von „Olé“, die nun unter anderem „Flamenco-Ping-Pong“ unter
Mitwirkung eines Logengastes spielen. Dieser bekommt einen
Ping-Pong-Schläger in die Hand, sein Gegenspieler auf der Bühne
katapultiert die Bälle mit der Gitarre oder zwei an seinem Kopf
befestigten Schlägern zurück. Auch der Mund wird benutzt, um
Bälle zu fangen oder in Bewegung zu setzen.

Elle und Ballett
Eine Violinen-Spielerin im
Sonnenblumen-Kleid aus der famos spielenden Salto-Band leitet
über zu einer weiteren, äußerst ästhetischen Szene mit Tanz und
Gesang, in der Elle und Ballett in Kostümen mit Blütenbesatz
performen – dies zum Song „Flowers“ von Miley Cyrus. Sie gipfelt
in einem großen, floralen Bild mit Teilen des Gesamtensembles.
  
Svyatoslav Rasshivkin, Stefanny
Moreno Yate und Victor Yeremy Lugo Arias mit Ballett, Urban Crew
Svyatoslav Rasshivkin
erlebten wir erstmals beim European Youth Circus 2012, damals
eine Art Wunderkind an den Strapaten. Inzwischen ist ein junger
Mann aus ihm geworden. Er startet im Genickhang und lässt
rasante Wirbel, weite Flüge, einen freihändigen Seitspagat und
kraftvolles Auf- und Abwickeln folgen. Immer wieder brandet
begeisterter Szenenapplaus auf. „Salto“ möchte seit seiner
Gründung nicht „nur Circus“ sein, sondern die innovative „Show
der anderen Art“. Hier steht moderne Tanzkultur gleichberechtigt
als dritte Säule neben Akrobatik und Humor. Und somit wird an
prominenter Stelle, als vorletzter Act im Programm, der Auftritt
von Stefanny Moreno Yate und Victor Yeremy Lugo Arias
präsentiert. „Burn the floor“ könnte das Motto ihrer
fantastischen Tanzshow sein. In mehreren Bildern entführen sie
uns nach Südamerika; die Mitglieder des Salto-Balletts schaffen
um sie herum eine aufregende Tangobar-Szenerie. Die beiden
Hauptakteure wechseln von Salsa zu Tango und zurück, reißen uns
mit in einem Rausch aus Geschwindigkeit, Beweglichkeit,
Körperbeherrschung, Musikalität. Akrobatische Wurffiguren sind nur das
Tüpfelchen auf dem i, aufregend sexy ist das Ganze sowieso.
Nicht zu Unrecht waren Stefanny Moreno Yate und Victor Yeremy
Lugo Arias vor einem Jahr mit anderen Choreographien auch in
Gregory Knies Erotikcircus Ohlala zu erleben. Nahtlos weiter
ging es für die zwölf philippinischen Jungs der „Urban Crew“,
die heuer sowohl bei Ohlala als auch bei Salto die Schlussnummer
bestreiten – dies jeweils mit neuer Choreographie. Bei Salto
kommen auch Treppen und kleine Trampoline zum Einsatz, um ihr
Feuerwerk aus Sprüngen und Salti, Streetstyle-Tanz und
Reifenspringen zu unterstützen. Vorab tauschen sie die
Piraten-Outfits gegen weiße Trainingsanzüge. |