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Salto 2023 - "Neverland"
www.saltoshow.ch ; 153 Showfotos

Kloten, 2. Dezember 2023: Nur kurz währte die Manegen-Karriere von Gregory Knie. Unter anderem trat er mit sechs Jahren im Saisonprogramm des Schweizer National-Circus als Märchenfigur „Peter Pan“ auf. Zu Beginn der Vorstellung war er in einer Zauberkiste versteckt, eine Fee öffnete diese mit einer Explosion. Der junge Gregory sprang auf zwei Ponys und ritt stehend auf den Rücken der galoppierenden Tiere durch die Manege. Nach dieser Saison verließ sein Vater Rolf den Circus, so dass Gregory Knie in einem „bürgerlichen Leben“ aufwuchs.

Nach langen Jahren im Ausland kehrte er erst 2002 dauerhaft in die Heimat zurück, um nach einem Wirtschaftsstudium in den USA und beruflichen Erfahrungen beim Disney-Konzern gemeinsam mit seinem Vater den Wintercircus „Salto Natale“ zu gründen. Seitdem der 46-Jährige im Vorjahr die alleinige Leitung übernommen hat, wurde der Name auf „Salto“ verkürzt. Noch immer wird von Ende November bis Ende Dezember in prächtig ausgestatteten Zeltanlagen in Kloten, direkt neben dem Flughafen Zürich, Circus gespielt.


Opening mit "Peter Pan" inmitten von Elfen und Piraten

Peter Pan – das ist der Junge aus den Kindergeschichten des schottischen Schriftstellers J. M. Barrie, der niemals erwachsen wird und auf der fiktiven Insel „Neverland“ lebt, dem Nimmerland. Es wird unter anderem von Elfen und Piraten bevölkert. Nun hat Gregory Knie seine neue Produktion „Neverland“ getauft und kreiert darin seine eigene Version der märchenhaften Insel. Eine schöne Idee, mit der er an den Beginn seiner eigenen Karriere erinnert, die ihn erst auf Umwegen zum Circusdirektor werden ließ. Vielleicht steckt ja auch tatsächlich ein wenig Peter Pan in dem stets jugendlich wirkenden Circusproduzenten. Und noch etwas verbindet er mit „Neverland“: Denn so hatte der King of Pop Michael Jackson seine große Ranch mit Privatzoo, Vergnügungspark und Kino bezeichnet. Als Jugendlicher war es Gregory Knie vergönnt, Michael Jackson persönlich kennen zu lernen. Per Ansage aus dem Off versprechen seine Verlobte Céline Victor und er vor Showbeginn „eine Welt, in der das Unmögliche möglich wird“. Im großen Eröffnungsbild steuert dann ein kleines Boot über die Bühne, in dem einer der Insassen mit einem Fernrohr Ausschau hält. Ein Stelzenläufer studiert eine Landkarte. Artist Svyatoslav Rasshivkin gibt den Peter Pan mit fantasievollem Kostüm und roten Haaren, in Sängerin Elle vermögen wir die ebenfalls zur Kindergeschichte gehörende Fee Tinkerbelle zu erkennen. Auf „Neverland“ angekommen, bevölkern eine Vielzahl von Piraten, Elfen und anderen Märchengestalten die Bühne. Es entspinnt sich ein ganz großes, farbenprächtiges Tanzbild mit herrlichen Kostümen. Der bezaubernde Popsong zu Anfang schlägt um in Dance-Kracher; in einem Medley sind mehrere der mitreißenden Songs von Michael Jackson verwoben.


Jimmy Gonzalez, Vanessa und Sven, Olé

Eine ganz außergewöhnliche Jonglagenummer hat sich Jimmy Gonzalez erarbeitet. Aus einem großen Tonklumpen formt er immer wieder unterschiedlich große Kugeln, die er auf ihre Touren in die Luft schickt. Mehrfach lässt er diese absichtlich fallen, um sie später wieder auf neue Weise zusammenzufügen. Auch kreiert er aus dem Ton eine Maske, um so quasi blind mit drei Kugeln zu jonglieren. Stets mit Interesse verfolgt haben wir die großartige Karriere von Vanessa Baier und Sven Böker, seit wir beide im Juni 2009 nach einem Auftritt im Rahmen der Absolventenshow der Berliner Artistenschule kennen lernten. Sie sind mit Sicherheit zu den erfolgreichsten Schülern dieser Einrichtung zu zählen. Nach zwei Saisons bei Roncalli zeigen sie ihre sinnliche Partnerakrobatik nun bei Salto. Sie bezieht ihren besonderen Reiz aus dem Rollenwechsel. Hier ist es die groß gewachsene Vanessa, die ihren etwas kleineren Partner Sven durch eine Abfolge schwieriger Tricks trägt. „Never Enough“ aus dem „Greatest Showman“ liefert die musikalische Begleitung, hier live gesungen von Elle. Definitiv Schluss mit der romantischen Stimmung ist fürs erste, wenn die Comedy-Truppe „Olé – the Gipsy-Kings of Comedy“ die Bühne entert. Die drei Gauchos mit ihren Gitarren blödeln sich durch ein irrwitziges Medley, von „Volare“ bis Elvis Presley, von „Oh Happy Day“ über „Kalinka“ bis „Hava Nagila“. Maximal extrovertiert bringen die drei das Publikum zum kräftigen Mitsingen. Wann immer der eine von ihnen den Schriftzug „Olé“ oben auf dem Hut, im Inneren seiner Jacke oder auf dem Gürtel zeigt, wird es Zeit für einen entsprechenden, donnernden Ausruf aus den Zuschauerreihen. Ein riesiger, interaktiver Spaß und wieder mal eine ganz andere, originelle Art von Comedy.


Unicircle Flow, Alejandro Licea Pellon

Als Piraten agieren die fünf Damen und Herren des Salto-Balletts in einer weiteren Tanzszene. Einige Mitglieder der Truppe Urban Crew – die später die Schlussnummer bestreiten wird – gesellen sich hinzu. Damit ist der Boden bereitet für den Auftritt des jungen, blendend aussehenden Kubaners Alejandro Licea Pellon auf der Rola Rola. Eine weiße Hose und eine prächtige, offen getragene Uniformjacke ohne Ärmel bilden sein Kostüm, so dass der muskelpackte Oberkörper entsprechend zur Geltung kommt. Zunächst nutzt er ein Brett, auf dem zwei Handstäbe montiert sind, um sich im Handstand zu drehen – dies auf einem Turm aus zwei stehenden und einer liegenden Rolle. Zur rockigen Begleitung von „Living on a Prayer“ geht es noch höher hinaus, auf einen Turm aus drei stehenden und zwei liegenden Rollen. Auf diesem dreht er sich einmal um sich selbst, durchweg mit strahlendem Lächeln. Eine wundervolle Überraschung haben die acht Japanerinnen der Truppe „Unicircle Flow“ mit in die Schweiz gebracht. Völlig zu Recht übernehmen sie in den übrigen Teilen des Programms die Rolle der entzückenden Elfen. Als Pausennummer fahren sie auf ihren Einrädern über die Bühne – wie der Truppenname bereits andeutet, in einem großartigen Fluss der Bewegungen. Mal rotieren die Mädchen mit ihren wehenden roten Kleidern in Formation jeweils um die eigene Achse, mal schaffen sie bewegte Bilder, in dem sie hintereinander her fahren, sich teilweise auch im Stil einer Polonaise an den Händen halten. So kreuzen sich ihre Bahnen, oder es wird spontan eine Drehung eingebaut, sich weiter an den Händen fassend. Peter Pan lädt einen anderen Jungen zu einem Glücksrad-Spiel ein. Gewinn ist eine Geschenkbox, in dem sich ein Zettel mit der Aufschrift „Pause“ befindet.


Elle, 2-zen-O, Olé

Hälfte zwei beginnt mit einem winterlichen Bild. Sängerin Elle im traumhaften Mantel wird, auf einer Bank sitzend, in die Höhe gezogen, wo sie zwischen Sternen und Schneeflocken einen weiteren Song interpretiert. Am Boden geht es weiter mit einer Gesangs- und Tanznummer im mondänen Revuestil. Hierbei wird Elle vom fünfköpfigen Ballett umrahmt. Nachdem das Duo „2-zen-O“ im Jahr 2018 Schlussnummer im Circus Knie war, feiert diese starke Darbietung 2023 ihr Schweiz-Comeback bei Salto. Marie-Eve Bisson und Jonathan Morin arbeiten an den beiden ineinander verkreuzten Luftringen eine Kür, die sich durch starke, riskante Tricks ebenso auszeichnet wie durch ihr äußerst sinnliches Zusammenspiel. „I don’t want to miss a thing“ von Aerosmith liefert die musikalische Begleitung, hier live gesungen von Elle mit ihrer hervorragenden Stimme. Nochmals haarsträubend komisch, geradezu anarchisch wird es beim zweiten Auftritt der Komiker von „Olé“, die nun unter anderem „Flamenco-Ping-Pong“ unter Mitwirkung eines Logengastes spielen. Dieser bekommt einen Ping-Pong-Schläger in die Hand, sein Gegenspieler auf der Bühne katapultiert die Bälle mit der Gitarre oder zwei an seinem Kopf befestigten Schlägern zurück. Auch der Mund wird benutzt, um Bälle zu fangen oder in Bewegung zu setzen.


Elle und Ballett

Eine Violinen-Spielerin im Sonnenblumen-Kleid aus der famos spielenden Salto-Band leitet über zu einer weiteren, äußerst ästhetischen Szene mit Tanz und Gesang, in der Elle und Ballett in Kostümen mit Blütenbesatz performen – dies zum Song „Flowers“ von Miley Cyrus. Sie gipfelt in einem großen, floralen Bild mit Teilen des Gesamtensembles.


Svyatoslav Rasshivkin, Stefanny Moreno Yate und Victor Yeremy Lugo Arias mit Ballett, Urban Crew

Svyatoslav Rasshivkin erlebten wir erstmals beim European Youth Circus 2012, damals eine Art Wunderkind an den Strapaten. Inzwischen ist ein junger Mann aus ihm geworden. Er startet im Genickhang und lässt rasante Wirbel, weite Flüge, einen freihändigen Seitspagat und kraftvolles Auf- und Abwickeln folgen. Immer wieder brandet begeisterter Szenenapplaus auf. „Salto“ möchte seit seiner Gründung nicht „nur Circus“ sein, sondern die innovative „Show der anderen Art“. Hier steht moderne Tanzkultur gleichberechtigt als dritte Säule neben Akrobatik und Humor. Und somit wird an prominenter Stelle, als vorletzter Act im Programm, der Auftritt von Stefanny Moreno Yate und Victor Yeremy Lugo Arias präsentiert. „Burn the floor“ könnte das Motto ihrer fantastischen Tanzshow sein. In mehreren Bildern entführen sie uns nach Südamerika; die Mitglieder des Salto-Balletts schaffen um sie herum eine aufregende Tangobar-Szenerie. Die beiden Hauptakteure wechseln von Salsa zu Tango und zurück, reißen uns mit in einem Rausch aus Geschwindigkeit, Beweglichkeit, Körperbeherrschung, Musikalität. Akrobatische Wurffiguren sind nur das Tüpfelchen auf dem i, aufregend sexy ist das Ganze sowieso. Nicht zu Unrecht waren Stefanny Moreno Yate und Victor Yeremy Lugo Arias vor einem Jahr mit anderen Choreographien auch in Gregory Knies Erotikcircus Ohlala zu erleben. Nahtlos weiter ging es für die zwölf philippinischen Jungs der „Urban Crew“, die heuer sowohl bei Ohlala als auch bei Salto die Schlussnummer bestreiten – dies jeweils mit neuer Choreographie. Bei Salto kommen auch Treppen und kleine Trampoline zum Einsatz, um ihr Feuerwerk aus Sprüngen und Salti, Streetstyle-Tanz und Reifenspringen zu unterstützen. Vorab tauschen sie die Piraten-Outfits gegen weiße Trainingsanzüge.

Bunt und farbenprächtig empfängt uns das gesamte Ensemble nochmal im Finale und wird sofort mit Standing Ovations gefeiert. Mit dieser aufwendigen und facettenreichen Produktion ist es Gregory Knie und seinem Team gelungen, uns vollends in ihr persönliches „Neverland“ zu entführen.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll