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Und zwischen der Fassade –
der Schriftzug des Saisonprogramms „Mandana“ ist wiederum durch
ein Weihnachtscircus-Transparent überdeckt – und dem Chapiteau
erwartet uns das stimmungsvoll eingerichtete Vorzelt, das mit
seinem Lichterglanz die Vorfreude auf die Vorstellung steigert.
  
Truppe Bingo, Truppe
Adisabeba, Gina Giovannis
Diese wird von einer Formation
der Truppe Bingo eröffnet – mit der Bingo-typischen Mischung aus
mitreißenden Tanzmoves und artistischen Kostproben, dies jeweils
in schönen Kostümen und zu moderner Musik. Drei Damen
lassen Hula-Hoop-Reifen kreisen, hinzu kommen eine Artistin an Strapaten (u.a. Genickhang), ein Akrobat auf der freistehenden
Leiter sowie ein Solist mit Hula Hoop. Der junge Clown Brian in
seinem gelben Glitzeranzug mit Zylinder spielt auf dem Saxophon
„All I want for Christmas“. Auf die weihnachtliche folgt
ausgelassen-fröhliche Stimmung, wenn sieben Herren der
äthiopischen Truppe Adisabeba an zwei parallell aufgestellten
Masten klettern und dabei beispielsweise, mit Sprung von Mast zu
Mast, die Plätze tauschen. Außer dem jugendlichen Brian sind
auch noch zwei Herren im besten Alter dafür zuständig, das
Publikum zu erheitern. Die Clowns Tom und Pepe hantieren hierzu
zunächst mit Hüten und einer Papierschlange, die ein Zuschauer
als Perücke aufgesetzt bekommt. Und die Grundstimmung bleibt
beschwingt, wenn Gina Giovannis ihre fünf großen und kleinen,
weißen und schwarzen Hunde durch eine umfassende Trickfolge
führt. Mal bitten die Tiere mit von ihnen gehaltenen Schildern
um „Sorry“ oder „Applaus“, mal läuft einer wie ein Schulpferd
quasi im „Spanischen Tritt“, mal wird Springkraft bewiesen oder
quirlig eine Rutschbahn hinunter gesaust.
  
Kimberly
Zavatta-Bogino, Tom mit Zuschauer, Nicol Nicols
Hoch hinaus geht es bei der
Strapaten-Akrobatik von Kimberly Zavatta-Bogino, die uns starke
und gefahrvolle Tricks vom Spagat über den Zahnhangwirbel bis
hin zu sieben kraftvollen Überschläge mit einem strahlenden
Lächeln präsentiert, als wäre dies alles ganz leicht. Tom und
Pepes Disput, wer von beiden denn nun mit der Klarinette in der
Manege musizieren darf – und welche Rolle der Zuschauer an der
Trommel dabei spielen soll – endet in einem harmonischen Trio.
Da sind dann auch die vermeintlichen Schwierigkeiten mit dem
endlos langen Bündel Notenblätter längst gelöst. Gleich mit
einem starken Trick, dem Sprung durch einen mit Messern
besetzten Reifen, eröffnet Nicol Nicols seine Arbeit auf dem
gespannten Drahtseil. Er setzt nicht nur auf offensiven Verkauf,
sondern auch auf Spitzenleistungen wie den Rückwärts- und den
noch schwierigeren Vorwärtssalto.
 
Brian, Karl Trunk
Wenn Komiker Brian mit seinem
Love-Song auf dem Saxophon vermeintlich um eine Dame in der Loge
wirbt, ist die heitere Überraschung umso größer, wenn es
schließlich ein Herr neben ihr ist, dem er eine rote Rose
überreicht. Nun schon längere Zeit durften wir Karl Trunk nicht
mehr in einer Circusmanege erleben. Umso mehr freuen wir uns
über das Wiedersehen. Zunächst drei, dann acht Ponys in ganz
unterschiedlichen Größen und Fellfarben dirigiert er durch eine
gut laufende Freiheitsdressur. Einen mächtigen Kontrast zu zwei
Kleinpferden setzt im Anschluss sein riesiges Shire Horse. Mit
einem Solosteiger findet das equestrische Potpourri seinen
Abschluss. So elegant und charmant, wie Karl Trunk seine Tiere
vorführt, fallen auch seine Begrüßung des Publikums zu Beginn
der Vorstellung und die Verabschiedung im Finale aus.

Flying Tabares
Neben vielen bekannten Gesichtern
hält dieses Programm auch eine große Überraschung parat. Tulga,
der bärenstarke Mann aus der Mongolei, kann einen massiven,
aufrecht stehenden Balken von einem ausgestreckten Arm zum
anderen werfen, auf einem Mundstab kreisen lassen oder – während
beide Enden brennen – über seinen Rücken rotieren lassen. Es
folgt die Jonglage mit drei schweren Kugeln, von denen ihn
in der besuchten Vorstellung eine am Kopf trifft. Trotz Platzwunde
setzt er den Auftritt fort. So kommt ein weiterer Balken zum
Einsatz, dieser ist mit Schaukeln an den Enden versehen. Darauf
nehmen zwei Bingo-Akrobatinnen Platz, die nun eine
Karussellfahrt der besonderen Art genießen. Die Achse bildet Tulgas Rücken, auf dem der Balken liegt, während der Kraftmensch
sich um sich selbst dreht. Schlussendluch hält er sich mit den
Händen an Strapatenbändern kopfüber in der Luft, einen weiteren,
wiederum an den Enden brennenden Balken nur mit der Kraft seines
Gebisses tragend. Nach diesem starken und faszinierenden Act
geht es in die Pause. Hälfte zwei eröffnen die elf Damen und
Herren der „Flying Tabares“ am doppelten Flugtrapez. Die zwei
Flugbahnen nebeneinander mit zwei Fängern machen es möglich,
nonstop - mal links, mal rechts - Salti bis hin zum Dreifachen,
Pirouetten und Passage zu bieten, letztere synchron in doppelter
Ausführung nebeneinander. Den Netzabbau überbrücken die Bingos,
die große Bälle ins Publikum werfen.
  
Eliane Stipka-Biasini,
Brandon Raffo, Truppe Adisabeba
Noch einmal dürfen wir mit Tom
und Pepe lachen, die nun auf zauberhafte Weise Flaschen
vermehren. Ein wunderbares Bild des ganz klassischen Circus
schafft Eliane Stipka-Biasini, die erst drei und vier, dann ein
ganzes Bündel goldener Hula-Hoop-Reifen kreisen lässt, dies aber
nicht am Boden, sondern hoch auf einem Pferd mit golden
schimmerndem Fell. Es folgt ein Tanz der Bingo-Girls in
geschmackvollen Kostümen. Mit der Tücke des Objekts zu kämpfen
hat Brian, wenn sich bei seinem Spiel auf dem Flügel sein Hocker
selbständig macht oder die Tastatur seitlich aus dem Instrument
ausfährt. Aufmerksame Beobachter haben den sympathischen Clown –
hier in seriöser Kostümierung – zuvor auch in der Riege der
Tabares-Flieger entdeckt. Seinen Vater Bruno erlebten wir als
Raubtiertrainer in der Krone-Manege, Sohn Brandon Raffo hat sich
erfolgreich der Jonglage verschrieben. Seine Keulen lässt er so
rasant rotieren, dass das Auge kaum zu folgen vermag; im
Anschluss jongliert der gut aussehende junge Mann Bälle sowohl
in die Luft als auch gegen den Boden. Zum Abschluss erleben wir
nochmals die Truppe Adisabeba, nunmehr auf neun Herren erweitert
und mit Handvoltigen. Bis zum Drei-Personen-Hoch werden die
Partner mit der Kraft der Untermänner katapultiert, auch
Passagen werden gesprungen. Im zweiten Teil der Darbietung steht
ein Artist auf den Schultern von zwei anderen und fungiert nun
als eine Art “menschlicher Fangstuhl”, wirft seine Kollegen aus
dieser Position zu den Fängern. |