CHPITEAU.DE

Würzburger Weihnachtscircus 23/24
www.circus-krone.de ; 142 Showfotos

Würzburg, 17. Dezember 2023: Vorbei sind bis auf Weiteres die Zeiten, in denen wir uns Winter für Winter an drei komplett verschiedenen, internationalen Circusprogrammen im Münchner Krone-Bau erfreuen konnten. Dort wird nun seit Ende Dezember und noch bis Anfang April durchgehend die Produktion „Farbenspiel“ geboten. Dafür besteht an anderer Stelle die Gelegenheit, immerhin eine zweite, hochwertige Show der Marke Krone zu genießen – beim zweiten Würzburger Weihnachtscircus auf dem Festplatz Talavera. Dort wurde wieder das riesige blaue Zelt mit der prächtigen Fassade davor errichtet.

Und zwischen der Fassade – der Schriftzug des Saisonprogramms „Mandana“ ist wiederum durch ein Weihnachtscircus-Transparent überdeckt – und dem Chapiteau erwartet uns das stimmungsvoll eingerichtete Vorzelt, das mit seinem Lichterglanz die Vorfreude auf die Vorstellung steigert.


Truppe Bingo, Truppe Adisabeba, Gina Giovannis

Diese wird von einer Formation der Truppe Bingo eröffnet – mit der Bingo-typischen Mischung aus mitreißenden Tanzmoves und artistischen Kostproben, dies jeweils in schönen Kostümen und zu moderner Musik. Drei Damen lassen Hula-Hoop-Reifen kreisen, hinzu kommen eine Artistin an Strapaten (u.a. Genickhang), ein Akrobat auf der freistehenden Leiter sowie ein Solist mit Hula Hoop. Der junge Clown Brian in seinem gelben Glitzeranzug mit Zylinder spielt auf dem Saxophon „All I want for Christmas“. Auf die weihnachtliche folgt ausgelassen-fröhliche Stimmung, wenn sieben Herren der äthiopischen Truppe Adisabeba an zwei parallell aufgestellten Masten klettern und dabei beispielsweise, mit Sprung von Mast zu Mast, die Plätze tauschen. Außer dem jugendlichen Brian sind auch noch zwei Herren im besten Alter dafür zuständig, das Publikum zu erheitern. Die Clowns Tom und Pepe hantieren hierzu zunächst mit Hüten und einer Papierschlange, die ein Zuschauer als Perücke aufgesetzt bekommt. Und die Grundstimmung bleibt beschwingt, wenn Gina Giovannis ihre fünf großen und kleinen, weißen und schwarzen Hunde durch eine umfassende Trickfolge führt. Mal bitten die Tiere mit von ihnen gehaltenen Schildern um „Sorry“ oder „Applaus“, mal läuft einer wie ein Schulpferd quasi im „Spanischen Tritt“, mal wird Springkraft bewiesen oder quirlig eine Rutschbahn hinunter gesaust.


Kimberly Zavatta-Bogino, Tom mit Zuschauer, Nicol Nicols

Hoch hinaus geht es bei der Strapaten-Akrobatik von Kimberly Zavatta-Bogino, die uns starke und gefahrvolle Tricks vom Spagat über den Zahnhangwirbel bis hin zu sieben kraftvollen Überschläge mit einem strahlenden Lächeln präsentiert, als wäre dies alles ganz leicht. Tom und Pepes Disput, wer von beiden denn nun mit der Klarinette in der Manege musizieren darf – und welche Rolle der Zuschauer an der Trommel dabei spielen soll – endet in einem harmonischen Trio. Da sind dann auch die vermeintlichen Schwierigkeiten mit dem endlos langen Bündel Notenblätter längst gelöst. Gleich mit einem starken Trick, dem Sprung durch einen mit Messern besetzten Reifen, eröffnet Nicol Nicols seine Arbeit auf dem gespannten Drahtseil. Er setzt nicht nur auf offensiven Verkauf, sondern auch auf Spitzenleistungen wie den Rückwärts- und den noch schwierigeren Vorwärtssalto.


Brian, Karl Trunk

Wenn Komiker Brian mit seinem Love-Song auf dem Saxophon vermeintlich um eine Dame in der Loge wirbt, ist die heitere Überraschung umso größer, wenn es schließlich ein Herr neben ihr ist, dem er eine rote Rose überreicht. Nun schon längere Zeit durften wir Karl Trunk nicht mehr in einer Circusmanege erleben. Umso mehr freuen wir uns über das Wiedersehen. Zunächst drei, dann acht Ponys in ganz unterschiedlichen Größen und Fellfarben dirigiert er durch eine gut laufende Freiheitsdressur. Einen mächtigen Kontrast zu zwei Kleinpferden setzt im Anschluss sein riesiges Shire Horse. Mit einem Solosteiger findet das equestrische Potpourri seinen Abschluss. So elegant und charmant, wie Karl Trunk seine Tiere vorführt, fallen auch seine Begrüßung des Publikums zu Beginn der Vorstellung und die Verabschiedung im Finale aus.


Flying Tabares

Neben vielen bekannten Gesichtern hält dieses Programm auch eine große Überraschung parat. Tulga, der bärenstarke Mann aus der Mongolei, kann einen massiven, aufrecht stehenden Balken von einem ausgestreckten Arm zum anderen werfen, auf einem Mundstab kreisen lassen oder – während beide Enden brennen – über seinen Rücken rotieren lassen. Es folgt die Jonglage mit drei schweren Kugeln, von denen ihn in der besuchten Vorstellung eine am Kopf trifft. Trotz Platzwunde setzt er den Auftritt fort. So kommt ein weiterer Balken zum Einsatz, dieser ist mit Schaukeln an den Enden versehen. Darauf nehmen zwei Bingo-Akrobatinnen Platz, die nun eine Karussellfahrt der besonderen Art genießen. Die Achse bildet Tulgas Rücken, auf dem der Balken liegt, während der Kraftmensch sich um sich selbst dreht. Schlussendluch hält er sich mit den Händen an Strapatenbändern kopfüber in der Luft, einen weiteren, wiederum an den Enden brennenden Balken nur mit der Kraft seines Gebisses tragend. Nach diesem starken und faszinierenden Act geht es in die Pause. Hälfte zwei eröffnen die elf Damen und Herren der „Flying Tabares“ am doppelten Flugtrapez. Die zwei Flugbahnen nebeneinander mit zwei Fängern machen es möglich, nonstop - mal links, mal rechts - Salti bis hin zum Dreifachen, Pirouetten und Passage zu bieten, letztere synchron in doppelter Ausführung nebeneinander. Den Netzabbau überbrücken die Bingos, die große Bälle ins Publikum werfen.


Eliane Stipka-Biasini, Brandon Raffo, Truppe Adisabeba

Noch einmal dürfen wir mit Tom und Pepe lachen, die nun auf zauberhafte Weise Flaschen vermehren. Ein wunderbares Bild des ganz klassischen Circus schafft Eliane Stipka-Biasini, die erst drei und vier, dann ein ganzes Bündel goldener Hula-Hoop-Reifen kreisen lässt, dies aber nicht am Boden, sondern hoch auf einem Pferd mit golden schimmerndem Fell. Es folgt ein Tanz der Bingo-Girls in geschmackvollen Kostümen. Mit der Tücke des Objekts zu kämpfen hat Brian, wenn sich bei seinem Spiel auf dem Flügel sein Hocker selbständig macht oder die Tastatur seitlich aus dem Instrument ausfährt. Aufmerksame Beobachter haben den sympathischen Clown – hier in seriöser Kostümierung – zuvor auch in der Riege der Tabares-Flieger entdeckt. Seinen Vater Bruno erlebten wir als Raubtiertrainer in der Krone-Manege, Sohn Brandon Raffo hat sich erfolgreich der Jonglage verschrieben. Seine Keulen lässt er so rasant rotieren, dass das Auge kaum zu folgen vermag; im Anschluss jongliert der gut aussehende junge Mann Bälle sowohl in die Luft als auch gegen den Boden. Zum Abschluss erleben wir nochmals die Truppe Adisabeba, nunmehr auf neun Herren erweitert und mit Handvoltigen. Bis zum Drei-Personen-Hoch werden die Partner mit der Kraft der Untermänner katapultiert, auch Passagen werden gesprungen. Im zweiten Teil der Darbietung steht ein Artist auf den Schultern von zwei anderen und fungiert nun als eine Art “menschlicher Fangstuhl”, wirft seine Kollegen aus dieser Position zu den Fängern.

Standing Ovations gibt es im Finale, in dem wir noch einmal das gesamte Ensemble erleben – eben die Bingo-Crew, zwei große Truppen, starke Solisten, witzige Clowns aus zwei Generationen und drei charmante Tierlehrer. Das starke, strahlende Licht, das Spiel des Orchesters aus dem Blackpool Tower Circus und der flüssige Ablauf der Vorstellung tragen zum Vergnügen bei. Ein wunderbarer Nachmittag und aus unserer Sicht eine deutliche Steigerung gegenüber der Erstausgabe dieses jungen Weihnachtscircus-Projekts des traditionsreichen Hauses Krone.

________________________________________________________________________
Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll