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Gespielt wird
wieder im großen weißen Achtmaster, der erstmals 2022/23 genutzt
wurde, um auf einem Pandemie-bedingt erweiterten Gradin größere
Abstände zu ermöglichen. Nun ist die bekannte Sitzeinrichtung in
Längs- statt Quer-Richtung zurückgekehrt, die wieder eine
deutlich bessere Sicht auf das Geschehen erlaubt als die
interimsweise eingesetzte. Das große Vorzelt bietet wie immer
mannigfaltige Möglichkeiten, sich kulinarisch verwöhnen zu
lassen. Die traditionelle Bratwurst gibt es genauso wie einen
schicken Sitzbereich mit Speisen für höhere Ansprüche.

Finale
Letztmalig wird
der Weltweihnachtscircus in der laufenden Spielzeit von Henk van
der Meijden produziert. Der niederländische Impresario und
Circusliebhaber brachte die Veranstaltung im Winter 1993/94
erstmalig an den Neckar. Seitdem dürfen die Stuttgarter ganz
große Shows mit den Besten der Besten erleben. Ab dem kommenden
Jahr übernehmen Tochter Elisa van der Meijden und Schwiegersohn
Dalien Cohen. Cohen kümmert sich bereits jetzt schwerpunktmäßig
um den Standort Stuttgart, während seine Ehefrau in Amsterdam
den Wereldkerstcircus betreut. Zudem ist seit dieser Spielzeit
Hetty Vermeulen nicht mehr dabei. Von Anfang an war sie als
Produktionsleiterin vor Ort sowie die gute Seele des Teams.
 
Björn
Gehrmann, Florian Richter
Für etliche
Zuschauer dürfte Björn Gehrmann der „Herr Direktor“ sein.
Formvollendet führt der Moderator in Frack und Zylinder durch
die Shows. Mit angenehmer Stimme gibt er relevante
Informationen und stellt die Darbietungen vor. Immer so, dass
die Umbaupausen gut überbrückt, aber nie unnötig
verlängert werden. Eine Konstante ist auch das wunderbar
spielende Orchester unter der Leitung von Markus Jaichner,
welches über der hohen Gardine sitzt. Das Lichtdesign setzt das
Geschehen in der Manege wieder hervorragend in Szene. 2019/20
war Florian Richter zuletzt beim Weltweihnachtscircus engagiert.
Nun ist er zurückgekehrt und eröffnet mit seiner großen
Pferdefreiheit das Programm. Schwarze und weiße Pferde sowie ein
geschecktes leitet er mit viel Showmanship zu wunderbaren
Lauffiguren an. Zahlreiche Steiger runden die Dressurvorführung
ab. War vor vier Jahren Sohn Kevin dabei, begleitet ihn nun
Tochter Angelina. Vor der Pause reitet sie die Ungarische Post.
Von 20 Pferden spricht das Programmheft. So ergibt sich ein
imposantes Bild, das so wunderbar den klassischen Circus
verkörpert. Eine starke Leistung der jungen Angelina
Richter.
  
Henry Ayala,
Wolf Brothers, Steve Eleky
Gleich dreifach
besetzt ist die Sparte Komik. Mehrere Auftritte hat Henry Ayala,
der auch auf den Plakaten prominent vertreten ist. Der Prince of
Clowns verhilft einem Mädchen aus dem Publikum zur Karriere als
Hutjongleuse und beschert einem Gast einen „Striptease“ unter
einer Glitzerkugel. Den größten Raum nimmt seine Version der
Restaurantszene ein, bei der die Spaghetti in den Zuschauerraum
fliegen. Laura Miller ist seine Partnerin bei diesem herrlichen
Spaß, der alle Altersklassen erreicht und für befreiendes Lachen
sorgt. Als Schotten präsentieren sich die Wolf Brothers. Ihre
komische Kaskadeurnummer findet rund um einen Tisch statt.
Darin vermischen sich Comedy und Akrobatik. Eine Kombination
seiner Jongleur- und Zauberdarbietung hat Steve Eleky im Gepäck.
Gewollt dilettantisch erzeugt er mit seinen Künsten und den
dazugehörigen Erklärungen immer wieder allergrößte Heiterkeit.
Es ist einfach urkomisch, wie er einen Tischtennisball mit der
Nase fängt oder Stoffhasen zu Nachwuchs verhilft. Natürlich gibt
es beim Paarungsakt der Plüschtiere eine Extrarunde, wir sind ja
schließlich in Stuttgart.
  
Adele Fame,
Laura Miller, Wang Mengchen
Die drei
Soloauftritte im Bereich Artistik sind allesamt weiblich
besetzt. Den Anfang macht Adele Fame. Nach der erfolgreichen
Teilnahme beim European Youth Circus 2012 startete für die
Strapaten-Akrobatin eine fantastische Karriere. Unter der hohen
Kuppel des Chapiteaus auf dem Canstatter Wasen begeistert sie
mit ausdrucksstarken Flügen, kraftvollen Umschwüngen und
gewagten Haltefiguren. Ein echter Unterhaltungsprofi. Genauso
wie Laura Miller, die sich mit ihrem Luftring ebenfalls hoch
über den Köpfen der Zuschauer bewegt. Den ganz besonderen Effekt
macht das große Wasserbassin aus, in das die Britin immer wieder
eintaucht, eine Runde schwimmt und sich dann nach oben ziehen
lässt. Die Tropfen sprühen nur so, wenn Laura Miller voller
Dynamik ihre Tricks arbeitet. Eine Newcomerin, zumindest für das
hiesige Publikum, ist Wang Mengchen. Ihre Handstandakrobatik auf
einem Handstab ist noch recht konventionell, aber schon stark.
Dazu gibt es außergewöhnliche Umschwünge auf zwei Stangen.
Spektakulär wird es aber, wenn die Scheibe, auf der die Chinesin
bislang gearbeitet hat, um 90 Grad gedreht wird. Ringsum sind
Handstäbe montiert, die Scheibe beginnt sich zu drehen und Wang
Mengchen springt auf einem Arm von Stab zu Stab. Schlichtweg
sensationell.
  
Duo Vitalys,
Kolev Sisters, Kris und Harrison Kremo
Vierfach vertreten
ist Artistik im Duo. Den Auftakt machen Carlo Triberti und
Ursula Nunez Rossi. Die beiden konnten wir bereits mit anderen
Partnern in Rollschuhdarbietungen erleben. Jetzt drehen sie
gemeinsam auf einer sehr hohen Plattform rasante Runden und
wagen riskante Tricks. Dies inspiriert von der Kinofigur
„Joker“. Partnerequilibristik bekommen wir einmal in der
männlichen und einmal in der weiblichen Besetzung zu sehen. Das
Duo Vitalys beeindruckt vor allen Dingen mit seinem
Kopf-auf-Kopf. In dieser Konstellation geht es eine Treppe
herunter und hinauf, zudem wird so durch die Manege gelaufen.
Zuvor brillieren die Modellathleten mit weiteren kraftvollen
Figuren. Diese haben auch die Kolev Sisters im Repertoire.
Michelle und Nicole glänzen mit einer variantenreichen Kür, in
der sie Gleichgewichtssinn, Kraft und gegenseitiges Vertrauen
beweisen. Das Ganze wird von den hübschen jungen Damen sehr
charmant präsentiert. Vater und Sohn Kremo demonstrieren auf
beste Weise was es heißt, wenn eine Darbietung an die nächste
Generation weitergegeben wird. Wie schon Kris Kremo mit Vater
Bela gemeinsam aufgetreten ist, tut er dies nun mit seinem Sohn
Harrison. Die beiden jonglieren virtuos mit jeweils drei Bällen,
Zylindern und Zigarrenkisten. Meist tun sie dies synchron,
manchmal auch im Solo oder sie werfen sich gegenseitig die Bälle
zu. Dabei vergessen sie das Spiel mit dem Publikum nicht. Kris
Kremo ist einer der ganz großen Stars des Entertainments,
Harrison hat beste Voraussetzungen, diesen Weg ebenfalls zu
nehmen.
 
Ayalas,
Truppe Mustafa Danguir
Henry Ayala ist
nicht nur ein herrlicher Clown, sondern ebenfalls ein Könner auf
dem Hochseil. Den Frack lässt er bei Björn Gehrmann, um sich zu
seinen drei Partnern hoch über dem Boden zu begeben. Besonders
spektakulär ist immer wieder der Sprung von Schulter zu
Schulter. Aber auch das Seilspringen oder die Fahrt auf dem
Einrad im Zwei-Mann-Hoch sind dabei. Seine gefährlichen Tricks
serviert das Quartett mit viel südamerikanischer Lebensfreude.
Aus acht Personen besteht die Truppe von Mustafa Danguir. Zum
ersten Mal in der Geschichte des Weltweihnachtscircus kommen die
Zuschauer in den Genuss von Akrobatik auf zwei Todesrädern, wie
das geschmackvolle Programmheft informiert. Es ist schon ein
eindrucksvolles Bild, wenn alle Akteure gleichzeitig in sowie
auf den vier Kesseln balancieren. Hinzu kommen etwa ein Lauf,
bei dem ein Artist eine Partnerin auf den Schultern trägt oder
parallel gesprungene Salti auf den beiden Rädern. Auch hier
verstehen es die Protagonisten, ordentlich Stimmung zu machen.
Den furiosen Schlusspunkt setzen die Freestyle Moto Riders. Mit
seinen Motocross-Maschinen springt das Team um Fred Wasner von
einer Rampe im mittleren Zuschauereingang zu einer hohen Bühne
vor der Gardine. Optisch werden die extrem abgefahrenen Stunts
durch Feuersäulen aufgewertet, die unter den Bikern in die Höhe
schießen. Beim Finale verabschiedet sich das imposante Ensemble
ausführlich vom frenetisch applaudierenden Publikum. Die
Stuttgarter wissen einfach, was sie an ihrem ganz besonderen
Weihnachtscircus haben. |