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Cirque de Noel - Christiane Bouglione 2024
www.lecirquedenoel-paris.com ; 112 Showfotos

Paris, 30. November 2024: Alles wie immer, so lautet kurz und knapp auch in diesem Jahr das Fazit zum Besuch beim Cirque de Noel von Christiane Bouglione. Und das ist wunderbar. Denn für mich gehört der Besuch im roten Chapiteau am Bois de Boulogne zur Vorweihnachtszeit wie Glühwein und Adventskranz. Ich mag die gemütliche Atmosphäre, das warme Licht, die weihnachtlichen Kostüme der Figurantinnen und die ausgewählten Darbietungen. Letztere wechseln freilich jedes Jahr.

 In der Saison 2024 sind wieder etliche spannende Acts zu erleben. Zum wiederholten Mal dabei ist Clown Emilion (Delbosq), was eine echter Glücksfall ist. Denn der Spaßmacher überzeugt mit seinem herrlichen Spiel genauso wie mit seiner Kreativität. Auch diesmal hat er mehrere Nummern mit nach Paris gebracht, die hier noch nicht zu sehen waren.


Emilion Delbosq, Rosey Delarue Delbosq, Xavier Fagnon

Mein Favorit ist die Bootsfahrt, zunächst im Solo. Diese findet in einem weißen Ruderboot mit blauer Aufschrift „Geek Cruise“ statt. Nach einer Angelpartie und einem Striptease steigt eine Frau aus dem Publikum zu, die kleinere Annehmlichkeiten, aber auch Schrecksekunden erlebt. Die Gags sind teilweise bekannt, etwa von der Autofahrt oder dem Kampf mit dem Hai. Sie sind aber genial umgesetzt und bekommen durch neue Ideen sowie den Gesamtaufbau eine hohe Eigenständigkeit. Mit von der Partie ist auch eine für den Zuschauer unsichtbare Person im Bug des Schiffes. Sie bewegt etwa eine große Möwe oder bedient einen Fön, durch die die aus dem Film Titanic bekannte Pose aufgepeppt wird. Insgesamt eine großartige Nummer. Bei der turbulenten Restaurantszene wird Emilion von seiner Frau Rosey Delarue Delbosq und Xavier Fagnon unterstützt. Letzterer ist wiederum als Monsieur Loyal unser Begleiter durch den Nachmittag. Außerdem steuert der Clown eine Filmszene, das Warm up und das Verknoten von vier Zuschauern bei. Letzteres Harry Potter-like.


Ivan Radev, Mike Togni Jr., Valentino Bouglione

Der artistische Auftakt nach der Begrüßung durch die Weihnachtsfrauen und Xavier Fagnon gehört Ivan Radev. Variantenreich jongliert er zu folkloristischer Musik mit Fußbällen. Dies nicht nur mit den Händen, auch auf dem Kopf lässt er die Bälle sicher springen. Dies sogar, wenn darum ein Sprungseil rotiert. Als Höhepunkt lässt er drei Bälle übereinander auf einem Stab kreisen. Enorm intensiv ist der Auftritt der Togni Family. Bei seinen Lassospielen gibt das Trio unentwegt vollen Einsatz. Im Mittelpunkt steht Mike Togni Jr., den wir 2018 beim European Youth Circus in Wiesbaden erleben konnten. Mit dabei sind seine Schwester Sharon und ihre Mutter. Mal mit kleinem, mal mit großem Radius lassen sie ihre Seile tanzen, geben die Lassos von einem zum anderen oder springen hindurch. Ihre Nummer ist enorm kreativ und wird sehr überzeugend im Westernstyle präsentiert. Geheimnisvoll startet Valentino Bouglione seine Equilibristik. Zu seinem attraktiven schwarzen Kostüm trägt er eine Teufelsmaske. Diese legt er nach den ersten Handständen ab. Kraftvoll hält er sich auf einem Arm und zwei Armen im Gleichgewicht. Den Abschluss bildet der Klötzchentrick. Ein weiterer hoffnungsvoller Nachwuchsartist aus der großen Circusdynastie.


Germaine Delbosq Santus, Jérémy Salar, Gallingani Sisters

Den Schlusspunkt des erst Teilsen setzt das Duo Carmona mit seinen Bolaspielen und Trommelkünsten. Dahinter verbergen sich Germaine Delbosq Santus und Ehemann Luciano Gabriel Gomez Carmona. Sie bringen das Feuer Südamerikas an die Seine. Bezogen auf ihren Schlusstrick ist das sogar wörtlich zu nehmen. Denn dabei lassen sie Bolas mit brennenden Schnüren rotieren. Viel Feuer ist auch beim Auftritt von Jérémy Salar im Spiel. Sein Tanz auf dem Drahtseil beinhaltet neben Sprüngen und Lauffiguren auch den Satz durch einen mit Flammen gespickten Ring. Richtig spektakulär wird es am Ende. Unter dem Seil wird eine Leine gespannt und anschließend entzündet. Dann balanciert Jérémy Salar erneut über den Draht, jetzt aber durch lodernde Flammen. Der Effekt ist enorm, die tatsächliche Schwierigkeit schwer einzuschätzen. Noch einmal gehört das Scheinwerferlicht Germaine Delbosq Santus. Sie kommt auf einem Motorrad hereingefahren, das als Trinka für ihre Antipodenspiele dient. Mit den Füßen jongliert sie einen Würfel, eine Walze und einen Ring, Bälle sowie ein Kreuz mit brennenden Enden. Das Ganze wird energiegeladen verkauft. Die Gallingani Sisters verstehen sich auf die Kunst der Partnerakrobatik. Da trägt die eine Schwester die andere auf den Händen, während sie einen Spagat zeigt. Auch den Kopf-auf-Kopf haben die charmanten jungen Damen im Repertoire. Eine rundum gelungene Schlussnummer, die wunderbar in den Rahmen passt. Das ausführlich zelebrierte Finale schließt sich an, bei dem das Lied „Petit Papa Noel“ wie jedes Jahr nicht fehlt. Im kleinen Epilog wird Clown Emilion mit Schlafmütze und Kerze von den Damen in weihnachtlichen Kostümen zum Artisteneingang begleitet. Der Vorhang fällt letztmalig, nachdem die Kerze ausgepustet wurde.

Damit gehen wunderbare knapp zwei Stunden zu Ende. Zwei Stunden mit einer herrlichen Mischung aus Weihnachtsstimmung und internationaler Circuswelt im intimen Rahmen. Einfach einzigartig und immer wieder traumhaft schön. Beim Verlassen des Chapiteaus stellt sich schon die Vorfreude auf das kommende Jahr ein.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch