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Mit der 14-köpfigen Bigband,
den sechs bildhübschen und wunderbar tanzenden Ballettgirls,
Sängerin und Sänger sowie exquisitem Licht werden die
hervorragenden Darbietungen nochmal auf ein ganz neues Level
gehoben. Conelli wie immer also? Nicht ganz. Denn zum einen
setzt die Familie von Robert und Cindy Gasser mit den
erwachsenen Söhnen Jeremy und Tyron ihren sanften
Modernisierungskurs fort. Gerade einmal gut zwei Stunden währt
nunmehr die Vorstellung einschließlich Pause. Straffere Szenen
des Balletts, nicht allzu lange Reprisen und Entrees der Clowns
sorgen für mehr Geschwindigkeit. Keineswegs entsteht dadurch der
Eindruck, es sei zu wenig geboten worden. Vielmehr genießen wir
eine vollwertige Show, auch wenn der im Programmheft
angekündigte Puppenspieler Alex mit seinr neuen Figur "Gastönli"
fehlt. Zum anderen werden wieder andere Akzente gesetzt als im
Vorjahr. Damals waren im artistischen Bereich ein Quintett und
ansonsten Solisten und Duos engagiert, eingebettet in eine
durchgehende Rahmenhandlung zum Thema „The Joy of Life“. In
dieser Saison dürfen wir uns, neben den Einzelkünstlern und
Paaren, gleich an vier großen Truppen erfreuen, die das Programm
besonders prägen. Ein spezielles Motto gibt es nicht, folglich
läuft ein reines Nummernprogramm vollkommen flüssig ab. Und so
bringt Conelli in dieser Saison lieb Gewonnenes und
Überraschendes, Tradition und Fortschritt unter einen Hut.

Opening
Sehr rockig fällt das Opening
aus. Voller Temperament tanzt das Ballett in schwarzen Pants und
golden glitzernden Jäckchen, dazu demonstrieren der langjährig
bewährte Sänger Evan Andrews und die neue Sängerin Ruth Bermejo
Hurtado ihre großartigen Stimmen. Jeremy Gasser sorgt mit seiner
Gitarre für jugendliches Flair. Die Bigband, bei der in dieser
Eröffnung die Bläser dominieren, hat Jan Zeyland aus Polen als
neuen Kapellmeister erhalten. Er hat seinen Vorgänger Aleksander
Maliszewski abgelöst, der nach jahrzehntelanger Arbeit für
Conelli in den Ruhestand gegangen ist. Geblieben sind der
herrliche Sound und die individuell für jeden einzelne Act
kreierten Arrangements.
  
Naoto Okada, Sage Macaggi,
Roli Noirjean und Tonino Ferreira
Mit roter Fliege und ansonsten
ganz in schwarz arbeitet Naoto Okada. Der zweimalige Weltmeister
im Jojo-Spiel lässt gleich zwei der Kinderspielzeuge kunstvoll
tanzen, sowohl vertikal als auch horizontal. Sein Requisit im
ersten Teil der Darbietung lässt sich eher als Mini-Diabolo
beschreiben, das zu mitreißender Musik in kunstvollen Figuren
über eine Schnur ohne Handstäbe bewegt wird. Als eleganten
Gentleman-Jongleur mit freundlicher Ausstrahlung erleben wir den
jungen Italiener Sage Macaggi. Er konzentriert sich auf Hüte als
Requisiten, beginnt hierbei mit drei roten Melonen und steigert
sich auf vier, fünf und – für eine Kaskade – sechs davon.
Nachdem Clown-Legende Gaston leider verstorben ist, arbeitet
Roli Noirjean als seriöser Part wiederum mit den gleichen
Komiker-Partnern wie im Vorjahr zusammen, also mit dem
Portugiesen Tonino Ferreira (ehemals „Duo Manducas“) und mit
Domino Gasser. Mit Tonino sind natürlich keine ausführlichen
Wortspielereien auf Schweizerdeutsch möglich, wie sie sich viele
Jahre lang zwischen Roli und Gaston entspannen – auch wenn sich
der erste Gag gleich darum dreht, dass Tonino angeblich den
ganzen Sommer lang Deutsch gelernt habe („Yes, yes – oui, oui“).
Und doch hat das Trio vergnügliche Geschichten parat, nun eben
mit weniger Worten. Zunächst dreht sich bei einem Ratespiel
alles um Verwandschaftsgrade.
  
Ruth Bermejo Hurtado und
Ballett, Svetlana und Fedor Grosu, Queen Habesha Girls
„You don’t have to be rich to be
my girl“ wird gespielt, wenn Ballett, Gesangsduo und Jeremy
Gasser ihren nächsten großen Auftritt haben, nun in elegantem
Schwarz-Rot. Das sind auch die Kostümfarben von Svetlana und
Fedor Grosu, einem reifen Artistenpaar aus Russland. Mehrfach
überquert Fedor dabei eine feststehende Leiter. Dies natürlich
nicht „einfach so“. Vielmehr balanciert Svetlana dabei mal im
Handstand auf dem Kopf ihres Mannes, mal auf Spitzen – und zwar
zeitweise nur auf einem Arm oder Fuß. Besonders spektakulär wird
es, wenn sie am oberen Ende einer hohen Stirnperche steht und so
die eine Seite der Leiter hoch und die andere hinunter
transportiert wird. Das Duo gehört für uns ebenso zu den
interessanten Neuentdeckungen dieser Show wie die sieben „Queen
Habesha Girls“ aus Äthiopien, die im Programmheft als „größte
und schönste Kontorsionsnummer der Welt“ beschrieben werden. In
verschiedenster Weise türmen die bezaubernden Damen ihre äußerst
biegsamen Körper übereinander, und zwar auf bis zu vier Ebenen.
Auf die königlichen Mädchen eingestimmt wurde vom Ballett in
farblich darauf abgestimmten, hellen Kostümen und mit goldenen
Halsringen und Armreifen.
  
Domino Gasser und
Tonino Ferreira, Mystery of Gentlemen,
neuer Kapellmeister Jan Zeyland
Auf „African Spirit“ folgt nun
fernöstliches Flair. Die Conelli-typische, fulminante
Ablaufregie macht es möglich, dass ein kurzer Blackout
ausreicht, damit die Queen Habesha Girls die Manege verlassen
und wir die nächste Truppe samt Requisiten erblicken, als die
Scheinwerfer wieder erstrahlen. Die mongolische Truppe „Mystery
of Gentlemen“ kombiniert zwei Genres zu einer echten Rarität.
Die männlichen Akteure balancieren hierbei auf großen Kugeln.
Von dort aus katapultieren sie ihre beiden Partnerinnen zu
Handvoltigen in die Luft und fangen sie wieder auf, dies auch
von Kugel zu Kugel und bis hin zum Drei-Personen-Hoch. Gegenüber
den letzten Engagements, bei denen wir diese Darbietung sahen,
wirkt sie deutlich „aufpoliert“, da wieder eine zweite Fliegerin
mitwirkt. Nach wie vor müssen die Kugeln immer wieder mit
dezenten Hilfestellungen vor dem Wegrollen geschützt werden. Mit
einer amüsanten musikalischen Flunkerei – einem Glockenspiel
scheinbar ohne Einsatz der Hände – leiten Roli, Tonino und
Domino in die Pause über. Diese wird später von der Bigband mit
einem herrlichen Medley von Weihnachtsliedern beendet.

Skating Donnerts
Ungeheuer temporeich und
mitreißend ist die Eröffnung des zweiten Programmteils. Tanz,
Gesang und Gitarrenspiel gehen direkt über in die
Rollschuhkünste von Ryan Donnert und Partnerin Anna Szésényi und
begleiten diese weiter. Das Requisit der „Skating Donnerts“
fährt hierbei ferngesteuert in die Manege, und schon geht’s
rasant zur Sache. „Don’t stop me now“ ist die musikalische
Begleitung, und tatsächlich könnte wohl keiner diese jungen
Artisten aufhalten. Ihr Repertoire gipfelt in einer echten
Rarität, dem Wirbel im Zahnhang.
 
Roli Noirjean und Tonino
Ferreira, Nanjing Acrobatic Troupe
Nun ist wieder Entspannung
notwendig, und für diese sorgen Roli und Tonino, die sich bei
einer zauberhaften Flaschenvermehrung auf höchst witzige Weise
gegenseitig necken. Letztlich zieht Roli seinem Gegenüber nicht
nur zahlreiche Weinflaschen, sondern auch noch einen großen
Fisch aus den Taschen. Mit der Nanjing Acrobatic Troupe reisen
wir ins Reich der Mitte. Auch die acht jungen Chinesen verbinden
zwei Disziplinen: Bei Ikarischen Spielen katapultieren die
Untermänner ihre Partner mit den Füßen in die Luft, während
diese bei Sprüngen und Salti zusätzlich Lassos drehen. Auf den
Einsatz von Trinkas wird übrigens verzichtet, stattdessen haben
die Untermänner jeweils ein Kissen an den Rücken geschnallt. So
können drei der Akrobaten, hintereinander auf dem Boden liegend,
die Flieger von einem zum nächsten „weiterreichen“. Beim
Schlusstrick trägt der Untermann zunächst zwei seiner Kollegen,
wobei dann der mittlere herausspringt und der obere, hierbei ein
Lasso drehend, aufgefangen wird.
  
Domino Gasser, Duo
Disar, Truppe Kolfe
Nun hat Domino Gasser seinen
letzten großen Einsatz. Da es angeblich an Zeit mangelt,
präsentiert er diverse Vorgänge im Schnelldurchgang: Mit einer
weißen Leinwand in der Hand verschwindet er für Sekunden hinter
einem roten Vorhang und kehrt mit einem fertigen Gemälde der
Mona Lisa zurück. In weiteren „Quickchanges“ hinter der Gardine
wird das Ei zum Huhn, der Pflanzensamen zum grünen Busch und –
nun wird’s schlüpfrig – eine zierliche Dame zur Schwangeren mit
gut sichtbarem Babybauch. Und als sich der rote Vorhang wieder
öffnet, ist der Nachwuchs auch schon da, verkörpert durch Tonino
in bunter Kinderkleidung. Einen Kontrast zur ausgelassen
fröhlichen Stimmung setzt nun das usbekische Duo Disar. Zu
dramatischen musikalischen Klängen wird die düstere Geschichte
erzählt, wie ein Verstorbener letztmals zu seiner trauernden
Partnerin zurückkehrt, ehe er für immer ins Reich der Toten
entschwindet. Und der Todeskitzel schwingt leise mit bei so noch
nie gesehenen Schwierigkeitsgraden, bei waghalsigen Abfallern
und Haltefiguren an den Strapaten, bei riskanten Zahn- und
Zopfhängen in Kombination mit Wirbeln. Besonders in Erinnerung
bleibt ein Trick, bei dem die Partnerin in einer liegenden
Position schwebt und sich dabei zum einen mit der Kraft ihrer
Zähne an einer vom Mann gehaltenen Handschlaufe, zum anderen nur
mit dem rechten Fuß gegen seinen linken gedrückt hält. Die
Schlussnummer übernimmt die äthiopische Truppe Kolfe. Sie
ergänzt ein herkömmliches Schleuderbrett um eine Trinka auf
seiner Mittelachse. So kann die Disziplin um ikarische Spiele
erweitert werden, so können die Akteure mit dem Brett in die
Höhe katapultiert und vom Ikarier-Untermann mit den Füßen
gefangen und wieder in die Luft gestoßen werden. Das ermöglicht
sehr spektakuläre Abläufe, die nun fehlerfrei ablaufen – beim
Festival Mondial de Cirque de Demain Anfang 2023 mussten wir bei
der Vorführung der neu zusammengestellten Formation noch
unschöne Stürze mit ansehen. Eine Folge von zahlreichen
Rückwärts-Überschlägen mit verbundenen Augen bildet den
Abschluss. |