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Im Vorzelt ist die
sündige Nachtclub-Atmosphäre von "Ohlala" dem festlichen Glanz eines
hochwertigen Weihnachtscircus gewichen. Es ist verblüffend, wie
sehr sich das Ambiente gewandelt hat, obwohl die einzelnen
Bereiche wie Essensstand, zentrale Getränkebar und VIP-Lounges
ihren Platz behalten haben.
  
RoboPole,
Galina und Sonny Hayes, Mukhamadi Sharifzoda
Zunächst trifft
unsere Hauptfigur auf „RoboPole“, der Akrobatik auf einem in
alle Richtungen beweglichen Industrieroboter zeigt. Am Arm der
Maschine befestigt ist eine lange Stange. Wird diese senkrecht
gestellt, können daran kraftvolle Elemente der Mastakrobatik
demonstriert werden. Stellt der Roboter die Stange dagegen in
die Horizontale, kann „RoboPole“ auf ihr sitzen, kopfüber daran
hängen oder darauf balancieren. Allein, wie der junge deutsche
Artist im Overall scheinbar vollkommen ungerührt die Drehungen
und Wendungen des Roboters hinnimmt, ist einfach sehenswert. Nun
begegnet Yoann Benhamou dem Komikerduo Galina und Sonny Hayes.
Sie sind nicht schwarz, sondern vollkommen farbenfroh gekleidet.
Und aus ihrer großen, schwarzen Truhe mit Deckel entspinnt sich
im Folgenden eine bunte Welt. Auch Mukhamadi Sharifzoda beginnt
seine Handstände mit schwarzer Hose und schwarzer Jacke, legt
letztere aber bald ab, so dass ein Netzoberteil mit buntem
Muster sichtbar wird. Besonders interessant an seiner Nummer ist
das Requisit, das wie ein Berg aus Holzklötzen gestaltet ist.
Auf diesen stehen zwei hohe Stapel aus Klötzchen, die er quasi als
Handstäbe nutzt. Darauf drückt er sich beispielsweise aus einer
Handstandwaage in einen Einarmer empor, wechselt mehrfach
zwischen linker und rechter Hand. Als der rechte Stapel wie ein Jenga-Turm zusammenfällt, bleibt ihm nur noch der linke, um
darauf seine Kunst zu zelebrieren, doch auch dieser stürzt am
Ende in sich zusammen. Welcher ausgeklügelte Mechanismus die
scheinbar lose gestapelten Klötzchenstapel so lange in der
Vertikalen hält, bleibt das Geheimnis der Erfinder dieser
schönen Nummer.

Ballett mit
Fabienne Louves
Nun erscheint aus
einem überdimensionalen Diamanten die Namensgeberin der Show,
die Figur „Lumina“, gespielt von der Schweizer Musicalsängerin
Fabienne Louves. Diese bringt erst richtig Farbe in die
Salto-Welt – in einem farbenprächtigen Kostüm interpretiert sie
den wunderbar mitreißenden Disney-Song „Dream, see, write, live
your story“, umtanzt von den jeweils drei Damen und Herren des
Balletts in ebenso leuchtenden Kostümen. Und mit einer Berührung
von „Lumina“ verwandelt sich der schwarze Anzug unserer
Hauptfigur, trägt er nun ein gelb leuchtendes Oberteil. Er wirkt
vollkommen befreit.
  
Lilla
Csepregi, Emeline Goavec, Arctic Ensemble
Während einer
kleinen Zauberei von Galina und Sonny Hayes wird flugs die
Slackline für die junge Ungarin Lilla Csepregi über die Bühne
gespannt. Auch sie legt ihr schwarzes Gewand bald ab, so dass
ein vielfarbiges Kostüm erscheint, unter ihrer schwarzen Mütze
kommen unter anderem gelb colorierte Dreadlocks hervor. Vorwärts und rückwärts führt sie Salti
auf dem federnden Band aus, die genretypisch jedoch nicht im Stehen, sondern
in sitzender Position gelandet werden. Nun bahnt sich eine
Lovestory zwischen dem Protagonisten und einer hübschen Dame an,
gespielt von Emeline Goavec. Dass sie und Yoann Benhamou auch im
echten Leben ein Paar sind, macht die Sache wohl einfacher. Die
junge Französin legt den pinken Umhang und den bunten
Kopfschmuck über ihrem Kostüm ab und präsentiert uns
Luftakrobatik in der Plexiglaskugel, die sich in zwei Hälften
teilen kann. Bei ihren wunderbar anzusehenden, kontorsionistischen Bewegungen vermeidet sie es, durch den
Kugelspalt in die Tiefe zu stürzen. Der Spagat zwischen den
Kugelhälften oder der Fußhang an der Kugelkante sind nur zwei
Elemente ihrer Kür. Zurück am Boden, kommt es zur Begegnung mit
der Hauptfigur. Er ist offensichtlich fasziniert von ihr. „Cover
me with sunshine“, von Fabienne Louves bestens interpretiert,
passt zum Thema der Show und begleitet den nächsten Tanz des
Balletts. Als „größter Illusionist der magischen Welt" wird uns
Sonny Hayes angekündigt. Freilich verläuft bei dem Auftritt des
in Würde ergrauten Magiers nicht alles planmäßig. Als er mit
Feuer hantiert, trifft ihn das Löschpulver aus dem von Galina
bedienten Feuerlöscher am Hosenladen. Beim schwebenden Tisch
schneidet er ungerührt die Schnur ab, an der das Kleinmöbel
hängt. Und auch seine Variante der „schwebenden Jungfrau“, in
Gestalt seiner Gattin natürlich, ist garantiert durchschaubar.
Zum Abschluss des ersten Programmteils erwartet uns noch ein
großes Schaubild mit Ballett und Gesang, in dem sich weitere
Figuren „von schwarz nach farbenfroh“ verwandeln. In diese Szene
integriert ist der erste Auftritt der Truppe „Arctic Ensemble“.
Die acht Frauen und Männer zeigen einige Elemente der Handvoltigen-Akrobatik. Insgesamt jedoch hat dieser Auftritt
deutlich den Charakter einer Zweitnummer. Mit einer Popcorntüte
in der Hand leitet Galina Hayes die Pause ein.

Dalton
Sessumes
Hälfte zwei
beginnt mit der Drohnennummer von Dalton Sessumes. In
kunstvollen Formationen schweben die Flugobjekte über der Bühne,
von dem Amerikaner in einem beleuchteten, gepanzerten
Superhelden-Kostüm und mit einem LED-Stab in der Hand dirigiert.
Das exzellente Lichtdesign mit Laserstrahlen, die eine Art Haus um die
Drohnen formen, sowie der glasklare Sound bei Salto tragen dazu
bei, dass diese technisch-moderne Performance ein optischer und
akustischer Genuss ist. Bei ihrer nächsten Choreographie tragen
die jeweils drei Damen und Herren des Balletts s-förmige Objekte
in der Hand, die beispielsweise wie Propeller bewegt werden. Das
schafft schöne Bilder.
 
Yoann
Benhamou, Ballett mit Fabienne Louves
Nachdem Emeline
Goavec im ersten Programmteil ihr Können in der Plexiglaskugel
bewiesen hat, tut es ihr Yoann Benhamou nun an den
Bungee-Strapaten nach. Er beeindruckt schon allein mit seinem
freien, muskelbepackten Oberkörper, aber natürlich auch mit
großem Können, beispielsweise bei eleganten Flügen und
kraftvollen Überschlägen. Durch absolute Dynamik zeichnet sich
die nachfolgende Tanz- und Gesangsnummer aus.
 
Iguana
Contorsionists, Galina und Sonny Hayes
Bezaubernd sind
die vier jungen Frauen der Iguana Contorsionists aus der
Mongolei. Sie beweisen ihre enorme Biegsamkeit, dies in Figuren
nicht nur neben-, sondern vor allem aufeinander, auf bis zu drei
Ebenen. Herrlich witzig ist der nächste Auftritt von Galina und
Sonny Hayes, die sich zunächst durch eine Kartenmanipulation
blödeln. Dann folgt der Höhepunkt: das „Hütchenspiel“, bei dem
der Kopf von Galina auf immer wieder überraschende Weise unter
einem von drei Eimern erscheint – oder auch nicht. Seine
stoische Miene, ihre überdreht-extrovertierte Fröhlichkeit, das
Ganze ist ein Riesenspaß. Zum Abschluss scheitert Sonny noch
grandios bei dem Versuch, die Partnerin verschwinden zu lassen.
 
Duo Emyo,
Arctic Ensemble
Flugs aufgebaut
ist das große Requisit für den doppelten Fangstuhl des "Arctic
Ensemble". Auf den beiden linken und den beiden rechten Podien
stehen jeweils zwei starke Untermänner, die die insgesamt vier
Fliegerinnen werfen und fangen. Parallele Aktionen auf beiden
Seiten wechseln sich ab mit Flügen zwischen den Stationen. Dabei
wird ein breites Repertoire an herkömmlichen und gestreckten
Salti präsentiert. Dieser zweite Auftritt des Oktetts ist
absolut stark und wäre eine Bereicherung für jedes Programm,
durch die gesangliche Begleitung wird er weiter veredelt. Wer
glaubt, dies sei die Schlussnummer gewesen, wird nun überrascht,
denn die Liebesgeschichte zwischen dem Hauptakteur und seiner Angebeteten wird noch zu Ende erzählt – mit dem Auftritt von
Emeline Goavec und Yoann Benhamou am Tanztrapez, in einer Kür
voller temporeich-dynamischer und auch riskanter Elemente. Damit
endet diese wunderschöne Reise von der Dunkelheit und
Ängstlichkeit in die freie, bunte, lichtdurchflutete Welt von „Lumina“.
Diese, alias Sängerin Fabienne Louves, schwebt beim mit Standing
Ovations gefeierten Finale mit Schmetterlingsflügeln über dem
Ensemble und dem großen Diamanten, aus dem sie zu Beginn
erschienen ist. Beeindruckend ist der Aufwand für eine
Circusproduktion, die nur einige Wochen lang zu sehen ist.
Dahinter stehen Inhaber Gregory Knie, Geschäftsführerin Anja Walder
mit ihrer administrativen Crew sowie ein sechsköpfiges Kreativteam mit Aurelia Cats (Art
Director), Mariana Rodrigo (artistische Leitung), Fidel Buika
(Choreographie), Dimitri Monstein (Musik), Diego Diaz (Licht) und Jaume Trobat (Ton). |