CHPITEAU.DE

Barnum's Weihnachtscircus 2025/26
www.circus-barnum.de ; 136 Showfotos

Nürnberg, 5. Januar 2026: Fotos und Videos von Barnum’s Weihnachtscircus in Nürnberg weckten unser Interesse. Nun stehen wir tatsächlich vor der eindrucksvollen Zeltstadt. Während der zentrumsnahe Volksfestplatz dem schwarz-gelben Mitbewerber gehört, spielt die Familie von Markus Kaiser auf einem Privatgelände direkt an einer stark befahrenen Einfallstraße. Das große, rot-weiße Chapiteau mit dem passenden Vorzelt, die Auflieger mit attraktiv gestalteten Planen mit Circusmotiven und der rote Kassenwagen mit Airbrush-Dekor ergeben ein stimmungsvolles Bild.

Vor dem Beginn des Einlasses bildet sich an der Kasse eine längere Besucherschlange. Im Chapiteau ergeben das Schalensitzgradin, die Logen mit Holzboden und weihnachtlich geschmückten Wänden sowie das neue Orchesterpodium ein nahezu perfektes Bild. Für das Tüpfelchen auf dem i soll in Kürze noch ein Baldachin über dem Artisteneingang sorgen.


Barnum’s Weihnachtscircus in Nürnberg

Zum 8. Mal veranstaltet der Circus Barnum hier einen Weihnachtscircus, doch die Livemusik hat in diesr Saison Premiere. Die fünf Musiker begleiten die Vorstellung mit wunderbarem Spiel. Er wird deutlich, der hohe Ehrgeiz, mit dem die Kaisers hier Circus machen. Und doch gibt es ein paar Stellschrauben, an denen im Sinne der Kundenzufriedenheit noch gedreht werden könnte. Eine transparente Preisauszeichnung in der Restauration und hochwertigere Toiletten gehören dazu. Zudem ist es an diesem Nachmittag recht kühl im Zelt, die Besucher behalten die Jacken an.


Davio Micheletty Folco, Gyula Saly, Dory Ardisson

Etwas mehr Wärme, im übertragenen Sinne, würden wir uns auch für die Gestaltung der Vorstellung wünschen, denn nach einer kurzen Flaggenparade startet die Spielfolge mit der ersten Nummer, eine persönliche Begrüßung fällt aus. Die nächste Generation seiner Circusfamilie ist Davio Micheletty Folco. Auf dem Einrad zeigt der Junge, was er bereits gelernt hat - und das ist trotz kleinerer Unsicherheiten nicht wenig. Auf dem Einrad geht es die Treppen seines Requisites hinunter und wieder hinauf, oben jongliert er mit drei Keulen und springt Seil. Die Fahrt auf dem Nur-Rad und dem Hochrad finden in der Manege statt, alles unter den wachsamen Augen seines Vaters. Erstmals in der Vorstellung machen wir Bekanntschaft mit Clown Gyula Saly, der als verrückter Koch einen Teller auf einem Stab dreht, ein Gummihuhn präsentiert und letztlich ein rohes Ei auf seinem Kopf zerschellen lässt. Auf einem Stuhl mit sechs Tellern auf Lehnen und Sitzflächen zelebriert Dory Ardisson ihre Handstand-Kontorsion. Mit den Füßen löst sie zur Krönung der Trickfolge den Bogenschuss auf einen Luftballon aus. Auffällig gestaltet ist das Kostüm, bis hin zur goldenen Perücke.


Loris Donnert, Duo Fantastico, Chicko junior

Nochmals erhält der Nachwuchs einer bekannten Circusfamilie ein Podium. Hier ist sozusagen der Nachname Programm, denn Loris Donnert zeigt sein Können als Akrobat zu Pferd. Er jongliert mit vier Bällen, fünf und kurz auch sechs Ringen sowie fünf Keulen. Mit einem Vorwärtssalto geht es vom Ross zurück zum Boden, einen weiteren Salto dreht er sich mit einer Hand am galoppierenden Tier haltend. Beim "Duo Fantastico" ist der Name fast ein wenig betulich für die Gestaltung der Nummer, denn Mikhail Hidei und Partnerin Mariya Girda präsentieren ihre Quick-Change-Nummer im Hardrock-Stil. Mal prangt ein Totenkopf auf dem Kostüm der Dame, mal wechselt sie das Outfit hinter Fahnen mit dem Bandlogo von AC/DC. Die musikalische Begleitung ist entsprechend. Auch hinter schwarzen Flügeln, in einer Box zum Durchsteigen oder hinter Nebelsäulen werden blitzschnell die Kostüme gewechselt. Nachdem Clown Chicko nach vielen Jahren beim Circus Barnum verstorben ist, hat Julius Trautner nun die Rolle von "Chicko junior" übernommen. Er spielt seine Variante von "Musizieren ist hier verboten" mit Direktionssohn Miguel Kaiser als seriösem Part.


Vivien Doren Kaiser, Flying Mendonca

Vivien Doren Kaiser, die hübsche Tochter von Direktor Markus Kaiser, kümmert sich nicht nur um die Programmgestaltung, sondern hat mit ihrer Luftakrobatik im Netz auch ihren eigenen Act in der Vorstellung. Mut, Kraft und Beweglichkeit sind Grundvoraussetzungen dafür. Ihre Arbeit wird ebenso vom dreiköpfigen Ballett eingeleitet wie die anschließende Exotendressur. Nachdem sein Bruder Juliano geschäftlich unterwegs ist, wird sie an diesem Tag von Miguel Kaiser vorgeführt. Mehrfach in dieser Vorstellung sprintet er vom Beleuchterpodium, von dem er das ansprechende Lichtdesign steuert, zum Artisteneingang. So auch jetzt, und so dirigiert er drei Kamele durch verschiedene Lauffiguren. Wenn noch sechs exotische Rinder mit gewaltigen Hörnern hinzukommen und die Manege umrunden, entsteht vor der Pause ein imposantes Bild. Ganz klassisches Großcircus-Flair versprüht auch das Flugtrapez, mit dem später der zweite Programmteil eröffnet wird. Mit den Flying Mendonca ist ein weiterer Name mit gutem Klang Teil des Line-ups. Doppelsalto gestreckt, Passage, Sturz kopfüber aus der Kuppel ins Netz: Hier sind viele typische Elemente des Genres zu erleben.


Franziska Micheletty Folco, Saly Clowns

Franziska Micheletty Folco führt auf charmante und sympathische Weise ihre Hunde vor, vom Seilspringen bis zur Polonaise. Mit der Autofahrt verabschieden sich die schönen Tiere. In klassischer Dreierbesetzung mit zwei Augusten und strenger Dame - wenn auch ohne weiß geschminktes Gesicht - servieren die Salys ein Potpourri aus Musik und Gags. Da stört man sich gegenseitig beim Spiel auf verschiedenen Instrumenten, da spritzen Krokodilstränen in die Logen, da platzen Ballons und wird eine Wasserschlacht ausgefochten. Auch das versöhnliche Ende beim gemeinsamen Musizieren ist pure Circustradition.


Markus Kaiser, Mikhail Hidei

Und es bleibt klassisch. Vivien Doren setzt beim spanischen Gesang eine weitere Facette ihrer Talente ein, das Ballett tanzt in entsprechenden Flamenco-Kostümen - und Markus Kaiser stellt gekonnt und souverän einen Viererzug Schimmel mit blauen Federpuscheln vor. Auf variantenreiche Lauffiguren in hohem Tempo folgen verschiedene Steiger, mal mit drei Tieren, mal im Solo. Ein weiteres Intermezzo der Saly Clowns wird genutzt, um das Requisit für die Schlussnummer aufzubauen. Als Harlekin zeigt Mikhail Hidei eine starke Arbeit auf dem Schlappseil. So sitzt er auf einem Stuhl auf dem Seil und jongliert dabei mit fünf Ringen oder er kombiniert seine Einradfahrt mit der Jonglage von vier Ringen und lässt dabei noch drei Teller auf einem Gestell rotieren, das er mit dem Mund hält.

"Dream a little dream" - gesungen von Vivien Doren und gespielt von Gyula Saly auf der Trompete - leitet das Finale ein, in dem sich das Ensemble vom Publikum verabschiedet, Direktor Markus Kaiser spricht die Schlussworte - und für uns ist mit dem Besuch bei Barnum’s Weihnachtscircus in Nürnberg eine weitere Lücke auf der circensischen Landkarte geschlossen.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll