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Dorthin werden
mithin gleich vier Darbietungen aus der aktuellen Show
weiterreisen. Was die Inszenierung angeht, ist dieser Cirque de
Noel hingegen ein Weihnachtscircus im besten Sinne. Wenn am Ende
des Finales „Petit Papa Noel“ erklingt und alle Mitwirkenden
ihre Arme synchron nach oben strecken, dann ist alljährlich auch
bei mir angekommen, dass jetzt die Adventszeit startet. Zum
Sitzplatz begleiten uns Frauen in Nikolauskostümen, später in
der Vorstellung sind sie immer wieder zu sehen. Das Licht ist
wunderbar warm. Und auch den Gästen dürfte schnell weihnachtlich
zumute sein. Denn hier sind überwiegend Menschen zu Besuch, die
von Unternehmen eingeladen wurden. Sei es als Mitarbeiter oder
als Kunden.

Xavier Fagnon und
Emilion Delbosq
Ob an der Kasse,
am Getränkestand, beim Einlass oder in der Manege, überall
finden sich vertraute Gesichter. Als Monsieur Loyal führt uns
der sympathische Xavier Fagnon im roten Frack durch den
Nachmittag. Die Einstimmung übernimmt er gemeinsam mit Emilion
Delbosq. Die beiden haben Duschhauben auf, um gemeinsam unter
der Brause zu singen. Als Mikrofon dient der Duschkopf, um den
sich die beiden zanken. Der Clown aus Großbritannien ist einmal
mehr nach Paris zurückgekehrt, was ein Segen ist. Denn er ist
nicht nur ein grandioser Spaßmacher, sondern er hat wiederum
neue Nummern oder aber Weiterentwicklungen bekannter Szenen im
Gepäck. So spielt er diesmal die Autofahrt mit Zuschauerin,
„Herr und Frau Nachtigall“ mit Xavier Fagnon und das hier
obligatorische Verknoten von vier Herren aus dem Publikum.
Mithilfe von Staubsaugern und Mülltonnen erzeugt er einmal mehr
Kringel aus Rauch. Bei den Haushaltsgeräten hat es allerdings
Nachwuchs gegeben. Eine Miniaturausgabe ist nun mit von der
Partie. In den Wilden Westen geht es bei Filmaufnahmen mit
Besuchern. Auch diese Nummer ist kurzweilig, kreativ und einfach
herrlich komisch. Über Weihnachten hat Emilion Delbosq sein
erstes Engagement in Deutschland. Er wird beim Weihnachtscircus
in Xanten zu erleben sein.
  
Nandor Varadi,
Yessica Ramos, Diana Boiachin
Der artistische
Auftakt gehört Nandor Varadi und Diana Boiachin. Er jongliert,
sie gibt die kesse Assistentin. Verpackt in ungarische Folklore
erleben wir Jonglagen mit Keulen, Bällen, Reifen und Fackeln.
Diese schwungvoll-heitere Darbietung hat das Paar auf Saison
beim Cirkus Baldoni in Dänemark gezeigt. In der französischen
Hauptstadt kommt die sympathisch präsentierte Artistik ebenfalls
bestens an, zumal sie starke Tricks beinhaltet. Yessica Ramos
jongliert auch, aber mit deutlich größeren Requisiten. Sie
beherrscht die Disziplin der Kubus-Jonglage. Zunächst lässt sie
gewinnend eine Pyramide aus Metallgestänge rotieren, dann Würfel
in verschiedenen Größen. Den effektvollen Abschluss macht das
Spiel mit einem mit LED-Elementen besetzten Würfel. Schon steht
Diana Boiachin wieder im Scheinwerferlicht, das ihre kunstvollen
Seifenblasen wunderbar zur Geltung kommen lässt. In einer
poetischen Aufmachung zaubert sie Kunstwerke, die so vergänglich
sind. Ihre Bubbles haben verschiedene Größen. Mal kreiert sie
nur eine, dann wieder unzählige. Mal ist die Luft voller kleiner
Seifenblasen, kurze Zeit später wird ein Mädchen aus dem
Publikum von einer einzigen verhüllt.
 
William
Tournoud, Lucas Bergandi
Am ersten Feiertag
hat William Tournoud Premiere im Kronebau in München. Doch zuvor
darf er das Publikum in seiner französischen Heimat begeistern.
Dies mit seinen außergewöhnlichen Balancen auf der Rola Rola.
Denn diese zeigt er nicht auf einem festen Podest, sondern auf
einer Plattform, die Richtung Kuppel gezogen wird. Sein
Gleichgewichtssinn wird also gleich mehrfach herausgefordert. Ob
auf mehreren Walzen, auf einem Ball oder beim Seilspringen,
William Tournoud spielt mit den Nerven der Zuschauer, hat aber
alles bestens im Griff. Um das Gleichgewicht geht es auch direkt
nach der Pause. Lucas Bergandi fasziniert mit einer alles andere
als gewöhnlichen Performance auf dem Drahtseil. Die Musik ist
geheimnisvoll, erzeugt immer wieder neue Stimmungen. Der
Franzose vollführt einen durchgehenden Tanz mit
Bewegungsabläufen und Sprüngen, die aus dem Rahmen des Genres
fallen. Salti und ein Spagat gehören zudem zu seinem
ausdrucksstarken Auftritt. 2014 gewann er beim European Youth
Circus Silber in der älteren Altersgruppe und den Preis des
Tigerpalastes. Genau in dieses Varieté-Theater in Frankfurt am
Main geht es für Lucas Bergandi nach dem Engagement bei
Christiane Bouglione.
  
Yessica Ramos,
Samuele Manfredini, Marion Bouglione
Noch einmal gehört
die Manege Yessica Ramos. Noch einmal erleben wir sie als
Jongleuse. Nun bewegt sie ihre Requisiten aber mit den Füßen.
Bei ihren Antipodenspielen kommen ausschließlich Teppiche zum
Einsatz. Diese lässt die junge Spanierin gekonnt auf Händen und
Füßen rotieren. Dies sogar, wenn sie dabei kopfüber in die Luft
gezogen wird. Zu „Purple Rain“ von Prince verwöhnt uns Samuele
Manfredini mit starken Handstandvariationen, die er um
akrobatische Sprünge ergänzt. Der smarte Italiener ist auf einer
Hand genauso sicher unterwegs wie auf zwei. Beneidenswert, wie
er seinen trainierten Körper im Griff hat und ihn in den
verschiedensten Posen halten kann. Die anspruchsvollen Tricks
serviert Samuele Manfredini äußerst charmant. Bald auch im 3.
Weihnachtscircus Mönchengladbach. Mit Großillusionen beschließt
Marion Bouglione die Spielfolge. Bei drei Kunststücken verblüfft
uns das Mitglied der Direktionsfamilie gemeinsam mit ihren Magic
Girls im Trio. Da werden Menschen in einer dreidimensionalen
Raute vermeintlich durchstochen, um kurz danach unversehrt
wieder aufzutauchen. Aus einer Kiste, die mit mehreren Stäben
durchbohrt wird, erscheinen gleich drei Frauen, obwohl zu Beginn
nur eine hereingeklettert war. Diese Zaubereien werden von
Marion Bouglione ausdrucksstark präsentiert. Dem ausführlichen
Finale schließt sich ein liebevoller Epilog an. Emilien Delbosq
und sein Ministaubsauger werden vom weiblichen Teil des
Ensembles abgeholt. Es ist Zeit, ins Bett zu gehen. |