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Cirque de Noel - Christiane Bouglione 2025
www.lecirquedenoel-paris.com ; 123 Showfotos

Paris, 29. November 2025: Rein kalendarisch gesehen ist dieser Cirque de Noel von Christiane Bouglione gar kein Weihnachts-, sondern eher ein Adventscircus. Denn er läuft von Mitte November bis Mitte Dezember. Während der Feiertage ist das Chapiteau am Bois de Boulogne schon wieder abgebaut, die Artisten sind weitergezogen. Für letztere ist diese Produktion perfekt terminiert, liegt sie doch zwischen der Sommersaison – mit immer weniger Möglichkeiten eines Engagements – und den Weihnachtscircussen. Letztere boomen insbesondere in Deutschland.

Dorthin werden mithin gleich vier Darbietungen aus der aktuellen Show weiterreisen. Was die Inszenierung angeht, ist dieser Cirque de Noel hingegen ein Weihnachtscircus im besten Sinne. Wenn am Ende des Finales „Petit Papa Noel“ erklingt und alle Mitwirkenden ihre Arme synchron nach oben strecken, dann ist alljährlich auch bei mir angekommen, dass jetzt die Adventszeit startet. Zum Sitzplatz begleiten uns Frauen in Nikolauskostümen, später in der Vorstellung sind sie immer wieder zu sehen. Das Licht ist wunderbar warm. Und auch den Gästen dürfte schnell weihnachtlich zumute sein. Denn hier sind überwiegend Menschen zu Besuch, die von Unternehmen eingeladen wurden. Sei es als Mitarbeiter oder als Kunden.


Xavier Fagnon und Emilion Delbosq

Ob an der Kasse, am Getränkestand, beim Einlass oder in der Manege, überall finden sich vertraute Gesichter. Als Monsieur Loyal führt uns der sympathische Xavier Fagnon im roten Frack durch den Nachmittag. Die Einstimmung übernimmt er gemeinsam mit Emilion Delbosq. Die beiden haben Duschhauben auf, um gemeinsam unter der Brause zu singen. Als Mikrofon dient der Duschkopf, um den sich die beiden zanken. Der Clown aus Großbritannien ist einmal mehr nach Paris zurückgekehrt, was ein Segen ist. Denn er ist nicht nur ein grandioser Spaßmacher, sondern er hat wiederum neue Nummern oder aber Weiterentwicklungen bekannter Szenen im Gepäck. So spielt er diesmal die Autofahrt mit Zuschauerin, „Herr und Frau Nachtigall“ mit Xavier Fagnon und das hier obligatorische Verknoten von vier Herren aus dem Publikum. Mithilfe von Staubsaugern und Mülltonnen erzeugt er einmal mehr Kringel aus Rauch. Bei den Haushaltsgeräten hat es allerdings Nachwuchs gegeben. Eine Miniaturausgabe ist nun mit von der Partie. In den Wilden Westen geht es bei Filmaufnahmen mit Besuchern. Auch diese Nummer ist kurzweilig, kreativ und einfach herrlich komisch. Über Weihnachten hat Emilion Delbosq sein erstes Engagement in Deutschland. Er wird beim Weihnachtscircus in Xanten zu erleben sein.


Nandor Varadi, Yessica Ramos, Diana Boiachin

Der artistische Auftakt gehört Nandor Varadi und Diana Boiachin. Er jongliert, sie gibt die kesse Assistentin. Verpackt in ungarische Folklore erleben wir Jonglagen mit Keulen, Bällen, Reifen und Fackeln. Diese schwungvoll-heitere Darbietung hat das Paar auf Saison beim Cirkus Baldoni in Dänemark gezeigt. In der französischen Hauptstadt kommt die sympathisch präsentierte Artistik ebenfalls bestens an, zumal sie starke Tricks beinhaltet. Yessica Ramos jongliert auch, aber mit deutlich größeren Requisiten. Sie beherrscht die Disziplin der Kubus-Jonglage. Zunächst lässt sie gewinnend eine Pyramide aus Metallgestänge rotieren, dann Würfel in verschiedenen Größen. Den effektvollen Abschluss macht das Spiel mit einem mit LED-Elementen besetzten Würfel. Schon steht Diana Boiachin wieder im Scheinwerferlicht, das ihre kunstvollen Seifenblasen wunderbar zur Geltung kommen lässt. In einer poetischen Aufmachung zaubert sie Kunstwerke, die so vergänglich sind. Ihre Bubbles haben verschiedene Größen. Mal kreiert sie nur eine, dann wieder unzählige. Mal ist die Luft voller kleiner Seifenblasen, kurze Zeit später wird ein Mädchen aus dem Publikum von einer einzigen verhüllt.


William Tournoud, Lucas Bergandi

Am ersten Feiertag hat William Tournoud Premiere im Kronebau in München. Doch zuvor darf er das Publikum in seiner französischen Heimat begeistern. Dies mit seinen außergewöhnlichen Balancen auf der Rola Rola. Denn diese zeigt er nicht auf einem festen Podest, sondern auf einer Plattform, die Richtung Kuppel gezogen wird. Sein Gleichgewichtssinn wird also gleich mehrfach herausgefordert. Ob auf mehreren Walzen, auf einem Ball oder beim Seilspringen, William Tournoud spielt mit den Nerven der Zuschauer, hat aber alles bestens im Griff. Um das Gleichgewicht geht es auch direkt nach der Pause. Lucas Bergandi fasziniert mit einer alles andere als gewöhnlichen Performance auf dem Drahtseil. Die Musik ist geheimnisvoll, erzeugt immer wieder neue Stimmungen. Der Franzose vollführt einen durchgehenden Tanz mit Bewegungsabläufen und Sprüngen, die aus dem Rahmen des Genres fallen. Salti und ein Spagat gehören zudem zu seinem ausdrucksstarken Auftritt. 2014 gewann er beim European Youth Circus Silber in der älteren Altersgruppe und den Preis des Tigerpalastes. Genau in dieses Varieté-Theater in Frankfurt am Main geht es für Lucas Bergandi nach dem Engagement bei Christiane Bouglione.


Yessica Ramos, Samuele Manfredini, Marion Bouglione

Noch einmal gehört die Manege Yessica Ramos. Noch einmal erleben wir sie als Jongleuse. Nun bewegt sie ihre Requisiten aber mit den Füßen. Bei ihren Antipodenspielen kommen ausschließlich Teppiche zum Einsatz. Diese lässt die junge Spanierin gekonnt auf Händen und Füßen rotieren. Dies sogar, wenn sie dabei kopfüber in die Luft gezogen wird. Zu „Purple Rain“ von Prince verwöhnt uns Samuele Manfredini mit starken Handstandvariationen, die er um akrobatische Sprünge ergänzt. Der smarte Italiener ist auf einer Hand genauso sicher unterwegs wie auf zwei. Beneidenswert, wie er seinen trainierten Körper im Griff hat und ihn in den verschiedensten Posen halten kann. Die anspruchsvollen Tricks serviert Samuele Manfredini äußerst charmant. Bald auch im 3. Weihnachtscircus Mönchengladbach. Mit Großillusionen beschließt Marion Bouglione die Spielfolge. Bei drei Kunststücken verblüfft uns das Mitglied der Direktionsfamilie gemeinsam mit ihren Magic Girls im Trio. Da werden Menschen in einer dreidimensionalen Raute vermeintlich durchstochen, um kurz danach unversehrt wieder aufzutauchen. Aus einer Kiste, die mit mehreren Stäben durchbohrt wird, erscheinen gleich drei Frauen, obwohl zu Beginn nur eine hereingeklettert war. Diese Zaubereien werden von Marion Bouglione ausdrucksstark präsentiert. Dem ausführlichen Finale schließt sich ein liebevoller Epilog an. Emilien Delbosq und sein Ministaubsauger werden vom weiblichen Teil des Ensembles abgeholt. Es ist Zeit, ins Bett zu gehen.

Wie immer nutzt Christiane Bouglione die Wochen vor dem Peak der Weihnachtscircussaison, um sehenswerte Darbietungen nach Paris zu holen. Dies ist ihr auch 2025 wieder vortrefflich gelungen. Das junge Ensemble besteht aus Könnern der jeweiligen Genres und weiß seine Kunst überzeugend zu präsentieren. Gemeinsam mit dem Ambiente und der weihnachtlichen Inszenierung entsteht daraus jene Magie, die Jahr für Jahr auf ganzer Linie fasziniert. Ohne den Besuch in diesem Cirque de Noel in Paris wäre die Adventszeit nicht komplett.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch