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Hier wurde schon in einem
innen mastenfreien Chapiteau gespielt, als solche Lösungen noch
kaum verbreitet waren. Es bietet knapp 900 Plätze, die sich
steil ansteigend um die kleine Manege gruppieren. Blickfang ist
der festliche Artisteneingang, der auf dem Orchesterpodium mit
zwei kleinen Balkonen links und rechts die 14 Musikerinnen und
Musiker der Big Band beherbergt. Die Ton- und Lichtregie
residiert auf einer kleinen Empore über den letzten
Zuschauerreihen. So ist der verfügbare Platz bestens ausgenutzt,
wodurch eine wundervoll kompakte Atmosphäre entsteht.

Das Conelli-Chapiteau auf
dem Bauschänzli in der Limmat
Diese herrscht auch im edel
gestalteten Foyer, das während der Vorstellung zum Sattelgang
wird. Über der zentralen Champagnerbar schwebt ein Pianist auf
einer gläsernen Plattform. Direktor Roby Gasser und der
langjährige Clown Roli Noirjean begrüßen am Einlass persönlich
jeden Gast, Mitglieder des Balletts oder Komiker Domino Gasser
kleben jedem, der es möchte, einen goldenen Stern auf die Wange.
Das ist sie, die besondere Conelli-Atmosphäre.
  
Regina Laruss, Peng Chan,
Roli und Tonino
Die Show beginnt mit einem großen
Opening, das die sechs schönen Damen des Balletts, den
langjährig bewährten Sänger und Ringmaster Evan Andrews und
Sängerin Ruth Calixta in der Manege vereint, allesamt in silbern
funkelnden Kostümen. „Going on a date“ ist der Titel des Songs,
der überraschend komplex und mit dominierenden Gesangsparts
daherkommt. Die Eröffnungsszene geht nahtlos über in den
Auftritt von Regina Laruss. Vom Orchesterpodium fliegt sie los
zu ihrem Strapaten-Act. Sie beeindruckt mit einem rasanten
Genickhangwirbel und sorgt für eine Schrecksekunde, als sie sich
aus einem Kreisel im Spagat direkt unter der Zeltkuppel in einen
Abfaller an einem Bein in die Tiefe stürzt, gehalten von dem
elastischen Strapatenband. Dazu bäumt sich die Musik dramatisch
auf. Auf außergewöhnliche Weise nutzt Peng Chan von MHD Diabolo
Art seine Requisiten: Sie werden von seinen drei Assistentinnen
eingeworfen, so dass er letztendlich unglaubliche fünf der
Doppelkegel auf der Schnur tanzen lässt. Nach dem Tod seines
langjährigen Manegenpartners Gaston hat Clown Roli in Tonino
Ferreira einen neuen Gegenspieler gefunden, und dies auch schon
in der vierten Saison. Da der Portugiese Tonino kein
Schweizerdeutsch spricht, wird nun mit weniger Worten, aber
nicht weniger lustig gespielt. Herrlich gleich die erste Szene,
in der Roli mit seinem „Chinesischen Ringspiel“ beeindrucken
will. Auf wundersame Weise verkettet er silberne Ringe
ineinander und löst sie wieder voneinander. Doch Tonino stiehlt
seinem Partner vollkommen die Show, denn ganz beiläufig und
scheinbar nicht gewollt schafft er es, unzählige Kleiderbügel
miteinander zu verbinden.
 
Haribow, Domino Gasser
Nachdem die Reifenspringer der
Truppe „African Dream“ nicht anreisen konnten, wurde mit „Haribow“
ein toller Ersatz gefunden. „Double Dutch“ nennt sich die von
den vier Jungs und einem Mädel beherrschte Seilspring-Technik,
bei der zumeist zwei Seile gegenläufig gedreht werden, während
die übrigen Akteure hindurch springen, tanzen und Salti
schlagen. Im fliegenden Wechsel lösen die Artisten sich beim
Seildrehen und Springen ab. Der Rausch der Geschwindigkeit ist
hier geradezu genretypisch und vereint sich mit dem live
gespielten und gesungenen „You make me feel“ zu einem
himmlischen Circusmoment. Ja, so fühlt sich großartiger Circus
an! Gleich darauf wird ordentlich das Tempo gedrosselt, wenn
Domino Gasser seine Parodie auf Show-Taschendiebe à la Charly
Borra und Kenny Quinn bringt. Sehr ausführlich gespielt gibt er
den Logengästen Dinge zurück, die er beim Einlass im Foyer
erobert haben will. Darunter nicht nur „Übliches“ wie Armbanduhr
und Geldbörse, sondern auch Schnauzbärte, ein (Puppen-)Baby und
gar einen Ehemann. Sicherlich käme es ihm entgegen, wenn ein
größerer Teil der Besucher die originalen
Pickpocket-Darbietungen kennen würde.
 
Lemon Brothers, Evan
Andrews, Jeremy Gasser, Ruth Calixta und Ballett
„Alright“ ist das Motto einer
großen Shownummer, die nicht nur das Ballett und das Gesangsduo,
sondern auch den Juniorchef Jeremy Gasser in den Mittelpunkt
stellt. An der Gitarre, auf dem Keyboard und am Saxofon beweist
er seine eindrucksvollen musikalischen Fähigkeiten. Im
fließenden Übergang, der so stilprägend ist für die
Conelli-Shows, geht es weiter mit der Schleuderbrett-Akrobatik
der Lemon Brothers. Mit Salti und Pirouetten sowie sehr hohen
Sprüngen, mal zur gegenüberliegenden Seite der Wippe und mal zur
Matte, reißt das Quartett in seinen gelben Anzügen das Publikum
mit. Für die Überleitung zur Pause sorgen Roli, Domino und
Tonino in einer amüsanten Szene, die sich darum dreht, dem
jeweils anderen sein frisch gezapftes Bier abzujagen. Ein
„kühles Blondes“ gibt es während der Unterbrechung auch für alle
Gäste, dies im Foyer und in der stilvollen Bar mit Blick auf die
Limmat. Und eine große Auswahl an weiteren Getränken und Snacks
natürlich auch.
  
Ximena Riveros, Domino
Gasser und Roli Noirjean, Truppe Addis Abeba
Jede einzelne Nummer wird bei
Conelli von der herrlichen Livemusik der Big Band begleitet. Im
zweiten Jahr hat Jan Zeyland den Taktstock übernommen. Bei einem
großen Medley zum Beginn des zweiten Programmteils steht das
Orchester selbst im Mittelpunkt. Ruhig und gefühlvoll ist die
nachfolgende Tanz- und Gesangsnummer, die wiederum in der
Solo-Luftnummer einer Dame mündet. Am Flying Pole demonstriert
Ximena Riveros Kraft, Mut und Beweglichkeit. Wagemutig rutscht
sie die lange Stange hinunter und hält sich rechtzeitig wieder
nur mit den Beinen. Flüge in großer Höhe, blitzschnelle
Rotationen und der Zahnhangwirbel werden mit Musik und Gesang zu
„Nothing else matters“ auf ein neues Level gehoben, ebenso wie
durch das herrliche Lichtdesign, das die gesamte Vorstellung mit
prägt. Für Entspannung und herrlich viel zu lachen sorgen die
Conelli-Clowns. Domino hat ein Rentier bestellt und will sich
von Roli mit der Figur fotografieren lassen, doch Tonino macht
diese hinter seinem Rücken gleich kaputt. Ein gezieltes
„Ablenkungsmanöver“ soll dafür sorgen, dass dies dem stolzen
Rentier-Besitzer verborgen bleibt. Gleich mit sechs Truppen – ab
vier Personen aufwärts – verwöhnt uns dieses Conelli-Programm.
Davon die größte Formation ist die Truppe Addis Abeba mit acht
Herren in eleganten Outfits, bestehend aus grauen Hosen, weißen
Hemden und schwarzen Hosenträgern. Handvoltigen sind ihr Metier.
Bis zum Drei-Personen-Hoch werden die Partner mit der Kraft der
Untermänner katapultiert, auch Passagen werden gesprungen. Im
zweiten Teil der begeisternden, temporeichen Darbietung steht
ein Artist auf den Schultern von zwei anderen und fungiert nun
als eine Art “menschlicher Fangstuhl”, wirft seine Kollegen aus
dieser Position zu den Fängern.
 
Conelli Dancers, Jeremy
Gasser
Ballett und Sänger bereiten
Jeremy Gasser seinen großen Auftritt. Der Songtitel „Why so
serious“ steht im bewussten Kontrast zu seiner humorvoll
verkauften Darbietung. Zu unserer Überraschung demonstriert der
Direktionsspross erstmals, dass er nicht nur gut Musik machen,
sondern auch jonglieren kann. Als moderner Gentleman bewegt er
nicht nur einen Hut und weiße Bälle, sondern auch – statt den
klassischen Zigarrenkisten – iPhone-Verpackungen. Eine
Eigenkonstruktion ist der Tisch, der ihm Requisiten zuwirft.
Dies alles kombiniert er mit Stepptanz.
Sein jongliertechnisches
und tänzerisches Können ist dabei so überzeugend, dass die Nummer auch ohne die
humoristischen Anleihen bei Steve Eleky bestens funktionieren
würde.
 
Truppe Rodion
Prilepin, Hakuna Matata
Ballett und Gesang zum
Beatles-Klassiker „Eleanor Rigby“ leiten uns zum Quartett von
Rodion Prilepin, das komplett zu der Ballade „Yesterday“ der
legendären britischen Band arbeitet, dies in eleganten blauen
Anzügen, die ebenfalls an die Musiker erinnen. Ihre Kombination
aus schwierigen Figuren der Partner-Akrobatik und
Handvoltige-Elementen besticht durch die Ruhe, die den
melancholischen Charakter des Songs aufnimmt. Die Akrobaten
türmen ihre Körper zu Skulpturen, auf denen der Obermann im
einarmigen Handstand auf dem Kopf eines Kollegen balanciert.
Stürmischer Applaus für dieses Glanzlicht im Programm. Für den
abschließenden Höhepunkt sorgt die zu Jahresbeginn beim „Cirque
de Demain“ mit Gold gekrönte Formation „Hakuna Matata“. Auf der
Rola Rola zeigen die vier Männer bärenstarke Tricks. Zum
Abschluss kommt ein Requisit zum Einsatz, das aus einer
halbrunden Wippe mit zwei Leitern links und rechts besteht.
Diese steigt einer der Artisten hinauf, einen Partner
Kopf-auf-Kopf tragend. Die beiden weiteren Akteure halten sich
außen an den Leitern, die Füße weit weg vom Boden. Der Beifall
steigert sich weiter. Schon in dieser allerersten Vorstellung
der Saison läuft das Programm so flüssig ab, als wäre es über
Wochen eingespielt. Auch der letzte Platz ist besetzt in dieser
Show, die im ausgiebig zelebrierten Finale mit geschlossenen
Standing Ovations endet. |