CHPITEAU.DE

Circus Conelli 2025
www.circusconelli.ch ; 179 Showfotos

Zürich, 22. November 2025: Mit Conelli beginnt für uns die Weihnachtszeit. Seit vielen Jahren reisen wir dafür in jedem Winter nach Zürich. Und auch wenn der Anblick inzwischen noch so vertraut ist: Ein Foto vom festlich beleuchteten Circuszelt an diesem magischen Ort darf niemals fehlen. Mitten in der Limmat ist es aufgebaut, auf dem Bauschänzli – einer ursprünglich als Wehranlage errichteten, fünfeckigen Flussinsel mit Fußgängersteg zum Stadthausquai. Nur gut 1800 Quadratmeter ist das Areal groß. So bedarf es einiger technischer Raffinessen, um hier einen exquisiten Weihnachtscircus zu veranstalten.

Hier wurde schon in einem innen mastenfreien Chapiteau gespielt, als solche Lösungen noch kaum verbreitet waren. Es bietet knapp 900 Plätze, die sich steil ansteigend um die kleine Manege gruppieren. Blickfang ist der festliche Artisteneingang, der auf dem Orchesterpodium mit zwei kleinen Balkonen links und rechts die 14 Musikerinnen und Musiker der Big Band beherbergt. Die Ton- und Lichtregie residiert auf einer kleinen Empore über den letzten Zuschauerreihen. So ist der verfügbare Platz bestens ausgenutzt, wodurch eine wundervoll kompakte Atmosphäre entsteht.


Das Conelli-Chapiteau auf dem Bauschänzli in der Limmat

Diese herrscht auch im edel gestalteten Foyer, das während der Vorstellung zum Sattelgang wird. Über der zentralen Champagnerbar schwebt ein Pianist auf einer gläsernen Plattform. Direktor Roby Gasser und der langjährige Clown Roli Noirjean begrüßen am Einlass persönlich jeden Gast, Mitglieder des Balletts oder Komiker Domino Gasser kleben jedem, der es möchte, einen goldenen Stern auf die Wange. Das ist sie, die besondere Conelli-Atmosphäre.


Regina Laruss, Peng Chan, Roli und Tonino

Die Show beginnt mit einem großen Opening, das die sechs schönen Damen des Balletts, den langjährig bewährten Sänger und Ringmaster Evan Andrews und Sängerin Ruth Calixta in der Manege vereint, allesamt in silbern funkelnden Kostümen. „Going on a date“ ist der Titel des Songs, der überraschend komplex und mit dominierenden Gesangsparts daherkommt. Die Eröffnungsszene geht nahtlos über in den Auftritt von Regina Laruss. Vom Orchesterpodium fliegt sie los zu ihrem Strapaten-Act. Sie beeindruckt mit einem rasanten Genickhangwirbel und sorgt für eine Schrecksekunde, als sie sich aus einem Kreisel im Spagat direkt unter der Zeltkuppel in einen Abfaller an einem Bein in die Tiefe stürzt, gehalten von dem elastischen Strapatenband. Dazu bäumt sich die Musik dramatisch auf. Auf außergewöhnliche Weise nutzt Peng Chan von MHD Diabolo Art seine Requisiten: Sie werden von seinen drei Assistentinnen eingeworfen, so dass er letztendlich unglaubliche fünf der Doppelkegel auf der Schnur tanzen lässt. Nach dem Tod seines langjährigen Manegenpartners Gaston hat Clown Roli in Tonino Ferreira einen neuen Gegenspieler gefunden, und dies auch schon in der vierten Saison. Da der Portugiese Tonino kein Schweizerdeutsch spricht, wird nun mit weniger Worten, aber nicht weniger lustig gespielt. Herrlich gleich die erste Szene, in der Roli mit seinem „Chinesischen Ringspiel“ beeindrucken will. Auf wundersame Weise verkettet er silberne Ringe ineinander und löst sie wieder voneinander. Doch Tonino stiehlt seinem Partner vollkommen die Show, denn ganz beiläufig und scheinbar nicht gewollt schafft er es, unzählige Kleiderbügel miteinander zu verbinden.


Haribow, Domino Gasser

Nachdem die Reifenspringer der Truppe „African Dream“ nicht anreisen konnten, wurde mit „Haribow“ ein toller Ersatz gefunden. „Double Dutch“ nennt sich die von den vier Jungs und einem Mädel beherrschte Seilspring-Technik, bei der zumeist zwei Seile gegenläufig gedreht werden, während die übrigen Akteure hindurch springen, tanzen und Salti schlagen. Im fliegenden Wechsel lösen die Artisten sich beim Seildrehen und Springen ab. Der Rausch der Geschwindigkeit ist hier geradezu genretypisch und vereint sich mit dem live gespielten und gesungenen „You make me feel“ zu einem himmlischen Circusmoment. Ja, so fühlt sich großartiger Circus an! Gleich darauf wird ordentlich das Tempo gedrosselt, wenn Domino Gasser seine Parodie auf Show-Taschendiebe à la Charly Borra und Kenny Quinn bringt. Sehr ausführlich gespielt gibt er den Logengästen Dinge zurück, die er beim Einlass im Foyer erobert haben will. Darunter nicht nur „Übliches“ wie Armbanduhr und Geldbörse, sondern auch Schnauzbärte, ein (Puppen-)Baby und gar einen Ehemann. Sicherlich käme es ihm entgegen, wenn ein größerer Teil der Besucher die originalen Pickpocket-Darbietungen kennen würde.


Lemon Brothers, Evan Andrews, Jeremy Gasser, Ruth Calixta und Ballett

„Alright“ ist das Motto einer großen Shownummer, die nicht nur das Ballett und das Gesangsduo, sondern auch den Juniorchef Jeremy Gasser in den Mittelpunkt stellt. An der Gitarre, auf dem Keyboard und am Saxofon beweist er seine eindrucksvollen musikalischen Fähigkeiten. Im fließenden Übergang, der so stilprägend ist für die Conelli-Shows, geht es weiter mit der Schleuderbrett-Akrobatik der Lemon Brothers. Mit Salti und Pirouetten sowie sehr hohen Sprüngen, mal zur gegenüberliegenden Seite der Wippe und mal zur Matte, reißt das Quartett in seinen gelben Anzügen das Publikum mit. Für die Überleitung zur Pause sorgen Roli, Domino und Tonino in einer amüsanten Szene, die sich darum dreht, dem jeweils anderen sein frisch gezapftes Bier abzujagen. Ein „kühles Blondes“ gibt es während der Unterbrechung auch für alle Gäste, dies im Foyer und in der stilvollen Bar mit Blick auf die Limmat. Und eine große Auswahl an weiteren Getränken und Snacks natürlich auch.


Ximena Riveros, Domino Gasser und Roli Noirjean, Truppe Addis Abeba

Jede einzelne Nummer wird bei Conelli von der herrlichen Livemusik der Big Band begleitet. Im zweiten Jahr hat Jan Zeyland den Taktstock übernommen. Bei einem großen Medley zum Beginn des zweiten Programmteils steht das Orchester selbst im Mittelpunkt. Ruhig und gefühlvoll ist die nachfolgende Tanz- und Gesangsnummer, die wiederum in der Solo-Luftnummer einer Dame mündet. Am Flying Pole demonstriert Ximena Riveros Kraft, Mut und Beweglichkeit. Wagemutig rutscht sie die lange Stange hinunter und hält sich rechtzeitig wieder nur mit den Beinen. Flüge in großer Höhe, blitzschnelle Rotationen und der Zahnhangwirbel werden mit Musik und Gesang zu „Nothing else matters“ auf ein neues Level gehoben, ebenso wie durch das herrliche Lichtdesign, das die gesamte Vorstellung mit prägt. Für Entspannung und herrlich viel zu lachen sorgen die Conelli-Clowns. Domino hat ein Rentier bestellt und will sich von Roli mit der Figur fotografieren lassen, doch Tonino macht diese hinter seinem Rücken gleich kaputt. Ein gezieltes „Ablenkungsmanöver“ soll dafür sorgen, dass dies dem stolzen Rentier-Besitzer verborgen bleibt. Gleich mit sechs Truppen – ab vier Personen aufwärts – verwöhnt uns dieses Conelli-Programm. Davon die größte Formation ist die Truppe Addis Abeba mit acht Herren in eleganten Outfits, bestehend aus grauen Hosen, weißen Hemden und schwarzen Hosenträgern. Handvoltigen sind ihr Metier. Bis zum Drei-Personen-Hoch werden die Partner mit der Kraft der Untermänner katapultiert, auch Passagen werden gesprungen. Im zweiten Teil der begeisternden, temporeichen Darbietung steht ein Artist auf den Schultern von zwei anderen und fungiert nun als eine Art “menschlicher Fangstuhl”, wirft seine Kollegen aus dieser Position zu den Fängern.


Conelli Dancers, Jeremy Gasser

Ballett und Sänger bereiten Jeremy Gasser seinen großen Auftritt. Der Songtitel „Why so serious“ steht im bewussten Kontrast zu seiner humorvoll verkauften Darbietung. Zu unserer Überraschung demonstriert der Direktionsspross erstmals, dass er nicht nur gut Musik machen, sondern auch jonglieren kann. Als moderner Gentleman bewegt er nicht nur einen Hut und weiße Bälle, sondern auch – statt den klassischen Zigarrenkisten – iPhone-Verpackungen. Eine Eigenkonstruktion ist der Tisch, der ihm Requisiten zuwirft. Dies alles kombiniert er mit Stepptanz.  Sein jongliertechnisches und tänzerisches Können ist dabei so überzeugend, dass die Nummer auch ohne die humoristischen Anleihen bei Steve Eleky bestens funktionieren würde.


Truppe Rodion Prilepin, Hakuna Matata

Ballett und Gesang zum Beatles-Klassiker „Eleanor Rigby“ leiten uns zum Quartett von Rodion Prilepin, das komplett zu der Ballade „Yesterday“ der legendären britischen Band arbeitet, dies in eleganten blauen Anzügen, die ebenfalls an die Musiker erinnen. Ihre Kombination aus schwierigen Figuren der Partner-Akrobatik und Handvoltige-Elementen besticht durch die Ruhe, die den melancholischen Charakter des Songs aufnimmt. Die Akrobaten türmen ihre Körper zu Skulpturen, auf denen der Obermann im einarmigen Handstand auf dem Kopf eines Kollegen balanciert. Stürmischer Applaus für dieses Glanzlicht im Programm. Für den abschließenden Höhepunkt sorgt die zu Jahresbeginn beim „Cirque de Demain“ mit Gold gekrönte Formation „Hakuna Matata“. Auf der Rola Rola zeigen die vier Männer bärenstarke Tricks. Zum Abschluss kommt ein Requisit zum Einsatz, das aus einer halbrunden Wippe mit zwei Leitern links und rechts besteht. Diese steigt einer der Artisten hinauf, einen Partner Kopf-auf-Kopf tragend. Die beiden weiteren Akteure halten sich außen an den Leitern, die Füße weit weg vom Boden. Der Beifall steigert sich weiter. Schon in dieser allerersten Vorstellung der Saison läuft das Programm so flüssig ab, als wäre es über Wochen eingespielt. Auch der letzte Platz ist besetzt in dieser Show, die im ausgiebig zelebrierten Finale mit geschlossenen Standing Ovations endet.

Roby Gasser, Ehefrau Cindy und Sohn Jeremy – sein Bruder Tyron bleibt im Hintergrund – kommen zum Schlussapplaus in die Manege. Der Direktor spricht die Abschiedsworte. „I hear a symphony“ ist der Song, den Evan Andrews im emotionalen Epilog der Show am Klavier interpretiert. Dieses musikalische Fazit trifft den Kern: Denn die Vorstellung lief so rund und harmonisch ab, als hätte man einer großartigen Symphonie gelauscht. Noch in der Hektik des Alltags nach Zürich gereist, verlassen wir den Conelli wie verwandelt, in festliche Weihnachtsstimmung versetzt. Ein Auftakt nach Maß für eine hoffentlich großartige Weihnachtssaison 2025/26.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll