|
So stehen im Chapiteau, eben jenem Tipidrom, Tische auf
verschiedenen Ebenen um die Rundbühne herum. Das Ambiente ist
edel gestaltet, etwa mit Kronleuchtern, die an der Decke hängen.
Die Speisen gibt es vor dem Beginn der Show, Getränke werden den
ganzen Abend an den Platz serviert. So kann man den Genuss der
Show mit Gaumenfreuden abrunden.

Das
Tipidrom auf dem Karolinenplatz
Die aktuelle
Produktion steht unter dem Titel „Impuls – Spüre den Puls von
Impuls“. Sie wird ohne Pause gespielt und folgt dem Grundkonzept
des vergangenen Jahres. Artistik, Tanz und Comedy wechseln sich
in fast schon atemberaubender Geschwindigkeit ab. Auf eine
kreative Rahmenhandlung verzichtet Macher James Jungeli auch
2025 wieder und konzentriert sich stattdessen auf einen
nahtlosen Ablauf der Vorstellung. Der Artisteneingang wird von
der unverhüllten Motorradkugel dominiert. Sie spielt keine Rolle
in der Inszenierung, so dass sie diesen Platz wohl nur aus
logistischen Gründen einnimmt. Zudem wird so der
Überraschungseffekt der Schlussnummer genommen. Ferner befinden
sich auf dem Bühnenbild mehrere Flächen, auf denen Animationen
gezeigt werden und es gibt Beleuchtungselemente. In der oberen
Etage haben die beiden Drummer ihren Platz, die den Puls der
Show vorgeben und diese mit ihren Beats live begleiten.

Die
Tänzerinnen des Balletts
Musikalisch wird
vor allen Dingen auf flotte Poprhythmen gesetzt. Zumeist sind es
bekannte Stücke, die gut ins Ohr gehen, mitreißen. Das
Lichtdesign ist wiederum stark und leistet so seinen wertvollen
Beitrag zur Gesamtwirkung der Show. Davon profitieren natürlich
auch die fünf Tänzerinnen. Die Damen sind ausgesprochen hübsch,
tragen bei jedem Auftritt neue, sehr ansprechende Kostüme und
haben eine tolle Präsenz. Den Kontakt zum Publikum stellen sie
so bei allen ihrer abwechslungsreichen Choreographien spielend
her. Hier sind Profis am Werk, die ihre Passion hervorragend
beherrschen, ein Genuss.
 
Archie
Clapp, Okan Seese
Da die Mitwirkenden bei Da Capo in der
Regel auf der Homepage nicht kommuniziert werden, ist bei dieser
Premiere jeder Auftritt eine Überraschung. Diese
ist 2025 insbesondere im Bereich Comedy gelungen. Bis dato
unbekannt für mich war Okan Seese. Der Comedian ist nach eigener
Beschreibung auf seiner Website „taub, schwul und
türkischstämmig“. Er übernimmt auf hochhackigen Schuhen im
blauen Anzug mit passender Mütze auch gleich das Warm up. Dies
mithilfe großer beschriebener Papptafen sowie grandioser Mimik
und Gestik. Man schließt ihn sofort ins Herz. So erfahren wir,
in wie vielen Minuten die Show startet und was erlaubt bzw.
verboten ist. In seinem zweiten Auftritt ist Archie Clapp mit
von der Partie, den ich schon erleben durfte. Dieser übersetzt
all das in gesprochenes Wort, was Okan Seese in Gebärdensprache
ausdrückt. Das alleine ist schon äußerst witzig, das
Zusammenspiel der beiden steigert den Spaß noch. Seese erleben
wir später im Programm noch einmal mit einem Solo. Archie Clapp
darf uns in einem weiteren Einsatz verzaubern. Wobei die Tricks
hier nur Nebensache sind, der Humor steht eindeutig im
Vordergrund. Sei es, wenn er ein (Baby-)Foto genau des
Prominenten im Umschlag dabeihat, an den ein Zuschauer gerade
denkt, oder wenn er einen Würfel verschwinden lässt. Seine
Kommentare dabei sind irre komisch. Das gilt ebenso, wenn der
Berliner als Super-Archie im gewagten Heldenoutfit auf einer
Leiter balanciert und dabei mit einzeln entzündeten LED-Fackeln
jongliert. Die Assistenz übernimmt ein Gast aus dem Publikum.
Die beiden Comedians machen einen genialen Job, die
Publikumsreaktionen sprechen für sich.
  
Millennium
Collection, Alona Chirva, Duo Togni
Auch bei den
artistischen Darbietungen ist jeder neue Act wieder
überraschend. Wer mag wohl als nächstes im Scheinwerferlicht
stehen? Für Abwechslung ist alleine schon deswegen gesorgt, weil
nur Genres zu sehen sind, die im vergangenen Jahr nicht besetzt
waren. Den fulminanten Auftakt legt die Formation Millennium
Collection hin. Das sind zwei Artistinnen und drei Artisten aus
Japan, die extrem cool drauf sind. Voller Energie springen sie
Seil. Doch das hat rein gar nichts mit dem Kinderspiel vom
Schulhof zu tun. Hier erleben wir richtig starke Akrobatik. Die
Sprünge sind spektakulär und abwechslungsreich. Die Seile
rotieren dazu in atemberaubender Geschwindigkeit. Die Musik
treibt das Quintett zu immer neuen Tricks, die zu einer
abgerundeten Choreo verschmelzen. In die Luft geht es mit Alona
Chirva. Schon im Opening mit dem gesamten Ensemble dufte die
blonde Ukrainerin eine erste Kostprobe ihrer Kunst zeigen. Nun
verzaubert sie uns mit ihrer Kür an den Strapaten. Was vom
Zuschauerraum aus so traumhaft leicht aussieht, enthält durchaus
riskante Elemente. Doch die sympathische Alona Chirva ist Profi
und beherrscht auch Kunststücke wie den Spagat zwischen den
beiden Bändern ohne Zuhilfenahme der Hände souverän. Wahre
Wirbelwinde sind Michael und Dario Togni. Der eine jongliert den
anderen mit den Füßen, dass es eine wahre Freude ist. Mit seinen
Ikarischen Spielen sorgt das Duo Togni für ordentlich
Geschwindigkeit. Bei Salti und anderen Sprüngen dreht sich der
Flieger immer schneller. Bis hin zu unablässig hintereinander
gesprungen Salti zum Finale, für die ein Podest in der Mitte der
Bühne nach oben gefahren wird. Die hochgewachsenen Brüder sind
echte Showmen, was sie etwa beim eingebauten Scheinsturz
charmant ausspielen.
  
Trio Uniqum,
Alona Chirva, Black Panthers
Den ruhigen
Kontrast dazu setzt das Trio Uniqum. Die Artisten kombinieren
Equilibristik mit Handvoltigen, wobei zumindest am
Premierenabend letzteres ihre Stärke ist. Die sicheren Flüge des
Obermanns mit immer mehr Umdrehungen sind schier unglaublich.
Den Menschentürmen mit Handstand-Elementen fehlt teilweise die
Sicherheit. Da mag möglicherweise ein wenig die Nervosität der
ersten Show eine gewisse Rolle gespielt haben. Nichtsdestotrotz
auch dies ein sehr sehenswerter Auftritt. Nicht nur an den
Strapaten, sondern ebenfalls am Flying Pole macht Alona Chirva
eine glänzende Figur. Daran bezaubert sie mit akrobatischen
Figuren hoch über den Köpfen der Zuschauer. Auch hier ist wieder
ein guter Schuss Wagemut um Spiel. Die Lebensfreude ihrer
kubanischen Heimat bringen die Black Panthers mit nach
Darmstadt. Die drei jungen Männer tragen die Sonne im Herzen und
sind zudem wahre Könner am Russischen Barren. Die beiden
Porteure katapultieren den Obermann zu wahren Höhenflügen in die
Luft. Kontrolliert führt diese verschiedenste Sprungvarianten
aus, um wieder sicher auf dem federnden Balken zu landen.
  
Duo
Stardust, Motorradkugel, Szene aus dem Finale
Das Duo Stardust
feierte bereits beim „Supertalent“ und seinen internationalen
Pendants Erfolge. Kein Wunder, schließlich heben die beiden
Artisten die Rollschuhakrobatik auf ein neues Level. Das im
wahrsten Sinne des Wortes, denn bei zwei Tricks kommen Strapaten
zum Einsatz. So etwa am Schluss beim Genickhangwirbel. Nach den
ersten Runden auf einer Plattform werden die beiden Richtung
Kuppel gezogen, um dort weiter zu kreisen. Das sieht spektakulär
aus und ist sicher mit ordentlich Kraft- sowie
Koordinationsaufwand verbunden. Natürlich hat das Duo Stardust
auch einige der Klassiker des Genres im Repertoire. Während die
Motorradkugel in die Bühnenmitte gebracht wird, dürfen sich die
Drummer mit jeweils einer Trommel im Zuschauerraum präsentieren.
Auch die Tänzerinnen sind mit von der Partie. Danach drehen eine
Fahrerin und drei Fahrer ihre tollkühnen Runden durch die
Stahlgitterkugel. Dies sogar im Dunkeln mit Leuchtelementen an
den Maschinen. Ein fünfter Fahrer kommt in Kürze hinzu.
Ausgiebig zelebriert wird das farbenfrohe Finale mit allen
Mitwirkenden. Das Premierenpublikum feiert sie mit Standing
Ovations. Es ist eine ausgelassene Party. |