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Da Capo Darmstadt 2025
www.dacapo-variete.de ; 124 Showfotos

Darmstadt, 20. November 2025: Ohne die Zeltbauten von Da Capo auf dem Karolinenplatz ist die Advents- und Weihnachtszeit in Darmstadt nicht mehr denkbar. Und so erstrahlt das Tipidrom mit Vorzelt und Fassade auch in diesem Jahr wieder vor dem Hessischen Staatsarchiv. In der Dunkelheit funkeln die Lichter und erhellen in schönster Weise die Nacht. Sie ziehen die Besucher fast schon herein, diesen Anblick kann man schwer ignorieren. Im Inneren angekommen gibt man an der Garderobe seine Jacke ab. Außerdem ist im ersten Zelt das Büffet aufgebaut. Die Show kann wiederum mit und ohne Dinner gebucht werden.

So stehen im Chapiteau, eben jenem Tipidrom, Tische auf verschiedenen Ebenen um die Rundbühne herum. Das Ambiente ist edel gestaltet, etwa mit Kronleuchtern, die an der Decke hängen. Die Speisen gibt es vor dem Beginn der Show, Getränke werden den ganzen Abend an den Platz serviert. So kann man den Genuss der Show mit Gaumenfreuden abrunden.


Das Tipidrom auf dem Karolinenplatz

Die aktuelle Produktion steht unter dem Titel „Impuls – Spüre den Puls von Impuls“. Sie wird ohne Pause gespielt und folgt dem Grundkonzept des vergangenen Jahres. Artistik, Tanz und Comedy wechseln sich in fast schon atemberaubender Geschwindigkeit ab. Auf eine kreative Rahmenhandlung verzichtet Macher James Jungeli auch 2025 wieder und konzentriert sich stattdessen auf einen nahtlosen Ablauf der Vorstellung. Der Artisteneingang wird von der unverhüllten Motorradkugel dominiert. Sie spielt keine Rolle in der Inszenierung, so dass sie diesen Platz wohl nur aus logistischen Gründen einnimmt. Zudem wird so der Überraschungseffekt der Schlussnummer genommen. Ferner befinden sich auf dem Bühnenbild mehrere Flächen, auf denen Animationen gezeigt werden und es gibt Beleuchtungselemente. In der oberen Etage haben die beiden Drummer ihren Platz, die den Puls der Show vorgeben und diese mit ihren Beats live begleiten.


Die Tänzerinnen des Balletts

Musikalisch wird vor allen Dingen auf flotte Poprhythmen gesetzt. Zumeist sind es bekannte Stücke, die gut ins Ohr gehen, mitreißen. Das Lichtdesign ist wiederum stark und leistet so seinen wertvollen Beitrag zur Gesamtwirkung der Show. Davon profitieren natürlich auch die fünf Tänzerinnen. Die Damen sind ausgesprochen hübsch, tragen bei jedem Auftritt neue, sehr ansprechende Kostüme und haben eine tolle Präsenz. Den Kontakt zum Publikum stellen sie so bei allen ihrer abwechslungsreichen Choreographien spielend her. Hier sind Profis am Werk, die ihre Passion hervorragend beherrschen, ein Genuss.


Archie Clapp, Okan Seese

Da die Mitwirkenden bei Da Capo in der Regel auf der Homepage nicht kommuniziert werden, ist bei dieser Premiere jeder Auftritt eine Überraschung. Diese ist 2025 insbesondere im Bereich Comedy gelungen. Bis dato unbekannt für mich war Okan Seese. Der Comedian ist nach eigener Beschreibung auf seiner Website „taub, schwul und türkischstämmig“. Er übernimmt auf hochhackigen Schuhen im blauen Anzug mit passender Mütze auch gleich das Warm up. Dies mithilfe großer beschriebener Papptafen sowie grandioser Mimik und Gestik. Man schließt ihn sofort ins Herz. So erfahren wir, in wie vielen Minuten die Show startet und was erlaubt bzw. verboten ist. In seinem zweiten Auftritt ist Archie Clapp mit von der Partie, den ich schon erleben durfte. Dieser übersetzt all das in gesprochenes Wort, was Okan Seese in Gebärdensprache ausdrückt. Das alleine ist schon äußerst witzig, das Zusammenspiel der beiden steigert den Spaß noch. Seese erleben wir später im Programm noch einmal mit einem Solo. Archie Clapp darf uns in einem weiteren Einsatz verzaubern. Wobei die Tricks hier nur Nebensache sind, der Humor steht eindeutig im Vordergrund. Sei es, wenn er ein (Baby-)Foto genau des Prominenten im Umschlag dabeihat, an den ein Zuschauer gerade denkt, oder wenn er einen Würfel verschwinden lässt. Seine Kommentare dabei sind irre komisch. Das gilt ebenso, wenn der Berliner als Super-Archie im gewagten Heldenoutfit auf einer Leiter balanciert und dabei mit einzeln entzündeten LED-Fackeln jongliert. Die Assistenz übernimmt ein Gast aus dem Publikum. Die beiden Comedians machen einen genialen Job, die Publikumsreaktionen sprechen für sich.


Millennium Collection, Alona Chirva, Duo Togni

Auch bei den artistischen Darbietungen ist jeder neue Act wieder überraschend. Wer mag wohl als nächstes im Scheinwerferlicht stehen? Für Abwechslung ist alleine schon deswegen gesorgt, weil nur Genres zu sehen sind, die im vergangenen Jahr nicht besetzt waren. Den fulminanten Auftakt legt die Formation Millennium Collection hin. Das sind zwei Artistinnen und drei Artisten aus Japan, die extrem cool drauf sind. Voller Energie springen sie Seil. Doch das hat rein gar nichts mit dem Kinderspiel vom Schulhof zu tun. Hier erleben wir richtig starke Akrobatik. Die Sprünge sind spektakulär und abwechslungsreich. Die Seile rotieren dazu in atemberaubender Geschwindigkeit. Die Musik treibt das Quintett zu immer neuen Tricks, die zu einer abgerundeten Choreo verschmelzen. In die Luft geht es mit Alona Chirva. Schon im Opening mit dem gesamten Ensemble dufte die blonde Ukrainerin eine erste Kostprobe ihrer Kunst zeigen. Nun verzaubert sie uns mit ihrer Kür an den Strapaten. Was vom Zuschauerraum aus so traumhaft leicht aussieht, enthält durchaus riskante Elemente. Doch die sympathische Alona Chirva ist Profi und beherrscht auch Kunststücke wie den Spagat zwischen den beiden Bändern ohne Zuhilfenahme der Hände souverän. Wahre Wirbelwinde sind Michael und Dario Togni. Der eine jongliert den anderen mit den Füßen, dass es eine wahre Freude ist. Mit seinen Ikarischen Spielen sorgt das Duo Togni für ordentlich Geschwindigkeit. Bei Salti und anderen Sprüngen dreht sich der Flieger immer schneller. Bis hin zu unablässig hintereinander gesprungen Salti zum Finale, für die ein Podest in der Mitte der Bühne nach oben gefahren wird. Die hochgewachsenen Brüder sind echte Showmen, was sie etwa beim eingebauten Scheinsturz charmant ausspielen.


Trio Uniqum, Alona Chirva, Black Panthers

Den ruhigen Kontrast dazu setzt das Trio Uniqum. Die Artisten kombinieren Equilibristik mit Handvoltigen, wobei zumindest am Premierenabend letzteres ihre Stärke ist. Die sicheren Flüge des Obermanns mit immer mehr Umdrehungen sind schier unglaublich. Den Menschentürmen mit Handstand-Elementen fehlt teilweise die Sicherheit. Da mag möglicherweise ein wenig die Nervosität der ersten Show eine gewisse Rolle gespielt haben. Nichtsdestotrotz auch dies ein sehr sehenswerter Auftritt. Nicht nur an den Strapaten, sondern ebenfalls am Flying Pole macht Alona Chirva eine glänzende Figur. Daran bezaubert sie mit akrobatischen Figuren hoch über den Köpfen der Zuschauer. Auch hier ist wieder ein guter Schuss Wagemut um Spiel. Die Lebensfreude ihrer kubanischen Heimat bringen die Black Panthers mit nach Darmstadt. Die drei jungen Männer tragen die Sonne im Herzen und sind zudem wahre Könner am Russischen Barren. Die beiden Porteure katapultieren den Obermann zu wahren Höhenflügen in die Luft. Kontrolliert führt diese verschiedenste Sprungvarianten aus, um wieder sicher auf dem federnden Balken zu landen.


Duo Stardust, Motorradkugel, Szene aus dem Finale

Das Duo Stardust feierte bereits beim „Supertalent“ und seinen internationalen Pendants Erfolge. Kein Wunder, schließlich heben die beiden Artisten die Rollschuhakrobatik auf ein neues Level. Das im wahrsten Sinne des Wortes, denn bei zwei Tricks kommen Strapaten zum Einsatz. So etwa am Schluss beim Genickhangwirbel. Nach den ersten Runden auf einer Plattform werden die beiden Richtung Kuppel gezogen, um dort weiter zu kreisen. Das sieht spektakulär aus und ist sicher mit ordentlich Kraft- sowie Koordinationsaufwand verbunden. Natürlich hat das Duo Stardust auch einige der Klassiker des Genres im Repertoire. Während die Motorradkugel in die Bühnenmitte gebracht wird, dürfen sich die Drummer mit jeweils einer Trommel im Zuschauerraum präsentieren. Auch die Tänzerinnen sind mit von der Partie. Danach drehen eine Fahrerin und drei Fahrer ihre tollkühnen Runden durch die Stahlgitterkugel. Dies sogar im Dunkeln mit Leuchtelementen an den Maschinen. Ein fünfter Fahrer kommt in Kürze hinzu. Ausgiebig zelebriert wird das farbenfrohe Finale mit allen Mitwirkenden. Das Premierenpublikum feiert sie mit Standing Ovations. Es ist eine ausgelassene Party.

Mit „Impuls“ zeigt Da Capo eine rasante Show im stilvollen Ambiente. Der artistische Part bietet spannende Neuentdeckungen und bekannte Gesichter. Die Comedy ist herrlich witzig und die Choreographien der Tänzerinnen sind eine Augenweide. Alle Bereiche sind stark besetzt. Noch bis zum Silvesterabend funkeln die Sterne bei insgesamt 50 Shows auf dem Karolinenplatz in Darmstadt. Jene auf dem Dach des Tipidroms und jene auf der Bühne darin.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch