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Thomas Merz ist
jetzt nicht mehr dabei. Er ist aus rein privaten Gründen
ausgeschieden, wie beide betonen. Sie sind nach wie vor
freundschaftlich verbunden.

Chapiteau des Weihnachtscircus Düsseldorf
Der Vorteil von vier Standorten wird geschickt genutzt, einige
der Artisten wechseln von Show zu Show. Ein Gewinn für alle
Beteiligten. Auch die Zuschauer etwa in Düsseldorf stört es
wenig, wenn die gerade gesehene Darbietung ein Jahr zuvor in
Remscheid engagiert war. Vielmehr bietet sich so die
Möglichkeit, starke Acts für mehrere Spielzeiten nach NRW zu
holen.

Szene aus dem Finale
Doch nicht nur auf die Darbietungen selbst legt Stefan Ballack
wert, auch die Aufmachung der Vorstellungen gewinnt an
Bedeutung. Das geht los beim blau-gelben Spielzelt mit in Summe
acht Masten. So befinden sich Restauration, Auditorium und
Backstagebereich unter einem Dach. Das Gradin im Inneren ist von
den ersten Logenreihen an ansteigend. In den ersten drei Reihen
gibt es Klappsitze der neuen Generation, dahinter Schalensitze.
„Weihnachtscircus Düsseldorf“ prangt in großen Lettern am
Artisteneingang. Für die Regie wurde einmal mehr Patrick Rosseel
gewonnen. Musikalisch begleitet wird die Show von einem
siebenköpfigen Orchester aus dem Hause von Pierre Pichaud. Das
Spiel ist fantastisch, die Soundtechnik wurde gegenüber dem
Vorjahr deutlich verbessert, lässt aber noch etwas Luft nach oben.
  
Mitglied des Orchesters, Olena, Duo Monastyrsky
Der Violinistin und ihren sechs Kollegen gehört auch der
Auftakt. Sie eröffnen das Opening in der Manege auf ihren
Instrumenten spielend. Sodann kommt das weitere Ensemble
fröhlich klatschend herein. Die Stimmung ist von Anfang an
bestens. Die Mitwirkenden zeigen Ausschnitte ihrer Kunst, in der
Luft erleben wir Olena am Kronleuchter. Es ist ein Charivari im
besten Sinne, wie es heute leider viel zu selten zu sehen ist.
Einzig die beiden Playback-Sänger irritieren etwas, erkennt man
sie doch recht spät, freut sich dann über den Livegesang und
merkt eben doch, dass hier nur die Lippen bewegt werden. Mit dem
Duo Monastyrsky kommen wir in den Genuss einer der stärksten
Quick-Change-Darbietungen. Die Kostümwechsel gelingen hier
wirklich auf magische Weise. Sowohl bei ihr als auch bei ihm.
Schlusspunkt ihrer Nummer mit vielen Tanzelementen ist das
Umziehen in Sekundenschnelle unter einem Glitterregen. Bei einer
kleinen Zauberei mit zwei Zuschauern darf sich Clown David
Marquez vorstellen.
  
Steven Ferreri, Inspire, Sage Macaggi
Derweil wird das Drahtseil aufgebaut, auf dem Steven Ferreri
kurz darauf voller Energie sein Können zeigt. Er tanzt auf dem
gespannten Draht, macht einen Satz über eine mit Messern
besetzte Fahne und springt Seil. Krönung seiner Darbietung sind
der Rückwärts- und Vorwärtssalto, die er beide souverän steht.
Beim Jonglieren mit drei Keulen verletzt sich David Marquez
immer wieder an einen anderen Körperteil. Eine Zuschauerin in
der ersten Reihe „darf“ für Linderung durch einen Kuss auf die
jeweilige Stelle sorgen. Tanz und Akrobatik verbindet die
neunköpfige Formation Inspire. In eleganten Kostümen heizen
deren Mitglieder die Stimmung weiter an. In ihre mitreißende
Choreographie integrieren sie Handstandakrobatik und Breakdance.
Als Solist steht Sage Macaggi im Scheinwerferlicht. Bei seinen
Jonglagen beschränkt er sich auf rote Hüte als Requisiten. Diese
lässt er höchst sympathisch in einer durchdachten Trickfolge
durch die Luft fliegen. Bis zu sechs Hüte jongliert er
gleichzeitig. Sogar mit den Füßen beginnt er seine
variantenreichen Touren.
 
Kevin Gruss, Haribow Crew
Für einen kleinen Schneesturm sorgt Nicolas del Pozo bei seinem
ersten Auftritt. Zusammen mit einer Partnerin lässt der
Illusionist auf dem Gradin stehend kleine Papierschnipsel
wirbeln. Erst sind es wenige, dann werden es auf unerklärliche
Weise immer mehr. Der Clou an der Strapatennummer von Kevin
Gruss ist, dass die beiden schwarzen Bänder federnd aufgehängt
sind. So kann er tatsächlich für Bruchteile von Sekunden frei
fliegen. Seine Umschwünge und weiteren Tricks bekommen damit
noch mehr Dynamik. Einen Hype in hiesigen Circusmanegen erfährt
derzeit die Disziplin Double Dutch, sprich extrem schnelles
Seilspringen mit zumeist zwei Seilen. In Düsseldorf erleben wir
ein Quintett aus dem Hause Haribow. Die Crew ist verdammt cool
unterwegs und begeistert mit wirklich abgefahrenen
Sprungkombinationen. Die Artisten erwischen immer genau den
richtigen Augenblick, um zwischen die rotierenden Seile zu
springen. Das Publikum holen sie ebenfalls ab,
Begeisterungsstürme von den Rängen sind der Haribow Crew sicher.
Folgerichtig endet damit der erste Programmteil. Zu Beginn des
zweiten sehen wir noch einmal Inspire. Dies natürlich in neuen
Outfis und mit neuen Choreographien.
 
Marc Jonin & Sebastian Ortiz Hernandez, David
Marquez, Kevin & Julie
Marc Jonin und Sebastian Ortiz Hernandez waren 2024 beim
Schweizer National-Circus Knie engagiert. Nun faszinieren sie
hier mit ihren Football-Freestyle-Künsten. Mal spielen sie sich
gegenseitig den Ball zu, mal arbeiten sie synchron, dann wieder
hat einer der beiden ein Solo. Dabei nutzen sie nicht nur ihre
Füße, sondern ebenfalls die Köpfe. Sogar eine ganz spezielle
Version der Antipodenspiele hat das Duo im Repertoire. Beim
Bogenschießen mit Luftballons hat David Marquez seinen größten
Auftritt. Ein länglicher Ballon dient als Schusswaffe, ein
runder bildet das Ziel. Als Assistentin bei diesem witzigen
Kunststück ist eine Dame aus dem Publikum mit von der Partie.
Eine Liebesgeschichte in rot bringen Kevin Gruss und Julie
Friedrich zur Aufführung. Das Bett, ihre Kostüme und die beiden
Tücher sind in dieser Farbe gehalten. An letzteren nehmen sie
uns mit zu traumhaften Flügen unter der Kuppel. Dabei übernimmt
auch Julie den tragenden Part. Sie ist es zudem, die sich am
Ende an einem Tuch abrollt, um sicher in den Armen von Kevin zu
landen. Während sie sich um die eigene Achse rotierend nach
unten bewegt, fliegen effektvoll rote Blütenblätter um sie
herum.
 
Nicolas del Pozo, White Gothic
Für die ganz großen Effekte sorgen Nicolas del Pozo und seine
vier Magic Girls. Gleich zu Beginn lässt der Illusionist aus dem Nichts ein Motorrad erscheinen. Dann geht es Schlag
auf Schlag weiter. Die Frauen entsteigen vermeintlich leeren
Glasboxen, einen von ihnen wird auf Minimallänge gestaucht. Eine
von brennenden Stäben in einer Kiste durchbohrte Assistentin
taucht kurze Zeit später unversehrt wieder auf. Ebenso ihre
Kolleginnen, die sich auf unerklärliche Weise ebenfalls in dem
Behältnis befunden haben müssen. Auf die vier hübschen Magic
Girls folgen vier Männer mit traumhaft trainierten Körpern. White Gothic begeistern in
ihrer Schlussnummer
insbesondere den weiblichen Teil des Publikums. Aber auch die
männlichen Zuschauer geraten ob der starken Partnerakrobatik ins
Staunen. Hier entstehen lebende Kunstwerke, deren Zentrum
Handstände bilden. Etwa auf dem Kopf eines Partners oder dessen
Händen. Am Ende stemmt ein Artist das Gewicht der anderen drei,
welche sich in unterschiedlichen Posen kopfüber im Gleichgewicht
halten. Beim ausgelassen zelebrierten Finale wird noch einmal
deutlich, welch großes Ensemble uns hier aufs Beste unterhalten
hat. Zwischen Logen und Gradin ziehen die Artisten ins Vorzelt,
um sich dort in zwei Reihen persönlich beim Publikum für den
Besuch zu bedanken. |