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Weihnachtscircus Düsseldorf 2025/26
www.weihnachtscircus-duesseldorf.de ; 130 Showfotos

Düsseldorf, 29. Dezember 2025: Wer sagt, dass ein Weihnachtscircus-Programm mindestens drei Stunden lang sein muss? Gerade die Produktionen über den Jahreswechsel neigen zu Überlänge. Beim Düsseldorfer Weihnachtscircus 2025/26 läuft das Finale bereits rund zwei Stunden, nachdem die Vorstellung begonnen hat. Und man vermisst rein gar nichts, verlässt das Zelt vielmehr mit dem Gefühl, eine grandiose Show erlebt zu haben. Das Line up überzeugt, die Inszenierung ist ebenfalls professionell. Dazu kommt der große Rahmen eines riesigen Chapiteaus. Verantwortlich für die Produktion ist die Winterzauber Event UG von Stefan Ballack, die zudem Weihnachtscircusse in Remscheid, Wuppertal und Mönchengladbach veranstaltet.

Thomas Merz ist jetzt nicht mehr dabei. Er ist aus rein privaten Gründen ausgeschieden, wie beide betonen. Sie sind nach wie vor freundschaftlich verbunden.


Chapiteau des Weihnachtscircus Düsseldorf

Der Vorteil von vier Standorten wird geschickt genutzt, einige der Artisten wechseln von Show zu Show. Ein Gewinn für alle Beteiligten. Auch die Zuschauer etwa in Düsseldorf stört es wenig, wenn die gerade gesehene Darbietung ein Jahr zuvor in Remscheid engagiert war. Vielmehr bietet sich so die Möglichkeit, starke Acts für mehrere Spielzeiten nach NRW zu holen.


Szene aus dem Finale

Doch nicht nur auf die Darbietungen selbst legt Stefan Ballack wert, auch die Aufmachung der Vorstellungen gewinnt an Bedeutung. Das geht los beim blau-gelben Spielzelt mit in Summe acht Masten. So befinden sich Restauration, Auditorium und Backstagebereich unter einem Dach. Das Gradin im Inneren ist von den ersten Logenreihen an ansteigend. In den ersten drei Reihen gibt es Klappsitze der neuen Generation, dahinter Schalensitze. „Weihnachtscircus Düsseldorf“ prangt in großen Lettern am Artisteneingang. Für die Regie wurde einmal mehr Patrick Rosseel gewonnen. Musikalisch begleitet wird die Show von einem siebenköpfigen Orchester aus dem Hause von Pierre Pichaud. Das Spiel ist fantastisch, die Soundtechnik wurde gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert, lässt aber noch etwas Luft nach oben.


Mitglied des Orchesters, Olena, Duo Monastyrsky

Der Violinistin und ihren sechs Kollegen gehört auch der Auftakt. Sie eröffnen das Opening in der Manege auf ihren Instrumenten spielend. Sodann kommt das weitere Ensemble fröhlich klatschend herein. Die Stimmung ist von Anfang an bestens. Die Mitwirkenden zeigen Ausschnitte ihrer Kunst, in der Luft erleben wir Olena am Kronleuchter. Es ist ein Charivari im besten Sinne, wie es heute leider viel zu selten zu sehen ist. Einzig die beiden Playback-Sänger irritieren etwas, erkennt man sie doch recht spät, freut sich dann über den Livegesang und merkt eben doch, dass hier nur die Lippen bewegt werden. Mit dem Duo Monastyrsky kommen wir in den Genuss einer der stärksten Quick-Change-Darbietungen. Die Kostümwechsel gelingen hier wirklich auf magische Weise. Sowohl bei ihr als auch bei ihm. Schlusspunkt ihrer Nummer mit vielen Tanzelementen ist das Umziehen in Sekundenschnelle unter einem Glitterregen. Bei einer kleinen Zauberei mit zwei Zuschauern darf sich Clown David Marquez vorstellen.


Steven Ferreri, Inspire, Sage Macaggi

Derweil wird das Drahtseil aufgebaut, auf dem Steven Ferreri kurz darauf voller Energie sein Können zeigt. Er tanzt auf dem gespannten Draht, macht einen Satz über eine mit Messern besetzte Fahne und springt Seil. Krönung seiner Darbietung sind der Rückwärts- und Vorwärtssalto, die er beide souverän steht. Beim Jonglieren mit drei Keulen verletzt sich David Marquez immer wieder an einen anderen Körperteil. Eine Zuschauerin in der ersten Reihe „darf“ für Linderung durch einen Kuss auf die jeweilige Stelle sorgen. Tanz und Akrobatik verbindet die neunköpfige Formation Inspire. In eleganten Kostümen heizen deren Mitglieder die Stimmung weiter an. In ihre mitreißende Choreographie integrieren sie Handstandakrobatik und Breakdance. Als Solist steht Sage Macaggi im Scheinwerferlicht. Bei seinen Jonglagen beschränkt er sich auf rote Hüte als Requisiten. Diese lässt er höchst sympathisch in einer durchdachten Trickfolge durch die Luft fliegen. Bis zu sechs Hüte jongliert er gleichzeitig. Sogar mit den Füßen beginnt er seine variantenreichen Touren.


Kevin Gruss, Haribow Crew

Für einen kleinen Schneesturm sorgt Nicolas del Pozo bei seinem ersten Auftritt. Zusammen mit einer Partnerin lässt der Illusionist auf dem Gradin stehend kleine Papierschnipsel wirbeln. Erst sind es wenige, dann werden es auf unerklärliche Weise immer mehr. Der Clou an der Strapatennummer von Kevin Gruss ist, dass die beiden schwarzen Bänder federnd aufgehängt sind. So kann er tatsächlich für Bruchteile von Sekunden frei fliegen. Seine Umschwünge und weiteren Tricks bekommen damit noch mehr Dynamik. Einen Hype in hiesigen Circusmanegen erfährt derzeit die Disziplin Double Dutch, sprich extrem schnelles Seilspringen mit zumeist zwei Seilen. In Düsseldorf erleben wir ein Quintett aus dem Hause Haribow. Die Crew ist verdammt cool unterwegs und begeistert mit wirklich abgefahrenen Sprungkombinationen. Die Artisten erwischen immer genau den richtigen Augenblick, um zwischen die rotierenden Seile zu springen. Das Publikum holen sie ebenfalls ab, Begeisterungsstürme von den Rängen sind der Haribow Crew sicher. Folgerichtig endet damit der erste Programmteil. Zu Beginn des zweiten sehen wir noch einmal Inspire. Dies natürlich in neuen Outfis und mit neuen Choreographien.


Marc Jonin & Sebastian Ortiz Hernandez, David Marquez, Kevin & Julie

Marc Jonin und Sebastian Ortiz Hernandez waren 2024 beim Schweizer National-Circus Knie engagiert. Nun faszinieren sie hier mit ihren Football-Freestyle-Künsten. Mal spielen sie sich gegenseitig den Ball zu, mal arbeiten sie synchron, dann wieder hat einer der beiden ein Solo. Dabei nutzen sie nicht nur ihre Füße, sondern ebenfalls die Köpfe. Sogar eine ganz spezielle Version der Antipodenspiele hat das Duo im Repertoire. Beim Bogenschießen mit Luftballons hat David Marquez seinen größten Auftritt. Ein länglicher Ballon dient als Schusswaffe, ein runder bildet das Ziel. Als Assistentin bei diesem witzigen Kunststück ist eine Dame aus dem Publikum mit von der Partie. Eine Liebesgeschichte in rot bringen Kevin Gruss und Julie Friedrich zur Aufführung. Das Bett, ihre Kostüme und die beiden Tücher sind in dieser Farbe gehalten. An letzteren nehmen sie uns mit zu traumhaften Flügen unter der Kuppel. Dabei übernimmt auch Julie den tragenden Part. Sie ist es zudem, die sich am Ende an einem Tuch abrollt, um sicher in den Armen von Kevin zu landen. Während sie sich um die eigene Achse rotierend nach unten bewegt, fliegen effektvoll rote Blütenblätter um sie herum.


Nicolas del Pozo, White Gothic

Für die ganz großen Effekte sorgen Nicolas del Pozo und seine vier Magic Girls. Gleich zu Beginn lässt der Illusionist aus dem Nichts ein Motorrad erscheinen. Dann geht es Schlag auf Schlag weiter. Die Frauen entsteigen vermeintlich leeren Glasboxen, einen von ihnen wird auf Minimallänge gestaucht. Eine von brennenden Stäben in einer Kiste durchbohrte Assistentin taucht kurze Zeit später unversehrt wieder auf. Ebenso ihre Kolleginnen, die sich auf unerklärliche Weise ebenfalls in dem Behältnis befunden haben müssen. Auf die vier hübschen Magic Girls folgen vier Männer mit traumhaft trainierten Körpern. White Gothic begeistern in ihrer Schlussnummer insbesondere den weiblichen Teil des Publikums. Aber auch die männlichen Zuschauer geraten ob der starken Partnerakrobatik ins Staunen. Hier entstehen lebende Kunstwerke, deren Zentrum Handstände bilden. Etwa auf dem Kopf eines Partners oder dessen Händen. Am Ende stemmt ein Artist das Gewicht der anderen drei, welche sich in unterschiedlichen Posen kopfüber im Gleichgewicht halten. Beim ausgelassen zelebrierten Finale wird noch einmal deutlich, welch großes Ensemble uns hier aufs Beste unterhalten hat. Zwischen Logen und Gradin ziehen die Artisten ins Vorzelt, um sich dort in zwei Reihen persönlich beim Publikum für den Besuch zu bedanken.

Eine schöne Geste nach einem starken Circusprogramm mit sympathischen Akteuren. Der Ablauf ist flott und harmonisch. Neben dem bereits erwähnten Orchester trägt auch das Lichtdesign zur wunderbaren Gesamtwirkung bei. Der Weihnachtscircus Düsseldorf verabschiedet seine Zuschauer rundum zufrieden nach einer Vorstellung, die vergleichsweise kurz und richtig, richtig gut ist.

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Text und Fotos: Stefan Gierisch