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Gelsenkirchener Weihnachtscircus 2025/26
www.gelsenkirchener-weihnachtscircus.de ; 206 Showfotos

Gelsenkirchen, 28. Dezember 2025: Einen kleinen Friedrichstadt-Palast zaubert die Familie Brigitte und Reinhard Probst mit Regisseurin und Choreographin Anett Simmen ins Chapiteau des 28. Gelsenkirchener Weihnachtscircus. „It’s Showtime“ lautet das Motto, welches diesmal die Entertainment-Arbeit selbst in den Fokus nimmt. „Shows zu inszenieren und zu spielen bedeutet Spaß, Freundschaft und Energie“, ruft Moderatorin und Sängerin Lily. Das wird schon beim Opening deutlich, bei dem wir die große Probst Dance Crew mit herrlichen Federschmuck-Kostümen in Rot und Gelb erleben.

Einige der Tänzerinnen tragen Kopfputze mit Probst-Schriftzug. Sämtliche Ballett-Kostüme wurden von Stephanie Probst und Artistin Noelia Pereira Fernandez gefertigt. Ganz Revue-like kommen bei diesem ersten Auftritt des zehnköpfigen Balletts ein zentrales Podium und rundherum vier Treppen zum Einsatz. Im Verlauf der Show werden diese flexiblen Bühnen-Elemente in immer neuen Variationen angeordnet und verwendet. Im Mittelpunkt des Openings stehen die erwähnte Lily als Protagonistin sowie Artist Ignacio Fernandez als eine Art Zeremonienmeister im Greatest-Showman-Style.


Roxana Rech, Truppe Puje, Gerd Koch

Sogleich machen wir erstmals Bekanntschaft mit Evan Massot, Sohn des bekannten Bauchredners Serge Massot. In jungen Jahren zeigt er sich als Komiker in der Manege bereits extrovertiert und ohne Scheu, zugleich aber sehr sympathisch. In seiner ersten Szene spielt er auf der Luftgitarre, die er in einer Kiste findet. Damit ist der Boden bereitet für die Hula-Hoop-Nummer im Rock’n-Roll-Rhythmus von Roxana Rech. Freundlich und geschickt lässt sie bis zu sieben Reifen um Arme, Beine und Körper kreisen, um dann zum Abschluss ein ganzes Bündel Hula Hoops in Bewegung zu versetzen. Die Truppe Puje aus der Mongolei hat beim Gelsenkirchener Weihnachtscircus vor zwölf Jahren ihr Deutschland-Debüt gefeiert und ist hier nun erneut zu Gast. Sechs Herren und drei Damen zeigen beim Seilspringen nicht nur ein wirbelnd buntes Bild, sondern auch richtig starke Tricks. So werden beim Seilspringen auch Handvoltigen geflogen, der Körper einer Artistin dient als menschliches Sprungseil. Auch im Drei-Personen-Hoch wird das rotierende Seil überquert. Nach wie vor hält die Familie Probst bei ihrer Programmauswahl am klassischen Dreiklang aus Artistik, Clownerie und eben Tierdressuren fest. In dieser Kategorie stellen Stephanie Probst und Gerd Koch zunächst eine Kombination von jeweils drei Pferden und Lamas vor. Da werden unter anderem Achten gelaufen und Hürden übersprungen.


Evan Massot, Probst Dance Crew, Ignacio Fernandez

Graue Hose, weißes Hemd und orangefarbene Details – Knöpfe, Hosenträger, Socken und das Nike-Logo an den weißen Sneakern – bilden das stilvolle Outfit von Evan Massot alias „The Orange Guy“. Der Komiker möchte sich als „Star der Show“ in den Mittelpunkt rücken. Der Zeremonienmeister fordert ihn zunächst auf, die Manege zu verlassen, dann jedoch animiert er ihn zum Jonglieren. Dieser Aufforderung kommt Evan Massot mit – natürlich orangefarbenen – Bechern nach. „Voulez vous chanter avec moi?“ – Wollen Sie mit mir singen? – interpretiert Lily die familientaugliche Variante des bekannten Songs im Zentrum einer Ballett-Szene mit Moulin-Rouge-Atmosphäre. Die sechs Stühle, die dabei zum Einsatz kommen, nutzt Ignacio Fernandez sogleich, um sie zur Pyramide zu türmen und darauf zu balancieren, assistiert von seiner Frau Noelia Pereira Fernandez in einem Kostüm mit traumhaftem Kopfschmuck.


Dennis Hackmann, Gerd Koch, Celina Probst

Dennis Hackmann, der die Familie Probst in vielen Belangen unterstützt, erhält hier die Gelegenheit, seine Kubusjonglagen vor großem Publikum zu zeigen. Mit dem Ballett im Hintergrund wird die Darbietung ansprechend aufgewertet. Nochmals Tiere präsentiert Gerd Koch gemeinsam mit Ehefrau Marietta. In einem lebhaften Ablauf erleben wir Hunde verschiedener Rassen unter anderem als Reifen- und Hürdenspringer – und Gerd Koch wie gewohnt als gut gelaunten Entertainer, der auch sich selbst offensiv in Szene setzt. Für den „ewig jungen Circus“ steht das Debüt von Celina Probst, Tochter von Stephanie Probst und Sergiu Mosanu, am Luftring. Posen am still hängenden und am über der Manege kreisenden Requisit, ein Wirbel zum Abschluss – die freundlich lächelnde Nachwuchsartistin nutzt die Möglichkeiten des Genres gut und wird von einem live schön gesungenen „Voilà, voilà, voilà“ begleitet.


Puje Girls, Flying Weiss junior, Duo Rapolli

Moderatorin Lily spricht bei der Ankündigung der nächsten Nummer über die Rolle der Körperbeherrschung im Circus. So wird das Motto „It‘s Showtime“ zwar immer wieder thematisch aufgegriffen, aber im Gegensatz zu dem regelrechten Märchen-Singspiel vor einem Jahr wird diesmal auf eine durchgehende Handlung verzichtet. Der Fokus liegt stärker auf den eigentlichen Darbietungen, beispielsweise bei der dreifachen Kontorsion der Puje-Girls. Mal auf- und mal nebeneinander stellen die bezaubernden jungen Damen die enorme Biegsamkeit ihrer Körper unter Beweis. Höhepunkt ist der Mundstand aller drei Akteurinnen. „Spannend – aufregend – Nervenkitzel pur“: Mit großen Worten kündigt Lily die Pausenummer an. Am Flugtrapez präsentieren die „Flying Weiss junior“ mit Fänger, zwei Fliegern und einer Fliegerin ein anspruchsvolles Repertoire bis hin zum „Dreifachen“ mit verbundenen Augen und der Passage unter Mitwirkung der Dame. Stark geht es auch zum Beginn der zweiten Hälfte weiter, denn diese wird vom Duo Rapolli mit seinen Jonglagen mit Fußbällen und Keulen eröffnet. Wenn Helena von den Schultern auf den Kopf ihres Partners steigt, während beide mit Keulen jonglieren, brandet stürmischer Applaus auf. Die sich dramatisch steigernde Musikbegleitung und ein effektvoll verkaufter Scheinsturz tragen enorm zur Wirkung bei.


Stephanie Probst, Duo Massot-Rech

Die Pferdedressur sei „tief verwurzelt in der Circuskunst“, die Manege der Rösser wegen rund – mit diesen Worten leitet uns Lily zum großen Auftritt von Stephanie Probst hin. Die Juniorchefin des Hauses dirigiert gewohnt charmant einen schwarz-weißen Sechserzug, leitet die Tiere zu Drehungen in Dreiergruppen oder zum Gegenlauf an. Auch Steiger dürfen nicht fehlen. Dabei assistiert Gerd Koch. Von Mary Poppins über James Bond bis zu den Blues Brothers – Roxana Rech und Michael Massot präsentieren uns in ihrer rasanten Quickchange-Nummer auf charmante Weise sowie mit entsprechenden Kostümen und Musiken bekannte Figuren der Kinowelt. Eine Besonderheit ist, wie erst sie und dann er jeweils in einem Tuchsack gleich drei Mal hintereinander das Kostüm wechseln. Und es bleibt cineastisch, wenn Michaels Bruder Evan Massot jugendlich-unbekümmert, mit eigener Note und hohen Anforderungen an die vier Mitspieler aus dem Publikum – drei Herren, eine Dame – seine Variante der Filmszene zur Aufführung bringt.


Claudia Rapolli, Evan und Michael Massot

Von Kopf bis Fuß mit kleinen Spiegeln besetzt sind die Kostüme, in denen die Probst Dance Crew auf den flexiblen Treppenelementen den Boden für den großen Auftritt von Claudia Rapolli bereitet. Die 15-Jährige gefällt auch in Gelsenkirchen nicht nur mit ihrem überaus sympathischen Auftreten und offensichtlicher Freude am Tun, sondern auch mit starken Tricks. Dazu gehören beispielsweise eine Art Rad, das vorwärts und rückwärts geschlagen wird, Spagat, Pirouetten und der Sprung durch einen brennenden, mit Messern gespickten Reifen. Neuer, großartiger Spitzentrick ist eine Art Rad, bei dem jedoch das Seil nicht mehr mit den Händen berührt wird. „Are you ready for Rock’n’Roll?“ ist bei seinem letzten Auftritt Evan Massots Frage ans gesamte Publikum. Mithilfe seiner Ukulele im Lidl-Look bringt er die Gäste zum Singen und Klatschen. Wieder wechselt er sich in der Manege mit seinem Bruder ab, nun in umgekehrter Reihenfolge. Denn jetzt ist es an Michael Massot, uns seine hochkarätigen Diabolospiele zu präsentieren. Drei der Doppelkegel bewegt er auch mit Touren hinter seinem Rücken; zum Abschluss lässt er vier der Requisiten fliegen und fängt sie wieder.


Duo Martinez, Truppe Puje

Ein weiteres Glanzlicht setzt das Duo Martinez mit seiner Zopfhangnummer. Zunächst schweben beide parallel an ihren Haaren und zeigen gemeinsam akrobatische Figuren. Dann trägt sie ihn im doppelten Zopfhang, unter anderem während er sich in einem Wirbel dreht. Besonders jedoch sticht der Schlusstrick hervor, bei dem der männliche Partner mit den Haaren ein an Strapatenbändern hängendes Motorrad hält, auf dem die Partnerin sitzt. In der Besetzung mit sieben Herren und einer Dame sorgt die Truppe Puje für die Schlussnummer, nunmehr mit Handvoltigen. Unter anderem eine Passage sowie Salti zum Drei-Personen-Hoch gibt es zu sehen, stets mit einem Lächeln im Gesicht der Artisten dargeboten.


Finale

Das ganz große Schaubild folgt dann zum Finale, wenn die Ballettdamen in weißen Kostümen erscheinen, wiederum mit Federschmuck oder mit Kopfputzen mit Probst-Schriftzug. Auch Sängerin Lily und der Zeremonienmeister haben nochmals ihren Auftritt auf dem Podium und den Treppen. Es sind überwältigend schöne Bilder, zumal sich das gesamte Ensemble zu dieser Schlusssequenz (fast) „ganz in Weiß“ versammelt. Natürlich trägt auch das aufwendige Lichtdesign von Andreas Probst seinen Teil zu diesem positiven Eindruck bei, ebenso wie die Musik des Orchesters.

Die Gesamtwirkung dieser schönen Produktion hätte durch Straffungen bis hin zum Weglassen einzelner Acts noch gesteigert werden können, ist die Spieldauer mit gut drei Stunden einschließlich Pause doch etwas zu lang. Letztendlich aber bleibt die Erinnerung an einen schönen Circusabend, dem die Balance zwischen der traditionellen Mixtur von Tieren, Clowns und Akrobaten sowie äußerst liebevoll und aufwendig in Szene gesetzten Show-Elementen hervorragend gelingt. Puristen werden es wohl auch begrüßen, dass in dieser Saison insgesamt etwas mehr Circus und weniger Handlung als zuletzt die Vorstellung prägt.

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll