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Heilbronner Weihnachtscircus 2025/26
www.weihnachtscircus.com ; 204 Showfotos

Heilbronn, 17. Dezember 2025: Schon jetzt hat Sascha Melnjak mehr als sein halbes Leben seinem Heilbronner Weihnachtscircus gewidmet, denn der 50-jährige Direktor blickt auf 25 Ausgaben der Traditionsveranstaltung zurück. Ohne Corona-Pandemie wäre er schon bei Nummer 27 angekommen. Längst gehört die Produktion zur absoluten Spitzengruppe der Weihnachtscircusse in Deutschland. Während überall Weihnachtscircusse wie Pilze aus dem Boden schießen, gehört diese Veranstaltung zu denen, die sich gefühlt als „Mutter aller Weihnachtscircusse“ verstehen dürfen.

Auch wenn das Konzept Weihnachtscircus schon früher erfunden worden ist: Sascha Melnjak ist einer von denen, die es perfektioniert haben. Zum Markenkern gehören bombastische Programme, die man niemals auf Reisen zeigen könnte. Hinzu kommen das wunderbar weihnachtliche Ambiente im üppig dekorierten Foyerzelt und das passende Angebot an Speisen und Getränken. Nunmehr zum dritten Mal werden eigene Zeltanlagen genutzt, die edelstes Ambiente bieten. Blickfang im Chapiteau ist der Artisteneingang mit elegant geschwungenen, in wechselnden Farben leuchtenden Showtreppen links und rechts.


Finale mit "Manrique to the World", Katie Capri und Rüdiger Skoczowsky

Von der 2. bis zur 19. Ausgabe veranstaltete Sascha Melnjak den Heilbronner Weihnachtscircus gemeinsam mit Uwe Gehrmann, inzwischen handelt es sich um eine Produktion der Charles Knie GmbH, in der Melnjak zudem seinen fantastischen Reisecircus, den Offenburger Weihnachtscircus und den Freizeitpark „Circus-Land“ am Firmensitz in Einbeck gebündelt hat. Damit ist er einer der Top-Player des europäischen Circus. Dazu gehört es auch, Veränderungen anzunehmen und die Zukunft entsprechend zu gestalten. Bis vor wenigen Jahren waren große Tierdressuren ein Kernbestandteil des Heilbronner Weihnachtscircus. Alexander Lacey mit seiner gemischten Raubtiernummer war dadurch in der ganzen Region Heilbronn-Franken ein Begriff, auch die Elefanten von Elvis Errani, die Reptilien von Karah Khavak und natürlich die hauseigenen Dressurschöpfungen von Marek Jama mit Pferden und Exoten waren hier zu bewundern. Inzwischen sind noch stärkere artistische Programme mit großen Ensembles, vor allem aber die noch revue-mäßigere Programmgestaltung mit Tanz und Gesang sowie verschwenderische Lichtkreationen stärker in den Fokus gerückt.


Opening mit Flaggenparade, gerahmten Plakaten sowie Christoph, Anatoli Akermann und Rebecca Siemoneit-Barum

„Celebration“ und „Le Freak“: Schon während des Einlasses schaffen Katie Capri und Rüdiger Skoczowsky mit ihren großartigen Stimmen Atmosphäre. Noch nie zuvor waren in Heilbronn Musicalsänger zur Untermalung des Programms engagiert. Das attraktive Paar ist eine echte Bereicherung. Begleitet werden sie vom fantastisch aufspielenden Paris Circus Orchestra unter der Leitung von Pierre Pichaud, das erstmals engagiert wurde und die musikalische Seite der Show auf ein neues Level hebt. Der Sound ist passend dazu erstklassig. Im Prolog zur Vorstellung weckt die gewohnt charmante Moderatorin Rebecca Siemoneit-Barum den schlafenden Clown Anatoli Akermann. Die Jubiläumstorte, von vier Damen in prachtvollen Kostümen gebracht, wird entgegen seiner Wünsche erst noch für die spätere Feier beiseite gestellt. Dann folgt das große Opening mit Flaggenparade des gewaltigen Ensembles. Zudem werden golden gerahmte Plakatmotive vergangener Jahre vorgestellt. Ein würdiger Auftakt fürs Jubiläumsprogramm!


Face Team, Anatoli Akermann, Duo L/S

Rasant geht es nun mit dem Face Team aus Ungarn richtig los. Sechs Jungs und ein Mädel zeigen ein Basketballspiel der besonderen Art. Mithilfe eines kleinen Trampolins werden die Bälle auf ganz besondere Weise in den Korb geworfen, nämlich nach Salti, Pirouettesprüngen und Sätzen über drei Partner hinweg. Oftmals wird der Ball erst im Sprung aufgenommen. Ein musikalisches Hit-Feuerwerk von „What is love“ bis „YMCA“ macht den Spaß perfekt. Anatoli Akermann kennen wir vom Circus Roncalli, einer der ersten Adressen für gute Clowns. Mit seiner roten Knollennase, den wild abstehenden orangen Haaren und den frei beweglichen „Kniescheiben“ verkörpert er einen traditionellen wie zugleich originellen Typ Spaßmacher. In seiner ersten Szene zeigt er uns nicht nur seine Fähigkeiten im Jonglieren von Zigarrenkisten, sondern auch wenig Berührungsängste im Dialog mit einem Gast aus dem Publikum. Christoph aus Österreich ist sein Sidekick. Weiter geht es mit zwei Nummern, die in den vergangenen Jahren beim Offenburger Weihnachtscircus zu erleben waren: Der Name des Duos L/S steht für seine Protagonisten Lorenzo Ringenbach und Sascha Cort, könnte aber genauso gut mit Locker/Sympathisch übersetzt werden. Die beiden jungen Männer halten gemeinsam sechs Diabolos in der Luft, spielen quasi Ping-Pong mit den Doppelkegeln und verabschieden sich mit im Dunkeln leuchtenden Requisiten.


Familie Giannuzzi, Artur und Esmira

Die Familie Giannuzzi – Nancy, Sandy, Darix, Ronald und Terence – unterhält uns mit ihrer rasanten Rollschuhnummer. Neben Tricks, die wir von den Duo-Nummern des Genres kennen, macht die Besetzung im Quintett auch andere Abläufe möglich. Besonders spektakulär ist der Schlusstrick, bei dem sich beide Damen im Genickhangwirbel drehen, dies an einem Metallgestell, welches Terence und Ronald auf ihren Schultern tragen. Für mein persönliches Highlight sorgen Artur und Esmira. Die Schöne mit den langen, blond gelockten Haaren und ihr attraktiver Partner mit dem muskulösen Traumkörper rotieren gemeinsam an den Strapaten, zeigen komplizierte Figuren in Höchstgeschwindigkeit und mit höchstem Risiko. Die Nummer wird mit dem live gesungenen „He lives in me“ aus dem „König der Löwen“ begleitet und durch das exquisite Licht weiter veredelt. An dieser Stelle haben die neuen Lichtleisten auf der Piste einen besonders wirkungsvollen Einsatz. Ihre scharf gebündelten Strahlen bilden einen dichten Lichtvorhang, sorgen für eine stimmungsreiche Atmosphäre. Das Tempo bleibt hoch beim Auftritt der Fly Diggerz, fünf junge Männer und eine Dame aus Japan, alle in silbernen Outfits. „Double Dutch“ heißt die von ihnen beherrschte Seilspring-Technik, bei der zumeist zwei Seile gegenläufig gedreht werden, während die übrigen Akteure hindurch springen, tanzen und Salti schlagen. Im fliegenden Wechsel lösen die Artisten sich beim Seildrehen und Springen ab. Der Act bietet einen Rausch der Geschwindigkeit und jugendliche Sorglosigkeit zu einem coolen musikalischen Medley, das wiederum live gesungen wird.


Alex Giona, Fahrer der Truppe Diorio

Auch wenn vieles nicht mehr möglich ist, haben Tiere bis jetzt ihren festen Platz in den Programmen des Heilbronner Weihnachtscircus. Diesmal ist Alex Giona mit seinen Freiheitspferden dabei. Barfuß und auf sanfte Weise arbeitet er mit den Rössern, teils in direktem Kontakt. In der facettenreichen Darbietung ist so ziemlich alles dabei, was man mit Pferden machen kann: Es gibt Schulschritte, einen Steiger, eine Kapriole, das Ablegen des Kopfes am Boden in zwei Varianten und Lauffiguren mit insgesamt sechs Schimmeln, teils vom Rücken eines Friesen, teils vom Boden aus dirigiert. Eingeleitet wird der Pferdeblock von einer Hohen Schule, geritten von Anastasia, musikalisch zusätzlich aufgewertet durch Svetlana Sazonenko an der Violine. Für Entspannung sorgt Anatoli Akermann mit seiner bekanntesten und wohl auch lustigsten Szene, bei der ein Zuschauer angesichts eines herunterfallenden Scheinwerfers zur „Nothilfe“ eingesetzt wird. Zu einem Jubiläumsprogramm ist auch eine Prise „Best of“ willkommen, und so ist als Pausennummer erstmals nach 16 Jahren wieder eine Motorradkugel in Heilbronn zu erleben – wiederum aus dem Hause Daniel Diorio, wiederum in der sich öffnenden Variante und, als Steigerung, diesmal mit fünf statt vier Fahrern. Bis heute verfehlt das spektakuläre Genre seine Wirkung nicht.


Truppe Wuhan, Manrique to the World, Anatoli Akermann und Christoph

Mit einem Silbernen Clown in Monte Carlo geehrt wurde die Truppe Wuhan für ihre Darbietung auf der wohl größten Russische Schaukel der Welt. Allein das kolossale, tonnenschwere Requisit ist beeindruckend. Inzwischen gibt es diese Nummer mehr als einmal, in Dresden ist eine weitere Version zu sehen. Dafür wurde das 19-köpfige Team in der Manege neu formiert und verjüngt. Im ersten Teil der Nummer sehen wir Sprünge und Salti von der Schaukel zur Matte oder zu Menschenpyramiden und somit im Drei-Personen-Hoch geendet. Im zweiten Teil wird über dem Gelenk der Schaukel eine Plattform installiert. Dies ermöglicht nun, von der Schaukel abzuspringen und oben auf der Plattform entweder an der Spitze eines Drei-Personen-Hochs oder in Handvoltigen-Position zu landen, im letzten Fall mit Sprung zurück zur Schaukel. Auf ein Ballett wird in dieser Ausgabe des Heilbronner Weihnachtscircus verzichtet, aber mitnichten auf hochklassigen Tanz. „Manrique to the World“ ist der Name einer Formation, besteht aus den Salsa-Stars Luis und Manuela sowie drei weiteren Paaren. Feuer und südamerikanisches Temperament, höchstes Tempo und tänzerische Perfektion stehen im Mittelpunkt ihrer Darbietung. Ein Kostümwechsel im Quickchange-Style, eine spektakuläre Sitzpirouette sowie Hebe- und Wurffiguren steigern die Publikumswirksamkeit und machen die Circustauglichkeit des Salsatanzes perfekt. Bravo für den Mut, hier neue Wege zu gehen! Eine Kostümillusion der besonderen Art bildet den Kern der komischen Zaubereien von Anatoli Akermann und Christoph: Sie ist garantiert durchschaubar, aber dafür herrlich witzig.


Devin de Bianchi, Duo Stauberti, China National Acrobatic Troupe

Allerbestens bekannt aus dem Saisonprogramm des Zirkus Charles Knie sind die exzellenten Handstandkünste von Devin de Bianchi, bei der er sich als antiker Römer präsentiert. Ganz neu dagegen die Begleitung durch Rüdiger Skoczowsky mit „You are the reason“. Gute Bekannte sind auch Dimitri und Nancy Stauberti, die mit ihrer Percheakrobatik für ganz klassische, bärenstarke Circuskunst stehen. Dabei balanciert Dimitri Staubert die Perchestange auf seiner Stirn. Dies, wenn er eine zweiteilige Leiter besteigt, wenn er sich auf den Boden setzt, dort eine Pirouette in liegender Position dreht und wieder aufsteht und wenn er schließlich auf dem Einrad balanciert. Seine Nichte Nancy zeigt am oberen Ende der Perchestange Hand- und Kopfstände oder lässt in antipodistischer Weise einen Stab auf ihren Füßen kreisen. Mit dem Fahrrad-Act der China National Acrobatic Troupe steht eine in Monte Carlo frisch mit dem Goldenen Clown prämierte Darbietung mit 18 Mitwirkenden als Schlussnummer zur Verfügung. Zwei herausragende Tricks wollen wir beschreiben: So fahren zwei junge Männer auf zwei Rädern parallel zueinander durch die Manege und tragen auf ihren Schultern sitzend jeweils einen zweiten Partner. Akrobat Nummer fünf befindet sich im Seitspagat zwischen den Herren auf der zweiten Ebene. Nun kommen ihnen vier weitere Männer auf einem rollenden Wagen entgegen. Drei der Herren katapultieren den vierten in die Höhe, er überspringt den im Seitspagat entgegenkommenden Artisten und wird von den drei Unterleuten wieder gefangen. Unglaublich auch der Schlusstrick: Da fahren unzählige Akrobaten auf Fahrrädern dicht hintereinander im Kreis. Ein weiterer kommt entgegen, springt dem voranfahrenden Artisten auf die Schultern, rennt über die Schultern der anderen hinweg und landet nach einem Salto wieder auf dem Boden – phänomenal!

Nun erlaubt Rebecca Siemoneit-Barum den beiden Clowns, von der Jubiläumstorte zu kosten. Diese erscheint fürs Finale in einer riesenhaft vergrößerten Variante. Ohnehin werden zum Finale nochmal alle Register gezogen. Die Salsa-Formation tanzt mit weiß-blauen Fächern, Rüdiger Skoczowsky und Katie Capri performen „Forever Young“, aus der Kuppel regnet es goldenen Flitter. Das gesamte, fast 80-köpfige Ensemble nimmt die begeisterten Standing Ovations des Premierenpublikums entgegen. „Für immer jung“ bleibt auch der Heilbronner Weihnachtscircus, der mit diesem grandiosen Programm am Puls der Zeit seine Position unter den Spitzenproduktionen in Europa einmal mehr – und wohl auch mehr denn je – beweist, festigt und weiter ausbaut. Zum Jubiläum die herzlichsten Glückwünsche an Sascha Melnjak und sein bewährtes Team!

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Text: Markus Moll; Fotos: Tobias Moll