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Auch wenn das
Konzept Weihnachtscircus schon früher erfunden worden ist:
Sascha Melnjak ist einer von denen, die es perfektioniert haben. Zum
Markenkern gehören bombastische Programme, die man niemals
auf Reisen zeigen könnte. Hinzu kommen das wunderbar
weihnachtliche Ambiente im üppig dekorierten Foyerzelt und das
passende Angebot an Speisen und Getränken. Nunmehr zum dritten
Mal werden eigene Zeltanlagen genutzt, die edelstes Ambiente
bieten. Blickfang im Chapiteau ist der Artisteneingang mit elegant
geschwungenen, in wechselnden Farben leuchtenden Showtreppen
links und rechts.

Finale mit
"Manrique to the World", Katie Capri und Rüdiger Skoczowsky
Von der 2. bis zur
19. Ausgabe veranstaltete Sascha Melnjak den Heilbronner
Weihnachtscircus gemeinsam mit Uwe Gehrmann, inzwischen handelt
es sich um eine Produktion der Charles Knie GmbH, in der Melnjak zudem seinen fantastischen Reisecircus, den Offenburger
Weihnachtscircus und den Freizeitpark „Circus-Land“ am
Firmensitz in Einbeck gebündelt hat. Damit ist er einer der
Top-Player des europäischen Circus. Dazu gehört es auch,
Veränderungen anzunehmen und die Zukunft entsprechend zu
gestalten. Bis vor wenigen Jahren waren große Tierdressuren ein
Kernbestandteil des Heilbronner Weihnachtscircus. Alexander
Lacey mit seiner gemischten Raubtiernummer war dadurch in der
ganzen Region Heilbronn-Franken ein Begriff, auch die Elefanten
von Elvis Errani, die Reptilien von Karah Khavak und natürlich
die hauseigenen Dressurschöpfungen von Marek Jama mit Pferden
und Exoten waren hier zu bewundern. Inzwischen sind noch
stärkere artistische Programme mit großen Ensembles, vor allem
aber die noch revue-mäßigere Programmgestaltung mit Tanz und
Gesang sowie verschwenderische Lichtkreationen stärker in den
Fokus gerückt.
  
Opening mit
Flaggenparade, gerahmten Plakaten sowie Christoph, Anatoli
Akermann und Rebecca Siemoneit-Barum
„Celebration“ und
„Le Freak“: Schon während des Einlasses schaffen Katie Capri und
Rüdiger Skoczowsky mit ihren großartigen Stimmen Atmosphäre.
Noch nie zuvor waren in Heilbronn Musicalsänger zur Untermalung
des Programms engagiert. Das attraktive Paar ist eine echte
Bereicherung. Begleitet werden sie vom fantastisch aufspielenden
Paris Circus Orchestra unter der Leitung von Pierre Pichaud, das
erstmals engagiert wurde und die musikalische Seite der Show auf
ein neues Level hebt. Der Sound ist passend dazu erstklassig. Im
Prolog zur Vorstellung weckt die gewohnt charmante Moderatorin
Rebecca Siemoneit-Barum den schlafenden Clown Anatoli Akermann.
Die Jubiläumstorte, von vier Damen in prachtvollen Kostümen
gebracht, wird entgegen seiner Wünsche erst noch für die spätere
Feier beiseite gestellt. Dann folgt das große Opening mit
Flaggenparade des gewaltigen Ensembles. Zudem werden golden
gerahmte Plakatmotive vergangener Jahre vorgestellt. Ein
würdiger Auftakt fürs Jubiläumsprogramm!
  
Face Team, Anatoli
Akermann, Duo L/S
Rasant geht es nun
mit dem Face Team aus Ungarn richtig los. Sechs Jungs und ein
Mädel zeigen ein Basketballspiel der besonderen Art. Mithilfe
eines kleinen Trampolins werden die Bälle auf ganz besondere
Weise in den Korb geworfen, nämlich nach Salti,
Pirouettesprüngen und Sätzen über drei Partner hinweg. Oftmals
wird der Ball erst im Sprung aufgenommen. Ein musikalisches
Hit-Feuerwerk von „What is love“ bis „YMCA“ macht den Spaß
perfekt. Anatoli Akermann kennen wir vom Circus Roncalli, einer
der ersten Adressen für gute Clowns. Mit seiner roten
Knollennase, den wild abstehenden orangen Haaren und den frei
beweglichen „Kniescheiben“ verkörpert er einen traditionellen
wie zugleich originellen Typ Spaßmacher. In seiner ersten Szene
zeigt er uns nicht nur seine Fähigkeiten im Jonglieren von
Zigarrenkisten, sondern auch wenig Berührungsängste im Dialog
mit einem Gast aus dem Publikum. Christoph aus Österreich ist
sein Sidekick. Weiter geht es mit zwei Nummern, die in den
vergangenen Jahren beim Offenburger Weihnachtscircus zu erleben
waren: Der Name des Duos L/S steht für seine Protagonisten
Lorenzo Ringenbach und Sascha Cort, könnte aber genauso gut mit
Locker/Sympathisch übersetzt werden. Die beiden jungen Männer
halten gemeinsam sechs Diabolos in der Luft, spielen quasi
Ping-Pong mit den Doppelkegeln und verabschieden sich mit im
Dunkeln leuchtenden Requisiten.
 
Familie
Giannuzzi, Artur und Esmira
Die Familie
Giannuzzi – Nancy, Sandy, Darix, Ronald und Terence – unterhält
uns mit ihrer rasanten Rollschuhnummer. Neben Tricks, die wir
von den Duo-Nummern des Genres kennen, macht die Besetzung im
Quintett auch andere Abläufe möglich. Besonders spektakulär ist
der Schlusstrick, bei dem sich beide Damen im Genickhangwirbel
drehen, dies an einem Metallgestell, welches Terence und Ronald
auf ihren Schultern tragen. Für mein persönliches Highlight
sorgen Artur und Esmira. Die Schöne mit den langen, blond
gelockten Haaren und ihr attraktiver Partner mit dem muskulösen
Traumkörper rotieren gemeinsam an den Strapaten, zeigen
komplizierte Figuren in Höchstgeschwindigkeit und mit höchstem
Risiko. Die Nummer wird mit dem live gesungenen „He lives in me“
aus dem „König der Löwen“ begleitet und durch das exquisite
Licht weiter veredelt. An dieser Stelle haben die neuen
Lichtleisten auf der Piste einen besonders wirkungsvollen Einsatz. Ihre scharf
gebündelten Strahlen bilden einen dichten Lichtvorhang, sorgen
für eine stimmungsreiche Atmosphäre. Das Tempo bleibt hoch beim
Auftritt der Fly Diggerz, fünf junge Männer und eine Dame aus
Japan, alle in silbernen Outfits. „Double Dutch“ heißt die von
ihnen beherrschte Seilspring-Technik, bei der zumeist zwei Seile
gegenläufig gedreht werden, während die übrigen Akteure hindurch
springen, tanzen und Salti schlagen. Im fliegenden Wechsel lösen
die Artisten sich beim Seildrehen und Springen ab. Der Act
bietet einen Rausch der Geschwindigkeit und jugendliche
Sorglosigkeit zu einem coolen musikalischen Medley, das wiederum
live gesungen wird.
 
Alex Giona,
Fahrer der Truppe Diorio
Auch wenn vieles
nicht mehr möglich ist, haben Tiere bis jetzt ihren festen Platz
in den Programmen des Heilbronner Weihnachtscircus. Diesmal ist
Alex Giona mit seinen Freiheitspferden dabei. Barfuß und auf
sanfte Weise arbeitet er mit den Rössern, teils in direktem
Kontakt. In der facettenreichen Darbietung ist so ziemlich alles
dabei, was man mit Pferden machen kann: Es gibt Schulschritte,
einen Steiger, eine Kapriole, das Ablegen des Kopfes am Boden in
zwei Varianten und Lauffiguren mit insgesamt sechs Schimmeln,
teils vom Rücken eines Friesen, teils vom Boden aus dirigiert.
Eingeleitet wird der Pferdeblock von einer Hohen Schule,
geritten von Anastasia, musikalisch zusätzlich aufgewertet durch
Svetlana Sazonenko an der Violine. Für Entspannung sorgt Anatoli
Akermann mit seiner bekanntesten und wohl auch lustigsten Szene,
bei der ein Zuschauer angesichts eines herunterfallenden
Scheinwerfers zur „Nothilfe“ eingesetzt wird. Zu einem
Jubiläumsprogramm ist auch eine Prise „Best of“ willkommen, und
so ist als Pausennummer erstmals nach 16 Jahren wieder eine
Motorradkugel in Heilbronn zu erleben – wiederum aus dem Hause
Daniel Diorio, wiederum in der sich öffnenden Variante und, als
Steigerung, diesmal mit fünf statt vier Fahrern. Bis heute
verfehlt das spektakuläre Genre seine Wirkung nicht.
  
Truppe Wuhan,
Manrique to the World, Anatoli Akermann und Christoph
Mit einem
Silbernen Clown in Monte Carlo geehrt wurde die Truppe Wuhan für
ihre Darbietung auf der wohl größten Russische Schaukel der
Welt. Allein das kolossale, tonnenschwere Requisit ist
beeindruckend. Inzwischen gibt es diese Nummer mehr als einmal,
in Dresden ist eine weitere Version zu sehen. Dafür wurde das
19-köpfige Team in der Manege neu formiert und verjüngt. Im
ersten Teil der Nummer sehen wir Sprünge und Salti von der
Schaukel zur Matte oder zu Menschenpyramiden und somit im
Drei-Personen-Hoch geendet. Im zweiten Teil wird über dem Gelenk
der Schaukel eine Plattform installiert. Dies ermöglicht nun,
von der Schaukel abzuspringen und oben auf der Plattform
entweder an der Spitze eines Drei-Personen-Hochs oder in
Handvoltigen-Position zu landen, im letzten Fall mit Sprung
zurück zur Schaukel. Auf ein Ballett wird in dieser Ausgabe des
Heilbronner Weihnachtscircus verzichtet, aber mitnichten auf
hochklassigen Tanz. „Manrique to the World“ ist der Name einer
Formation, besteht aus den Salsa-Stars Luis und Manuela sowie
drei weiteren Paaren. Feuer und südamerikanisches Temperament,
höchstes Tempo und tänzerische Perfektion stehen im Mittelpunkt
ihrer Darbietung. Ein Kostümwechsel im Quickchange-Style, eine
spektakuläre Sitzpirouette sowie Hebe- und Wurffiguren steigern
die Publikumswirksamkeit und machen die Circustauglichkeit des Salsatanzes perfekt. Bravo für den Mut, hier neue Wege zu gehen!
Eine Kostümillusion der besonderen Art bildet den Kern der
komischen Zaubereien von Anatoli Akermann und Christoph: Sie ist
garantiert durchschaubar, aber dafür herrlich witzig.
  
Devin de
Bianchi, Duo Stauberti, China National Acrobatic Troupe
Allerbestens
bekannt aus dem Saisonprogramm des Zirkus Charles Knie sind die
exzellenten Handstandkünste von Devin de Bianchi, bei der er
sich als antiker Römer präsentiert. Ganz neu dagegen die
Begleitung durch Rüdiger Skoczowsky mit „You are the reason“.
Gute Bekannte sind auch Dimitri und Nancy Stauberti, die mit
ihrer Percheakrobatik für ganz klassische, bärenstarke
Circuskunst stehen. Dabei balanciert Dimitri Staubert die
Perchestange auf seiner Stirn. Dies, wenn er eine zweiteilige
Leiter besteigt, wenn er sich auf den Boden setzt, dort eine
Pirouette in liegender Position dreht und wieder aufsteht und
wenn er schließlich auf dem Einrad balanciert. Seine Nichte
Nancy zeigt am oberen Ende der Perchestange Hand- und Kopfstände
oder lässt in antipodistischer Weise einen Stab auf ihren Füßen
kreisen. Mit dem Fahrrad-Act der China National Acrobatic Troupe
steht eine in Monte Carlo frisch mit dem Goldenen Clown
prämierte Darbietung mit 18 Mitwirkenden als Schlussnummer zur
Verfügung. Zwei herausragende Tricks wollen wir beschreiben: So
fahren zwei junge Männer auf zwei Rädern parallel zueinander
durch die Manege und tragen auf ihren Schultern sitzend jeweils
einen zweiten Partner. Akrobat Nummer fünf befindet sich im
Seitspagat zwischen den Herren auf der zweiten Ebene. Nun kommen
ihnen vier weitere Männer auf einem rollenden Wagen entgegen.
Drei der Herren katapultieren den vierten in die Höhe, er
überspringt den im Seitspagat entgegenkommenden Artisten und
wird von den drei Unterleuten wieder gefangen. Unglaublich auch
der Schlusstrick: Da fahren unzählige Akrobaten auf Fahrrädern
dicht hintereinander im Kreis. Ein weiterer kommt entgegen,
springt dem voranfahrenden Artisten auf die Schultern, rennt
über die Schultern der anderen hinweg und landet nach einem
Salto wieder auf dem Boden – phänomenal! |